Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

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1dampf, m.

Fundstelle: Band 6, Spalte 169, Zeile 57
1DAMPF m.   ahd. dampfo, mhd. dampfe. mnd. dampe. wohl ebenso wie 2dampf abl. vom präteritalstamm eines in mhd. dimpfen ‘dampfen, rauchen’ erhaltenen st. vb., mit germ. p-erweiterung zur idg. wz. *dhem- ‘stieben, rauchen, blasen’. schw. deklination, ohne plur., im 15. jh. übertritt zur st. deklination, so daß lautlicher zusammenfall mit 2dampf eintritt. gelegentlich umgelauteter stammvokal, vielleicht unter einfluß von 1dämpfen: 13.jh. brancus dempho ahd. gl. 3,295,44 S./S. asthma, engbrüstigkeit, als krankheitsname oder als bezeichnung für erstickungszustand, bis zum ende des 18. jhs. von menschen und tieren. jünger neben dämpfigkeit nur bezeichnung der pferdekrankheit und auf das öst. beschränkt: 11.jh. katarrus tampho ahd. gl. 3,489,16 S./S. 12.jh. brancus morbus i. dampho ahd. gl. 3,277,51 S./S. u. ö. ⟨v1473⟩ item fúr daz stechen des leibs vnd fúr den tampff des leibs vertreibt es (ein kraut) inwendig vnd macht guͦten ringen atem Schrick wasser (1481)11b. 1483 ieghen den dampen in: Schiller/L. mnd. wb. 1,478b. 1596 reib die händ morgends nüchtern mit nassem saltz. das zeucht den dampff von der brust, vnd macht weit Gäbelkover artzneyb. 1,194. 1648 wie bald macht schnup vnd dampf dir vnmuth vnd verdruß./ jetzt hastu bösen hals, vnd jetzt verschlemmten magen Dach ged. 3,248 Z. 1924 er hustete sich schon langsam den angehenden dampf an Gagern volk 113. 1956 dämpfigkeit (dampf) .. des pferdes ist nach österreichischem recht jede chronische, fieberlose .. atemnot lex. tierärzte 1,224 W.

2dampf, m.

