Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

brummen, vb.

Fundstelle: Band 5, Spalte 888, Zeile 40 [Exo]
BRUMMEN vb.   ahd. mhd. brummen. mnd. brummen. lautmalende wortschöpfung, die sich auf eine idg. wz. *bhrem‐ ‘brummen, summen’ zurückführen läßt (vgl. auch 1breme f. ). in den übrigen westgerm. sprachen gleichbedeutende verben mit variation des wurzelvokals, vgl. mnd. brammen, mnl. brimmen, ae. bremman. 1 einen langen, tiefen laut ausstoßen, von tieren; im erstbeleg in der bedeutung ‘brünstig sein’: 12.jh. subando, proprie porcorum est subare .. prumin ahd. gl. 2,337,24 S./S. 1480/1 vnd do es schier zuͦ mittag nahet, do fieng der löw an, mit zorn zuͦ brumen von grosser vngedult Pforr beispiele 37 LV. u1500 hör, .. das kalb thuot brummen fastnachtsp., nachlese 24 LV. 1599 da man sich allenthalben foͤrchten muß, fuͤr den reissenden woͤlffen, beeren, .. die da .. brummen Ph. Nicolai freudenspiegel 348 faks. 1665 der löwe als erzürnet, brummete stark Bucholtz Herkuliskus 818b. ⟨1735⟩ er muß glauben, daß der bär ihm (sich selbst) das fell habe über die ohren ziehen lassen, ohne einmal zu brummen Liscow schr. (1739)623. 1779 der schooßhund der dame .. brummt’ und bellt’ so oft ich ihn ansah Musäus reisen (1778)3,151. 1830 jetzt brummt es (rind) den ganzen tag in den hof hinaus Börne 2,796 R. 1879 im stalle brummen die kühe Auerbach forstmeister 1,2. 1914 prompt erwiderte er (Reger), er habe dem hunde das schreiben vorgelesen, ob er sich danach richten würde, könne er ja nicht wissen; jedenfalls habe der ‘Waldi’ dazu gebrummt in: Reger brw. 549 M. v. A. 1970 als er zu den kühen kam, fand er sie unversehrt an dem platz, wo er sie gestern verlassen hatte. sie blinzelten ihn an und brummten Neutsch d. anderen 70. 2 ein (meist tiefes, gleichmäßiges) geräusch hervorbringen. a einen tiefen ton erzeugen, in einem tiefen ton erklingen: ⟨1349/50⟩ ain wahter, der mit aim herhorn prummet gegen dem tag Konrad v. Megenberg b. d. natur 289 P. 1522 vnd alle büchsen tragen zusemen,/ verschmeltzen vnd glocken daruß machen,/ die müssen hangen vnder den dachen/ in den kirchen vmb vnd vmben,/ das sie dapffer ynher brumen Murner 9,147 Sch. 1580 da nim den bas, hilff weidlich brommen,/ das wir ein mal zu tantzen kommen Krüger richter 127 B. 1636 zuletzt leuten sie zusammen, und brombet die grosse glocke mit zu Meyfart erinn. 184. 1653 es brummt und summt der glocken klang, bewegt von einem langen strang Harsdörffer trichter (1647)3,237. 1729 was hencker! will er wohl mit einer leyer machen,/ die unaufhörlich brummt, wenn es am besten klingt Henrici ged. (1727)2,299. 1778 er sagte, mein besuch sei ihm lieb, nur die saite möchte ich nicht berühren, die herr Less schon hätte brummen lassen Hermes Sophie (1778)6,432. 1819 so schreibe ich jezt noch, da die glocke schon 1 uhr brumt Raimund 4,3 B./C. ⟨1878⟩ sofort begannen die violinen ihr werk; jetzt fiel die flöte ein, während von zeit zu zeit ‘des basses grundgewalt’ dazwischen brummte Fontane ges.