Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

brunnen, m

Fundstelle: Band 5, Spalte 894, Zeile 38 [Gante]
BRUNNEN m.   (1) ahd. brunno, mhd. brunne. as. brunno; an. isl. brunnr, norw. brnn, dän. brnd, schwed. brunn; got. brunna (in den übrigen germ. sprachen mit metathese, s. born m. ) lassen sich auf germ. *:runnōn ‘brunnen, quelle’ zurückführen, das mit gr. φρέαρ ‘brunnen’ auf einen idg. r‐/n‐stamm *bhrē̆u̯‐ṇ/ṇ‐ zu einer wz. *bhreu̯H‐ ‘sprudeln’ oder *bheru̯‐ ‘sieden, wallen’ zurückgeht (vgl. Rix lex. idg. verben 281,96). (2) schwach flektiert, doch seit dem mhd. vereinzelt starke flexion. gegenwartssprachlich starke flexion noch mdal. und lit. (dort besonders in den bedeutungen 1 b und 2) in der form brunn. (3) seit dem 16. jh. eindringen des ‐n der obliquen kasus in den nom. sg., bereits mhd. auch apokopiertes brunn. daneben im 15. und 16. jh. besonders md., im 19. jh. überwiegend lit. auch in den formen bronnen, bronn. (4) s. auch die lexikalisierte metathetische form born m. 1 wasserstelle; ort, an dem man wasser holt. zuordnung der belege zu a und b vielfach unsicher. a künstlich angelegte, befestigte wasserstelle; zisterne: ⟨E8.jh.⟩ (beschreibung einer grenzbegehung:) nidarun halba Uuirziburg, ostarun halba Moines, .. in mitten Moin unzen den brunnon würzb. markbeschr. 56 S. ⟨896⟩ do hiez er Gorion fahen, hiez en harto fillen. / man gehiez en muillen, ze puluer al uerprennen. / man uuarf en in den prunnen georgslied 39 S. ⟨u1160⟩ daz sint die der gaist des gewizzedes gelêret hât den brunnen ze grabenne unde ze rûmmenne st. trudperter hohes lied 110,14 M. ⟨u1250⟩ swer wil einen brunnen graben,/ der muoz haben howen und bickel Lamprecht v. Regensburg tochter 3422 W. 1347 wer prunnen oder grüeb graebet oder hat, der sol die bewarn, .. daz andern leuten icht schad davon geschech stadtrecht Münch. 53 A. u1450 nuͤ stund ain prunn vor mein, des het ich nicht gesehen, wann es vinster was Kottanner denkw. 31 WND. 1521 die brunnen si verworfen haben/ so Abrahams knecht hant graben sat. u. pasquille 21,24 Sch. 1559/66 da Reichart den bort des brunnens ersahe, sich bald mit den armen daran hieng und heraus sprang Montanus schwankb. 364 LV. ⟨1623⟩ sieben lämmer soltu von meiner handt nehmen, daß sie mir zum zeugniß seyen, daß ich diesen brunn gegraben habe Böhme mysterivm (1640)375. ⟨1672⟩ (er) verfertigte .. 12. irdine blumen‐scherben, und einen ewiglauffenden brunnen so schön und künstlich, als er immer konte Grimmelshausen Simplicissimus 3(1713)372. 1714 darauff wird berichtet, man hätte auch in den brunnen gifft gefunden Schudt merckwürdigkeiten 1,459. 1792 dieses fossil ist zu Schemniz bey grabung eines bronnens .. entdeckt worden oryktognosie 225. 1818 indeszen fand sich nachher dasz es hiesige töpferarbeit aus vorigem jahrhundert war, welche beim schöpfen in den brunnen gefallen war W. Grimm in: beziehungen z. Hessen 1,41 S. ⟨1883⟩ meine leute graben mir im park einen artesischen brunnen Fontane Petöfy 114 C. 1905 sie standen mitten auf dem marktplatze vor dem altertümlichen brunnen, der das standbild des heiligen Georg trägt Stilgebauer Krafft (1904)4,164. 1995 eine wesentliche rolle spielt .. der bau von brunnen und pumpen für die beregnung, die wiederum eine voraussetzung für den erfolgreichen gemüseanbau darstellt bauernztg. (6.1.)23a. das kind, etwas ist in den brunnen gefallen, liegt im brunnen u. dgl. etwas ist gescheitert, mißglückt, vergebens, zunichte: ⟨1560⟩ nun ich hoff, seiner freuden schallen/ werd im plötzlich in brunnen fallen Sachs 20,52 LV. 1610 da ward die frewd im brunnen gefallen Guarinonius grewel 937. 