Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

dankbar, adj.

Fundstelle: Band 6, Spalte 222, Zeile 37
DANKBAR adj.   ahd. dancbâri, mhd. dancbære (dazu nhd. nicht mehr bezeugtes ahd. dancbârî f., mhd. dancbære f.). ahd. schon u830 unthancbare ingratos Tatian 232,8 S., erst 10.jh. danchpariu ahd. gl. 1,532,12 S./S. für gratiosa (mulier) (neben 10.jh. danchparigiu ebd.) in einer so sich nicht fortsetzenden bedeutung. 1 zustimmung, wohlgefallen erregend, angenehm, willkommen zu dank m. A 2, nur bis ins frnhd.: ⟨u1300⟩ dc er der armer witiwo zwen êrin phennige vil mê lobot und dc si im och vil danchberer wâren (als die opfer der reichen) dt. pred. 1,72 G. ⟨1363⟩ wegen irer grossen threw vnd dannckhparer dienst willen in: Brandis landeshauptleute (1850)102. u1466 so du stest in seiner bescheud, er tuͦt dir wol vnd du wirst danckbar in seim hertzen 1. dt. bibel 7,66 LV. 1529 wiewol sulchs .. auch andern gewaltigen bey e. h. nicht gefallen, noch danckbar n. ztg. v. herren f 3b. 2 zufriedenstellend, völlig, vollgültig, vgl. dank m. A 2 d δ und dankbarlich 2: 1616 er wölle vns solch kützle .. zum nachttessen zuuerzören günstig gögen dankbarer bezallung verehren Krafft reisen 86 LV. wohl noch hierher: 1735 solches verschulden wir nebst danckbarer abstattung derer gebühren Eckard händel 166. 3 eine wohl nicht von 2, sondern eher im sinne von eingedenk im gedächtnis bewahrend von dank m. A 1 her zu verstehende bedeutung formelhaft im schweiz. des 14. und 15. jhs.: ⟨1363⟩ die uorgnanten ding alle dankber vnd steͣt ze hann, binden wir úns .. mit disem brieff rechtsqu. Bern I 1,156. 1486 den (vertrag) danckbar und staͤt halten ebd. I 4,1,596. 4 sich empfangener wohltaten wegen verpflichtet fühlend schon ahd. auf grund von u830 unthancbare ingratos Tatian 232,8 S. vorauszusetzen, seit dem 16. jh. hauptbedeutung des wortes. a sehr häufig in prädikativem gebrauch, vor allem (jmdm., seltener gegen jmdn.) dankbar (sein). das abhängige sachobjekt heute mit für (vereinzelt gegen), gelegentlich (regional obd.) noch mit älter häufigem um, mhd. und bis ins 16. jh. oft im bloßen gen., älter auch im bloßen dat. oder akk.: ⟨A/M14.jh.⟩ bisz danckber bisz an dinen tod des minniclichen liebes und guͦtes, das er (Christus) dir gemeinsamt hat Seuse 482 B. ⟨M15.jh.⟩ daz sy andenckig wer der grossen gnaden, die ir got getann hatt, unnd daz sy im das danckber wer dt. volksb. 271 LV. 1523 daß sy sind nit danckbar gesin den guͦtaͤten gottes Jud paraphrases 60d. 1543 sey den rabinen danckbar fur jhr allmechtigen schmeisdreck Luther w. 53,603 W. 1677 dan mier in grosser hungers noth/ bey dier haben gefunndten proth/ umb welliches mier danckhbar sein josephsp. 120 K./I. ⟨1704⟩ dankbar gegen alle wolthat Schmolck flammen (1709)1,16. 1811 so kam er von zeit zu zeit nachzusehen und nachzuhelfen, dankbar, daß wir .. zutrauen zu ihm gehabt Goethe I 26,195 W. 1894 er war von herzen froh und dankbar, zu seinem inniggeliebten heiland gehen zu dürfen nachrichten brüder-gemeine 76,300. 