Fundstelle: Band 6, Spalte 170, Zeile 8
2DAMPF m.   ahd. mhd. dampf. mnd. mnl. nnl. me. (seit dem 14. jh.) ne. damp. dän. norw. schwed. damp sind aus dem nd. entlehnt. auf westgerm. einzelsprachen beschränkte, seit dem 10. jh. nachweisbare abl. vom präteritalstamm eines in mhd. dimpfen ‘dampfen, rauchen’ erhaltenen st. vb., mit germ. p-erweiterung zur idg. wz. *dhem- ‘stieben, rauchen, blasen; vgl. 1dampf. st. deklination, wohl von anfang an i-klasse, da der plur. (erst seit dem 15. jh. bezeugt) gewöhnlich umlautet, umlautloser plur. vereinzelt: 1531 tampf (a. pl.) sterzinger sp. 2,150 WND. ⟨1562⟩ dampffen (d. pl.) Mathesius Sarepta (1571)186b. 1604 dampff (g. pl.) Colerus oecon. 3,214. 1 dunst, qualm als gestaltlose masse. fast nur im sing. gebraucht. a bei verbrennungsprozessen entstehender rauch, seit dem 18. jh. mit stark abnehmender frequenz. von brennenden gegenständen aufsteigend: 10.jh. uapor (nebulae de thure consurgebat) damph (Ez. 8,11) ahd. gl. 1,643,36 S./S. ⟨u1160⟩ ist uil w[â]tlich, daz si (die weltzugewandten seelen) an ir willen lîden muͦzen den [tampf der aller niderôsten] (aller niderosten tampf der hs.) hellegruͦbe st. trudperter hohes lied 113,14 M. ⟨2.h14.jh.⟩ daz lant daz waz mit fewre/ entzundet und verprunen auch,/ von dampf und auch von grozzem rauch/ macht nyemant wol gesehen Suchenwirt 4,416 P. ⟨u1460⟩ das (licht) viel in das stro und macht grosz feẃr und flammen. der appt ward da von erweckt; die taͤmpff warn gros, er kund die tẃr nye erfinden Hartlieb dialogus 344 DTM. ⟨1621⟩ (die soldaten) haben das dürre vnden, das grüne holtz oben drauff gelegt, dasselbig angezündt, also der dampff vnd die wolcken zusamen kämend Wallhausen camera (1623)28. 1781 (die waffen) sind ganz entstellt von dem rußichten dampfe des feuers (der brennenden kienspäne im saal) Voss odüßee 361. ⟨1896⟩ wir machen ein feuer an und springen durch den dampf, weißt du, so unten durch den gelben, dicken Hille ges. w. (1916)150. 1910 (man sieht vom glaubensfeuer) hauptsächlich weiter nichts als dampf und qualm und rauch Spitteler 2,443 B. rauch bei explosionen von sprengstoff: 1527 ob noch tampff in der hoͤhe des gewelbes belieb, so mag man .. hinder einer itlichen schießzinnen ein rund loch hinauß fuͤren Dürer befestigung C 4b. 1604 dermassen, daß sie wegen den rauch des dicken nebels vnd dampfs des groben geschutz vnd der musquetten vbel sehen konten belägerung Ostende 2, C 1a. 1790 feuern wir auf 300 schritt .. hernach kann man wegen des dampfs nicht mehr zielen Scharnhorst hdb. (1787)3,291. 1956 im donner der explosion auf dem kreuzer, während sein körper zerrissen .. in dampf und feuer aufgehoben und davongeblasen wurde Döblin Hamlet 13. dampf geben, machen schießen: 1670 imgleichen eroberten die Türcken acht regiments stücke, die bey dieser action keinen eintzigen dampf gegeben Francisci trauer-saal 1,1135. 1907 dampf machen (süddeutsch scherzhaft)schießen zfdwf. 9,51. 1959 zweimal war sogar auf ihn (den hirsch) dampf gemacht worden Herzog Diana 138. tabaksrauch: ⟨1575⟩ wann sie dann letstlich, den mundt, den rachen vnd den gantzen kopff mit solchem rauch vnnd dampff (von einem tabakähnlichen kraut) gefült Höniger n. weldt (1579)79. 1915 wenn wir .. unsere zigarren in dampf setzen Barlach leben 82 D. vereinzelt von staubwolken: 1701 wenn er (der stengel des zimts) gebrochen wird, so verdunckelt er mit seinem dampff die lufft, als wenn ein staub oder nebel erreget worden wäre Ruysbroeck, schr. m m 1b. ⟨1789⟩ das stampfen der kämpfer zermalmet zu dampf/ den sand und die schollen der erde Bürger 1,188 W. b ausdünstung seit dem ende des 18. jhs. mit abnehmender frequenz. ausdünstung von lebewesen, keuchender atem, mhd. besonders im zusammenhang mit kampfsituationen: ⟨u1210⟩ er (der drache) vuorte mit im an den kampf/beidiu rouch unde tampf Gottfried 49018 R. ⟨u1285⟩ (da war) ein gar engestlicher kampf,/ dâ wuohs ein griuwelicher tampf,/ der von dem heizen bluote rouch Konrad v. Würzburg trojan. krieg 12270 LV. ⟨u1300⟩ (da) wart sin corper alse heiz/ unde swizzete einen sweiz,/ daz si mit keiner witze/ den damp unde di hitze/ mochten nu geliden hl. Elisabeth 8534 LV. 1578 (die pferde) vor muͤde hefftig wurden schnauffen/ .. der dampff jn gienge auß der nasen Beyer hochzeit 404. 1677 massen die kleider den dampff unseres leibes annehmen Butschky Pathmos 116. 1793 (die stinktiere) geben einen pestilenzialischen, fast erstickenden dampf oder gestank .. von sich Donndorff thiergesch. 87. ⟨v1919⟩ das .. trug nicht wenig dazu bei, den üppig genährten und an körperliche anstrengungen durchaus nicht gewöhnten vetter in dampf zu versetzen Fischer leben (1922)34. 1963 zuerst stieß sie haare .. durch naslöcher aus .. (dann) entfuhren ihr keine naslochhaare mehr, sondern dampf Grass hundejahre 2126. in fester wendung, atem: ⟨1633⟩ disen will ich auff das leder brennen (mit einem schuß), daß ihm der tampff außgehn soll in: Speth Constantz (1733)106. jünger noch mundartlich, Fischer schwäb. wb. 2,46; rhein. wb. 1,1234. schädliche ausdünstung in feuchten, muffigen gebäuden: ⟨u1479⟩ (die gefangenen) waren alle in einer nacht ersticket in dem keller vor dampf Eschenloer Breslau 2,319 K. ⟨1570/1606⟩ (sie wurde) in ein neu gemauertes gemach bracht, davon ihr der dampff um die brust geschlagen, daß sie unlängst hernach des todes worden Wedel hausb. 17 LV. ( 1777/87⟩ der dampf meines gefängnisses, – denn keine luft konnte durchstreichen, fraß meine brust an, preßte mir den odem Schubart leben (1791)2,188. ausdünstung der erde, nebel: ⟨M13.jh.⟩ alsô disiu sunne ûf ziuhet der erde tamph unde lûtert in ze klârem lufte dt. mystiker 1,342 P. 1532 zuͦ der summers zeit ist ein grosser dampff auff demselbigen weitten feld Hedio Hegesipp 83b. ⟨A18.jh.⟩ so schnell wird kaum vom lichte/ der frühe dampf zertheilt, als jezt mein unmuth sinckt Günther 4,214 LV. ⟨1826⟩ die heute ganz klar, d. h. ohne allen rauch und dampf daliegende stadt Schinkel nachlaß 3,130 W. 1963 (sie) schleichen barfuß über graue wiesen, blicken hinter sich in verhedderten dampf Grass hundejahre 2153. ausdünstung von faulenden, gärenden substanzen, wunden, exkrementen: ⟨u1430⟩ so mach ein clein löchlein in den zuge (verbandstoff auf einer wunde), das der pöß dampf da von komen müg Peter v. Ulm 237 K. 1758 absonderlich stecket der gefaulte dampf, welcher von dem ruhrigen kothe aufsteiget, die gesunde an Swieten, krankheiten 108. ⟨1864⟩ zahllose kräfte .. sind um uns in .. arbeit .. die kälte, welche den kreislauf des blutes hemmt, .. der schädliche dampf des bodens, der den athem vergiftet Freytag (1886)6,117. berauschender dunst des weins: 1546 so jemands ein steiffen drunck hett gethon, .. der esse als bald gebraten quitten, .. so schadet jm der auffsteigend dampff des weins desto weniger Bock kreüterb. 3,39a. ⟨1753⟩ gestern saß noch Mathan an unsern weinvollen tafeln,/ plözlich stieg ihm der nektarne dampf hoch in sein gehirne Bodmer Calliope (1767)1,95. c bei verdampfungsprozessen entstehender stoff, vor allem wasserdampf. seit ende des 18. jhs. die dominierende anwendung. aus erhitzten substanzen, aus flüssigkeiten, speisen oder aus gefäßen aufsteigender schwaden: ⟨1460⟩ am sieden decke den topff wol tzw .. das kein dampff vonn öm moge Pfolspeundt bündthertznei 88 H./M. 1668 dieses (salz-) wasser wird auf dem feuer gesotten, lässt den wässerichten dampff von sich Francisci lust-garten 485a. 1769 hütet euch vor den erstickenden rothen dampf, der sogleich entstehen wird, so bald das vitriol oel darauf (auf den salpeter) gegossen worden Suckow scheidekunst 377. ⟨1929⟩ durch den wallenden dampf der teemaschine kam Tinas stimme Borchardt erz. 90 B. 1960 sie .. tranken schwarzen kaffee, fühlten den warmen dampf auf ihren gesichtern Lenz feuerschiff 136. seit ende des 18. jhs. für den wasserdampf als technisch nutzbar gemachte energie, besonders zum antrieb von maschinen: 1782 (die dampf-) maschine, die unter vielem getöse und dampf in der grösten arbeit ist Lichtenberg br. 2,54 L./Sch. ⟨1866⟩ (unsere generation) nennt ihr zeitalter das jahrhundert des dampfes Kürnberger ges. w. 2,23 D. 1880 als um mitternacht ein officier mit dem befehle an die beiden andern schiffe entsandt wurde, dampf aufzumachen Werner erinn. 205. ⟨1913⟩ die feldküchen arbeiteten .. mit hochdruck, und die bäckereien standen unter dampf Kellermann tunnel (1950)58. 1963 das feuer des stiers ist erloschen .. (er) steht kalt wie eine lokomotive ohne dampf Strittmatter Bienkopp 63. gelegentlich zu, per dampf unter benutzung eines mit dampf betriebenen fahrzeuges: 1831 (ich) bin heut zu dampf hier angekommen Mendelssohn-B. br. 61,159 M.-B. 1893 ich bewunderte von der turmplatte des domes aus die per dampf durcheilte landschaft Dehmel ausgew. br. (1922)1,129. d in bildlichem gebrauch. für bedrängendes oder undurchsichtiges, gelegentlich im plur.: ⟨M14.jh.⟩ zcwivils damph von in (den gläubigen) vortreib/ warer syn Cranc 1 Z. 1678 kaum war diser martialische dampff (der krieg) ein wenig verrochen, da entzundete sich abermahl ein neues feur Brandis ehrenkräntzel 1,184. 1847 weil sich die demokratischen ideen .. als wassertropfen aus den dicken dämpfen des liberalismus niederschlagen mußten d. teufels reise 289. 