1653 nachdem nun der feinde erste hoffnung in brunnen gefallen war, ergaben sie beydes sich selbst und ihre stadt Lehsten Rufus, Alexander 801. 1702 es ist lengst, daß meine lust, wie man sagt, in brunen gefahlen undt vorbey ist Elisabeth Ch. v. Orleans br. 1,298 LV. 1795 wir hatten uns so sehr auf den donnerstag gefreut – und nun liegt diese große freude im brunnen in: Novalis 4,194 W. 1837 bekomme ich den tabak nicht, so muß ich ihm etwas von meinen seltenheiten schicken, was dann so gut wie in den brunnen geworfen ist Droste‐H. br. 1,209 Sch. K. 1852 der plan des statistischen bureaus war in den brunnen gefallen Hammer‐P. in: font. rer. austr. II 70,269. 1973 und es ist besser, sich zu einem so frühen zeitpunkt zu konsultieren als hinterher, wenn das kind schon in den brunnen gefallen ist Becker irreführung 266. 2000 als das kind im brunnen lag und Edmund Stoiber noch mit zornesröte im gesicht auf die abtrünnigen länder schimpfte, war Merkel die erste .., die den blick nach vorn richtete berl. ztg. (19.7.)4c. b fließendes, aus dem erdboden hervorsprudelndes wasser; quelle: 863/71 sar gab stal, thaz ist war, mer zi rinnanne thar/ brunno thes bluates Otfrid III 14,28 E./S. ⟨v1022⟩ dû diê brunnen ûzlâzzist in getubelen Notker 2,435,21 P. ⟨u1150⟩ din lof der is eweclich,/ gelich dem brunnen der iemer fluzet arnsteiner marienleich 51,6 M. ⟨n1210⟩ sie sâhen zwêne brunnen/ die ûz dem hove runnen,/ der ein was warm, der ander kalt herzog Ernst B 2655 B. ⟨u1380⟩ ich gieng fürbaz in den walt/ da vant ich manigen brunnen kalt/ uz hertem velsen dringen Altswert 75 LV. ⟨1.h15.jh.⟩ do er kam zuo des brunnen end,/ do sach er vil behend/ das der brunn da usgieng/ und sinen ursprung da enpfieng schweiz. kleinepiksamml. 21,25 ATB. ⟨1538⟩ du (gott) lassest prunnen quellen in den gründenn, das wasser zwischen den bergen hin fliessen, das alle thier auff dem feldt trinckenn Franck arch (1539)4a. v1566 am dreyzehennden tag hat vnns der Vicere morgenns vnnd abennts in des khünigs lustgarten, do dann schöne lustige prün enntspringen vnnd ain schön lusthaus ist, zw gast gehabt Herberstein in: font. rer. austr. I 1,182. ⟨1639⟩ es lauffen klahre zehren/ von beyden backen ab, als wenn es brunnen weren Opitz op. [1689]2,459. 1669 also hatte ich auch viel wunderbarliche brunnen gesehen, als am vrsprung der Weixel einen, dessen wasser zu stein wird, darauß man häuser bauet Grimmelshausen continuatio 63 Sch. 1729 ein mann ist nie zu alt, das wachsthum seiner kräffte/ ist wie ein frischer brunn, der alle tage qvillt Henrici ged. (1727)2,301. 1767 ueberhaupts ist es also eine ausgemachte sache, daß die meiste brünnen in den gebürgen angetroffen werden, welche bald am fuß, bald am gipfel des berges, oder nebens hervorbrechen Eberenz wasserbaukunst 1,93. 1828 da quillt ein brunnen tief aus dem schlunde Schwab ged. 1,244. 1879 ich meine, der alte brunnen kommt immer doch noch klar genug aus der tiefe Raabe 14,36 H. ⟨1949⟩ der nannte ihn den brunnen, aus dem das gesunde blut in den kranken körper des volkes fließe Seghers d. toten (1950)216. 2001 Muhammad (der prophet) verglich diesen monat radschab mit einem schneeweissen brunnen, der aus dem himmel selbst fliesse st. galler tagbl. (21.9.), IdS‐arch. thermal‐, mineral‐, heilquelle: ⟨1250/4⟩ heize brunnin sint ouh da,/ in den die siechin alle stunt/ werdent nach dem bade gesunt Rudolf v. Ems weltchr. 