Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

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damisch, adj.

Fundstelle: Band 6, Spalte 137, Zeile 34
DAMISCH adj.   abl. zu einem wort, dem germ. *þem- zugrunde liegt, das seinerseits mit lat. tēmētum rauschgetränk, tēmulentus berauscht, ai. tāmyati ‘wird betäubtauf eine idg. wz. *tem- ‘geistig benommen, betäubtzurückführt. die anfangs häufigere form dämisch oder tämisch des seit dem 15. jh. obd., seit dem 16. jh. omd. bezeugten wortes verschwindet bald nach 1900 aus dem literarischen gebrauch, um der im bair.-öst. jünger allein gültigen form damisch platz zu machen. im späten 18. und im 19. jh. gelegentlich auch im nd. raum, wo sonst gleichbedeutendes aber jüngeres dämlich und dammlig bodenständig sind. 1 betäubt, benommen, schwindlig, um die mitte des 19. jhs. auslaufend: 15.jh. wen dir das haupt we tut oder temisch ist Schmeller/F. bayer. wb. (1961)1,603. ⟨1530/45⟩ das treib ich so lange, bis ich demisch in kopffe wardt (nachschr.) Luther tischreden 5,475 W. 1618 die in die tieffe hinab sehen, werden dämisch Schönsleder promt. K 3d. ⟨1738⟩ denn ich bin bis itzo noch gantz dämisch, ohngeacht ich mich weder heute noch gestern in weine übernommen habe Schnabel cavalier (1752)107. ⟨1836⟩ hast zuviel würze nur genommen,/ nun bist du dämisch und beklommen Lenau s. w. 508 E. 2 dumm, töricht, beschränkt; aus der kennzeichnung eines vorübergehenden physiologischen zustandes in die bezeichnung einer angeborenen eigenschaft hinüberwechselnd. mit der etymologisch vorrangigen bedeutung 1 mindestens gleichzeitig nachweisbar im frühesten beleg schwer interpretierbar und fraglich ob hierher gehörig: 1432/8 der vierd beweint sein grosse sündt,/ durch michl reu sein herz andächtiklich erzündt/ tämischer grund, die niemand kan erhüllen Oswald v. Wolkenstein 117,24 ATB. 15.jh. du taͤmische unsaͤld Schmeller/F. bayer. wb. (1961)1,603. 1533 gabens auß für unsinnig leut, afterweis, dämischer und zerrütter hirn traum Turmair 4,1,50 ak. 1732 kein volck unter der sonne so gar tumm und tähmisch, das sich nicht zu einer religion .. bekennen solte Vogt licht 172. 1815 daß man einen zwar nicht verdienstlosen, aber doch dämischen menschen vor sich zu sehen glaubt (vorher: schwankend und unsicher, im handeln übereilt und mehr verworren als klar) Goethe I 41,1,77 W. adverbial: ⟨1883⟩ so töricht ist der mensch. – er stutzt,/ schaut dämisch drein und ist verdutzt Busch 5,395 N. 3 gelegentlich im anschluß an 2 auch ‘unvernünftig, unbeherrscht, zornig 1690 je mehr gott den leuten giebt, desto mehr wollen sie haben und desto tämischer werden sie, wenn der liebe gott nicht flugs aufplatzt, wie sie es haben wollen Weise seele 274 DLE. 1905 des hat eben den senior so rabbiat gemacht, so damisch Ruederer morgenröte 13. 4 wie bei dumm, blöde, verrückt u. a. auch unbestimmter, als bloßes schimpfwort, auch auf sachliches bezogen: 1696 wer mit dummen kerlen zu thun hat, der muß sich eine dämische mode gefallen lassen 1DWB 2,704. 1700 du dämischer dieb Reuter Ehrenfried 51. 1912 du dämischer gehilfe falscher götter Essig Napoleon 60. 1930 war es doch dieser damische prozeß? Feuchtwanger erfolg 1,39. ⟨1947⟩ diesmal ist ihm seine ganze militärspielerei verdorben worden, dem hanswursten, dem damischen Graf unruhe (1948)138. 5 als ‘groß’, ‘sehr’ eine mdal. verwendungsweise aufgreifend: 1885 dös war mir a hauptspaß und hat mer a damische freud’ g’macht Anzengruber 34,61 B.

dämisch, adj.

Fundstelle: Band 6, Spalte 138, Zeile 18
DÄMISCH adj.   s. damisch.

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Zitationshilfe
„damisch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/damisch>, abgerufen am 07.12.2021.

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