Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

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dringen, vb.

Fundstelle: Band 6, Spalte 1395, Zeile 18
DRINGEN vb.   ahd. dringan, mhd. dringen. as. thringan, mnd. dringen; mnl. nnl. dringen; afrs. thringa; ae. þringan; an. þryngva, -ja, norw. trøngja, trenga, dän. trænge, schwed. tränga; got. þreihan. zur idg. wz. *trenk- ‘stoßen, zusammendrängen, bedrängen’ mit bildungen wie lit. trenkiù (treñkti) ‘so stoßen, daß es dröhnt’. – starkes vb. III a. perfektbildung überwiegend mit haben, mit sein nur in den zweiwertigen verwendungen mit direktiver ergänzung B 2, D 1 (wenn nicht refl. verwendet), G 2 (doch s. u. 1970 Hagelstange alleingang 68), sowie in den einwertigen verwendungen B 4 und D 3. beide partizipien erscheinen früh lexikalisiert. – dringen ist mdal. breit im nd., nur gelegentlich im md. und obd. bezeugt. A starken physischen druck ausüben, pressen, drücken. vornehmlich ahd. und mhd. 1 mit angabe von personen oder gegenständen, die dem druck ausgesetzt sind; zweiwertig mit akkusativobjekt; mit fraglicher zuordnung des ersten belegs: ⟨790/802⟩ (uiolentia laboris oppremant) .. arbeiteo sin kidrungan benediktinerregel 256,18 S. 863/71 thrang inan (Jesus) thiu menigi, thiu thar was tho ingegini Otfrid III 14,15 E. ⟨v1022⟩ uuîo teilelîh lige. an demo corpore. nals uuîolîh iz (verhältnis species – qualitas) selbez sî .. iz ist fone diu gedrungen. daz sîniu teil in selbên nahô ligent Notker 1,459,6 P. ⟨E12.jh.⟩ die zehere ein ander drungen Albertus st. Ulrich 1491 Sch. ⟨1316⟩ du sihst nu /daz die liut dich alle dringent, / uns stôzent ûf dich unde twingent bruder Philipp 5778 R. 1531 so doch ich die haͤrd in deinen waͤgen fuͤrende nit mit gwalt getrungen hab bibel (Zür.) 2,110a. 1698 die berge .. verhinderten vielmehr das ablauffen des wassers, drungen dasselbige in seinen gängen, verstopfften dessen durchgänge Ray, klee-blätlein 133. 2 in spezieller anwendung auf kleiderstoffe, garne u. dgl., flechten, weben, nähen; vgl. herkunftsmäßig verwandtes mhd. drîhen ‘sticken, flechten ⟨v1022⟩ daz zîero gerigena gefluhte. ûzer gedrungenên rôsôn. daz man brûten machôt Notker 2,104 ATB. ⟨1.h13.jh.⟩ næn oder borten dringen sperber 20 N. ⟨M14.jh.⟩ diu triuwe, kiusche und ouch diu scham / des kranzes borten drungen minnesinger 3,52b H. 1504 eynn herttes heres cleyde / vnnd von pferdes haren / eyn hertte schnure gedrungen dar vber gegertet legende st. Hedwigis M 2b. 3 etwas in oder durch eine andere substanz zwängen, zwei dinge eng zusammendrücken; dreiwertig mit akkusativobjekt und direktiver ergänzung: ⟨u1270/80⟩ sînes swertes klingen / wil er durch mîn herze dringen heidin 2,1722 P. ⟨M14.jh.⟩ drifaldig got sin forme drang in menschen wachs Heinrich v. Mügeln kl. dicht. 1,17 DTM. ⟨1460⟩ zcw loss das beidess vff koln, vnnd dring es durch ein tuch Pfolspeundt bündth-ertznei 100 H./M. 1671 die pfeile die du drangst in mich Czepko geistl. schr. 182 M. 1827 darauf dringe man alles durch eine serviette engl. goldgrube 3/4,169. B angreifen, durch angriffsaktionen in bedrängnis bringen. 1 jmdn. angreifen und von seinem platz vertreiben dreiwertig mit akkusativobjekt und direktiver ergänzung: 863/71 ‘wer ist’, quadun, ‘therer man, ther unsih dritit hiar so fram, / mit heri uns sus hiar engit joh uzar ther burg thringit?’ Otfrid IV 4,62 E. ⟨n1190⟩ da was die slachte so groz / daz daz blut als ferre floz / swelchē man vō dem rosse dranc / daz er in dem blute ertranc Herbort 1485 F. u1348/58 swer einen dringet ûs dem creis mit sîn selbis lîbe, der ûs dem creis kumit, der hât vorlornne zwickauer rechtsb. 244 U. ⟨u1479⟩ wir .. wurden da von euretwegen derselben Behmen feind, und drungen die gewaldiglich aus eueren landen Eschenloer Breslau 2,364 K. 1663 wenn du mit advers. ringest und er dich auff r. seite und du ihm auff die l. seite dringest .. so gib dich auff die seite, da dein advers. dich hin dringet Pascha ringe-kunst 22. 2 jmdn. in feindlicher absicht bedrängen, ihm auf den leib rücken; zweiwertig mit direktiver ergänzung, überwiegend auf jmdn. dringen: ⟨u1147⟩ mit ir scarpfen swerten / ingegen dem kunige si drungen, / ir wîcliet si sungen kaiserchr. 7116 MGH. ⟨1250/4⟩ uf Seph den grozen risin dar / drang er und sluͦg in sazehant, / das er tot viel uf das sant Rudolf v. Ems weltchr. 30737 DTM. ⟨2.h14.jh.⟩ doch drang er wider uff in dar / mit sines speres isen Johan ûz d. virgiere 1296 P. 1473 die feind drungen auff jn Steinhöwel de claris mulieribus 315 LV. 1570 tringet dein gegenfechter im band auff dich, so bleibe mit deiner stangen auch hart an der seinen J. Meyer fechten 2/3,27a. 1664 er aber tringt verwegen / dem könig auf den leib Hohberg Ottobert 2,Oo 7b. 1822 Hektor .. dringt mit gezucktem schwert auf Achill Goethe I 41,1,320 W. allgemeiner, jmdn. überkommen, übermannen: ⟨1529⟩ da er aber sihet, daß er betrogen ist vnnd man will auff yhn dringen, als habe er vnrecht gethan, do .. Agricola sprichw. (1534) N 8a. 1662 wann ich euch lang zuehören soll, / so würd der schlaf balt auf mich dringen oberammergauer passionssp. 135 Q. 1798 die wilde begierde dringt mit gewalt auf das weib, und macht die lust zum entsetzen Goethe I 50,234 W. 3 jmdn. angreifen und mit ihm kämpfen; zweiwertig mit akkusativobjekt: ⟨1060/5⟩ zuene bruͦder. / in der muͦter wambe / waren si sa mit champhe: / ein ander si drungen wiener genesis 2127 ATB. ⟨1250/60⟩ nu wil ich or ungeval / ên teil der zwîer vorsten sagen. / sî wordin drungen und geslagen Berthold v. Holle Demantin 10816 LV. hs.2.h14.jh. ouch schemen sy sich nicht der vlucht, wen sy gedrungin werdin von iren vindin Marco Polo 18 DTM. ⟨1507⟩ (sie) rißen also zwai pretter von der pruggen, wurden aber durch Wilwolten .. also getrungen, das si der nit mer abwerfen mochten Wilwolt v. Schaumburg 43 LV. ⟨1673⟩ den andern befehden, bekriegen, berauben, fahen, überziehen, belägern, beschwehren, vergwaltigen, tringen, beleidigen t. reichs-arch. 4,628a L. – seltener reziprok mit präpositionalobjekt (mit): ⟨u1120/30⟩ do chom er ze einem brunne da die uihirt mit ein andir drungen milst. genesis 55,6 D. ⟨1490⟩ do beraittn sich paid tail zu dem vechtn und chomen zu hauffn, und als sy lang mit ein annder drungen, do .. Unrest chr. carinth. 