Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

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1dammen, vb.

Fundstelle: Band 6, Spalte 151, Zeile 77
1DAMMEN vb.   mnd. dammen. abl. zu damm, schw. konjugation. schon bald mit 1dämmen vermischt und durch dieses seit dem 17. jh. fast völlig verdrängt. 1 einen damm errichten (zur abwehr oder stauung von wasser), an einem damm arbeiten: 1444 dat sy vry soilen syn van sanden, dycken, dammen, graven annalen Ndrhein 75,55. 1743 und also den conductorem .. zu teichen und dammen anstrengen teich-ordn. Bremen 36. als damm errichten, in bildlichem zusammenhang erweitert angewendet: ⟨v1847⟩ laßt uns zerbrechen die philisterrotte/ und hoch der dichtkunst siegesmale dammen Strachwitz ged. (1853)119. 2 dann im gleichen sachbereich auch etwas mit einem damm versehen: 1525 ad piscinam extra portam eandem canale žw dammen qu. Kronst. (1886)1,613. 1604 dammen unde bolwerken .. den .. strom meckl. wb. 2,240. 1627 das wasser wird auff die vest gedammet Piderit chr. Lippiae 2,351. nur vereinzelt übertragen: 1816 nicht kann ich meiner gluten fluten dammen Vosz jungfer 64.

2dammen, vb.

Fundstelle: Band 6, Spalte 151, Zeile 19
2DAMMEN vb.   s. damnen.

1dämmen, vb.