2991 DTM. v1566 die anndern seind zw etlichen haisswellenden prunnen .. zueganngen Herberstein in: font. rer. austr. I 1,182. 1604 in disem jar ist ein sehr heilsamer brunne, vnweit von Tryer erfunden worden, bey welchem vil krancke .. gesundt worden J. Mayr epitome 2320a. 1686 man vermuthet, daß unsers gdsten herrn Dl. künfftige woche von hie uffbrechen werden, umb sich wieder nach Hannover zu begeben, v. daselbst den brunnen zu gebrauchen in: Leibniz I 4,288 ak. 1730 der canonicus Lenney .. war kaum erst zwey tage zuvor von Aachen, wohin er, um den brunnen zu gebrauchen, verreiset gewesen, zurücke gekommen in: Buchner liebe [1914]222. 1783 im grunde müßte eine solche reise, auch ohne bad und brunnen, ihnen zuträglich seyn in: Kant 210,308 ak. 1842 ich möchte noch in diesem jahr einen brunnen gebrauchen, um meine gesundheit für den kommenden winter zu befestigen List 8,636 B. 1851 wenigstens war die augenblickliche wirkung vortrefflich, und wenn die nachwirkung nur halb so gut ist als man mir verspricht, so bin ich sehr zufrieden und denke jedes jahr an diesen brunnen zurückzukehren Gervinus brw. 2,114 I. 1939 (er erzählte) von seiner ersten bekanntschaft mit diesem zuträglichen brunnen .., und wie er sich alljährlich davon .. nach Weimar kommen lasse, .. wo er, den böhmischen bädern fern geblieben, zu hause systematische trinkcuren damit durchzuführen gesucht habe Th. Mann Lotte 403. 2007 die 25‐prozentig gesättigte sole kommt nach wie vor aus dem brunnen im rosengarten der altstadt braunschw. ztg. (6.11.), IdS‐arch. 2 ursprung, quell von etwas; oft mit genitivattr. vielfach als umschreibung für gott, Christus, den heiligen geist u. dgl.; von 1 b her: A9.jh. du ../ duruc sun alliu rihtis/ uuihes atumes prunno pist murbacher hymnen 6,2 S. ⟨v1022⟩ dâr sprang inne ein brunno himeliskes lîehtes Notker 1,832,25 P. ⟨u1120⟩ die der ilent zuͦ dem brunnen der heiligen lêre jüng. physiologus 3,13,9 W. ⟨u1220⟩ Jhesus uns meister, der wisheit brunne,/ .. he gaf wisheit sinen jüngern allen rhein. marienlob 3177 LV. ⟨1394/5⟩ also pflanczt der edel fürst gen Wienn der öbristen weishait ain prunne; zu dem selben prunne chöment gelauffen alle die, die da durstet nach der gabe des heiligen geistes öst. chr. 209 MGH. 1472 Socrates wart in einer wirtschafft gebeten, das er ettwas wolt reden auß dem prunnen seiner weyßheit Eyb dt. schr. 1,72 H. 1539 auch danck ich dir sollcher treüwen und bruͤderlichen warnung, woͤlche auß dem rechten brunnen warer freüntschafft fleüsset Wickram 1,23 LV. 1581 daß ich nur des leichtfertigen tantzens (so ein brunn vnnd anraitzung der vnkeuschheit) geschweig, allein das .. kein nuͤchterer mensch, er sey dann vnsinnig, weder allein, noch auch inn einer ersamen ladtschafft tantzet Fickler tractat 41a. ⟨1619⟩ er .. blitzet vnd donnert in seinen orationibus: dem Lucio Crasso, welcher .. ein brunnen aller höfflichkeit vnd vortrefflichkeit genennet worden Garzoni, schawplatz (1641)274b. 1690 was ist eine academie anders, als eine burg der weißheit, .. ein brunnen aller glückseeligkeit Happel academ. rom. 827. 1758 die liebe gottes (ist) .. so wie sie ein unerschöpflicher brunnen der reinsten freuden, zu gleicher zeit die mutter aller tugenden Wieland I 4,599 ak. 1843 wenn ich aber eins (‘echt‐dänisches’ gesicht) erblicke, so fühle ich mich wirklich in eine phantastische, nächtliche welt entrückt und der versiegelte brunnen der poesie sucht den bann zu sprengen Hebbel III 2,200 W. 1874 bei den studenten galt er als ein brunnen von gelehrsamkeit Mohl lebenserinn. 