514 H. 4 einwertig kampfhandlungen durchführen; nur mhd.: ⟨n1190⟩ Vlixes trat vf des schiffes bort / vn̄ sluc vnd dranc / vnz er vf den stat spranc Herbort 4395 F. ⟨u1270/5⟩ dô wart ze beiden sîten / geslagen und gestochen, / gedrungen und gebrochen, / gestôzen und gehürtet Konrad v. Würzburg Partonopier 14440 B. ⟨1462⟩ Pünzing, Offenstetten / und Waler sicht man in dem tornei dringen Püterich ehrenbr. 39,7 B./W. C durch starken physischen druck einen ortswechsel herbeiführen schieben, treiben. 1 jmdn., seltener etwas irgendwohin oder von einem platz fort schieben; dreiwertig mit akkusativobjekt und direktiver ergänzung: ⟨v1022⟩ daz tûot er ein ôra dringende an dia erda. daz ander ferskîebende mit demo zagele Notker 3,2,373 ATB. ⟨u1227/47⟩ daz er sich biderbe liute lieze dringen / ûz engen winkeln an die wîte Reinmar v. Zweter 57,8 R. ⟨M14.jh.⟩ din kraft die wasser süßte / und sie uß felse drang Heinrich v. Mügeln kl. dicht. 1,419 DTM. 1401/17 sie wart gedrungen und gewyset mit irn swestirn in eynen wynkil script. rer. pruss. 2,250. z.j.1517 ich .. dranng das phärdt so nahenndt ich möcht zw der stiegen font. rer. austr. I 1,122. 1659 wer da ins wasser gedrungen oder gestürtzt ward, der muste ersauffen Barlaeus, brasilian. gesch. 472. 1746 (ein schwerthieb) der sich so fürchterlich um ihre (Theresias) krone schwunge, / daß er dieselbige fast von der scheitel drunge Scheyb theresiade 2, Uu 1a. 2 übertragen, jmdn. in eine oder aus einer geistigen position u. dgl. nötigen: ⟨u1180⟩ nâch heiles gnâden ich ie ranc: / wær sîn lôn gewære! / von allen sælden ez mich dranc Hartmann büchl. 21,1709 H. ⟨1260/80⟩ diu ander swære, / diu mich von vreuden dringet Pleier Garel 547 W. ⟨u1400⟩ bis getrüw vor allen dingen, / (davon la dich nicht dringen) Hugo v. Montfort XIV,42 W. 1522 diweyl sye (bischöfe und fürsten) doch mit irem bannen jn (Luther) allein dringen woͤllen von dem wort gottes flugschr. ref. 3,293 C. 1679 und hat Ariabignes seine ursachen gehabt, euch nicht eher als nun aus dieser einbildung zu dringen Anton U. v. Braunschweig Octavia (1677)2,138. 1799 wo aber die kraft des geistes den menschen in ein anderes fach dringt und treibt, da wird er auch darin etwas vorzügliches leisten Eckermann schr. 2,157. 3 einwertig, von angestrengtem schieben, drücken überhaupt, vereinzelt: ⟨u1310/30⟩ nahtegal diu lât ir singen / und diu bluot ir dringen schweiz. minnesänger 152 B. 1536 mit hiz und ganzer art geschwelt dasselbig glid auf und rötets wie ein kreps so stark und so gewaltig, das sterker nicht sein mag, sezet sich zu gleicher weis an ein ort und tringt, als wöll es ausbrechen Paracelsus I 10,303 S. ⟨1815⟩ wie eines stromes dringen / geht unser lebenslauf Eichendorff gesamtausg. 1,72 B./G. D sich unter ausübung physischen drucks gegen widerstand bewegen, bei weitem häufigster gebrauch. 1 mit angabe von ziel, ursprung oder richtung der fortbewegung; zweiwertig mit direktiver ergänzung, gelegentlich refl., mit persönlichem und nichtpersönlichem subjekt: ⟨1150/60⟩ do begunden die herren dringen. / vaste zo deme ringe könig Rother 720 F./K. ⟨1271/86⟩ ir gevidere sie swanc. / in trüebe wolken sie dranc Ulrich v. Etzenbach Alexander 12680 LV. ⟨u1350/77⟩ wie die syben planeten dringen / an des himels umb lauf Teichner 616,28 DTM. 1441 die megt und engel singen, / das es durch die himel tuot tringen / dem almechtigen got in sinen tron teufels netz 7829 LV. 1539 im hewmonat dringen seine (hirseart) bartichte vnd zothichte aͤhern aus den graß scheyden Bock kreütterb. 