Fundstelle: Band 6, Spalte 151, Zeile 19
1DÄMMEN vb.   mhd. temmen, demmen. abl. zu damm nach art der jan-verben. ersatz der im 16. jh. noch häufigen obd. wortform tämmen durch die nd. dämmen im 17. jh. durchgeführt. seit dem 14. jh. bezeugt. die bedeutungsunterschiede zu 1dammen sind früh verwischt, nur die übertragene verwendung bleibt fast völlig 1dämmen vorbehalten. 1 trans. etwas mit einem damm versehen oder etwas durch einen damm zurückhalten. von anlagen und maßnahmen zum schutz gegen überflutung und zur regulierung von gewässern: ⟨1349⟩ gutte muelstette und das wyr wasser mugen doruff geleythen und temmen wo wir wollen cod. dipl. pruss. 4,2 V. n1689 soll auch nimand sich unterstehen, flüsse, bäche und siepen .. zu stauen und zu dämmen lieffländ. landes ordn. (Riga o. j.) 26. 1857 wer das feuer löscht, das wasser dämmt Knies telegraph 233. im bilde oder in einer hier wurzelnden, von 6 zu trennenden übertragung; besonders jünger: 1657 die sturmwell (der feinde) ist numehr durch mittel nicht zu tämmen./ die flut reist überhin, wie wenn das land versenckt Gryphius Carolus 69 P. 1822 geister .., die .. den strom des andringenden übels zu dämmen wissen Görres 13,438 Sch. 1963 ohne seinen sprachfluß zu dämmen Grass hundejahre 21563. 2 intrans. einen damm anlegen, dammarbeiten verrichten auch hier im bereich des flutschutzes und der wasserlaufregulierung seit dem 17. jh. ungebräuchlich: ⟨E14.jh.⟩ sal daz (die anlage eines aborts) bewercken gein der gassin, und zcwuschin sime nagkebur themmyn Rothe rechtsb. 148 R. 1599 fort sollen sie helffen themmen, teichen, bessern Schütz hist. 324b. 3 sich zu einem damm aufwerfen, einen damm bilden, auch reflexiv: 1693 es dämmen und fallen die wasser wegen nicht wohl verwahrter gerinne Schönberg berginformation 1,193. 1844 recht, wo der sand sich dämmt,/ da lagert es am hügel Droste-H. 1,1,50 Sch.K. 4 literarisch selten und nur älter bezeugte, aber mdal. heute nd., auch md. verbreitete bedeutungen wie feststampfen vollstopfen, auch zuschütten könnten sachlich von den unter 1 und 2 bezeichneten arbeiten ausgehen (vgl. auch zudämmen 1DWB und mnd. dempen), so daß an beziehung zu dämmeln und 2dämmern nicht gedacht zu werden braucht: 1617 demmen vnd schlagen in tiegel im ofen mit etwas schweres, gemeiniglich mit der eisern kellen nieder, das es dicht auff einander kömpt Löhneysz bergkwerck 82. 1626 hültzene stämpffel, die erde damit auffeinander zu dämmen, daß sie fäst werde Gottfried Sardi, fortification (1623)1,256. 5 fachsprachliches. in der weberei für das anspannen, langziehen des fadens: 1821 wenn während der arbeit (des webens) das gewebe kräftig angespannt wird (das kunstwort heißt dämmen), so verlängert es sich merklich Goethe I 25,1,125 W. im hüttenwesen für die regulierung des metallflusses im hochofen: 1860 den hochofen d(ämmen) Sanders wb. (1876)1,261a. 6 im 16. und 17. jh., z. t. schon früher und gelegentlich auch jünger (wo aber ein-, zurückdämmen üblicher sind) in übertragenen bedeutungen, denen die vorstellung des einschränkens gemeinsam ist. bildlicher anschluß an den schmaleren ohnehin meist jüngeren eigentlichen gebrauch 1 ist dabei kaum spürbar, eher analogie zu den vielfach bis heute noch gebräuchlichen verwendungen von 2dämpfen 1 b, auch von zähmen. a in sachlichen oder abstrakten anwendungsbereichen von zurückdrängen bis beseitigen reichend oft schwer präzisierbar. α feuer dämmen sowohl eindämmen wie löschen: u1400 das fuͥre helfen leschen und demmen obschwäb. stadtrechte 1,172 M. 1625 auff drey vnd achtzig häußer g’schwind/ so diß fewr hin thät nemmen/ .. ehe man solch brunst kont demmen Kleinlawel straßb. chr. 58. 1843 der brand war gedämmt worden, das element der menschlichen anstrengung unterlegen Gotthelf 7,133 H./B. β mildern, entschärfen, mäßigen, stillen, heilen, besonders in der älteren medizin mit bezug auf physiologische vorgänge und krankhafte prozesse sowie ihre begleiterscheinungen: 1542 das wasser hat vnzaͤliche krefft .. legt vnd daͤmmet das kalt schaudern in febern Ryff apoteck (1541)2,128a. ⟨1563⟩ frisch vnd warm als sy (die harnflüssigkeit der ziege) geseicht in die oren getroͤufft, dempt den schmertzen der oren Forer thierb. (1583)60b. 1588 die sawren (speisen) demmet der zucker vnnd macht sie lieblich Tabernaemontanus kreuterb. 