1,89 K. 1902 ich will dir schöpfen aus dem brunn des heils G. Hauptmann d. arme Heinrich 138. 1997 was für ein unerschöpflicher brunnen an mark‐ und beinerschütternden kraftausdrücken sind .. die deutschen dialektsprachen frankf. rundschau (25.2.), IdS‐arch. 3 wasser (einer heilquelle): 863/71 so win ist widar brunnen Otfrid II 10,12 E./S. ⟨u1200⟩ der künec Artûs nam in die hant/ daz becke dêr dâ hangen vant,/ und schuof ez vol des brunnen Hartmann Iwein 62531 B./L. M14.jh. der guͦten mete machen wil, der werme reinen brunnen, daz er die hant dor inne liden kuͤnne b. v. guͦter spise 19 TSM. ⟨n1460⟩ kumpt es aber denn menschen an mith hitz, .. szo nim essig vnd halb frischenn brun Pfolspeundt bündth‐ertznei 159 H./M. 1523/4 wenn ich mich gleich mit allem schnee wussche vnd reyniget meyne hende mit dem brünnen. so wirstu mich doch tüncken ym kott Luther bibel 1,405 W. ⟨1595⟩ da gab jm das weib besonder futter,/ ja auch geröstet brod mit butter,/ trug jm für einen frischen brunn Rollenhagen froschmevseler (1621) Ii 2b. 1605 dem dürst schmeck der brun wie most Petri weissheit M 8a. 1753 ich trincke den selzer brunnen Gleim brw. (1906)2,48 LV. 1776 das mädchen .. hält den .. rechten fuß .. an eine römische röhre rechter hand nach der wand hin, woraus brunnen läuft Heinse br. gemäldegalerie 146 W. 1839 tränke ich nicht brunnen und müßte deshalb spazieren rennen wie ein postpferd, so wollte ich fleißig sein Droste‐H. br. 1,372 Sch. K. 1858 dann eilte ich auf der stelle zu Dingelstedt, den ich brunnen trinkend .. in seinem .. garten traf Hebbel III 6,159 W. 1938 wir trinken überall brunnen Flake personen 28. 4 harn, urin; in der verbindung einen brunnen machen urinieren: ⟨u1280⟩ ein urinâl hiez er im iesâ/ bringen an der selben stunt/ .. wie ich iu dar nâch erzen sol,/ daz sich ich an dem brunnen wol Jansen Enikel weltchr. 14902 MGH. ⟨1349/50⟩ des êrsten scholt dû wizzen diu zaichen, dâ von man waiz, ob ain fraw swanger sei worden. .. daz sibend ist, daz diu frawe irn prunnen ze stunden niht wol gehaben mag; doch ist daz niht allen frawen Konrad v. Megenberg b. d. natur 38 P. 1467 so schick ich zu üwern genaden min lieben getrúwen rat, .. dem mag uwer genad den brunnen geben, das er inn mir bringe, so will ich furter mine bücher daruff sehen, was in sollicher sachen gehort. doch hoff ich zu got, .. üwer genad sy ganz gesund worden privatbr. d. ma. 1,79 S. 1531 ein alter roter weyn (sei) yn am nutzesten .., dar mit der brunn getriben vnd der leib gewermet werd Krautwadel gesundtheyt 17a. ⟨1568⟩ so ein kind kein brunnen haben kan, nim 12 bitter mandel, .. zwings mit wasser durch ein tuch, wie ein mandelmilch, vnd gib es jm zu trincken Wirsung artzneyb. (1584)503b. 1604 vnd ob woln sein (des zwitters) natur vnd eygenschafft mehr weiblich, .. so ist er jedoch für mannlich darumb getaufft worden, daß sein vrin vnd brunne, durch das mannlich glid den außgang gehabt J. Mayr epitome 2282b. 1677 die doctores dörfften seinen brunnen zu sehen begehren Francisci trauer‐saal 3,132. 1980 Brockhaus/W. wb. 1,799b.

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Zitationshilfe
„brunnen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/brunnen>.

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