Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

dahintenlassen, vb.

Fundstelle: Band 6, Spalte 106, Zeile 17
DAHINTENLASSEN vb.   1 räumlich. zurücklassen, während die bewegung deren glied jmd. oder etwas ist, weiterläuft: ⟨u1450/68⟩ als das nun ergangen was, da zugen wir von dannen und ließen den merertail vich und anders, das wir vor gewunnen hetten, dahinden von not wegen (Augsb.) chr. dt. städte 5,278. 1559 dem pfaffen ware gach zuͦ dem loch hinnauß unnd wolte dem landtsknecht nicht zu trincken geben, ryß sich also von dem landtsknecht und zuͦ dem hauß hinnauß, ließ seinen rock dahinden Schumann nachtbüchl. 236 LV. 1672 ich muß bekennen, daß es mich sehr gereuet, daß ich meinen lieben mantel auß nothzwang dahinden lassen müssen simplician. Jan. Perus 1,180. 1793 um nicht einige wenigen leichen seiner freunde, die in der see herum schwommen, dahinten zu lassen, ließ er eine menge lebender feinde in aller sicherheit von dannen rudern Bode Montaigne, gedanken 1,33. 1860 denket nur .. an jene 30.000 Salzburger, die um des glaubens willen von dem katholischen bischof aus dem lande gejagt wurden und fast alles dahinten lassen mußten Harms pred. evangelien 239. 2 ohne räumliche vorstellung. unterlassen, verlieren, aufgeben; bei referierender aufzählung auslassen: ⟨13./14.jh.⟩ (ein blinder mann hat seine frau verspottet, was zu seiner eigenen verspottung führt.) der grozen itewiz uf im hat/ und des muot also hohe stat/ daz er selten spot verbirt,/ mit spotte ouch dem gelonet wirt./ dem geschiht reht als dem blinden:/ der lie den sin da hinden n. gesamtabenteuer 6,24 N. 1441 ‘nun fach mir an den hœchsten an/ und laus es an den nidrosten usgan,/ laus nieman dahindan. sag mir/ nach mins herzen begir/ von ieglichem besunder’ teufels netz 2891 LV. 1525 gmain nutz laßt man dahinden,/ aignen nutz thuͦt man finden kirchenlied 3,518 W. u1700 die bauers-weiber insgemein,/ die wollen nicht ohn vörthel seyn./ sie schachern, kratzen, schaben, schinden,/ und lassen keinen ranck dahinden Veroander lasterprob (o. o. u. j.) 197. ⟨1774⟩ damals aber entzündete die nachricht, daß der kayser seine armee nach Ungarn, gegen die Türken, marschiren liesse, einen funken in seiner brust, daß er, ohn’ urlaub zu bitten, sein griechisch und latein dahinden ließ Bode Schandi (1776)6,60. 1936 während in der arbeit der mensch alle lebensgüter in ihrer lebensunmittelbaren verbindung dahintenläßt und in seiner arbeitseinsamkeit seinem werk entgegengeht, verläßt der asket in der beschaulichkeit sogar zeitweilig noch dieses sein werk und geht in die allergrößte einsamkeit mit gott Hengstenberg askese 218.

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Zitationshilfe
„dahintenlassen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/dahintenlassen>, abgerufen am 08.12.2021.

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