Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

cherub, m

Fundstelle: Band 5, Spalte 1115, Zeile 71 [Particke]
CHERUB m.   ahd. cherubim, cherubin, mhd. kerubîn, cherubîn. ae. cerubin, cerubim, ceruphin, me. cherub(in), ne. cherub. vgl. nnl. cherub(ijn), dän., schwed. kerub. lehnwort aus kirchenlat. cherub(im), das seinerseits auf hebr. k’rub m. (plur. k’rubim) ‘himmlisches wesen’ zurückgeht. im sing. auch mit den ursprünglichen pluralformen cherubin, cherubim konkurrierend (s. Schulz/ B. fremdwb. 23,684). engel, geflügeltes mischwesen aus mensch, löwe, stier und adler bzw. die darstellung eines solchen wesens. besonders im plur. auch namenartig für einen bestimmten engelschor (vgl. 1DWB 10,1,618 seraph m. ). häufig in anlehnung an 1. Mos. 3,24 und jünger vereinzelt bildlich ‘wächter (des paradieses)’: A9.jh. dir cerubyn init siraphin/ .. ruafte simbligemu lutant murbacher hymnen 7,7 S. ⟨u1120/30⟩ einen (der engelschöre) hiez er cherubin, dar nach [waren] seraphin milst. genesis 1,12 D. ⟨u1240/50⟩ swaz uf der verte mir geshiht,/ mich sol der engel cherubin/ ane angest bringen da hin Ulrich v. Türheim Rennewart 31555 DTM. 14.jh. da die edeln cherubin/ tanczend und springend,/ mit gesang injubilo/ ir flúgel erschwingend schweizer Wernher 1413 DTM. u1470 er (Lucifer) was in dem char cherubin/ der obrist und der herste Beheim ged. 1,125 DTM. u1520 herr der du sitzst auf cherubin vndd sichst an die tieff gilgengart f 1a faks. 1587 mein herr Lucifer, .. der zuvor auch ein engel gottes vnnd cherubin war, der alle werck vnd geschoͤpff gottes im himmel gesehen hat volksb. Faust 230 HND. ⟨v1624⟩ als gott Adam und Hevam also mit einem thierischen kleide versehen .. ließ er sie aus dem garten, und legte den cherub mit einem blossen hauenden schwert dafür, zu bewahren den weg zum baum des lebens Böhme theosophia (1730)2,330 faks. ⟨v1664⟩ der fürst und priester gieng mit bebendem gemütte/ ins herren heilig’s stifft, wo in der werthen hütte/ die göldnen cherubin, die bund-kist Gryphius trauersp. 743 LV. 1729 gott ist gegenwärtig, dem die cherubinen /tag und nacht gebücket dienen in: dt. lit. 3,206 K. 1785 wollust ward dem wurm gegeben,/ und der cherub steht vor gott Schiller 3,392 G. ⟨1807/9⟩ ihr werdet groß, ein flammender cherub,/ ein hohes schreckbild jedem bösewicht,/ am eingang dieses paradieses wachen Grillparzer 510,139 S. 1873 unwillkürlich blieb er einen augenblick stehen und sah zu dem mädchen hinauf, welches ihm wie ein cherub des himmels erschien Wildenbruch ausgew. w. (1919)3,341. 1948 hinter diesem eisernen tor aber, vor dem gleich wie am paradiese ein behelmter cherubin mit gezogenem säbel wache stand, winkte ein ganz anderes leben Grünberg schattenquartett 1, 134. 1950 das tor des paradieses geht zu, der cherub, der engel mit dem bloßen, hauenden schwert, steht davor Lüthi gebote 157. 2000 bürgermeister Lünser, cherub seiner stadt, leugnet nicht die existenz von rechtsradikalität zeit (13.4.), DWDS-arch.

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Zitationshilfe
„cherub“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/cherub>, abgerufen am 05.12.2020.

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