‐ausg. [1925] I 2,110. ⟨1910⟩ im innern des kirchleins zuckte ein licht, und vom orgelchor fing es leise zu summen, stärker zu brummen und schließlich stark und harmonisch zu tönen an G. Hauptmann ausgew. prosa 1,235 M. 1964 langsam schlug die kirchenuhr halb zehn uhr. eine weile brummten die schläge in der stockig‐schwarzen luft Graf Banscho 354. b summen; von insekten im flug: ⟨1349/50⟩ die peinen ruoent .. des morgens .. unz daz aineu under in zwir oder dreistund geprumt oder gehumt gegen dem liehten tag Konrad v. Megenberg b. d. natur 289 P. hs.v1494 umb mich die mucken teten prummen fast-nachtsp. 2,565 LV. 1576 als wan ain wespe kummt/ vnd auf vnd ab lang vmher prummt Fischart 1,192 DNL. ⟨v1635⟩ vmb dich die bienlein brummen/ vnd hönig samblen ein Spee trutznachtigall 77 HND. 1690 ob die mücken mit dem mund oder mit dem hintern brummen? Happel academ. rom. 862. ⟨1721⟩ die brems’ und hummel summt, der käfer brummt und schwärmt Brockes vergnügen 1(1724)28. 1846 gestern abend im bett, als die fliegen so brummten, dachte ich wieder mit freude (an unser einverständnis) Storm br. an seine braut 289 S. 1863 dabei brummen und kitzeln und stechen die fliegen hier im zimmer Bismarck br. an braut u. gattin 529 B. 1930 im winter sehnt man sich nach dem sommer, daß es früher heller werde, daß einmal ein insekt gegen das fenster brumme Feuchtwanger erfolg 1,418. 1993 ‘miet‐hummeln’ brummen seit märz durch die großen gewächshäuser und übernehmen die bestäubung der tomatenpflanzen nürnb. nachrichten (2.6.), IdS‐arch. 2004 und je mehr es summt und brummt auf sonnenblumenfeldern, umso mehr sonnenblumenkerne bringt die ernte nat. geographic Dtld. 3,163c. c dröhnen; von waffen und maschinen: z.j.1486 mit mengerlei büchsen groß und klein/ schußend sie mengen herten stein,/ daß es gar wit tat brummen hist. volkslieder 1,557 L. u1537 die buͤchsen hort man prumen/ im Vngerland so weyt bergreihen 114 HND. 1573 auch so es zu einer feldtschlacht kumpt/ mein buͤchsen allweg vorher brumpt Fronsperger kriegßb. (1566)3,95a. 1668 den 11. dieses (mai) giengen die Portugesen von Negombo nach Colombo unter segel, bey derer abschiffen, die groben geschütze .. ihr valete brummenten Behr reise 94 L’H.N. 1841 schon hör’ ich ferne die kanonen brummen Herwegh ged. eines lebendigen 21,135. 1940 oben auf der landstraße rasselte es, fauchte und brummte es, nun kam der wagen langsam heruntergefahren Strausz lebenstanz 302. ⟨1968⟩ irgendwo brummte ein rasenmäher Grün Pospischiel (1970) 108. 2003 vom fenster der dunkel getäfelten dienststelle Mäders, wo ein paar dutzend schwarze funkgeräte in ihren ladestationen brummen, hat man einen freien blick auf den päpstlichen palast zeit 43,16b. d grollen, sausen, rauschen: 1545 so hitz und feucht gegnander brumpt,/ so kocht die hitz die neß also,/ das vil unsaubers wachset do Wickram 7,32 LV. 1551 biß sie (Äolus’ winde) auß jrem kerker kummen,/ vnd mit gewalt herausser brummen Scheit Grobianus 86 HND. ⟨v1699⟩ was rauscht und brummet deine flutt/ du helle bach Abschatz blumen 22 HND. 1706 ein surren, sausen und brummen in der luft; welches alles füglich auß heutig allgemeiner grundlehr von der erdbidmen ursachen kan erkläret werden Scheuchzer natur‐gesch. 1,1,121. 1825 verdammte lange schmale heide!