Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

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butze, f

Fundstelle: Band 5, Spalte 1072, Zeile 60 [Exo]
BUTZE f.   lehnwort aus nd. butz, butze f. überwiegend im norddt. sprachraum. kleines haus, hütte; kleines zimmer, bretterverschlag; wandbett, schlafstelle. überwiegend umgangssprachlich und pejorativ: 1776 Krünitz encycl. 7,488. 1833 ‘.. ob sie blutete, habe ich nicht gesehen. nun trat ich in die butze’, (dies ist ein verschlag unter der treppe als schlafstelle) ‘warf das deckbett heraus und legte 3 glühende kohlen, die ich vom heerde nahm, das bettstroh und bedeckte sie mit stroh ..’ annalen criminal-rechts-pflege 16,13 H. 1875 auch eine petroleumlaterne kam zum vorschein – kurz es muß des abds recht gemüthlich in dieser butze gewesen sein Raabe br. 143 F. ⟨1909⟩ als der dezember kam, hustete der vater immer hohler und eines morgens blieb er in der butze Löns s. w. 8,193 C. 1962 man geht nicht von dem aus, was man braucht, sondern von dem, was man zeigen will und rennt lieber in die abstellkammer .., in die butze oder den keller, als daß man sich den gesamteindruck der wohnung durch reine zweckmöbel verdürbe zeit (19.10.), onlinearch. 2005 der dichter dichtet in der kalten butze, der komponist sitzt einsam am klavier im keller und der künstler malt klamm in der zugigen industrieetage berl. ztg. (19./20.3.)26f.