1961 daß erwachsene und kinder, die bisher .. auf dem boden schlafen mußten, um jede menschenwürdige lagerstatt dankbar sind n. zürcher ztg. 4839. gelegentlich hierher in der sonst eher zu 5 gehörenden verbindung sich dankbar erweisen: v1867 aber daß sich einer (dem arzt) dankbar erweisen und wie ein vernünftiger mensch melden sollte, wie ihm was bekommen (statt nur geld zu zahlen), dazu sind sie doch zu einfach in ihren sperlingsköpfen Kügelgen jugenderinn. (1870)316. b in der kennzeichnung innerer kräfte, empfindungen und gesinnungen. meist in attributiver bindung an substantive (besonders dankbares herz oder gemüt), jünger gern neben entsprechenden verben: 14.jh. doch wuͦhs sú (Marias liebe zu Christus) vesteklich an ir/ mit aller dankberer begir schweizer Wernher 7998 DTM. ⟨1548⟩ aus einem gleubigen vnd danckbaren hertzen bekenntnuss auffs interim (1549)13b. 1691 sie nahmen alles mit danckbahren hertzen .. auff Ziegler u. K. helden-liebe 333. 1790 sie fühlt sich dankbar, sie fühlt, was sie dir schuldig ist Goethe I 12,28 W. ⟨1892⟩ daß ich ein dankbares gefühl für seine güte habe Fontane ges. w. (Berl. o. j.) I 8,146. ⟨1937⟩ ‘haben heute einen drolligen cursum durchschmarutzt, herr hauptmann.’ ‘dankbarst bewußt’, entgegnete Winfried A. Zweig einsetzung (1950)163. c eine bestimmte person oder einen personenkreis kennzeichnend, attributiv oder substantiviert: 1520 wie sein hymelischer vater seine sunne auch lassen auffgahn uber frum und bosze, und regen uber die danckbaren und undanckbaren Luther w. 6,272 W. ⟨1639⟩ er hab unter allen denen, die er zu ehren gebracht, wenig dankbare gefunden Gerlach eutrapeliae (1656)2,171. 1781 den schmerz .., den das dankbare Frankreich bey dem verlust eines mannes äusserte, der nur Voltäre war d. neueste v. gestern 3,301 B. 1851 schließe ich und bleibe ihr dankbarer schüler Heinrich von Treitschke Treitschke br. 1,104 C. 1947 daß der mensch .. ein dankbarer und ein hoffender wird Barth dogmatik im grundriß (Stuttg.) 186. d dankbar etwas tun mit dem gefühl der dankbarkeit oder aus dankbarkeit, so auch attributiv neben substantiven verbalen gehalts, besonders jünger: hs.15.jh. dich (Christus) turst ouch begirlich noch einem danckberen wider minnen von allen mönschen altdt. pred. 245 W. 1538 ach herr wer wolt nicht frölich sein/ vnd danckbar brauchen disen wein Rebhun dr. 155 LV. ⟨1674⟩ solang mein geist sich regt, will dankbahr ich gedenken,/ mein fräulein, an di gunst/ di mir von ihr geschiht Balthis (1677)194. 1759 in danckbarer rücksicht, daß seine vorfahren schon in dem langen dienst des landes gestanden Moser herr 223. 1839 Leß, dessen apologetisches werk auch hier dankbar benutzt ist Tholuck verm. schr. 1,148. 1954 wir haben das leiden der zeugen dankbar angenommen und dann vergessen Schneider tag 172. bei verben oder substantiven, die eine menschliche geste oder ausdruckshandlung bezeichnen, steht dankbar hier im sinne vonzum zeichen der dankbarkeit⟨1721⟩ daß ich kein wort mehr sprach, nein, mich nur dankbar bückt’ poesie d. Niedersachsen 1(1725)127 W./K. 1866 jeden abend kehrte ein dankbares lächeln auf ihr liebes gesicht zurück Stern hist. nov. 14. 1914 oft ein ergebnes lächeln, einen dankbaren blick zu erlangen Herrmann-N. sie 85. 1949 des .. Maniu und seiner freunde, die mir dankbar die hand schüttelten Löbe erinn. 108. 5 dank in worten aussprechend, seit dem 16. jh. durchstehend aber neben 4 wenig entwickelt: ⟨E13./A14.jh.