1923 daheim wär ich an mir erstickt, Berlin half mir aus dampf und dumpf ins helle Bahr selbstbildnis 202. für vergängliches, nichtiges: 1484 was ist vnser leben anders dann ain tampff der aus gat vnd ain wenig scheinet vnd doch bald wider zergat (Jac. 4,15) spiegel d. selc e 5b. 1525 hütte dich sonderlich, o Moses, dann d. Luther spricht zu recht, du habest allezeyt einen rauch vnd dampff des euangelij geschriben, wenn du von eusserlichen dingen geschriben Karlstadt schr. 2,71 HND. 1630 laß der welt den dampff der ehre kirchenlied 1,252a F./T. 1913 unser heiligstes ist ihm ein dampf und leeres getön Zur Linde ges. w. (1910)5,35. personifiziert. von einer eitlen person: 1665 so hoch und viel auch dieser dampff immer in der eitelkeit steigen und gelten kan, so wenig wird er von dem tode attendiret schatz-kammer trauerreden 3,458. meist hans dampf: ⟨1633⟩ (ein feindlicher soldat hat) sich von hinden geflissentlich gegen der stadt entblösset .. (ein wächter:) ‘disen will ich auff das leder brennen, daß ihm der tampff außgehn soll’ .. derowegen dann diser hoch-wächter hinnach .. nur der hans dampff genennet worden ist in: Speth Constantz (1733)106. dummkopf schalk: 1782 muß ich doch ein hans dampf seyn,/ frör ich nicht zu stein und bein,/ wenn ich länger (draußen stehen) bliebe? Schiller 1,131 nat. 1858 müssen die leute, die dort hinauf (auf das galgengerüst) wollen, auch drei kreuzer bezahlen? fragte ich meinen pathen. hanns dampf! schnarrte mich Scheibele an Bäuerle mem. 1,40. auch in zusammenschreibung hansdampf s. 1DWB 4,2,459. hans dampf in allen gassen einer, der sich in alles einmischt und sich überall auskennt: 1846 der hans dampf in allen gassen, der moderne polizeistaat mit seiner zutäppischen vielregiererei Auerbach schr. u. volk 135. 1964 WDG 1,748a. im hinblick auf den als energie genutzten wasserdampf: ⟨1938⟩ dabei war es sein ehrgeiz, nur mit eigenem dampf zu arbeiten und unter keinen umständen bei mir hilfe zu suchen Winnig welt 5029. 1963 mach dich nicht zur minna! laß dampf ab, damit du nicht die manegerkrankheit kriegst! Strittmatter Bienkopp 226. 2 individualisierend für dampf- oder gasförmige stoffe. vorwiegend, besonders unter a, im plural. a durch umwandlung aus verschiedenen stoffen entstehende dünste, gase. der plur. kann bis ins 18. jh. hinein, mlat. vapores und ähnlichen termini der älteren naturlehre entsprechend, sammelbezeichnung für verschiedenartige sich in dämpfe umwandelnde materien sein. medizinischer terminus für gasförmige verdauungsstoffe in körperorganen, nur bis zum anfang des 18. jhs.: ⟨1349/50⟩ des hauptes siehtum, der von pœsem dunst und von pœsem dampf kümt Konrad v. Megenberg b. d. natur 381 P. vnd kummet die gesucht gewonlich von bosen dempffen, die uß dem magen uͦber sich in den kopff stigent v. falken, hunden u. pferden 2,52 L. 1703 (die arznei stillt) alles kopff-wehe, und wehret allen bösen aufsteigenden dämpffen d. curiöse künstler 416. in der erde oder in der atmosphäre sich entwickelnde dunst- oder nebelerscheinungen, nur bis zum ende des 18. jhs.: ⟨1444⟩ so dann die jrrdischen taͤmpff, die von natur dick vnd zaͤch seind darinne vermischt werden, so wirt das wasser gar hoͤrtt vnd gefreüst Hartlieb Allexander (1478) 49a. ⟨1562⟩ euch bergkleuten, die jhr ewer leben .. vnter der erden, in boͤsen wettern, dampffen, huͤttrauch .. zubringet Mathesius Sarepta (1571)186b. 1723 (ein nordlicht) verändert allgemach den ort, und lässet jedesmal einen dampf hinter sich Zorgdrager, fischerei 38. 1752 ein dampf umgiebet sie (die erde), den wir den dunstkreis nennen (d. h. die atmosphäre) Scheibel witterungen 60. 1808 (der wahnsinn,) der nach dem zeugniß der alten bald durch dämpfe, welche gewissen oeffnungen der erde entstiegen, bald durch berauschende quellen hervorgerufen wurde Schubert ansichten 96. durch technische erhitzungsprozesse entwickelte dünste, auch abdämpfe, abgase allgemeinsprachlich erst seit ende des 18. jhs. häufiger gebraucht und dann in der abgrenzung gegen 1 fast nur im plural: ⟨u1430⟩ mach im (dem kranken) albeg vor ein tampf ob dugstein oder sinter-stein, die heiß sind; dorauff spreng vnd tröff essig vnd salbe Peter v. Ulm 253 K. ⟨1473⟩dr.1524/39 wa ewer (der goldschmiede) ainer in vergulden oder abtreiben vil tempff in sich gezogen hat, da durch er beschwere empfünde Ellenbog tempffe B 2a faks. 1579 die eyne (art der destillation) pflegt durch die auffsteigung der daͤmpf vnd brodens vber sich zugeschehen Sebiz feldbau 428. 1791 mit dieser röstung fährt man, .. so lange sich noch dämpfe auf der oberfläche des haufwerkes (erzes) zeigen, fort magazin bergbaukde. 8,41 L. ⟨1831⟩ die wasserfreie (schwefel-) säure verbreitet in der luft dicke, weiße dämpfe Wöhler grundriss (1833)43. ⟨1918⟩ wenn jod in große glut gebracht wird, verwandelt es sich in amethystfarbene dämpfe Keller seelsorge (1921)66. 1963 (das warten) kam mir vor wie eine ewigkeit voller trübsal; die dunklen häuserfronten, die dämpfe von der chemischen fabrik Böll ansichten 195. b als artbezeichnung für den gasförmigen aggregatzustand von normalerweise in flüssiger oder fester form vorliegenden chemischen elementen oder verbindungen, in jüngerer terminologie dem begriff des gases gegenübergestellt. gebrauch im sing. ist nicht selten, sonst steht stets der einteilende plur.: ⟨1473⟩dr.1524/39 von dem tampff des quecksilbers bleyß, vnd ander metall .. dz der tampff ains yeden dings behalt die natur complexion vnd kraft seins corpers dauon es außgat Ellenbog tempffe A 2b faks. 1602 wo eine geringe mixtur deß schwefels, oder vil mehr deß dampffs vom schwefel vorhanden ist (im trinkwasser) Förter badb. 2,17. 1661 diese metallen nun haben ihren ursprung von zweyen unterschiedlichen dämpfen, da der eine mercurialisch, der ander aber sulphurisch ist Becher natur-kündigung 6. ⟨1831⟩ (oxalsäure) sublimirt sich beim erhitzen zum theil unzersetzt in krystallen; ihr dampf reizt stark zum husten Wöhler grundriss (1833)58. 1949 wir verdampfen natrium und lassen jetzt durch diesen dampf hindurch das licht einer bogenlampe auf das prisma fallen Flechtner experimente 34. 1963 ein noch unverbranntes gemisch von kalten dämpfen und tröpfchen der treibstoffe Sänger raumfahrt 318. c in bildlichem gebrauch, erst im 20. jh. häufiger bezeugt. von schädlichen, bösartigen erscheinungen: 1677 damit sie von den gifftig bösen dämpffen des neides ihr gehirn möchten reinigen Butschky Pathmos 87. 1917 haß steigt auf aus grünen dämpfen Hasenclever tod 33. auch: 1932 das spiel ist ein sicherheitsventil, durch das überflüssige dämpfe von wichtigkeit, ehre, feierlichkeit, ernst abgehen Brunner gebot 375. 3 übertragen. von spezifischen wirkungen, die der des dampfes vergleichbar sind. a mhd. und frnhd. bedrängnis, not: ⟨E13.jh.⟩ als er (der hauptmann des heeres der untugend) die rede vol gesprach,/ ein wunder grôz dô geschach:/ daz her sich zu einander krampf/ in einem engst- lîchen tampf Seifried Helbling 7,1066 S. (wohl hierher und nicht zu 1dampf). ⟨u1300⟩ (du, ein mönch, mußt) dulten herteliche dampf/ von des leiden tuvels campf väterb. 9243 DTM. ⟨u1300⟩ durch den (gott) du (eine märtyrerin) bist zu kampfe/ getreten in disme dampfe/ der angest brenget unde we passional 680b K. 1523 (wir sollen) kelch, dampff leiden (nachschr.) Luther w. 12,640 W. 1696 (die Perser würden im kampf) dampff genug leyden .., ohne daß sie den geringsten beystand von den christen (erhalten würden) in: Olearius reisebeschr 1,28a. ⟨1737⟩ (gott, hilf uns) im schönen glaubenskampf,/ bey alem sturm und dampf gesangb. brüdergemeine (1741)966b. b nhd. in fester wendung jmdm. (den, einen) dampf (an)tun, ihm schaden, schabernack, ärger zufügen: ⟨1510/30⟩ die lutteristen .. sprochen, wirt uns ymant eyn dampf thun, so wirts disser monch thuen Grunau preuss. chr. 1,370 P. ⟨1774⟩ meine mutter und mein oncle Toby meynten nicht anders, als mein vater würde Obadiah den bittersten dampf anthun Bode Schandi (1776)5,30. 1858 dë sal ’ne âk den damp noch nich daun Schambach Gött. 39a. ⟨1862⟩ (diese leute sahen nicht danach aus) als wenn sie den wilden landsknechthaufen und den reisigen des herrn Jürgen von Mecklenburg den dampf antun würden Raabe 4,252 H. aus der wendung gelöst und auf eine person bezogen: 1677 dem besuchten wil dergleichen (freundlichkeit) gebühren; im fall er (der besucher) nicht für einen geschwornen bruder des Grobiani wil angesehen, und allen bescheidenen leuten ein dampf seyn Butschky Pathmos 682. c im älteren al., besonders schweiz. zecherei, prasserei: 1537 so man mir git zfressen umb min gelt,/ ich schnallte nit umb all dis welt!/ will sin im tampf ein fryer prasser Salat 21 B. 1545 wa ich dann hin geladen bin/ da dann ein guͦtter dampff wirt sin gesch. Danielis B 1a. 1561 im dampff vnnd luͤder ligen commessari, agitare conuiuium, compotare Maaler t. spr. 86a. 1566 die selbig gesellschaft aber sassen uf ein zeit beiainandern im dampf zimmer. chr. 22,397 B. referierend noch 1741 Frisch wb. 1,182c. – anders alkoholrausch: 1658 .. dieweil er etwas truncken, dann er schon einen kleinen dampff gehabt Graviseth Heutelia 203. 1927 jetzt trank er aus schwermut .. er purzelte jetzt ebensogut in seinem täglichen dampf auf der straße herum wie in früheren zeiten Schönherr ges. w. 1,86. noch in obd. mdaa.; dazu vielleicht über in der studentensprache latinisiertes dampus obd. mdal. verbreitetes gleichbedeutendes dampes, tampes. d jünger von der vorstellung des als energie genutzten wasserdampfes her (1 c): 1831 mit dampf etwas thun, vollbringen, heißt auf eine glänzende art auftreten und mit kraft etwas durchsetzen. oft bezeichnet es jedoch auch die schnelligkeit, mit der man etwas ausführt, z. b. mit dampf abziehen, i. e. sich schleunig entfernen Ragocky bursch 27. ⟨1858⟩ (ich) würde so meine kleinen angelegenheiten mit dampf betreiben Holtei erz. schr. (1861)33,61. 1925 er wollte damit sagen, ich solle mehr dampf hinter die mannschaft setzen Persius menschen 146. ⟨1946⟩ abgesägt wird er auf jeden fall. man muß dampf dahintermachen Seghers ges. w. (1951)4,170. dampf haben angst haben: 1873 jemand, der bei drohenden unannehmlichkeiten ‘dampf bekommt’ (d. h. angst, die ihn zum davonlaufen bringt, wie der dampf die locomotive) gegenwart 3,109a L. ⟨1938⟩ hast wohl dampf vor den mädels? Wolf grenze (1950)187.