butzen, m

Fundstelle: Band 5, Spalte 1073, Zeile 26 [Exo]
BUTZEN m.   mhd. butze. herkunft und möglicher zusammenhang mit butz m. sowie mnl. botte f., nnl. bot m., f. ‘knospe’ und butt adj. unsicher (vgl. Kluge/S. et. wb. 25166b, Duden et. 5198f. ). auch in den formen butz m., f. und butze f. zu bedeutung 1 s. auch batzen m. 1 rundlicher gegenstand oder masse. a formloser klumpen, beule; verdickung (z. b. in glasscheiben). auch für verklumptes nasensekret; im erstbeleg für die tote körperhülle: ⟨u1250⟩ swaz er edels an im hât,/ daz komt den wurmen ze nutze./ ez enwart nie dehein putze/ sô angestlîch alsam der lîp Lamprecht v. Regensburg tochter 2338 W. hs.v1494 mein augen sint gespückt mit grüeben,/ dar zuo mein nas mit schwarzen putzen fastnachtsp. 1, 74 LV. ⟨v1510⟩ er (der könig) hat auch butzen in der nasen wie wir Geiler euangelia (1517)159c. A17.jh. so ein roß einen hanhüffigen fuß hat, den soll man heißen khüemiest vmb die ferßen vndt fueß schlagen, vndt wann ihm der gründt gewaichet, vndt buzen (matrix) her für zeigt, soll man khüe miest sieden in waßer Groenrodt pferdearzneib. 105 H. ⟨1682⟩ wann der putzen vom brand heraus ist, so nimm ungelöschten kalch rein gesiebet, und wirff ihn in die wunden Hohberg georgica (1687)2,271a. 1712 neben solchen .. fenstern werden noch zwey andere fenster verfertiget, eines von lauter runden scheiben mit drey angeln, woran in der mitte die butzen wie an den scheiben zu sehen Marperger natur-lex. 1447. 1774 Adelung wb. 1,1160. 1832 narrt ihr mich länger, so papp ich euch mit dieser faust einen butzen auf euer hundsgesicht Regis Gargantua 1,421. 1879 solch’ ein ausgebrannter butzen wie der mond wird einmal unsere erde sein Auerbach forstmeister 1,134. ⟨1937⟩ der alte triebel sah jetzt doch alt und nach vater aus, mit einem butz weißer haare Seghers rettung (1947)130. b verkohltes, glimmendes ende des kerzendochts. auch ‘sternschnuppe’: 1489 funale quod intra ceram fit fimis butz Brack voc. rer. f 2b. ⟨1538⟩ da felt dz fewr inn den zundel vnd wirt d’glomend butz zů liecht angeplasen Franck arch (1539) 166a. 1587 sihet man offt ein grossen fewrstrom bey nacht herab fallen, das seind nicht, wie wir vermeynen, fallende stern. dann ob wol ein butzen viel grösser ist als der ander, vervrsacht solches, daß auch die stern ein ander vngleich seyn volksb. Faust 274 HND. 1618 ein einiger vnaußgelöschter butzen hat die brunst verursacht Albertinus hirnschleiffer 156. 1699 so weiß ich ihnen auch sitten halber nichts vorzuhalten, glaub aber wohl, sie werden nicht besser seyn, als die stern am himmel, so zuweilen auch butzen von sich werffen Abraham a s. Clara etwas 1,375. 1719 wann das glimmende tocht einen runden putzen machet, und im brennen prasselt (soll es regnen) Fleming jäger 1,269a. 1853 auf dem tisch die ampel brannte einen großen großen butzen Mörike 23,116 M. 1926 über dem ofensims bog sich das kerzenlicht zufolg der wärme krumm. eine butze schwelte dem wachs entlang Grogger Grimmingtor 364. c staubblatt der blüte; andere pflanzenteile ähnlicher form. insbesondere ‘blütenrest beim apfel’: 1491 die oͤpfel also zů samen gelegt werden das die butzen under sich sechend, wie sy ǒch an dem bǒm gewachsen sind Oesterreicher Columella 2,325 LV. 1539 so bald sie herauß schlieffen, erscheinen dise gefulte blůmen mit den gelen butzen als schoͤne gemalte sonnen Bock kreütterb. 2,34b. 1596 nim .. der gelben butzen auß den weissen gilgen j. hand vol Gäbelkover artzneyb. 1,293. 1616 wan man selbige vnd fast der grössesten feugen zu rechter sumers zeitt den butzen ein wenig mit einem baumöl dupf, so werdens auch ettwas zeittigers vnd ettwas lustigers zu essen Krafft reisen 91 LV. ⟨1682⟩ Bertram .. trägt eine weisse, inwendig mit einem gelben botzen gestirnte blühe Hohberg georgica (1687)1,660a. 1714 auf dem obersten rechten helm zur lincken seite des schildes (befindet sich) eine rothe rose mit blauem butzen Trier wapen-kunst 415. 