Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

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dacht, m.

Fundstelle: Band 6, Spalte 43, Zeile 42
DACHT m.   s. docht.

denken, vb.

Fundstelle: Band 6, Spalte 649, Zeile 77
DENKEN vb.   ahd. mhd. denken; as. thenkian, mnd. denken; anfrk. thencon, mnl. nnl. denken; afrs. (thanka) thenzia; ae. þencan, me. thenchen, ne. think; got. þagkjan; mit variierender bedeutung an. þekkja ‘wahrnehmen erkennen, kennen, wissen’, isl. þekkja, norw. mdal. tekkja, aschwed. þækkia; aus dem nd. entlehnt sind norw. tenke, dän. tænke, isl. þenkja, schwed. tänka. zur idg. wz. *tong- (*teng-) ‘denken, fühlenmit bildungen wie lat. tongere ‘kennen, wissen’, osk. tanginúd ‘nach der meinung: im ablautverhältnis zu dünken. schw. vb. I. prät. germ. *þanhta ohne bindevokal, ahd. dâhta mit nasalverlust und ersatzdehnung nhd. dachte mit kürzung des stammvokals. part. prät. entsprechend mhd. gedâht, nhd. gedacht, mdal. obd. überwiegend (ge)denkt. denken bezeichnet die aktive geistige tätigkeit des intellektuellen vergegenwärtigens, erkennens und urteilens im gegensatz zum passiven geistigen erleben. als begriff definiert:die apperzeptive tätigkeit, durch welche vorstellungen und begriffe in elemente zerlegt, miteinander verglichen, aufeinander bezogen und zu einer einheit verknüpft werdenEisler wb. philos. begriffe (1927)1,253. 1 auf bestimmte inhalte bezogene geistige tätigkeit; zweiwertiges tätigkeitsverb mit objekt oder prädikativ. gegenüber 2 und 3 deutlich dominierend. a zur bezeichnung einer auf objekte gerichteten aktuellen denktätigkeit. α mit akkusativobjekt, selten mit genitiv- oder präpositionalobjekt zur bezeichnung des verobjektivierens von denkinhalten; bedenken, überlegen. umfänglichster gebrauch: ⟨790/802⟩ vzzan simblum denche daz selo intfianc ze rihtenne fona diem rediun erkebanter ist benediktinerregel 201,32 S. 863/71 selbo thenki thanne, ob ih thir war zelle Otfrid II 7,52 E. hs.A10.jh. íh gihu gode almahtdigen, daz ih in chirichun únrehtdes dâhda únde unrehda reda deda reichenauer beichte 14 S. ⟨v1022⟩ hîer ist aber ze denchenne, uuîo uuârez taz argumentum sî Notker 1,3,358 ATB. ⟨u1120/5⟩ diu rede was in ze tief, si neverstunten ir niet,/ iedoch dahten si derzuo Ava leben Jesu 63,2 M. ⟨u1170⟩ Candaulus der frowen alder sun/ dâhte, was er mohte tûn Lamprecht Alexander S 5600 K. ⟨1255⟩ ich dâht ‘ich sol den brief wol mir/ hie heizen lesen. waz ob ir/ nam geschriben dar an stât?’ Ulrich v. Lichtenstein 231 L. ⟨1370⟩ he dachte: kan de lögene dat/ schapen, so trüwe ik bat/ der warheit jo neten mer Gerhard v. Minden fab. 70,65 L. ⟨1444⟩ denck selber Allexannder das ich das nit ge thuͦn mag Hartlieb Allexander (1478)104b. 1520 last uns tichten, trewmen odder mit gewalt dencken, dißer kauff sey dermassen billich, wie er itzt gaht Luther w. 6,52 W. 1604 denck du, bitt ich, was räthlich sey Calagius Susanna A 6b. ⟨1755⟩ unter allen gedanken der religion, die nie genug gedacht werden können, ist für uns keiner größer und reicher Cramer samml. pred. (1758)1,277. ⟨u1800⟩ wo der bruder ihm sank, denket er manches wohl/ an der warnenden stelle Hölderlin (1943)2,1,63 B. 1909 auf dem schönen sofa liegen und einmal gar nichts zu denken haben Bahr konzert 84. 1965 eine solche nase, dachte sie, eine solche nase ist unwiderstehlich Kesten scharlatan 127. mit starker betonung des moments der objektivation zur bezeichnung des gedanklichen, geistigen gestaltens von größen und inhalten. erdenken, entwerfen, imaginieren. mit deutlicher frequenzzunahme in der mitte des 18. jhs.: ⟨u1240⟩ ez was ein sælic stunde, daz sî ie wart gedâht,/ swer dir daz râten kunde Kudrun 477,1 M./Sch. ⟨E13./A14.jh.