Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

dröhnen, vb.

Fundstelle: Band 6, Spalte 1416, Zeile 17
DRÖHNEN vb.   lehnwort aus nd. drȫnen vb. schwache flexion. vb. der schallhervorbringung; relativ kontinuierlich dumpf und durchdringend tönen oder daherreden, verbunden mit der vorstellung des vibrierens. A von personen und dingen, die geräusche, auch äußerungen dröhnend hervorbringen; von dröhnenden klängen, geräuschen und mit dröhnen verbundenen aktionen sowie von räumen, die in dröhnende erschütterung geraten. 1 einwertig in persönlicher konstruktion: 1643 schaw den bemahlten schild in festen händen drönen Schottel einl. 37. 1787 ein grausendes schlachtgetöse .., davon die mauern dröhnten und die schwellen bebten Musäus volksmärchen 191,266 Z. 1850 hohl dröhnten die krachenden großen räder herauf Gutzkow ritter 1,107. 1974 Hager las uns mit dröhnender stimme aus einem buch Theodor Däublers vor Härtling frau 76. übertragen: 1882 mir gab bescheid der geist mit tiefen tönen / im flutensturz und in der laue dröhnen C. F. Meyer s. w. 1,71 L. 1934 wo blieb die zeit, / welche die deine war? / die hier schreit / und dröhnt Weinheber 2,110 N./W. besonders von physischen oder psychischen erschütterungen des menschen, die als heftig tönend empfunden werden: 1911 wie ein ball von feuer dröhnt ihr kopf Heym dicht. 1,168 Sch. 1935 daß dem armen gefangenen nur so der schädel dröhnte Waggerl mütter 201. 1973 die geschichte dröhnt in seinen ohren Härtling Zwettl 94. von adern, blut, nerven: ⟨1776⟩ so muß man sich oft so gewaltsam wieder aufraffen, daß der ganze nervenbau dröhnt Bürger 4,38 W. ⟨1934⟩ seine worte .. vergingen in ihrem atem, in ihrem blut, im dröhnen ihrer herzen Zuckmayer ges. w. (1960)1,332. 2 einwertig in unpersönlicher konstruktion mit direktiver ergänzung: 1901 da dröhnts an die thür mit dumpfen .. schlägen Münchhausen balladen 59. 1922 gegen das tor dröhnte und polterte es Strausz u. T. tag 51. 3 nullwertig in unpersönlicher konstruktion: 1664 (die muse) macht lärmen, daß es dröhnt / und thönet in dem kampf Kempe palm-zweig B 4a. 1966 nur das dröhnen auf dem nahen flugplatz läßt sie bekümmert aufschauen frankf. allg. ztg. 60, bilder u. zeiten. übertragen: ⟨1918⟩ so einen stillen, unterirdischen witz, den man erst erraten muß, und der dann doppelt dröhnend einschlägt Tucholsky 1,282 G.- T./R. 1936 jenes herrliche bulletin seiner taten .., in dem es von verbrannten burgen prasselt, von siegreichen märschen dröhnt Heimpel mittelalter (1941)64. vom brummen im kopf: ⟨1938⟩ er spiele orgel, daß es ganz Besenroda in den ohren dröhnt Kluge Kortüm 206428. 1966 (der aus der trunkenheit erwachte Casanova) klagte über dröhnen im schädel und seine kranke leber Zwerenz Casanova 386. 4 zweiwertig mit direktiver ergänzung: ⟨1800⟩ ein gewaltiger ruf dröhnte durch die uralte burg Novalis 21,298 K./S. 1974 das brausen einer vorbeirasenden untergrundbahn, das durch ein luftgitter unter seinen füßen dröhnte Roth horizont 195. übertragen: ⟨1897/8⟩ bis ins herz der welt hinunter / dröhnt das schreiten meiner hoheit Hofmannsthal ged. 30 S. 5 zweiwertig mit akkusativobjekt; von äußerungen: ⟨1807⟩ da ruft der sturm, da dröhnt das land: / kommt her, kommt her von allen orten! Uhland ged. 1,17 Sch./H. 1971 um sieben uhr früh beginnen die lautsprecher zu dröhnen: ‘der osten ist rot’ Mehnert China 130. 6 dreiwertig mit akkusativobjekt und direktiver ergänzung: 1797 posaunen .. schmetterten und dröhnten eine erhabene andacht durch alles gebein Wackenroder herzensergießungen 189. ⟨1946⟩ ‘verstanden?’ dröhnte sie wie eine tuba der armen Dolores ins ohr Langgässer siegel (1948)112. B norddt. umgangssprachlich; von personen, (belangloses) so daherschwatzen. 1 einwertig: 1792 hier ächzt ein reichsprälat, und dröhnt, / matt von dem langen weeg und sehnt / sich ach! nach einem wirthshaus Hübner verwandlungen (1790)4/5,64. ⟨1929⟩ rührungspause .. sie (die tante) dröhnte sanft weiter Borchardt erz. 220 B. 1976 Duden wb. dt. spr. 2,572b. 2 zweiwertig: 1909 ‘gott, tante Laura’, sagte die kleine, ‘was dröhnst du doch zusammen!’ Frenssen Baas 83. 1976 was er dröhnt, darauf mußt du nichts geben Duden wb. dt. spr. 2,572b.

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Zitationshilfe
„dröhnen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/dr%C3%B6hnen>, abgerufen am 07.12.2021.

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