Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

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1dürftig, adj.

Fundstelle: Band 6, Spalte 1801, Zeile 71
1DÜRFTIG adj.   ahd. durftîg, mhd. dürftic. as. thurftig, mnd. dörftich; mnl. dorftich. lexikalisierte abl. von durft f. ältere nbf. dorftig, dörftig. 1 arm, von armut zeugend. a von personen, im 20. jh. kaum mehr gebräuchlich. notleidend, bedürftig: 8.jh. pauper .. thurfdic ahd. gl. 1,175,25 S./S. hs.A10.jh. daz ih durfdige man ci hus nigiladoda reichenauer beichte 21 S. ⟨1255⟩ kleiniu kint, / die dürftic unde weisen sint Ulrich v. Lichtenstein 149 L. 1600 (getreide,) welches .. der dürfftigen burgerschafft .. außgetheilet werden kan Negelein standt 57. 1784 bei der classe von adel, die dürftig und arm mit seinem neugebackenen von einherstolzieret charakteristik Berl. 61. 1874 (die opferlampen der reichen verlöschen,) aber nur die einzige, die ein dürftiges weib dargebracht hat, .. brennt Peschel völkerkde. 286. elend, hilfsbedürftig, oft für miser, egenus im christlichen sinn: ⟨v1022⟩ vuîo sol er (der mensch) cheden fone imo selbemo? ego uero egenus et pauper sum. ih pin durftig unde arm (ps. 69,6) Notker 3,2,475 ATB. ⟨1434⟩ o lieber herr, kuͤm ze hilff meiner ellenden duͤrfftigen vnd verlassen seel Peuntner sterben 36 TSM. 1528 auf was wege Christus sein gnad vnd parmhertzikait vns dürftigen menschen, rechtlich mittailen .. moege Berthold v. Chiemsee theol. 392 R. 1767 (der mensch) erscheinet bey seinem ersten auftritte dürftiger und hülfloser, als das unvernünftige thier Mendelssohn 3,1,111 E. b von gegenständen, lebensumständen u. dgl.; ärmlich, schäbig: ⟨u1187/9⟩ hin tet er diu rîchen kleit / und schiet sich von dem lande / mit dürftigen gewande Hartmann Gregorius 2750 N. 1618 sein armes duͦrfftiges leben Sandrub kurzweil 99 HND. 1734 dürfftig leben, tenuiter vivere Steinbach wb. 1,311. 1787 daß ihr nichts als diese dürftige hütte übrig geblieben wär kindermährchen 52. 1858 seine garderobe war ausgesucht dürftig Chrysander Händel 1,226. ⟨1894⟩ (eine frauengestalt,) abgemagert und aufs dürftigste gekleidet G. Hauptmann (1942) I 2,277. 1973 eine dürftige zeit .., eine zeit der not Lenz vorbild 319. 2 spärlich, unergiebig bis ins 18. jh. verhältnismäßig selten, dann zunehmend besonders unter b. a in beziehung auf gegenständliches von optisch, selten auch akustisch wahrnehmbarem: ⟨1493⟩ so sie (weinstöcke) anders geschniten würden, brechten sie gar doͤrftige trauben Petrus de Crescentiis nutzen d. dinge [1495]48d. 1785 der vorplatz (des landhauses) mit seiner gegend darf demnach nicht leer, nicht dürftig seyn; er muß unterhaltungen für das auge und für den geist haben Hirschfeld gartenkunst (1779) 5,120. 1794 sie (freifrau) ragte aus einem ungeheuren .. reifrocke so schmal und dürftig hervor Langbein feierabende [1793]2,64. 1879 die dürftige flora der staubigen ebenen Bengalens Christ pflanzenleben 27. 1946 alle waren sie .. recht dürftig bekleidet. manche hatten auch gar nichts an Voss, kanu 194. 1972 das dürftige geschrei .. ließ nach, hörte auf Simon, Pharsalos 51. b in beziehung auf abstraktes, besonders von geistigen produkten, von denkweisen u. dgl., meist abwertend: 1522 nu yhr aber got erkand habet .. wie wendet yhr euch denn vmb, widder zu den schwachen vnd durftigen satzungen (Gal. 4,9) Luther bibel 7,182 W. 1579 laßt die arme doͤrftige ketzer mit jrem doͤrfftigen buchstaben prangen Fischart binenkorb E 3b. 1778 mit den grundsätzen und meinungen ienes dürftigen theoreyklaubers Musäus reisen 2,224. ⟨v1809⟩ sein beschwerlicher botendienst und dürftiger invalidensold Pfeffel pros. vers. (1810)7,139. ⟨1872⟩ der charakter des blattes (zeitschrift) war redlich, wahrheitsliebend, .. aber auch .. ohne schwung und dürftig in den ideen Bluntschli denkwürdiges 1,143 S. 1976 vor den meist nichtssagenden und dürftigen meldungen der abwehrstellen Höhne Canaris 510. 3 nötig, erforderlich. a prädikativ mit ergänzung; einer sache dürftig sein etwas brauchen: ⟨v1022⟩ daz er nu durftig ist irdiskero labo Notker 3,3,848 ATB. ⟨u1200/10⟩ ich pin wol innen worden / daz ir râtes dürftic sît Wolfram Parzival 6171,15 L. 1517 sie seyn nit arm noch (gott) zuruffen ader bitten durfftig, sat und vol seyn sye Luther w. 1,165 W. ⟨v1605⟩ ob nicht der (könig) / etwan eins krigsmann dörfftig wer Ayrer d. ä. 3,1507 LV. ⟨1793⟩ nirgends scheinen mir etwa / dürftig des kampfes zu sein die hauptumlokten Achaier Voss ilias (1802)2,16. vereinzelt attributiv und ergänzungslos: 1827 (ihr) zerret lesers dürftig ohr / mit viel gequirltem phrasen-flor Goethe I 3,326 W. b attributiv und prädikativ; notwendig. besonders im obd.: hs.M13.jh. daz ellv dv dvrftigv dinch (omnia necessaria), daz ist diz wascir, dv mvli, dir garto .. werden getan inrhalp dim ethre dis chlostirs regula st. Benedicti 126 S. ⟨1300/15⟩ swer denne der tor slüssel hat .., da ez dürftig si, der sol si entsliessen stadtb. Lucern 338 K. 1697 über die feld-apotecke hat er (arzt) gleichfalls die obsicht, damit solche mit tuchtigen und dürfftigen artzneyen wohl möge versehen seyn Gruber kriegs-disciplin 60. 4 schweiz. in adverbialer verwendung; beinahe, kaum: ⟨1541/3⟩ (der mann klagt, seine frau sei davongelaufen und) ließe im die kind hingan und ratlose (hilflos) halb dürfftig erfulen schweiz. id. 13,1558 u. ö.