1756 die knöpffe zu der pomerantzen=blüth werden von pappier formiret, und hernach in die materie getuncket, die butzen aber von dünn geschnittenem pappier, so zuvor in saffran getuncket worden Pembrockin wunder-buch 118. ⟨1843⟩ mit hochgeröteter wange, mit schwarzem butzen schalkhaft lächelnd und edlem rund sanft geschmeidig nach beiden polen sich dehnen, .. warum soll nicht der apfel nachahmen in seinem rund, was jedem geschöpf die aufgabe ist des werdens? B. v. Arnim 6,25 Oe. 2012 das zweidorfer wappen zeigt auf silbernem grund einen grünen balken und darüber eine vierblättrige rote rose mit grünem butzen und ebensolchen kelchblättern braunschw. ztg. (27.1.), IdS-arch. 2 innerer, sich klar abgrenzender teil von etwas: a das (als rest übriggebliebene) innere vom obst, meist kerngehäuse des apfels. selten auch vom gemüse ‘strunk’: ⟨u1525⟩ nun hat der kern (der nuß) in im ein buzen, der ist wie die nuß, und als weit von einander ist an der speis der kern und der buze, also weit ist auch ir tugent Paracelsus I 2,129 S. ⟨1579⟩ nemmet .. den besten apffel, thut die kern oder den butzen herauß Sebiz feldbau (1580)79. ⟨1682⟩ spaltet einen grossen apffel voneinander, holet die kern mit samt dem butzen heraus Hohberg georgica (1687)1, 422a. 1716 aepfel geviertelt zukochen, so schäle und schneide sie in vier theile, thue die butzen und kern davon, laß sie .. sieden Marperger küch- u. keller-dict. 34b. 1752 schneidet die aepfel scheibenweise, thut den butz heraus, kochet sie ab mit weissem wein pariser kochb. 191. 1828 höhlt sie (kohlköpfe) aus, bis auf etliche blatteln, daß auch der botzen weg kommt Meixner kochb. 77. 1851 Röschen biß den apfel an,/ und zu ihrem schrecken/ brach und blieb ein Perlenzahn/ in dem butzen stecken Keller 2,1,97 F. 1949 so, den butzen soll dein krieg fressen, und die birne soll er ausspucken Brecht ges. w. (1967)4,1355. 2002 der kümmerliche rest der gesunden frucht, der butzen, ist das letzte, was der gast vor dem einschlafen auf seinem nachttisch sieht mannh. morgen (13.7.), IdS-arch. in der verbindung mit butz und stiel u. ä. ‘vollständig, ganz und gar’. vgl. mit stumpf und stiel (1DWB 10,4,433f. ): 1500 man hat alß gůte tůch, alß die unssren umb 17 fl und mynder gen, und hat der Fůger unsser tůch allen bůtzen und styll genomen handelsakten ma., neuzeit 3,378 ak. 1556 es mag aber weib unnd kindt kaum ein brot darvon werden, das ander nimpt der heilos mann, zeucht damit auff die stuben, kumpt nit mehr zů haus, er habe dann butzen und stiel verthon, macht er anderst nit dem würt ein uͤrtin oder zwo an die wand Wickram 3,295 LV. 1602 die zehen stämme (Israels) .. (wurden) also hernach butzen und stiel, das ist, der stamme Juda .. in Assyrien gefangen geführet Kirchhof wendunmuth 3,300 LV. 1669 wirst derhalben die gantze welt mit butzen und stil außrotten müssen, wenn du anders straffen wilt Grimmelshausen Simplicissimus 210 Sch. ⟨1798⟩ wirst derhalben die ganze welt mit butzen und stil ausrotten müssen, wenn du anders strafen wilt Tieck (1828)15,341. 1832 und jetzt rich’t ein so ein vagabund/ uns die welt bei butz und stingel z’grund Nestroy 1,482 B./R. 1949 wenn er (Oskar) aber bei seinem großen aufräumen zum beispiel über nacht das so malerische hollergestrüpp an den großen scheunen mit butz und stengel rodete .., brach die romantikerin (Oskars mutter) in tränen aus V. Mann wir 189. 1999 im pflanzenschauhaus des Luisenparks lassen sich die knackigen äpfel in der ausstellung ‘erntedank – alte obstsorten aus dem ländle’ jetzt mit butzen und stiel wieder blicken mannh. morgen (2.10.), IdS-arch. b wichtigster aspekt einer rede, argumentation u. dgl.; kernpunkt: 1521 so das volck got nit anders erkent dann durch den glauben, aber der glaub kompt vß dem gehoͤr, das gehoͤr vß der predig, die predig vom predicanten (nun kompt der butz) so nun der predicant vnwissent .. ist .. was meynst das er werd predigen? Nazarei gott 63 HND. 1577 dan das ich dir, mein sommergsell,/ den rechten butzen nun erzehl Fischart 1,25 DNL. ⟨1619⟩ wann er sie (seine frau) aber kaum acht tage gehabt, befindet er erst den butzen Garzoni, schawplatz (1641)641a. 1843 du hast vielleicht .. ausdrücken wollen, daß es dir auch besser scheine, wir sprechen die hier obwaltende differenz gegeneinander aus, als wir lassen den butzen liegen Vischer brw. 1,130 R. (hierher?)

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Zitationshilfe
„butze“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/butze>, abgerufen am 04.12.2020.

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