Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

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dirne, f.

Fundstelle: Band 6, Spalte 1125, Zeile 37
DIRNE f.   ahd. thiorna, mhd. dierne. as. thiorna, mnd. dērne; anfrk. thierno (g. pl.), mnl. dierne, nnl. deern. an. þerna (isl. þerna, norw. dän. terne, schwed. tärna) ist entlehnung aus dem mnd., me. thērne vermutlich entlehnung aus dem an. die bisherigen zuordnungen zu den idg. wz. *tek-‘laufen’ oder *tek-: *tok- ‘zeugen, gebären’ sind unbefriedigend. wahrscheinlicher ist die annahme einer bildung mit dem die zugehörigkeit zu einem personenkollektiv bezeichnenden sekundärsuffix germ. *-na-/-nō- von einer r-bildung der wz. idg. *teuk- ‘keimen, sprossen, schwellen, nachwachsen’, auf die auch mhd. diehter (s. diechter n.) zurückzuführen ist (vgl. Nowicki ahd. as. thiorna, in: zfda. 106(1977)). – deklination: ahd. schwaches fem., mhd. starkes und schwaches fem., im nhd. übertritt in die gemischte deklination. mdal. ist dirne obd. in der form diern und nd. als deern (pl. deerns) in den bedeutungen 1 und 2 geläufig, md. vereinzelt auch in der bedeutung 3. dirne bezeichnet eine weibliche person unter biologischen (1), sozialen (2) oder moralischen gesichtspunkten (3). dabei gilt im ahd. bedeutung 1 allein; sie wird im mhd. von 2 zurückgedrängt, ist aber seit dem 16. jh. wieder vorherrschend und besonders im 18./19. jh. unter mdal. einfluß oder aus stilistischen gründen in der dichtersprache breit bezeugt. im 20. jh. wird die in der 2. hälfte des 15. jhs. aufgekommene bedeutung 3 vorherrschend. 1 mädchen, junge unverheiratete frau; seit dem 16. jh. zunehmend mit dem nebenton des einfachen, schlichten, ländlichen: 8.jh. uirgo theorna ahd. gl. 1,67,6 S./S. u830 tho erstuontun allo thio thiornun (virgines) Tatian 2148,4 S. ⟨v1022⟩ tô cham ouh allero dîernôn (puellarum) ferchrôn- dôsta Notker 2,106 ATB. ⟨u1285⟩ nû was dy muͦme ein wîse wîf./ sy sach der junger dyrnen lîf/ noch kranc noch zart noch linde bruder Hermann 3138 M. hs.u1400 du dy fatir vnde dy muͦter der dernnen gehorten, wuͦ es ergangen waz, duͦ geloybeten sy an Cristum wundergesch. 14 R. 1523 so meynet Isaias eyn solche dyrne, die manbar ist und noch ym krantze gehet Luther w. 11,322 W. 1658 ob dann die ledig gebung solcher malefitz vnd criminal persohnen, wann sie von ledigen dirnen außgebetten werden, die sie zu der ehe nemmen wöllen, ein gnad oder ein jus sey Graviseth Heutelia 153. 1804 nun im frühling ach! ist’s/ um die freuden gethan;/ ihn ziehen die dirnen,/ die ländlichen, an Goethe I 1,30 W. ⟨1905⟩ fräulein, sie sind jä ’n dolle deern H. Mann ausgew. w. 1,517 ak. 1936 Theoderich .. winkte das mädchen zu sich. ‘laß die dirn draußen’, knurrte Hunrich Blunck Geiserich 37. bildlich, allegorisch: ⟨v1022⟩ laus philologię de phisica ..: inclita uirgo .. mâre dîerna Notker 2,153 ATB. 1774 die rechte ironie ist eine gar keusche dirne, enthält sich mit grosser strenge des mitlachens Klopstock gelehrtenrepublik 1,150. 2 weibliche person, die jmdm. untergeben oder ergeben ist. a gegen entgelt dienste leistende, magd, niedere dienerin, vor allem im ländlich-bäurischen bereich: 12.jh. dulia .. ancilla vel famula dierna ahd. gl. 3,184,24 S./S. ⟨u1235⟩ (Abraham) hâte ein dierne hiez Agar Rudolf v. Ems Alexander 17219 LV. ⟨1328⟩ ist daz ir der wirt urlaup geit, sô mag der êhalt, is sei diern oder chnecht, sein speis und sein lôn wol behaben Ruprecht v. Freising rechtsb. 