Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

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düster, adj.

Fundstelle: Band 6, Spalte 1821, Zeile 43
DÜSTER adj.   as. thiustri, mnd. dǖster; mnl. duuster, nnl. duister; afrs. thiūstere; ae. þēostre, þī(e)stre, þȳstre, me. thestre, thester, thister, thuster. lehnwort aus dem nd.; ndrhein. schon im 12. jh. bezeugt, ist das wort außerhalb des rhein. hd. erst im 16. jh. nachgewiesen. die umlautlose form duster verrät norddt. umgangssprachlichen oder mdal. einfluß. sie findet sich auch im al.; im bair. dagegen gilt die form mit umlaut. substantiviert erscheint das adj. sowohl mit adjektivischer flexion als auch lexikalisiert als düster n. A eigentlicher gebrauch. 1 im bereich optischer sinneswahrnehmung. a vom mangel an licht. α wenig oder gar nicht beleuchtet, dunkel, finster; antonym ist nhd. hell. dem hd. gehen frühe bezeugungen im rhein. voraus: ⟨M14.jh.⟩ de lude .. voirden si hein in einen dal, der wais duster seelentrost 1,202 P. 1499 als eyn duyster affgrunt cronica Coellen 6b. später: ⟨1562⟩ so finster vnd duster wird es in keinem stifft .. sein Mathesius Sarepta (1571)144b. ⟨1640⟩ (die locken) liegen nun im stanck, vnd in dem düstern grab Augspurger Clio (1642) E 5a. 1792 mache man ein zimmer durch vorgezogne weiße vorhänge düster Goethe II 5,1,102 W. ⟨1872⟩ dem germanischen museum, dessen sammlungen noch in verschiedenen, zum teil düsteren und engen localen zerstreut sind Bluntschli denkwürdiges 2,220 S. 1973 dr. S., der in seinem düsteren, länglichen zimmer stand Walser sturz 212. abwertend, wenig beleuchtet und zugleich anrüchig, unwirtlich; zur übertragung (B) überleitend: 1780 die bewohner düsterer gegenden trauren mit der sie umgebenden natur Schiller 20,64 nat. ⟨1884⟩ der düstre hof dichter-charaktere 158 A. 1959 die langeweile in düsteren kneipen Böll billard 110. β trübe, neblig, vom mangel an tageslicht; mit engerer bindung an rhein. und nd. mda.: ⟨u1170⟩ want hen dat weder wart / so duster uter maten Heinrich v. Veldeke st. Servatius 4759 F./Sch. u1500/6 die finster nacht uwertrad en, unde ess wart so duester Gerstenberg chr. 408 D. 1749 in einem düstern wetter Pyra/L. lieder 27 DLD. ⟨1938⟩ in der düster stürmischen nacht Kluge Kortüm 20683. ⟨1970⟩ es war ein kalter, düsterer tag Simmel Jimmy (1971)137. γ von lichtquellen u. ä., schwach oder gar nicht leuchtend: ⟨u1220⟩ diͤ sunn’ begund duͦ düster sin rhein. marienlob 2075 LV. 1525 dat gotlycke lycht (welcker lange tydt vns gansz duncker vnde duͤster gewest ys) katechismen böhm. brüder 165 M. 1653 wenn er den Ninus wird so düster sehen leuchten / als einen hellenband Albini gerichte C 3b. ⟨1919⟩ eine düster erleuchtete stube Wassermann Wahnschaffe 551,113. b dunkelfarbig, schwarz oder ähnlich; antonyme sind nhd. weiß, licht, hell: ⟨1562⟩ da werd auch das tichte oder duͤstere gold durchsichtig sein Mathesius Sarepta (1571) 188a. 1792 der fluten düstres blau Matthisson ged. 1,189 LV. 1973 ihre wäschegarnitur ist schwarz. .. was es mit dieser düsteren farbe auf sich hat Becker irreführung 49. abwertend, dunkelfarbig und zugleich trist; zur übertragung (B) überleitend: ⟨1911⟩ weil ich alles von vornherein subjektiv düster gefärbt sehe G. Hauptmann (1942) I 5,478. 1920 (ich) sah mein leben in den düstersten farben Winnig frührot 34. 2 von A 1 her, im bereich akustischer sinneswahrnehmung; tief, dumpf, dunkel klingend antonyme sind nhd. hell, hoch: 1770 das düstre geräusch einer gewafneten schlachtordnung Junius, mahlerey 212. ⟨1883⟩ er tutete mir wie ein düsteres horn zu ohren Nietzsche w. 2,368 Sch. ⟨1916⟩ mit .. düsterer und heiserer stimme Brod Brahe (1917)100. B übertragener gebrauch. 1 bedrückend, beängstigend wirkend: 1645 es schütze sie dein machtschutz .. / für hagel und für düstren dingen Birken pegnitz-schäferey 60. 1735 der düstern sorgen schwarze zunft Stoppe Parnaß 5. ⟨1836⟩ die sonstige düstre bedeutung jener todesmusen Gerhard abh. (1866)1,36. 1979 filmische verarbeitung der düstersten epoche deutscher geschichte frankf. rundschau 20,3. 2 bedrückt, niedergeschlagen, ernst: ⟨1652⟩ dieses gespänst .. lässet ihn in düstern gedancken nachsinnen Harsdörffer mordgesch. (1656)166. ⟨1723⟩ sie warf den düstren blick verdrießlich nach der seite poesie d. Niedersachsen 2(1732)91 W./K. ⟨1838⟩ düster schreit ich an der seebucht strand / durch das gefild Freiligrath s. w. 2,33 Sch. 1968 ‘ich sollte’, murmelte Bojan düster Fussenegger pulvermühle 90. 3 schwer verständlich, unklar, mysteriös: 1747 ist ihre (der bibel) schreibart miserabel, düster, hirtenmäsig, und rabbinisch Benner herrnhuterey (1746)2,74. 1808 voll von halbverstandenen düstern begriffen Brandes zeitgeist 239. 1975 fortschritt ist hier durchaus sichtbar, wenngleich er meist erst düster progressiv voranging Bloch experimentum 186. 4 benommen dumpf: 1778 mit einem von geschäfften düstern kopfe Merck schr. 1,89 W. 1822 jemand, dem es sehr winklig und düster im kopfe ist Grabbe 1,241 ak.