⟩ si ist ein bilde gotes und ist diu edelste crêatûre, die got ie gedâht hât dt. mystiker 2,413 P. ⟨1377⟩ do hattent ir ouch einen nuwen sin gedoht Nicolaus v. Basel 312 Sch. 1502 ir tag in der frewde die vor suͤsse weder gesagt noch gedacht mag werden Birgitte, offenbarung S 5b. ⟨1629⟩ daß .. nichts schrecklichers als das höllische feuer zu dencken und zu finden sey Meyfarth Sodoma (1671)1,238. 1797 sobald es darauf ankommt, was ich mir denken kann, kann ich keinen grad von zusammenhang denken, für den ich mir nicht auch eine kraft denken könnte, die hinreichend wäre, ihn zu überwältigen Schelling ideen 116. 1823 kurz vorher hatte ich einem .. maler, der gut dachte und geschickt arbeitete, mehrere stunden gesessen Goethe IV 37,178 W. ⟨1847⟩ denken wir uns nun auch statt des systems A einen einzelnen materiellen punkt a Helmholtz wiss. abh. (1882)1,20. ⟨1932⟩ zwei sichre arme dachte sich mein traum./ nur ihr gesicht das sah ich nicht Ringelnatz u. auf einmal (1955)411. 1957 die ‘metaphysik’ des Aristoteles ist, literarisch gesehen, völlig uneinheitlich, auf den inhalt gedacht Heidegger grund 135. im part. prät., attributiv oder substantiviert: 1780 damit inskünftige derjenige, welcher schon ein verbrechen angefangen, aber noch nicht ausgeführt hatte, sich durch die gleich gedachte härtre strafe abschrecken lasse, solches zu vollenden Klein abh. 1,2,52. 1840 auf der anderen seite setze man an einem bloss gedachten die vollkommenheit immer mehr und mehr gesteigert Beneke system 470. 1950 entlang einer gedachten verbindungslinie Einstein/I., evolution 152. β mit präpositionalobjekt oder, vornehmlich älter, genitivobjekt, zur bezeichnung des erinnerns, vergegenwärtigens von etwas: ⟨v1022⟩ irhuge dero alton tago, denche an îogelîche geburte Abrahę, Isaac, Iacob Notker 3,3,1089 ATB. ⟨u1085⟩ nu ist zit daz wir dencken wi wir selve sulin enden annolied 1,4 M. ⟨u1185⟩ ̂Erec der junge man/ begunde denken dar an/ waz im ûf der heide/ ze schanden .. geschach Hartmann Erec 3931 ATB. ⟨1250/60⟩ dô dâhte her an sîn schône wîf Berthold v. Holle Crane 3051 B. ⟨14.jh.⟩ ind dencket, nichte myne,/ we dat hey uch eyns kuste/ mit lysten, des uch neit en luste Karlmeinet A 184,60 LV. hs.u1400 denke an minneclîchiu wîp haager liederhs. 81 K. 1522 als bald krehet der hane, da dacht Petrus an die wort Jhesu, da er zu yhm sagte, ehe der hane krehen wirt, wirstu mich drey mal verlaugnen Luther bibel 6,122 W. dr.u1590 sin rich will er vns schenken,/ der sünden nimmer denken,/ sag lob dem herren din kirchenlied 2,920 W. 1711 woran denckt man nicht da, wenn man sterben soll Reinbaben übersetzungen 210. 1767 warte; gut, daß ich daran denke Lessing lustsp. 2,308. ⟨1845⟩ siehst du die ersten todtenkränze,/ die eine braut um gräber schlang:/ dann denke mein M. Hartmann ges. w. (1873)1,55. ⟨1898⟩ wie wenig von seinem leben hat uns gehört. ich darf gar nicht daran denken Schnitzler (1912) II 1,393. ⟨1963⟩ an diesen satz sollte sie noch oft denken Ch. Wolf himmel (1964)218. γ mit genitivobjekt, seltener mit akkusativ- oder präpositionalobjekt im sinne von erwähnen zur bezeichnung einer denktätigkeit unter einschluß ihrer sprachlichen artikulierung häufig im part. prät., so daß abgrenzung gegen gedenken nicht immer sicher ist. im älteren nhd., seit der mitte des 18. jhs. stark rückläufig. mdal. im schweiz. bewahrt: ⟨1421⟩ nu han ich hie zu sampne bracht/ diesse kronicken mit listen,/ noch deme, alsso ich habe gedacht,/ von heiden juden unde cristen Rothe düring. chr. 8 L. 1521 denckstu mir mere des schantlichen christen so wil ich dir mit meyner eigner hand das houpt ab der achßlen schlachen Ziely Valentinus 121b. ⟨1590⟩ am 63. blate .. wird gedacht, das jhr viel vnter den artzten grosse dicentes von dem destillirten menschen blute machen Bapst artzneyb. (1592)1,163. 