1,712a. 1610 erstatten die wein ween (den geminderten weinvorrat) mit gutem külen wasser. daran ich sie schier darff loben, weilen je die thorächten den wein selbst nit wässern noch dämmen woͤllen Guarinonius grewel 695. 1715 wann man auß den unzeitigen kürbsen ein wasser destillieret, so kan man darmit alle äusserliche entzündungen der augen, ohren u. a. glideren dämmen Muralt lust-garte 337. γ im blick auf natürliche triebe und begierden, im sinne von zügeln, aber auch von unterdrücken, abtöten: 1520 von der wurtzel aller sünd, fomes genant, die mag man nit vßrüten, man mag sie wol ein zeit demmen Pauli narrenschiff R 1b. 1767 diese edle wissensbegierde .. welche .. die animalischen triebe wo nicht gänzlich zu unterdrüken, doch gewiß zu dämmen und zu mässigen pflegt Wieland Agathon (1766)2,203. ⟨1914⟩ bis auch Jaroslav seinen zorn nicht mehr zu dämmen vermag und es einen krach gibt Kisch ges. w. 1,86 U./K. δ in der abwehr feindlicher mächte oder feindseligen unrechten verhaltens soviel wie einhalt gebieten, unterdrücken, verhindern, auch strafen: 1422 die vorgenanten ketzere und ketzeri mit gotes hilfe und teglichem kriege zuͤ helligen und zu temmen dt. reichstagsakten 8,172 ak. 1533 wo nit sollicher vbermuͦt bald gedempt werde Pinicianus Scanderbeg 46b. 1656 daß das türckische reiche von eusserlichen vrsachen nicht leichtlich so hoch anzufechten, zugeschweigen zu dämmen seye Furttenbach metamorphoses 130. ⟨1800⟩ je mehr er nun zum vorschein kömmt/ und wild umher sich treibt auf erden:/ je mehr wird seine macht gedämmt Novalis 21,250 K./S. ε speziell das licht dämmen seine ausstrahlung verhindern oder einschränken: 1778 licht,/ das .. gedämmet durch das laub bricht L. H. Nicolai verm. ged. (1792)1,247. auch prägnant dämmen verdunkeln, das licht wegnehmen: 1713 hiernechst demmet er (der ulmenbaum) auch nicht sehr in korn, getreyde, wiesen und weiden gleich andern bäumen, deren schatten und tröpflung großen schaden thut Carlowitz baum-zucht 336. vgl. dazu schweiz. tammen, tämmen schatten geben mit anderer etymologischer zuordnung schweiz. id. 12,1787; s. auch noch Müller-F. obs. mdaa. 1,192a. ζ darüber hinaus auch in mehr gelegentlicher beziehung, auch hier zwischen einschränkung und beseitigung schwankend: ⟨u1350/77⟩ wenn er (der ins kloster gegangene alte sünder) demen solt und stillen,/ als ich sprich, die alten schuld,/ so ist ez sin ungedult/ das er nit me suͤnden kan Teichner 572,80 DTM. ⟨15.jh.⟩ er (der winter) demt in (den vögeln) ir gesang 1DWB 2,708. 1923 selbstsichere beherrschung dämmt allen formenüberschwang Gerstenberg landschaftsmalerei 116. b in der beziehung auf lebendige wesen für akte des zwangs und der gewaltanwendung. α jmdn. dämmen jmdn. zwingen, bezwingen, besiegen, unterdrücken: u1517 welche ir muͦter nit mocht demmen,/ durch grosse huͦt die do beschach,/ das sie nit solte volgen nach/ irem man der in Cecilia was Gengenbach 128 G 1541 hat er die beiden künig Mithridatem vnnd Tigranem faren lassen, als die schon überwunden vnd gedaͤmpt weren Boner Plutarch 1,338b. v1545 Thell, es darff diser wort nit vil,/ wiewol ich dich vast wol demmen wil urner sp. Tell 12 V. 1576 der auch gots volck durch kindermord/ wolt demmen, das es nicht wuͤchs fort kirchenlied 4,828 W. 1660 nach dem etliche von den aufrührern gefangen und die Schotten gedemmet worden Wood, Florus 51. vereinzelt geradezu ‘tötenA15.jh. ich vind, daz all gevangen man/ mag man temmen ze der geschicht,/ ob man sich für wars versicht,/ daz ir leben schaden tät Wittenwiler 8469 DLE. β bei tieren sowohl in dem sinn von gewaltsam schädigen wie vornehmlich von zähmen, abrichten: 1501 wa aber bären oder schwin iemandts in sin gütern .. schaden teten, die selben mögen solich fraidsam thier wol schiessen oder sunst demen obrhein. stadtrechte II 1,130. ⟨1563⟩ avß den wilden thieren, so von nutzbarkeit waͤgen von dem menschen gefangen, heimsch gemacht vnnd gedempt sind worden, soͤllend billich die schaaff den preyß behalten Forer thierb. (1583)140a. 1700 ein wild pferd etc. dämmen Kramer dict. 1,198c.