1dampfen, vb.

Fundstelle: Band 6, Spalte 179, Zeile 37
1DAMPFEN vb.   abl. zu 2dampf. schw. konj. seit dem 17. jh. bezeugt, nach der mitte des 18. jh. hochsprachlich, kaum in den mdaa., in seinen bedeutungen 1 und 2 2dämpfen 2 und 3 ablösend. häufig als attr. part. präs. 1 dampf abgeben, dominierende bedeutung des wortes. intrans., dichterisch nicht selten mit akk. des inhalts. a von verbrennungsprozessen, in der gegenwartssprache mit abnehmender frequenz, rauch abgeben: 1645 Stix, der mit feuerströmen raucht,/ auch Acheron der dampfft und schmaucht Klaj Herodes 8. 1725 daß alles dannenher (von der heißen sonne) zu glühn,/ und rauch von sich zu dampffen schien Triller betrachtungen 1,475 H. ⟨1879⟩ im krater dampfte es aus vielen spalten L. Richter lebenserinn. 213 R. 1937 särge, die vom kalten weihrauch/ panormitanischer messen dampfen F. G. Jünger Taurus 27. tabaksrauch abgeben: 1658 wer wolte zweiffeln, daß es (die tabakspfeifen) feldstücke seyen? sie blitzen und dampfen Birken Balde, trunkenheit 23. 1959 aus den dicken pelzen der fahrer .. sah man nur .. eine dampfende pfeife herausgucken Herzog Diana 162. b von verdunstungsprozessen erst seit dem 18. jh., dann mit stark zunehmender frequenz. von lebewesen, schwitzen, atem ausstoßen: 1734 ich dampfe, vaporo, halo, exhalo Steinbach wb. 1,251. 1799 es wird mir gleich zum dampfen heiß Goethe I 1,190 W. 1881 die postillone .. spannten ihre dampfenden, müde gejagten gäule aus Ebner-E. n. erz. 18. 1963 Karl Krüger dampfte. er war schnell gefahren Strittmatter Bienkopp 235. von erde, wald, blut u. dgl., meist unter bestimmten meteorologischen bedingungen: 1718 die felder dampfeten aus hundert tausend ritzen ged. 1,77 Menantes. ⟨1831⟩ vom meere dampfet dein (Orplids) besonnter strand/ den nebel Mörike 21,74 M. v1867 (wir fuhren) dampfenden dünger auf’s feld Kügelgen jugenderinn. (1870)321. 1957 es rauschte wie eine sintflut, die erde dampfte vor unseren scheinwerfern Frisch homo 97. von erhitzten flüssigkeiten, speisen, von gefäßen u. dgl.: 1736 die dünste eines dampfenden topfes Hanow merkwürdigkeiten (1737)299. ⟨1829⟩ so dampft in der bude die köstliche nudel Waiblinger ges. w. (1839) 7,86. 1938 (er) trinkt dampfend heißen kaffee Sieburg frühling 227. 1955 manchmal dampfte es (das brot) noch, war innen ganz warm Böll brot 25. im bild: 1736 der altar dampft verdruß, der weihrauch ist nicht rein t. Diogenes (1737)146. 1967 die erde (des schlachtfelds) dampfte blut zeit 5,17. c bildlich auf die wirkung von anstrengung, heftigkeit anspielend: ⟨1791⟩ er dampft vom genusse der wollust Klinger w. (1809)3,177. 1929 ich .. dampfe vor arbeit Langgässer vergänglichkeit [1954]28. ⟨1939⟩ da fing die frau zu schimpfen an, daß es dampfte Seghers kreuz (1950)281. 2 zuständlich von dampferscheinungen, nur intrans. a als dunst oder rauch aufsteigen, häufig mit richtungsangebender adverbialer bestimmung: 1724 draus (aus einer pflanze) dampft sogleich ein lieblich bitt’rer duft Brockes vergnügen 1,4. 1736 die tiefen thäler und abgründe, .. aus welchen .. der rauch von den kohlen-brennern in die höhe dampfft Rohr Vor-hartz 247. ⟨1932⟩ aus dem dampfenden nebel/ stieg eine lerche Miegel ges. w. [1952]2,180. 1959 bald dampfte aus dem irdenen topf ein lieblicher kaffeeduft Herzog Diana 213. auch: 1769 in ansehung seiner (des salpeters) dampfenden eigenschaft Suckow scheidekunst 378. b dunst oder rauch enthaltend, von räumen, landschaften: ⟨v1723⟩ das zimmer dampft wie die hölle Günther in: Steinbach wb. (1734)1,251. 1901 (ich muß mich zu einer) epistel aufschwingen, was in diesem dampfenden thalkessel keine kleine überwindung ist; wir haben hier seit wochen eine richtige badestubenhitze Dehmel ausgew. br. (1922)1,377. 1954 es war heiß. es dampfte förmlich im restaurant Mönnich land 207. c bildlich, wie dampf aufquellen: 1821 der verschüttete nationalgeist dampft und flammt überall, wo er irgend luft gewinnt Görres 13,279 Sch. 1922 (die phantasie, die) den strand zu einer dampfenden sagenwelt macht Jahnn arzt 18. 1937 die menschengruppe (ist) ein unlösbar verfilztes knäuel, aus dem die häßlichen leidenschaften dampfen Pinder bürgerzeit 282. 3 nur mit persönlichem subjekt, tabak rauchen; seltener. intrans. und trans.: 1767 dampen, .. viel toback rauchen brem.-ns. wb. 1,183. 1794 (er) stopfte sich eine pfeife, und dampfte .. wie die feuermauer einer prälatenküche Langbein feierabende [1793]2,197. ⟨1883⟩ Mouton, einen lästerlichen knaster dampfend C. F. Meyer 12,134 Z./Z. ⟨1931⟩ er .. zog einen schwarzen stengel und dampfte gegen die decke Meschendörfer stadt (1934)138.