1659 man frage herrn und knecht im weissen schwan, ob Hans Puckel, jemahls mit einem wort gedacht habe, daß seyt der zeit die käyserliche armee bey Nürnberg geschlagen sey? Schupp streitschr. 1,132 HND. 1711 so wolte er auch, wie schon gedacht, daß Schlesien ihm huldigen solte Dewerdeck müntzcabinet 120. 1803 man .. verfährt übrigens damit, wie bereits oben bey bereitung anderer essige gedacht worden Riem getränke 509. häufiger als attributives part. prät.: 1474 andtwert der herrn des capittels myt den gedochten steten acten ständetage Preussen 1,360 Th. ⟨1515⟩ wir .. namen für vns den weg zuͦ der gedachten ynsel Herr Barthema (1516) Q 7b. 1568 so aber das wasser beweget ist, muͤssen die gedachten troͤpflin zergehen problemata Aristotelis R 2a. 1625 dergleichen ist gedachtes jahrs 1609. eine vergleichung zwischen den böhmischen ständen sub vna, vnd sub vtraque auffgerichtet .. worden Bellus lorberkrantz 40b. 1688 die bombardierung gedachten orts Stulweissenburg dt. ztg. 17. jh. 266 Sch. ⟨1739⟩ kleine auszierungen sind in jedweder gattung itzt gedachter musikstücke zu bemerken Scheibe musikus (1745)391. 1816 mitte märz wird gedachtes heft ausgegeben Goethe I 49,1,19 W. ⟨1910⟩ mit einem worte,/e ine welt versammelt sich an gedachtem orte Morgenstern galgenlieder (1933)151. b zur bezeichnung einer dem inhalt nach bestimmten denkhaltung oder einstellung. α zur bezeichnung von stellungnahme oder beurteilung. αα mit akkusativobjekt, meist in form eines objektsatzes, das geistige artikulieren eines urteils oder einer meinung bezeichnend: 863/71 er thahta odowila thaz, thaz er ther duriwart was Otfrid II 4,7 E. ⟨v1022⟩ der unuuizzigo dâhta, daz cot nesî. so dâhta ouh iudaicus populus, daz Christus kot nesî Notker 3,1,57 ATB. hs.11.jh. (uone dannan dingen) var.: thencon (ih, daz er mih ôuh uollebringe ad contemplationem suae diuinitatis) Williram 29,4 S. ⟨u1280/90⟩ swer entran der dâht, er het nâch vlust gewin Lohengrin 2829 R. ⟨2.h14.jh.⟩ ich jagt jn nach mit hochem mut/ vnd tacht min jagen das wirt gut lieder saal 126,430 L. 1522 damit niemandt dencke, das es gnug sey, gehorsam seyn der hirschafft Luther bibel 7,284 W. 1591 man dencke nun was man woͤlle, so ists doch inn der waarheit also, wie folgends zuvernemen Brechtel buͤchsenmeisterey O 4b. 1669 weilen er gleich mit weib und kind auffbrach, dachte ich, er wird ja umb der gäns willen nicht hinziehen Grimmelshausen Simplicissimus 445 Sch. 1768 die größte kunst am hofe ist, das zu verbergen, was man denket Weisze opern 1,72. 1827 soll denn dein opferrauch/ die götter kränken?/ du hältst die nase zu –/ was soll ich denken? Goethe I 3,188 W. 1919 aus dem krieg könne etwas ganz anderes hervorgehen, als die kriegführenden dächten Ball kritik 176. 1963 wir dachten beide, er müsse etwas merken Böll ansichten 56. ββ mit prädikativ eine auf zumindest längere dauer bestehende bestimmte denkhaltung bezeichnend, in der die einstellung oder gesinnung des denkenden mit vorgegebenen politischen, ethischen oder religiösen vorstellungen oder normen konform geht. breiter erst seit der mitte des 18. jhs. belegt: ⟨u1200⟩ doch dâhter als ein vrumer man Hartmann Iwein 63861 B./L. ⟨u1300⟩ die von der erden denken/ und sprechen von der erde ir wort:/ die suln ouch haben der erden hort väterb. 