⟩ man sol allewege lobelîchiu und dankbêriu wort von im hœren dt. mystiker 2,603 P. ( v1605⟩ last vns erstlich gott danckbar sein,/ inn der kirchen beten vnd singen Ayrer d. ä. 3,1486 LV. 1821 gäbe es gelegenheit, so sagtest du deshalb ein dankbar wort an herrn von Froriep Goethe IV 35,68 W. ⟨1904⟩ ich lasse ihr etwas dankbares verdolmetschen Rilke br. 1,83 A. in jüngerer bindung an bestimmte reaktionen und situationen soviel wie mit (ausgesprochenem) dank, dankend etwas tun: 1796 die .. papiere nebst dem portefeuille schicke ich dankbar zurück Goethe IV 11,270 W. ⟨1895⟩ beides wurde dankbar akzeptiert Fontane ges. w. (Berl. o. j.) I 9,47. 1949 ich .. stellte mich ihm .. für den tag und die nacht zur verfügung. er nahm dankbar an Fechter wende 39. 6 durch vergeltendes tun erkenntlich handelnd, vom mhd. bis heute, aber wie 5 neben 4 verhältnismäßig ungebräuchlich prädikativ, seltener attributiv: ⟨1.h15.jh.⟩ diser man hat dir wol getan./ des soltest in han geniesen lan/ und dankbär an im sin gewesen schweiz. kleinepiksamml. 17,197 ATB. 1531 dz er für empfangne guͦtthat ym danckbar wer, vnd dz eingnummen widerumb bezalt Hedio Josephus 1,113a. 1695 kan ich eine wolthat von den herren geniessen, so will ich mit meiner kunst gerne danckbahr seyn Weise comödien probe 286. ⟨1795⟩ um dir wenigstens zu zeigen, wie gern ich dir dafür dankbar seyn möchte, sende ich deiner neugier einen theil meiner briefe Schiller br. 4,94 J. ⟨1878⟩ wer die macht zu vergelten hat, gutes mit gutem, böses mit bösem, und auch wirklich vergeltung übt, also dankbar und rachsüchtig ist, der wird gut genannt Nietzsche w. 1,483 Sch. 1955 er .. vergißt die stube der eltern und deren gott dankbares leben Billinger rom. 5,68. vorwiegend hierher, wenn auch für dankbar selbst hier zunächst von 3 auszugehen ist, die festen verbindungen sich dankbar erzeigen, beweisen u. ä.: 1523 gott ein gefallen zuͦ beweisen und sich danckbar zuͦ erzeigen, streckt er seinen bruͤdern für seel, leib, eer und guͦt Bucer I 1,91 S. 1750 von dem vatter den schandnahmen eines betrügers, mittelst bezahlung der vätterlichen schulden abzuwenden, und sich solchergestalt schuldigst danckbar zu bezeigen Vetter gedancken 1,341. 1910 für diese spitzeltat hat sich dann der russische kaiser der französischen polizei außerordentlich dankbar erwiesen Liebknecht ges. reden (1958)3,357. 7 seit etwa 1800 auch im sinne von lohnend, ergiebig, befriedigend, von dank m. B 3 her, in sachlicher beziehung vor allem auf tätigkeiten, aufgaben und deren gegenstände: 1799 leider ist es (resultate langer arbeit mitzuteilen) nicht das dankbarste geschäft Goethe IV 14,151 W. ⟨1818⟩ rollen solcher art .. sind nicht immer dankbar Börne 2,66 G. 1889 die dichter, welche .. in der mythologie einen dankbaren stoff fanden Puschmann unterr. 29. 1958 der dankbaren aufgabe .., die heute vorauszusetzende vertrautheit mit dem thema zu meinem vorteil zu wenden Röpke angebot 56. 1959 daß das material der nordischen bronzezeit ein besonders dankbares objekt für typologische untersuchungen ist Eggers vorgesch. 104.

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Zitationshilfe
„dankbar“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/dankbar>, abgerufen am 04.12.2021.

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