2dampfen, vb.

Fundstelle: Band 6, Spalte 180, Zeile 44
2DAMPFEN vb.   abl. zu 2dampf 1. schw. konj. gegen mitte des 19. jhs. entsprechend etwa gleichzeitigem und gleichbedeutendem engl. steam gebildet. sich mittels dampfkraft fortbewegen. 1 mit notwendiger richtungsangabe, von personen und dampfbetriebenen fahrzeugen: 1845 wir (hielten) auch in Erlangen nicht an und ließen uns bis Nürnberg dampfen Schmeller tgb. 2,415 R. 1918 die einzelnen boote dampfen in weniger geordneter position dem leitschiffe nach Arvay seemannswesen 342. ⟨1935⟩ so kann man auch mit wenig fahrt quer gegen die (schlepp-)leine dampfen Gladisch/Sch.-H. seemannschaft (1940)293. modern in der umgangssprache für reisen schlechthin: 1949 Thomas .. dampfte .. mit Katja zunächst einmal über den Brenner nach Bozen V. Mann wir 461. 2 ohne notwendige richtungsangabe, von dampfbetriebenen fahrzeugen: 1886 1816 dampfte schon das erste dampfschiff auf dem mittelländischen meer Hagen eisenbahn 6. 1925 es wird mit höchster fahrt gedampft Persius menschen 104.

3dampfen, vb.

Fundstelle: Band 6, Spalte 180, Zeile 62
3DAMPFEN vb.   s. 1dämpfen, 2dämpfen, 3dämpfen.

1dämpfen, vb.