5848 DTM. 1522 das du .. denckist wie ihener heylige marterer, da yhm alle seyn gut genommen ware, sprach er, sie werden mir yhe Christum nicht nemen Luther w. 10,1,2,177 W. 1669 keine macht kan uns zwingen, daß wir anderst denken sollen, als wir denken wollen Schottel ethica 268. ⟨1738⟩ diese art menschen könte es nicht annehmen, wenn man sie schon wolte selig sprechen, denn ihr herz denkt anders Zinzendorf reden (1781)119. ⟨v1809⟩ Theodor dachte zu edel, und liebte seine schwester zu sehr, als daß er ihr diese wohlthat des gesetzes hätte mißgönnen sollen Pfeffel pros. vers. (1810)3,20. ⟨1870⟩ wenn man so liberal denkt, wie sie, so muß man noch einen schritt weiter gehen und auch öffentlich liberal denken Kürnberger ges. w. 1,73 D. 1937 sobald wir solche weisen der todesanschauung neben die worte Jesu stellen, wird deutlich, daß er ganz anders denkt Guardini herr 170. als part. präs. in verbindung mit attribut, attributiv verwendet: 1775 die meinungen dieser frei denkenden bürger Scheidemantel allg. staatsrecht 253. 1778 kennzeichen und merkmale einer edel denkenden seele friseur 210. 1814 kein billig und gerecht denkender mann wird von diesem verlangen, daß er .. Ferber Sachsen 6. substantiviert; von personen: 1790 jeder billig denkende mußte die blühende beförderung des kommerzes erkennen Rothammer abh. 153. 1924 die zahl dieser gutgläubigen ist nicht gering, weil es die unklar national empfindenden und die unklar politisch denkenden sind, aus denen sie sich rekrutiert Preusz reichsverfassung 30. γγ denken und dichten im anschluß an die formel dichter und denker: 1789 frey will ich seyn im denken und im dichten,/ im handeln schränkt die welt genug uns ein Goethe Tasso 1,93 ak. 1954 Heidegger denken 8. β zur bezeichnung intentionaler einstellung. αα überwiegend mit präpositionalobjekt, seltener mit genitiv- oder akkusativobjekt die intentionale geistige konzentration auf objekte, zwecke, vorhaben u. dgl. bezeichnend; bedacht sein auf: 863/71 dages inti nahtes so thenket io thes rehtes Otfrid IV 7,84 E. ⟨v1022⟩ sie dâhton ad temporalia, nals an ęterna Notker 3,3,784 ATB. ⟨1150/60⟩ in was zo deme storme uile lief./ si ne dachten andie ulugit nit könig Rother 4182 F./K. ⟨u1230⟩ er seite,/ ze welher arebeite/ er der reise het gedâht Heinrich v. d. Türlin krone 17565 LV. hs.1378 her dachte vnrechtikeit an sinem legere zwei psalter aus d. 14. jh. 78 DTM. hs.u1485 welher ein sack oder teschen hab,/ der denck, das er ir köm ab./ welher aber das selb nit hat,/ der vorkouff sin rock hie an der stat donaueschinger passionssp. 166 DLE. 1534 das scharren, kratzen und allein dencken auf thaler, gulden, das sind dorn, die gottes wort stechen (nachschr.) Luther w. 37,294 W. 1617 so wil auff deren (ärzte) ampts verbesserung mit gutem fleiß zu dencken sonderlich von nöhten seyn medicinal ordn. Hessen 16. 1704 ein ungemeiner kopff der stets auff hoheit dacht’ Wernicke poet. vers. 136. 1765 (es) verloren die hrn. stände, das algemeine beste aus dem gesicht, und dachten nur an die wolfart ihrer eigenen personen Maubert, warheit 243. 1872 vielleicht denkt sein herz nicht an schlimme that und doch stösst er in demselben augenblick die bedingungen zur vernichtung eines menschenlebens an Binding normen 1,37. 1961 es war zu spät, um den koffer noch in ein café zu schleppen, er mußte an den besuch bei seinem künftigen chef denken Thiesz sturz 54. ββ etwa ebenso häufig mit präpositional- wie mit akkusativobjekt meist in form von objektsätzen mit infinitivkonstruktion selten mit genitivobjekt die intentionale geistige konzentration auf vorhaben, pläne u. dgl. mit starker betonung der baldigen realisierungsabsicht solcher intentionen bezeichnend beabsichtigen: 863/71 ni wolt er fon niawihti (thoh er so duan mohti,/ ob er thes wolti thenken) then selbon win wirken Otfrid II 10,2 E. ⟨v1022⟩ sî dâhta fure di gota ze êrest spûotigo ze chomenne Notker 2,119 ATB. ⟨u1070⟩hs.E11.jh. ir hugetont hie zelebinne. ir nedahtont hin zeuarne. diu vart diu dunchit iuh sorcsam memento mori 155r, 4 M. ⟨u1170⟩ sehet, daz ir nit ne verzaget./ denket zô den handen,/ tûre wîgande Lamprecht Alexander S 4460 K. ⟨u1235⟩ in sînem muote dâhter dô/ vollevüeren die vart/ der im ê ze muote wart Rudolf v. Ems Alexander 10470 LV. ⟨u1300⟩ die von kumftigen dingen/ den tuvel denken vragen Heinrich v. Hesler apokalypse 19531 DTM. ⟨1455/70⟩ er decht kurtzlich wieder zu kommen Pontus 108 TSM. 1533 sie woͤllen wuͤste, tolle heiligen haben, dencken auch keine christen zu erzihen Luther w. 30,3,567 W. 1682 also denck’ er nur auf erden/ Caesar oder nichts zu werden Weise reiffe gedancken 426. 