2dürftig, adj.

Fundstelle: Band 6, Spalte 1803, Zeile 9
2DÜRFTIG adj.   gelegentlich für türstig adj. (s. durstig adj. ‘kühn’ 1DWB), wohl unter einfluß von dürfen vb. B 1. verwegen, frech: ⟨1404⟩ wäre aber, daß ainer also durftig (andere hs.: dürstig) were und wolt nicht achten des markts recht öst. weist. 7,372. 1520 der selbig Dietmar wz so eins freidigen dürfftigen gemüts Adelphus Barbarossa 55b.

dürftiger, m.

Fundstelle: Band 6, Spalte 1803, Zeile 15
DÜRFTIGER m.   substantiviert aus 1dürftig adj. 1 zu 1dürftig adj. 1 a. armer, bettler; oft im plur.: u830 forcoufi thiu thu habes inti gib thiu thurftigon (da pauperibus) Tatian 2106,3 S. ⟨E12.jh.⟩ eines tages beginete ime ein arme duͦrftige nacket und bloz altdt. pred. 1,226 Sch. z.j.1587 ein schön spüttal, do dann den dürftigen und kranckhen sehr wol serviert .. wüert Kiechel reisen 235 LV. 1744 sein prächtiger pallast ist ein beliebtes haus, / es geht kein dürftiger betrübt und leer heraus Reichard ged. 181. 1888 die blumenhändler in der Friedrichstraße sind .. unverschämter als die dürftigen Alexandriens Stinde frau Buchholz 21. bedrängter, gequälter; miser, egenus: ⟨v1022⟩ parasti in tua suauitate egenti deus .. demo durftigemo habest dû (gott) gegareuuet in dinero sûozi promptam uoluntatem ad faciendum opus bonum Notker 3,2, 441 ATB. ⟨u1300⟩ die durftigen, die armen (die er im fegefeuer brennen sieht) / begonden in erbarmen passional 238a K. ⟨u1460⟩ (der mönch) emphand eines grossen geprechen seines herczen, do redt er mit im selber: ‘o du armer dúrfftig, solt du also allain sterben ..’ Hartlieb dialogus 119 DTM. ⟨1714⟩ (die göttliche liebe) führet die irrenden zu recht .. und erquickt die dürfftigen Mel schau-bühne (1732)1,196. 2 zu 1dürftig adj. 3. singulär. jmd., der etwas braucht, nötig hat: 1512 ob iemand not gescheͣch von ains rechten .. wegen, .. so sol der richter mit demselben auf sein aigen zerung (für einen tag) an dieselbn ort raisen .. darf sein aber der durftig lenger oder weiter, so sol er den richter verzern (verköstigen) öst. weist. 8,149.

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Zitationshilfe
„dürftiger“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/d%C3%BCrftiger>, abgerufen am 27.11.2020.

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