Fundstelle: Band 6, Spalte 180, Zeile 62
1DÄMPFEN vb.   ahd. mhd. dempfen. mnd. dempen, dampen; nl. dempen; me. dampen. kausative abl. von einem in mhd. dimpfen ‘dampfen, rauchenerhaltenen st. vb. oder von dem von diesem abgeleiteten 1dampf. schw. konj. I. die umlautlose mnd. nbf. ist vielleicht durch zuordnung zur schw. konj. II zu erklären; sie wäre dann, anders als die umgelauteten formen, sicher abl. vom subst. die frequenz des wortgebrauchs ist durch homonymie zu 2dämpfen beeinträchtigt. nhd. in sehr begrenzten anwendungen, die, soweit die zunächst deutliche beziehung zu 1dampf verlorengeht, isoliert erscheinen (vor allem 1 c). 1 von der vorstellung her, daß jmdm. oder etwas der zugang zu luft oder licht benommen wird. mit notwendigem objekt. a würgen, ersticken; mit bezug auf personen: 8.jh. suffogat themphit ahd. gl. 1,251,21 S./S. u830 inti gifahanti thamfta (suffocabat) inan Tatian 299,3 S. ⟨1275/7⟩ er wolte uns han gedemphet/ mit sinem hellerouche Konrad v. Würzburg schmiede 1302 Sch. hs.14.jh. do wart sie (Beatrix) in den kerker bracht. do sie an gotis lobe bleib. do liez he sie des nachtis dempfin. also wart sie begrabin bi irem brudire jenaer martyrologium 51 W. 1584 (sie) haben also das arme weiblein .. erbermlich gedempffet, das sie alsbald hat ersticken und eines bittern todes sterben müssen Bünting braunschw. u. lüneb. chr. 2,77b. 1681 der baum dämpffet das korn hujus arboris umbra impedit tritici incrementum Pomey dict. 3,61b. fachsprachlich: 1781 vögel .. den sommer über an einem finstern ort aufbehalten, damit sie erst im herbst .. zu singen anfangen Jacobsson technolog. wb. 1,396a. – bildlich: 11.jh. (hae sunt enim quae infructuosis affectuum spinis uberem fructibus rationis segetem) necant tfmphint ahd. gl. 2,66,9 S./S. ⟨u1280/90⟩ ir (der liebe) viuwer luft noch wazzer tempfet Lohengrin 1800 R. anders etwa im sinne von übertreffen’, wenn nicht zu 2dämpfen 1 b β: 1432/8 mein frau ../ wen si ir stimm ie freuntlich hören lie./ si dempft die ganzen musica/ mit grosser resonanz Oswald v. Wolkenstein 12,49 ATB. 1649 man bläset überlaut die hohen feldtrommeten,/ die trararaen fried: die frohen lust clareten/ dämpft kesselpaucken bumb, bumb bide bumb bumb halt Klaj fried- u. freudenmahl C 1b. b wunden dämpfen die luftzufuhr unterbinden: ⟨1460⟩ villicht hastu jm ittlicher tucher auch dorvmb gebunden, do mit dempfstu dy wundenn vnd brengest jm dy hitz jnn das heupt, vnd wert nicht langk, du totdest in do mit Pfolspeundt bündth-ertznei 3 H./M. c wasser eindämmen, gräben, teiche u. dgl. abdichten, schließen (auch bildlich); vgl. 1dämmen 1. mnd. verbreitet, s. Schiller/L. mnd. wb. 1,479a; hd. auf das nördliche Deutschland beschränkt: ⟨M14.jh.⟩hs.1463 sich, wie des wages guß/ das is versperret unde schuß,/ sus demphet aller witze fluß/ die füll und git der sünde nar Heinrich v. Mügeln kl. dicht. 1,287 DTM. 1604 das sie dar zu noch alle die wasser schleusse vnd canalen (so aus dem lande in die West Geule kommen) wolten dempffen vnd ableiten belägerung Ostende 1, G 1a. 1647 vnter dessen .. schnitten jeglicher, so viel vnser waren, ein bund schilff .., dempfften darmit den moraß vnd machten einen port Olearius oriental. reise 517. 1676 wie nun daß wasser (in einem lecken schiff) mit dem toback gedämpffet, könte man darunter fühlen, wo daß wasser her kam Horst schifffahrt 2,18. 1818 bei Jansum und Wilgum gruben die wüthende wasser so große löcher in den boden, daß die zunächst der küste wohnenden nicht im stande waren sie zu dämpfen Arends Ostfriesland 1,156. 2 intransitiv, ersticken, an erstickung sterben; aufs mnd. beschränkt: ⟨1230/51⟩ do blodede eme (Etzel) de nase vile sere, unde ging eme in den hals, dat he darvan dampede (est sangwine suffocatus) sächs. weltchr. 133 MGH. n1481 alze he (Frotho) dar lach besloten, so dempede he van roke vnd van hitte vnde bleff so dot (vapore et fumo strangulatus interiit) Schiller/L. mnd. wb. 1,478b. 3 intransitiv, unter atemnot leiden: 1492 do was ein grot pestilentzien .. dat vele lude dampeden unde stickeden van qualster unde unflede, dat wart den luden so clibber in dem live, dat se des nicht utlosen konden, so dat dar vele lude mosten van starven Bote chr. brvnsv. 394 L. 1786 man hält nun aber z. e. einen weisen wein für verdächtig, .. wenn er ein ungewöhnliches magen- und bauchweh und kopfschmerzen und ein dämpfen auf der brust verursachet Schwabe stadt-physikus 1,72. auch bair.-mdal.: 1872 Schmeller/F. bayer. wb. (1961)1,510f.

2dämpfen, vb.