278 C. 1455 ob ainer aim ain chnecht oder dieren aus dem dienst dingiet öst. weist. 11,398. 1576 die diern oder magd Martius Marinelli 10. 1669 es vergienge der Ahalibama .. alles was in ihr sinnlich war und fiele sie in die arme einer ihrer dirnen zurück Anton U. v. Braunschweig Aramena 1,18. 1827 der könig war dort so ganz der ländliche herr des hofes, daß er in die küche ging, fragte, was für seine knechte und dirnen gekocht würde Bruckbräu charakterzüge 55. 1935 als .. die dirne jählings umfiel .. nach drei tagen verschied die magd in hitziger krankheit Marzell volksbotanik 142. bildlich: ⟨u1270⟩ daz diu sele eine dirne si bi got Albrecht v. Scharfenberg Titurel 574,2 DTM. dr.1651 auf, silberne dirne,/ du borge-licht Phoebe, entblösse die stirne,/ auf, lobe den herren, unseren gott kirchenlied 1,400 F./T. b gott oder göttlichen personen ergebene frau, meist in der verbindung gottes dirne: ⟨u1150⟩ (bitte an Maria:) kere daz din ouge ze dinen diernen, frowe arnsteiner marienleich 46,3 M. ⟨1293⟩ Martina gottes dirne/ von tugenden was si virne Hugo v. Langenstein Martina 225,111 LV. 1741 wie droben Christi dirne mit der gesalbten stirne sich vor dem bräutgam bückt gesangb. brüder-gemeine 1103a. im bezug auf Luk 1,38. 48 besonders von Maria als selbstbezeichnung nach der verkündigung: ⟨12./13.jh.⟩ do sprach die reine iunchvrowe. ecce ancilla dei etc. sich ich bin gotes dirne. mir gesche nach dinem worte dt. pred. 25 L. ⟨1386⟩ der herre hat angesehen die demuͤtigkeÿt seiner diernen vnd darumb sprechent mich saͤlig alle geschlaͤcht Otto v. Passau (1480)67b. hs.u1510 nym war, jch pin ein diren gott,/ mir sol geschechen nach deinem wort kirchenlied 2,967 W. 3 prostituierte, im 15./16. jh. auch mätresse: 1469 (verzeichnis der nichtöffentlichen huren:) Jörge Pfiffer in Vischergassen hat zwei dirnen straßb. zunft-verordn. 457 B. 1541 wo hin ehr (fürst) zog, so hatt er allein auff sein leib wartten tausent cameel, die jhm sein rüstung vnnd prouiandt nach fuͦrtten, auch zweyhundert dirnnen die auff jhn wartteten Boner Plutarch 1,367b. 1681 dieß ist der fuß durch dessen hülffe ich in das hauß der dürne so unzehlich vielmal gelauffen Riemer rhetorica 471. ⟨1859⟩ wo der wüstling schwelgt und wo ihn die dirnen bestehlen Hebbel I 8,317 W. 1960 ihr habt aus meiner schwester eine dirne gemacht Dürrenmatt blinde 42. bis in die 1. hälfte des 19. jhs. sehr häufig mit charakterisierendem abschätzigen attribut oder mit relativsatz entsprechenden inhalts: ⟨1461⟩ (sie) friet alle die dirnen die in das hus der sünden horten Steinhöwel Apollonius 128 Sch. 1541 dweil sie (bettler) .. wie ein gmeyn diern gegen iederman jr hend vff heben Franck sprichw. 2,77b. 1704 daß der huren und geilen dirne ihre liebe unersättlich seye Omeis mythologie 121. ⟨1835⟩ colibrischwärme flattern farbenreich/ ums heer, verbuhlten, lust’gen dirnen gleich Grün s. w. 6,53 Sch. ⟨1918⟩ man verhaftete nicht nur ihn, sondern auch seine frau, die man für eine nacht mit öffentlichen dirnen zusammensperrte Mehring ges. schr. 3,160 H. bildlich, allegorisch: 1502 bey der dieren, das ist die welt Birgitte, offenbarung L 5b. 1965 der zufall war eine dirne Habe mission 126.

dürnen, vb.

Fundstelle: Band 6, Spalte 1805, Zeile 29
DÜRNEN vb.   s. dörnen.

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Zitationshilfe
„dürnen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/d%C3%BCrnen>, abgerufen am 27.11.2020.

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