1755 wehe dem, der mich auf eine so grausame art aufzuziehen denkt Lessing schr. (1753)5,166. 1822 ich aber weiß es, und denk’ es noch zu wehren, hilft ein gott Grillparzer I 2,255 S. ⟨1904⟩ um sie nie mehr loszulassen,/ dacht ich die holde zu umfassen Busch 6,344 N. 1960 ich denke nicht daran, aufzugeben Andersch d. rote 158. in wendungen wie daran ist nicht zu denken zum ausdruck der undurchführbarkeit von vorhaben: 1782 ehe dies geschehen ist, ist an keine heilung zu denken A. G. Richter wundarzneykunst 1,522. 1836 daran ist nicht zu denken und darum ist mir auch gar nicht zu thun Hebbel III 1,90 W. ⟨1929⟩ an arbeiten war nicht mehr zu denken Borchardt erz. 198 B. in dem mhd. typus mir ist gedâht eines dinges ist das part. prät. lexikalisiertes adj. (s. gedâht II 3 a BMZ 1,343b). γγ mit präpositionalobjekt oder direktiver ergänzung, zur bezeichnung einer in bestimmte richtung oder auf ein bestimmtes ziel ausgerichteten intentionalen geistigen tätigkeit: 863/71 wara thenkistu, les! wio meg iz wesan alles? Otfrid V 1,43 E. ⟨v1022⟩ nîeht hinder sih kehugendo noh fure sih tenchendo Notker 1,3,357 ATB. ⟨u1085⟩ sulich is diu himilsci wunne, dar sule wir denkin alt unti jungin annolied 43,10 M. ⟨1172⟩ war denchet ir wuoterîche?/ ir enmuget daz himelrîche/ ersturmen mit den schilten! priester Wernher 5707 W. ⟨u1230⟩ der dar ze hove het gedâht/ und in âventiure brâht,/ der erbeizte vor dem palas Heinrich v. d. Türlin krone 938 LV. ⟨u1430⟩ czu Rome so hatte ich gedacht,/ nu had mich der wint her bracht Rothe passion 1206 H. 1525 das ist yhr zyl und mas, da sie hyn dencken Luther w. 17,2,116 W. 1606 solches .. zu erlangen, haben wir dahin gedacht, das auff solchen fall an die preusische räth geschrieben werde acta brandenburg. 2,70 K. 1731 so hat man .. dahin zu dencken, daß sie sich in einem vergnügten und ruhigen zustand befinden mögen Rohr bürgerl. recht 512. ⟨1810⟩ die andern novizen denken alle noch weit hinaus in die welt A. v. Arnim 7,269 G. 1899 mündig ist sie wohl, aber wo denken sie hin. ohne den willen des vaters? H. Seidel erz. schr. 1,36. 2 auf explizite gegenstände bezogene geistige tätigkeit, die diese gegenstände in beziehung zu anderen gegenständen, zwecken, werten u. dgl. setzt; dreiwertiges tätigkeitsverb. a zur bezeichnung der beurteilung oder kennzeichnung einer größe im hinblick auf ihre erscheinungsform, qualität oder ihren verwendungszweck. α mit präpositionalobjekt und objektsprädikativ oder akkusativ-, vereinzelt auch genitivobjekt von jmdm. oder einer sache eine bestimmte meinung haben. gegen mitte des 18. jhs. mit deutlicher frequenzsteigerung: ⟨1150/60⟩ nicht nedenke des ane mich/ ich ne han is weiz got nicht getan könig Rother 1978 F./K. ⟨u1300⟩ die lute uf in dachten/ nicht wol väterb. 32948 DTM. z.j.1433 were do nicht qweme, czu dem wolde man dencken als czu einem feynde script. rer. lusat., n. f. 1,64. 1525 er thuͤt, wie er fulet, und denckt auch nicht anders von gott, denn wie die wortt lautten Luther w. 17,2,66 W. 1610 vber diß ewige höchste gut kann keine creatur bessers dencken Arndt christenthumb 2,308. 1743 ich weis nicht, was ich von fräulein Philippinen denken soll dt. schaubühne 4,130 G. 1810 was soll ich auch von dieser rede denken? Kleist Käthchen 192. 