Fundstelle: Band 6, Spalte 181, Zeile 66
2DÄMPFEN vb.   ahd. mhd. dempfen. mnd. nl. dempen. kausative abl. von 2dampf oder von mhd. dimpfen st. vb. dampfen, rauchen. schw. konj. I. umlautlose formen sind selten: ⟨1331/5⟩ totlicher sunden dampen (substantiviert) Daniel 6770 DTM. 1 transitiv. a bedrängen, bezwingen, niederdrücken, von expansiven aktionen, vorgängen und eigenschaften oder deren trägern. α eigenschaften, handlungen und zustände des menschen unterdrücken, niederhalten: ⟨v1022⟩ iro .. tero mûot kûotelôsi demfet (urget improbitas) Notker 1,3,287 ATB. ⟨1180/90⟩ der tivel vil boten hete,/ die den glauben wolden temphen obd. Servatius 635 W. ⟨u1330/40⟩ der herzoge lôste/ .. dî gevangene cristinheit,/ dempfinde der heidin spot Nicolaus v. Jeroschin kronike 16903 S. 1519 eyn yglicher muß sich selb pruͤffen, yn welchem standt er am pesten die sund muͤge toͤdten und die natur dempffen Luther w. 2,736 W. ⟨v1605⟩ deß feinds hochmuth zu dempffen Ayrer d. ä. 1,134 LV. 1682 wohlan, das laster soll die tugend nimmer dämpffen Weise reiffe gedancken 427. 1720 wer die sorglosigkeit in diesem falle dämpffen wil, der muß die wollust dämpfen Ch. Wolff thun 357. 1796 der türkische kaiser, nachdem er die asiatischen unruhen gedämpft hatte, erfuhr, daß viele Ungarn .. zum römischen kaiser übergiengen Kaitar welt 227. 1839 die kaiserlichen commissarien trugen, um die empörungen dämpfen zu können, auf eine stattliche hülfe an Ranke gesch. ref. 1,219. 1932 das brachte auch dort die menge in aufruhr, den er zunächst freilich mit barbarischen mitteln dämpfte Lietzmann kirche 1,186. entkräften, niederschlagen, unwirksam machen: 1490 das ander heist exceptio peremptoria, die dy clag vnd meinung des clagers dampt vnd nidertruckt ordn., wie sich ein iegl. halten soll, nach 4. 1633 so hat der magistrat .. sich allsolches werck und, wie dieße eingerießene differentien und gebrechen in der gute componiret, die proceßen abgestellet und gedempffet westf. stadtrechte I 3,143. auch: 1632 ocker .. verzehret vnd dempffet das zu hoch auff oder heraußgewachsene fleisch Hörnigk saurbrunnen 20. β mit bezug auf personen, im kampf bezwingen, unterdrücken, unterkriegen, auch töten: ⟨u1280/90⟩ daz wart verzogt/ den heiden, wan der helle wurden sie getempfet Lohengrin 4880 R. ⟨u1300⟩ hî mit er ouch gesiget hât/ vurstlich und gekemphet,/ den argen vînt getemphet Johannes v. Frankenstein 8072 LV. ⟨1488⟩ Ludwicus .. macht im einen großen anhank und tempfet alle die herren und stet die wider in waren (Nürnb.) chr. dt. städte 3,122. 1541 so wuͤnderlich kan es gott schicken, wenn man einen gleich gar dempffen vnd vnterdruͤcken wil Spalatin chr. Sachssen F 3a. 1636 wesswegen er bey dem könige umb order anlangete, dass er solche (verwundete) mit etzlichen reitern dempffen und niedermachen möchte Hoppe schwed.-poln. krieg 452 T. 1735 aber stärck mich arm- und schwachen in dem kämpfen,/ daß ich im streit nicht unterlieg;/ ach hilff mir selbst die feinde dämpffen!/ denn deine krafft allein giebt sieg! gesangb. Herrn-Huth 160. 1805 Metellus .. faßte daher den entschluß, sie (die blutdürstigen Spanier) durch den zahn der zeit, .. durch list zu dämpfen Ch. W. Hoffmann kriegslisten 1,61. seit dem 19. jh. nur noch selten: 1953 unter Danzigs flagge kämpfte ich,/ den üppigen Dänen dämpfte ich Miegel ges. w. [1952]2,153. γ feuer, glut löschen, flammen, rauch niederschlagen: z.j.1439/40 es pruͤn in dem gwelb, .. do was es voller rukchs, und ich temphat und leschat das fewr, und ließ den raukchen aus Kottanner denkw. (1846)14. 1590 dieweil aber derselbe berg in eins theils oͤrten brennet, werden die kolen daselbst in einen lesch verwandelt, wenn sie von dem berg, so drauff fellet, gedempffet oder geleschet werden Albinus land-chr. (1589)2,187. 1666 gleich am heiligen osterabend kam feuer im kleinen clostergäßlein aus, wurde aber durch gottes hülf bald wiederum gedämpft qu. Hof (1896)305 M. 1772 wenn alle arten der speisen abgekocht und kohlen übrig geblieben waren; so dämpfte man die kohlen, wenigstens in vorigen zeiten, in einem sogenannten dämpfer Hähn maschinen 10. ⟨1853⟩ er solle auf dem Hausberge in der mittagsstunde eine rauchsäule aufsteigen lassen, solle dieselbe eine stunde gleichartig dauern lassen und solle dann das feuer dämpfen. daß sie aufhöre Stifter 5,1,47 S. jetzt noch in der metallurgie, einen hochofen vorübergehend stillsetzen: 1964 WDG 1,749a. – verbreitet auch bildlich: 1521 dann der ketzer Arrius orstlich ouch nur ein klein funcklein gewest tzu Alexandria, das man es aber nicht bald gedempfft hat, ist sein flam in die gantzen welt außgeschlagen Luther u. Emser 1,38 HND. 1644 auch konte keiner besser vnd glücklicher als er das flammende fewer eines aufruhrs oder vnordnung dämpffen vnd außtilgen G. A. Richter Desmarets Ariana 1,355. ⟨1756⟩ wenn er das feuer der zusammenverschwörung dämpft, Rom dem untergange entreißt in: Gellert (1769)5,85. 1854 die art, wie man der gährung des volkes dort entgegentrat, war viel mehr geeignet, das feuer zu schüren, als zu dämpfen Häusser dt. gesch. 1,371. 1911 von ihren schultern fließt die sommerfäule,/ die warm und grau die mittagsflamme dämpft Heym dicht. 1,223 Sch. b abschwächen, mildern, beschränken. seit dem späten 18. jh. die bedeutung 1 und damit das wort bestimmend. α gemütsbewegungen, gefühlsäußerungen mäßigen: E14.jh. has und nyt sol man dempfin, lybe und gunst sol man weitin und meren blume v. Magdeb. 159 B. ⟨1433/40⟩ dorum woldin sy der Prusin schal und vrewde dempfin, und lysin vor dem husze II galgen uf richtin script. rer. pruss. 3,567. 1642 sie treibt vom hertzen/ verdruß vnd schmertzen,/ kan eyfer dämpffen,/ giebt mut zu kämpffen Tscherning früling 95. 1758 der schmerz versalzt die lust, die freude dämpft das leid Lichtwer vernunft 46. ⟨1891⟩ es kann darum wohl den schmerz der entsagung dämpfen, verschafft aber nicht ein positives wohlgefühl Schrempf (1930)5,24. 1967 als sie die beunruhigung in der spd über den stimmenverlust ihrer partei zu dämpfen versuchen presse 5808,2. β von sinnlich wahrnehmbaren, sich meist schwingungsförmig ausbreitenden erscheinungen, besonders akustischen: ⟨u1480⟩ so giengen vor dem sacrament der statt drompter Peter mit einer gedempten drompten und sin son Hensle mit einer luten frankf. chr. 216 F. 1590 der antichrist vnd sein anhang,/ die doch wider der welt gedanck/ in keinen weg vermochten/ zu dempffen disen lauten schall,/ der also weit ergangen kirchenlied 5,152 W. 1725 den tief gedämpfften ton betrübter klage-flöten Triller betrachtungen 1,133 H. 1764 sie las ihn (den brief) mit gedämpfter stimme ihrer critischen freundinn vor Thümmel Wilhelmine 54. 1867 der gebrauch der gedämpften saiteninstrumente .. war damals .. sehr häufig, um durch die gemäßigte klangfarbe eine abwechslung hervorzubringen Jahn Mozart 1,311. ⟨1905⟩ Kieselack .. stieß einen gedämpften pfiff aus H. Mann ausgew. w. 1,522 ak. 1954 den raum .., dessen schwerer teppichbelag meinen schritt dämpfte Le Fort tor 51. visuell, von grellen farben und krassen lichteindrücken: 1533 der volmon tempfft mit seinem hellen vnd liechten schein das klain sternlein, das man es nit wol, oder aber gar nit sehen mag Apianus, instrumentb. L 3a. 1667 die fackel dämpfft der ampeln blassen schein Hallmann Urania 65. 1757 so muß er (der maler) wenigstens die farben also dämpfen, daß diese gemeine arme leute nicht wie so viel neuere fürsten und herren aussehen bibl. d. schönen wiss. 2,1,34. ⟨1850⟩ die wilde rebe klimmend umspannt/ das fensterlein und dämpft die helle Grün s. w. 7,218 Sch. ⟨1893⟩ der bergesschatten füllt das weite tal/ und dämpft zu grauem grün den glanz der matten Hofmannsthal ged. 270 S. 1952 sie hatten sich erhoben und wandelten arm in arm im gedämpften licht des waldes Kasack netz 178. – von mechanischen und physikalisch-chemischen vorgängen: 1710 ist nun der hirsch vorm thau zu holtze, so dämpfet derselbe die witterung in der ferte dergestalt, daß .. Göchhausen notabilia (Weimar) 5. 1711 .. in hitzigen kranckheiten, dieweil es (das wasser) den durst leschet, die hitze dämpffet Hermann maslographia 198. 1763 so läuft an den abgehauenen enden (von gerade geschlagenem holz), der saft, oder die wässerigen theile heraus, welches nicht nur das feuer und hize dämpfet, sondern es lieget und kohlet, und schwölet nur allg. forstmagazin 1,213 S. 1828 Honorio war vom pferde gesprungen und knieete schon auf dem thiere (einem niedergeschossenen tiger), dämpfte seine letzten bewegungen und hielt den gezogenen hirschfänger in der rechten hand Goethe I 18,333 W. ⟨1856⟩ das feuer war gedämpft, aber nicht gelöscht Mommsen röm. gesch. 3(1866)265. 1903 eine isolierende luftschicht, die einesteils die diffusion des gases, andrerseits äußere temperaturänderungen dämpfte Linke luftschiffahrt 113. 1930 infolge der unvermeidlichen reibungswiderstände klingt jede pendelschwingung gedämpft ab Pohl mechanik 43. 1963 tabakbraune scheuerkissen an der steuerbordseite dämpfen den stoß beim anlegen Grass hundejahre 21156. 2 intransitiv, rauch, dunst, schweiß, körperdämpfe, geruch abgeben. hochsprachlich in der mitte des 18. jhs. von jüngerem 1dampfen 1 abgelöst, in den mdaa., ebenso wie 3, weitgehend erhalten: ⟨n1291⟩ sîn ors daz sach man temphen/ alsam die kolgruoben Reinfrid v. Braunschw. 8670 LV. ⟨1444⟩ von den suͤssen regen, die dann in den lüfften durch den guͦten schmack der kreüter, die über sich riechent und tempfent und von demselben tampf dann kommen gar fruchtper regen volks- u. schwankb. 2,83 DLE. ⟨1525/6⟩ wie ein siedents wasser hinauf gen himel dempft und sein reif uber sich gibt, also .. Paracelsus I 13,32 S. 1610 so ist nicht müglich, daß etwas auß dem erdtboden vber sich dämpffe, ohn eine erwärmung Kepler interveniens V 4a. ⟨1758⟩ wo schwefelbäche durch den versengeten boden schlichen, zwischen ungeheuren dämpfenden felsen Geszner schr. (1762)1,99. von da her auch mit objekt: 1557 ettliche oͤrter, da aͤrtz gfunden wirt, wie sie saͤltzam seindt, die geben von sich selbs den schwaden, vnd dempffen von sich den boͤsen gifftigen lufft Bech bergkwerck 180. 1735 die schwachheit halbentseelter leichen,/ die mit dem tode röchelnd kämpft,/ und lauter elend von sich dämpft Stoppe Parnaß 468. 3 intransitiv; in rauch- oder dampfform aufsteigen. hochsprachlich in der mitte des 18. jhs. von 1dampfen 2 abgelöst: ⟨1250/4⟩ do sah der gotis werde/ tempfin uz der erde/ ein groz getempfe und ein rouh Rudolf v. Ems weltchr. 4883 DTM. 1521 gegen dem gyfft, das auß dem hertzen dempfet, mag kein artzney bereit werden Hutten 4,215 B. 1716 es (das kraut) dämpffet nach dem haupt, und befordert zwar einiger massen den schlaff, schadet aber hingegen denen augen Marperger küch- u. kellerdict 248b.