/ zu beiden seiten brummt das meer W. Müller ged. 277 H. 1857 das gewitter kommt immer näher, der donner brummt ganz artig, und die blitze sind gar nicht übel Raabe 1,161 H. ⟨1946⟩ heute außerdem stand der wind auf die lange fassade und machte meine tür brummen Renn adel (1950)208. 3 (tiefe, undeutliche, unschöne) sprachlaute hervorbringen: a murren, nörgeln, schimpfen: hs.v1494 ich waiß nit, wie ich hin wider prum/ und auch mit worten an in kum fastnachtsp. 1, 331 LV. 1575 so fangt mein wunderboͤses weib, daheimen an zuprumen, ja prummen Fischart geschichtklitterung 146 HND. 1690 da inzwischen der wirth immerfort brummete und es nicht vergessen kunte, daß ihm der edelmann seine tochter verderbet hatte Happel academ. rom. 619. 1737 so brauchten endlich Pfaltz Würtemberg und Baaden auch gewalt, .. der bischoff mogte darüber brummen, wie er wolte Köhler t. reichs‐hist. 508. 1789 darüber (über die zinssenkung) brummten natürlich ebenfalls diejenigen, welche capitalien daselbst stehen hatten chr. Berl. 4,1201. 1832 schimpfet, brummet, beffzet nicht, so werdet ihr mit eurem manne in frieden leben Aurbacher volksbüchl. 1,27. ⟨1870⟩ (Aloys wollte eine frau), mit der man sich zankt und verträgt, lacht und brummt, und gleich ist wieder gut wetter Heyse [1924] 4,227. 1933 aber sie kann es dem herrn nicht recht machen. singt sie vor sich hin, brummt er, singt sie nicht, brummt er wieder Schröer bauernenkel 370. 1957 zu Gerdas pflichten gehörte es auch, gemeinsam mit der küchenmagd zu melken. die schalt und brummte jetzt nicht mehr so viel dabei; Gerda hatte das melken endlich gelernt Voelkner liebe 48. 2005 der kellner .. gähnte gelangweilt, brummte bei jeder bestellung n. zürch. ztg. (11.1.)37a. b tief, zu leise oder unharmonisch singen; besonders von der baßstimme: 1533/4 ich geschweig, das [si] noch heutigen tag epistl evangeli hymnus sequens psalm und ander dergleichen gesank (so si täglich in der kirchen brummen) falsch singen und lesen Turmair 4,1,447 ak. 1598 vnnd wer allda am höchsten schreyen, vnnd am tieffsten prummen können, der ist für den bessten singer gehaltten worden Spangenberg musica 112 LV. 1645 di alten Deutschen .. hihlten di schilder im süngen fohr den mund, daß es also mehr gebrummet als gesungen hihs Zesen Rosemund 198 HND. ⟨1740⟩ so hab ich die besondre gnad, daß ich mir in dem chor etwas daher zu brummen getraue, welches der geschicktiste dolmetsch nicht verstehen kan Lindenborn Diogenes 1(1742)684. u1783 ich glaube, daß selbst die himmlischen chöre meistens weiblichen geschlechts sind und daß die männer nur allenfalls dazu brummen und im baß aushalten journal Tiefurt 300 H. ⟨v1809⟩ dann wirst du (Lina) statt der kriegslieder, wiegenlieder singen, und ich (obrist), wenn ich noch lebe, will ganz leise den baß dazu brummen Pfeffel pros. vers. (1810)8,166. 1858 auch die alte Hanne, die köchin, .. brummte leise mit, denn laut wagte sie’s nicht, weil .. sie das einzige geschöpf im hause sei, dem der schöpfer jede spur von harmonie versagt hatte Brachvogel Bach 1,148. ⟨1939⟩ irgend jemand, der auf eine dumpf‐melodische art tag und nacht vor sich hin brummte – es war ziemlich schaurig, diesem trostlos monotonen geräusch zu lauschen K. Mann vulkan (1969)142. 