1955 wie aber die verfasser des bgb über diese fragen dachten, ergibt sich aus folgender .. bemerkung Scholz rechtssicherheit 25. β mit akkusativobjekt und objektsprädikativ sich jmdn. oder etwas in bestimmter erscheinungsform oder mit bestimmten qualitäten versehen vorstellen. gegen mitte des 18. jhs. mit starker frequenzsteigerung: ⟨u1300⟩ die reineckeit die er do vorn/ hete, die dahte er virlorn väterb. 18970 DTM. hs.16.jh. ich denck (hs.: danck) euch, als ich pillich sol,/ mit kunsten so gewere Tannhäuser (unecht) 232 S. 1512 ich denck den tagk,/ das ich der welt ouch ware glych,/ also schon vnd süberlych,/ das mir die frowen warent holdt Murner 3,122 Sch. 1715 nehmet einen topff, welchen ihr dencket, daß er groß genug zum fleisch und kraut seyn möge Amaranthes frauenzimmer-lex. 1761. ⟨1765⟩ ich bin ein christ, und dich, mein Dälliker, denk ich einen Füszli br. 114 M. 1807 nun muß ich dich als fürstin denken Goethe I 2,7 W. 1892 die erhabenheit als absolute bestimmung gedacht, wie bei don Quichote, schlägt ins komische um Diez theorie 44. ⟨1954⟩ wenn fachleute und ästhetiker heuet von ‘kunstgesetzen’ sprechen, .. so sind alle diese gesetze nicht ohne dies ‘publikum’ zu denken Furtwängler vermächtnis (1956)137. γ mit akkusativ- oder genitivobjekt und präpositionalobjekt. etwas für einen verwendungszweck bestimmen. nur gelegentlich: ⟨u1200/10⟩ ein pfelle von Acratôn,/ ûz heidenschefte verre brâht,/ wart ze eime zil aldâ gedâht Wolfram Parzival 7309,20 L./H. ⟨1240/50⟩ vil wisent und urrinder/ hat Terramer mit im braht:/ war zu er der habe gedaht,/ niht wol ich des erkennen kan Ulrich v. Türheim Rennewart 6344 DTM. u1480/1 on zweyfel so pistu ye deer,/ den ich zu puln mir hab getacht Folz reimpaarsprüche 36,131 F. hs.15./16.jh. das horen sey geschentt/ und der es mit im her hat pracht,/ wan zuo kaim guotten ist es gedaucht fastnachtsp., nachlese 204 LV. b mit zwei präpositionalobjekten bzw. mit einem präpositional- und einem akkusativobjekt zur bezeichnung dessen daß eine größe dadurch vorgestellt oder bestimmt wird, daß sie in zusammenhang mit oder in relation zu einer anderen größe gebracht wird: 1775 wenn man sich unter der politischen freiheit eine unabhängigkeit von den befehlen eines oberherrn denkt, so ist .. Scheidemantel allg. staatsrecht 213. 1811 als ein solches ungeheuer erscheint es auch hier. an einen löwen ist dabei wohl schwerlich zu denken Böttiger archäologie 1,93. 1840 dann wäre überhaupt unter capitis deminutio zu denken eine jede verminderung der rechtsfähigkeit Savigny system 2,62. 1911 man nennt jetzt so vielerlei kultur, daß es nicht immer leicht ist, sich bei diesem worte etwas bestimmtes zu denken Naumann geist 113. 1964 ich denke dabei vor allem an die lasten ‘tod und leiden’ Thielicke gespräche 253. c mit dativ- oder präpositionalobjekt und akkusativ-, genitiv- oder präpositionalobjekt zur bezeichnung dessen, daß etwas jmdm. zugedacht wird. selten. α jmdm. etwas in gedanken zuweisen, etwas für jmdn. bestimmen: ⟨u1195⟩ nû enbirt er und ich enbir/ der êren der uns was gedâht Hartmann Heinrich 101301 ATB. ⟨u1300⟩ do wart in dar von vogelen braht/ daz in zu spise was gedaht väterb. 15410 DTM. ⟨n1345⟩ got. ‘frou sêle, ir habt iur edelkeit/ vergezzen und iur wirdicheit,/ ich het iu grôzer êrn ge- dâht:/ nu ligt ir in der sünden bâht/ ..’ erlösung 16,195 B. 1532 es (gut) kriegen die eisen fresser, den es nye gedacht jst (bearbeitung) Luther w. 32,444 W. 1616 es ist einem andern bedacht (gedacht) vnnd mir beschert alijs destinatum & mihi datum Henisch t. spr. 1,676. β jmdm. etwas in gedanken zugute halten oder nachtragen: ⟨1343/5⟩ (nd./md. or. um 1281/2) wol mir! ich danken dir, keyserlicher gotz sun./ des denke ich dir jemer me,/ dc du mich in der welte von der welte hast genommen Mechthild v. Magdeburg 239 M. ⟨1473/8⟩ durch kurtzweil wil ich ewchs mit willen schencken./ kumbt es hernach zu schulden, das ir mirs wellet auch zuem pestten dencken Fuetrer gralepen 1937,4 DTM. 1790 kommt denn kein nachbar? hätt’ ich doch nicht geglaubt, daß sie mir’s so denken sollten. ja! ja! so ist’s! sie sehen zu, sie machen höhnische gesichter Goethe I 12,22 W. mdal. noch im al. 3 bloße, nicht auf explizite inhalte bezogene denktätigkeit; einwertiges tätigkeitsverb. a zur bezeichnung einzelner denkoperationen im sinne von nachdenken, grübeln, wobei die aktualität der tätigkeit durch fakultative temporalangaben oder durch den verbaspekt zum ausdruck kommt. ahd. nur gelegentlich, seit dem mhd. breiter bezeugt: u830 uuelih iuuar thenkenti (cogitans) mag zuogiouhhon zi sinero giuuahsti eina elina? Tatian 238,3 S. ⟨v1022⟩ tû habest kelirnêt spûotigo, denchennes mûodiu, bûocho geladeniu Notker 2,156 ATB. ⟨1130/50⟩ duo (der bewußtlose) Achior der heideniske man wider denchen began,/ do bot er sich so suoze der vrouwen zuo den vuozen jüng. Judith 65,12 M. hs.E12.jh. div maget begunde denchen,/ div ovgen nider senchen priester Wernher D 2431 W. ⟨u1230⟩ so lange denchende ich saz Konrad v. Heimesfurt urstende 125,72 H. hs.A14.jh. ist aber ir keine also trege daz si in wolle oder in moge denken noch lesen der sal man it werkes beuelen regula st. Benedicti 266 S. ⟨u1480⟩ die chünigin .. saß denckend an ir pett, versan sich so lang, das si pey nach unsinnig wär worden Fuetrer Lanzelot 161 LV. 1669 andere schlossen dahin, Polyphilus solte dencken, und was ihm beyfallen würde, das solte gelten Stockfleth Macarie 260. 1798 denkend schaute Hermann zur erde; dann hob er die blicke/ ruhig gegen sie auf Goethe I 50,245 W. 1852 denken sie nicht, sie sind in agitation – lassen sie jetzt andre für sich denken, die ruhiger sind Alexis ruhe 5,73. 1943 wenn es in uns denkt, also in der seelischen innenschau Bergmann weltbild 39. im substantivierten inf.: ⟨1462⟩ denckhen macht, das ich schau dickh hinhinter/ an die vergangne täg Püterich ehrenbr. 119,5 B./W. 1541 schweigen vnd dencken kan niemand krencken Franck sprichw. 2,88a. 1641 der grosser donnermann der in dem himmel wohnet und unser dencken hört Schottel sprachkunst 225. 1749 der mensch vertieft sich ganz und gar,/ wenn ich im denken ihn nicht unterbreche Gleim vers. 127 TND. 1830 sinnend saß sie, tiefes denken/ hatte sie durchaus umwoben Immermann 5,35 M. 1957 denken wir dem nach und bleiben wir in solchem denken, dann merken wir, daß wir aus dem bereich des bisherigen denkens abgesprungen und im sprung sind Heidegger grund 185. b zur bezeichnung des denkens als der eigentümlichen tätigkeit eines geistigen subjekts, in philosophischer literatur auch in definitorischem zusammenhang. freie adverbialangaben über modalitäten oder intellektuelle bereiche der tätigkeit können hinzutreten. seit dem 15. jh., zunächst nur mit gelegentlicher bezeugung, die im 18. jh. rasch zunimmt und seitdem gleichbleibend und stark dominierend gegenüber der von a ist: 1713 das wesen, welches in uns dencket, nennen wir die seele Ch. Wolff verstand 5. 1781 denken ist das erkenntniß durch begriffe Kant 4,59 ak. 1886 daß jahrtausendelang die europäischen denker nur dachten, um etwas zu beweisen Nietzsche w. 2,646 Sch. 1955 jedenfalls müssen wir jetzt ganz vernünftig denken Nossack spätestens 44. häufig im substandivierten inf.: 1550 vil sind mit gsaͤchnen augen blind./ .. es ist, wie du erst hast geredt,/ das niemants kein dencken meer hett schweizer schausp. 