2dämmen, vb.

Fundstelle: Band 6, Spalte 153, Zeile 27
2DÄMMEN vb.   abl. zu ahd. mhd. toum, doum dunst, s. auch dämig. in intrans. verwendung mhd. toumen dunsten. trans. bair. schwäb. dämmen dünsten, vgl. Fischer schwäb. wb. 2,113. Lexer kärnt. wb. 51: 1715 das frische über der heissen herdstatt gedemmt oder getrocknete kraut Hohberg/E. georgica 3,1,401a.

3dämmen, vb.

Fundstelle: Band 6, Spalte 153, Zeile 33
3DÄMMEN vb.   s. demmen.

dehmen, vb.

Fundstelle: Band 6, Spalte 551, Zeile 74
DEHMEN vb.   abl. von dehme m. 1. nbf. dechen. vieh, das zur mast in eichen- und buchenwälder getrieben wird, besteuern; zweiwertiges tätigkeitsverb: u1366 auch sal man die swine demen und schuczen vor sant Mertins tage. darnach mogin sie ire swyne wiedir in walt dribin und gebin dovone nyeman nit frankf. amtsurk. 19 B. ⟨15./16.jh.?⟩ so ein voller eckern ist, .. so dechen sie iegliche sau vor neün heller weist. 6,490 G.

demmen, vb.

Fundstelle: Band 6, Spalte 622, Zeile 31
DEMMEN vb.   nbf. dämmen. (1) in ungeklärter beziehung zur idg. wz. *dhem- ‘stieben, rauchenmit -b-erweiterung, zu der, mit -p-erweiterung, 2dampf m. gehört, das außerdunst, qualm’ auch ‘prasserei’ bedeutet (s. 2dampf m. 3 c) und von dem 4dämpfen vb. ‘zechen, prassen’ abgeleitet ist. demmen steht fast ausschließlich in der verbindung schlemmen und demmen, die das sonst isolierte demmen stützt. die verbindung wird ende des 16. jhs. ins nl. übernommen und dort in slempen en dempen umgeformt, s. WNT 3,2401. es ist anzunehmen, daß die verbindung die voraussetzung ist für die gegenseitige lautliche angleichung von demmen und schlemmen aus zugrunde liegenden 4dämpfen vb. und schlampen ‘schlürfenbzw. für eine angleichung von schlampen vb. an ein dann unabhängig von 4dämpfen vb. bestehendes demmen vb. ( 1715 Hohberg/E. georgica 3,1,401a unter 2dämmen vb. und noch in jüngeren vor allem obd. mdaa.), weniger wahrscheinlich für eine oft behauptete angleichung von 4dämpfen vb. an schlemmen vb. (dabei ist zu beachten, daß schlemmen vb. seinerseits ohne stützung durch die verbindung mit demmen vb. kaum aus schlampen vb. herzuleiten ist). (2) demmen ist zu trennen von der gruppe mhd. toumen vb. ‘dunstenmit nur noch mdal. relikten, das abl. ist zu 2daum m., zur idg. wz. *dheu- ‘stieben, wirbeln’ (insoweit ist 2dämmen vb. ‘dünsten’ 2DWB 6,153 zu berichtigen). 1 prassen; einwertiges tätigkeitsverb: 1494 (sie) schlemmen vnd demmen tag vnd nacht Brant narrenschiff c 6b faks. 1695 auff welchem (fest) sie die zeit mit sauffen und fressen, schlemmen und demmen .. zugebracht Kelch liefländ. hist. 28. im 18. jh. auslaufend; vereinzelt noch im 19. jh.: ⟨1827⟩ denn er liebte das schlemmen und demmen mit guten zechbrüdern Aurbacher volksbüchl. (1835) 1,164. gelegentlich außerhalb der formel: 1616 er demmet, so lang er einen heller weist Henisch t. spr. 1,673. 2 selten speisen verschlingen; zweiwertiges tätigkeitsverb mit akkusativobjekt: 1558 die andern, die .. imm würdtshawß schlämbten und dämpten, was der hertzog guͦts mit im bracht hette Lindener katzipori 81 LV.

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Zitationshilfe
„dammen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/dammen>, abgerufen am 20.10.2021.

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