1968 die unteroffiziere brüllten den befehl zum singen, doch die russischen soldaten brummten nur widerwillig Fabian weg 218. c etwas kaum oder nicht verständlich sagen: 1560 ließ laut! was hilfft mich, das du brumbst? Sachs 6,151 LV. 1608 so man einen todten hinaus tregt, brummen die priester jhr gebet über dem todten Schweigger reyßbeschr. 201. 1700 endlich brummeten sie (die straßenräuber) etliche worte, dräueten mir und ritten fort Ettner apotecker 199. 1781 madam hat nicht einst nöthig zu soufliren, brumte er hinter drein Hippel lebensläufe (1778)3,1,118. ⟨v1827⟩ es war so tiefe stille in dem grossen zimmer, dass man nur die bedienten hin und wieder ‘ist’s gefällig’ brummen hörte Hauff 2,104 F. ⟨1878⟩ sie verlor einen augenblick ihre sichere haltung, brummte allerhand unverständliches zeug und tat, wie ihr geheißen Fontane ges.‐ausg. [1925] I 2,545. 1917 Hauberrisser .. brummte ärgerlich etwas vor sich hin Meyrink gesicht 149. 1968 vater brummte etwas, nahm einen neuen löffel, brummte wieder und sagte schließlich dunkel: ‘immerhin’ Loest abhang 74. 2005 ‘mmm’, brumme ich berl. ztg. (4.3.)25e. 4 phraseologischer gebrauch. jmdm. brummt der kopf jmd. hat kopfschmerzen, ist überfordert: ⟨1672⟩ gott gebe er lasse darnach die büchse fallen, oder lasse sich vor die ohren schlagen, daß ihm der kopff brummt Weise erznarren 125 HND. ⟨1833⟩ da wird ihnen der kopf brummen. sie sind das studieren noch nicht recht gewohnt Bauernfeld ausgew. w. 2,125 H. 1864 die armen jungen hatten gegründete ursache, sich über ihren lehrer zu verwundern, er trichterte mit einer krampfhaftigkeit, daß ihnen der kopf brummte Raabe 6,185 H. ⟨1900⟩ dies und das ungefähr hab’ ich darin sagen wollen (in dem gedicht), mir brummt aber noch der kopf von der ananasbowle Heyse [1924] III 1,64. 1984 jetzt brummt ihm der kopf vor schnaps und enttäuschung Krausz vergnügen 106. brummen müssen, für etwas brummen arrest oder strafe absitzen: 1851 jedenfalls ist es ihm recht, daß er provisorisch dafür brummen muß und 6 monate wegen falschen passes bekommen wird Engels in: Marx/E. (1956)27,360. ⟨v1913⟩ daß mein mann verhaftet wurde, wissen sie, herr Bebel. er wird einige tage brummen, das schadet ihm nichts Bebel leben [1946]3,165. 1969 drei mark geldstrafe, ersatzweise einen tag haft. die drei mark zahlte meine mutter, obwohl sie mir vorher hoch und heilig versichert hatte, daß sie mich gnadenlos brummen lassen würde Selbmann alternative 11. 2006 für den wechselfehler hätte eigentlich ‘Pino’ Torgovanov auf der strafbank brummen müssen mannh. morgen (24.4.), IdS‐arch. das geschäft brummt läuft gut: 1954 jetzt brummte der laden. Heinz Bär schoß diesen eckball haargenau vor das tor Turek Schwing 82. 2002 in den 200 deutschen filialen brummte bis zum sonnabend das geschäft berl. ztg. (8.1.)23c.

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Zitationshilfe
„brummen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/brummen>.

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