düster, n.

Fundstelle: Band 6, Spalte 1822, Zeile 67
DÜSTER n.   substantivierung von düster adj. starke flexion. dichterisch gehoben für dunkelheit f., finsternis f. vgl. auch die nicht lexikalisierte substantivierung des adj. düster, düsteres n. 1 dunkelheit: 1846 nur bergeshäupter standen hart und nah, / .. im düster da Droste-H. 1,2,289 Sch.K. ⟨v1945⟩ weißer kelche blumengeist / weht im düster auf Kolmar w. (1955)110. von da her: ⟨1852⟩ ihr blaß gesichtchen .. / ..; aus der erinnrung düster / schaut es mich an Storm ausgew. w. 1,48 H. personifiziert: ⟨v1945⟩ das düster hockte stumpf und schwül, die hexe, / .. ob der stadt Kolmar w. (1955)245. 2 übertragen, etwas bedrückendes: ⟨1948⟩ ein unheil .., das doch seit jahren unter der schwelle der mordburg lauert .. gräßlich das alles, ein unentrinnbares düster Schröder ges. w. (1952)2,121.

düstere, f.

Fundstelle: Band 6, Spalte 1823, Zeile 5
DÜSTERE f.   as. thiustria. abl. von düster adj. dunkelheit: hs.2.h14.jh. daz si schisen in den dusteren den rechtin zwei psalter aus d. 14. jh. 20 DTM. 1669 so bald sich aber der liebe tag im osten ein wenig erzeigte, sahen wir durch die düstere ein wenig land Grimmelshausen continuatio 86 Sch. 1797 tief in der düstre des waldes verhauche den kummer der seele Matthisson ged. 1,241 LV.

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Zitationshilfe
„düstere“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/d%C3%BCstere>, abgerufen am 30.11.2020.

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