2,154 B. 1741 es hat daher ein gewisser weltweiser das denken als den kräftigsten beweisgrund unsers daseyns angegeben freydenker A 1b. 1953 die philosophischen lehren geben uns für gewöhnlich .. keinen einheitlichen, gleichartigen und wesensgemäßen begriff des denkens Blondel, denken 1,10. in wendungen wie bei menschen denken ‘seit sehr langer zeit⟨z.j.1485⟩ so war es nie gehort bey menschen denken, das die lastadie so wuste gestanden hot als das yor script. rer. pruss. 4,755. 1704 aldiweil Sputendorff nunmehro über menschen dencken aus Stanßdorff curiret worden ist entscheidungen cölln. konsistorium 466 B. häufig im part. präs., attributiv: 1696 wie nun dieser gebohren werde und doch mit dem denckenden gott gleich ewig seyn könne, ist solcher gestalt nicht gar schwer zu begreiffen Lüttichau pansophia 75. 1814 der denkende mensch erstrebt höheres Nemesis 1,229 L. 1959 ist es einem denkenden menschen heute überhaupt noch möglich, an eine göttliche weltordnung zu glauben? Oberth stoff 16. substantiviert von personen: 1748 ein weiser denckender, der sich in sich vergißt,/ kann so gemeines zeug nicht in dem kopfe tragen Lichtwer aesop. fabeln 82. 1831 der mensch aber als denkender umspannt auch die zeit, welche nicht mehr ist Rosenkranz naturreligion 168. 1910 daß unsere ahnen rohe, gewalttätige wesen waren, zügellos in ihrer lebensweise und in ihrer körperform den affen ähnelnd, wird kein naturwissenschaftlich denkender mehr bezweifeln können Walther geologie v. Dtld. 130. 1954 es wurde ein buch für jedermann, und kein denkender zeigt sich, der dem grundgedanken dieses buches und seiner dunkelheit gewachsen wäre Heidegger denken 21. 4 in einem schriftsprachlich seltenen, aber mdal. im obd. (mit ausnahme des schweiz. und els.), schles. und hess. nachgewiesenen gebrauch zur bezeichnung der geistigen präsenz eines denkinhalts; zweiwertiges zustandsverb mit sachsubjekt und persönlichem dativobjekt. a zum ausdruck dessen, daß etwas jmds. meinung ist: hs.M14.jh. (der papst sollte haupt, schirm und richter der christenheit sein) nu dunket mich (hs. denket mir), wie er sie gar verkere minnesinger 3,6a H. 1737 wer weiss nicht, o verführerin (wollust),/ dass du vorlängst und künftig hin,/ so lang es nur den zeiten denckt,/ von unsrer götter-schaar/ auf ewig must verstossen seyn? Henrici ged. (1727)4,25. b zum ausdruck dessen, daß etwas jmdm. in erinnerung ist: 1544 mir denckts noch wol, das man vor zeyten fragete, was .. (nachschr.) Luther w. 52,108 W. 1936 selbigen winter war ‘geschlachtes’ wetter zum reuten; das denkt mir noch gut Distelbarth lebendiges Frankreich 21.

denken, n.

Fundstelle: Band 6, Spalte 658, Zeile 24
DENKEN n.   im frühen 19. jh. zu denken vb. 1 b (s. d. α) gebildet. zur bezeichnung einer gesamtheit von gedanken als gedankengut, bewußtsein, geisteshaltung: 1808 das in dieser rücksicht zu sagende, das in meinem gesammten denken nicht so einzeln und abgerissen, und nicht ohne begründung bis in die tiefe des wissens, dastehen dürfte, wie es hier sich giebt Fichte reden 116. 1876 eine wesentlich mitwirkende ursache für den verfall des wissenschaftlichen denkens in der naturwissenschaft erkennt Zöllner in dem einflusse der technik und industrie auf dieselbe E. v. Hartmann ges. stud. 191. 1904 diese frage hat im denken des Paulus eine große rolle gespielt und keine geringere in seiner lehre Weinel Paulus d. mensch 233. 1958 die vertreter des militärischen denkens in der diplomatie hatten ihren völkern seit 1950 unblutige siege .. versprochen Sethe entscheidungen 58.

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Zitationshilfe
„dacht“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/dacht>, abgerufen am 25.10.2021.

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