3dämpfen, vb.

Fundstelle: Band 6, Spalte 184, Zeile 38
3DÄMPFEN vb.   abl. von 2dampf. vereinzelt die nbf. dampfen: 1848 das dampfen der cartons A. v. Menzel br. 125 W. jmdn. oder etwas mit dampf oder rauch behandeln. a menschen oder tiere einem heilkräftigen dampfbad oder rauch aussetzen: ⟨u1440⟩ man sol auch den dampff von den kruͤttern gesotten dem pferd in die nasloͤcher laussen goͤn .. man sol jne auch da mit lang dempffen v. falken, hunden u. pferden 2,120 L. 1542 es ist auch guͦt, daß du das haupt daͤmpffest ob betonica, salbeyen, rosmarin gesotten Dryander gantze artzenei 72b. 1564 nim federn thue sie in ein hafen, vnd thue gluet darauf, vnd dempf das roß darmit Wolfgang II. 2. roßarzneib. 249 S. 1682 gieß einen theil des ersterwehnten wassers samt den kräutern auf den heissen stein, damit der dunst dem roß in den kopf gehe .. und dämpff es täglich zweymal Hohberg georgica 2,203a. b nahrungsmittel im wasserdampf garen, auch schmoren, dünsten: u1480 dempf galöpfel mit eym wenig baum oles, biß sie weich fallen mal. hausb. XXV B./S. 1588 außgehuͤlchte suͤsse oepffel .. inn .. frischem außgepreßten mandeloͤlen zu sieden oder zu daͤmpffen Tabernaemontanus kreuterb. 1,716. 1632 oepffel mit zucker vnd einem wenig saffran in warmer aschen gedämpfft Hörnigk saurbrunnen 112. 1716 schäle die birn, .. röste sie im schmaltz, daß sie braun werden, thue es in ein hafen, gieß wein daran, dämpffe sie also über einem kohl-feuer bis sie weich werden Marperger küch- u. keller-dict. 124a. 1879 apfelschnitze, gedämpft mit speckwürfelchen Vischer auch einer 1,364. 1950 je nach .. den zur verfügung stehenden futtermitteln erhalten die hühner ein gemisch von gedämpften kartoffeln, zuckerschnitzeln, nachmehlen, schrot und kleie Holtze/W. landwirte 118. c wasserdampf auf holz, textilien und andere stoffe einwirken lassen: 1896 das dämpfen im zeugdruck hat den zweck, die aufgedruckten farben zu entwickeln und auf der faser zu fixieren Lueger lex. [1894]3,116. ⟨1940⟩ für manche gewerblichen zwecke wird die härte des holzes vor der weiterverarbeitung durch ‘dämpfen’ gemindert forstbetriebsdienst 2285 W./O. 1956 sofern ein dämpfen der erde nicht möglich ist, muß mit etwa 70 g beizmittel je m3 desinfiziert werden Nicolaisen gemüsebau 81.

4dämpfen, vb.

Fundstelle: Band 6, Spalte 185, Zeile 13
4DÄMPFEN vb.   zu 2dampf 3 c. zechen, prassen: ⟨1530⟩ guͦt geselschaft, so seines gefallens und kopfs waren, mit im dapfer dempften und zechten volkslieder 32,38 U. ⟨1560⟩ ein ehrlicher vom adel, .. lag ein tag oder zwölffe in der herberg, lud gäste und dempffet weidlich Hertzog schiltwacht (Magdeb. o. j.) D 5a. später nur noch lexikalisch: 1616 Henisch t. spr. 1,638 f. 1715 Gürtler lex. 2,48b.

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Zitationshilfe
„dampf“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/dampf>, abgerufen am 25.10.2021.

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