2,24b. ⟨1674⟩ damit die lufft nicht häuffig könne zur lungen dringen Bürger candidatus (1692)52. 1750 ein heilsames gewässer, / das biß zu der berge füssen in die seichten thäler dringt Tralles Riesen-gebürge 87. 1846 weshalb, trotz alles heftigen widerstrebens der Dänen, die deutsche sprache unaufhaltsam durch Schleswig dringt Mügge streifzüge 1,289. 1975 die musik aus dem ballsaal drang gedämpft bis zur haupttreppe Bienek polka 2247. 2 übertragen, positionen oder andere ziele mit nachdruck ansteuern, etwas eilig verlassen: ⟨u1170/80⟩ hi an saltu si (falsche freunde) bekennen: / si dringin sich an dinen rat / vn̄ loben alle dine tat Wernher v. Elmendorf 131 H. ⟨1293⟩ (wiederaufnehmen des berichts) wider zvo der jstorie / svz wir aber dringen Hugo v. Langenstein Martina 137,57 LV. hs.u1400 van der groister angeste die durch aller creaturen nature dranck Christi leiden 77 P. ⟨1517?⟩ vil cristen tringen / zum ewangelion kirchenlied 3,369 W. 1600 vnder deß richtet ein alter ritter Felicianus genandt ein heimlich verrätherey wider jhn an, der hoffnung sich hiermit ins königreich zu dringen Dilich vngar. chr. 93a. 1738 dieser elende ausschlag der unternehmung drang dem präsidenten .. sehr zu gemüth Downing, unruhen 54. ⟨1841⟩ die pastoralsymphonie drang tief wieder einmal in aller herzen Schumann (1871)2,256. ⟨1970⟩ sie wollen, daß nichts an die öffentlichkeit dringt Simmel Jimmy (1971)104. 3 gelegentlich einwertig von einer ungerichteten bewegung: ⟨u1235⟩ diu rede wart underdrungen, / daz tet der vürste Bessus, / der kam gedrungen Rudolf v. Ems Alexander 14562 LV. ⟨1404⟩ daz wassir obir luttir drang / hatte eynen sußin smag Eberhard v. Cersne d. minne regel 504 W. 1649 da siehet man die herden dringen / wenn sie voll junger lämmer springen Klaj fried- u. freundenmahl C 1a. 4 sich in enger berührung, im gedränge gegenseitig vorwärts schieben, von einer menge von menschen, tieren, seltener gegenständen; einwertig refl.: ⟨u1200⟩ dô was sô vil der geste komen in daz lant; / daz si sich allenthalben drungen mit den scharn nibelungenlied 13512,3 B./B. ⟨1271/86⟩ der sant und steine sich drungen Ulrich v. Etzenbach Alexander 6323 LV. z.j.1493 item darnach uber 2 tag da schenkt Holtzman in der Pintergaßen pier, da trung man sich (Nürnb.) chr. dt. städte 11, 575. 1657 was spricht die grosse schar, / die umb den hoff sich dringt? Gryphius Carolus 73 P. 1794 so war er von der dringenden menge beinah zu tode geschlagen Goethe I 50,39 W. E starken psychischen druck ausüben, mit nachdruck anstreben. 1 jmdn. nachdrücklich zur durchführung bestimmter handlungen zu veranlassen suchen; dreiwertig mit akkusativ- und präpositionalobjekt (zu, auf): ⟨v1190⟩ als ungeloubic ist ir lîp / daz si der zwîvel dar ûf dringet / daz si hât alselhen nît / den ze rehte ein sælic wîp / niemer rehte vollebringet Friedrich v. Hausen 3145,22 MF. ⟨A14.jh.⟩ mîn vrîger muot mich dar zuo dranc Virginal 331,5 Z. hs.15.jh. herr keiser, den apt laßt metten singen! / last euch zu keiner richtung dringen! fastnachtsp. 1,200 LV. 1511 stete lieb mich darczue dringet / vnd mich also pindet, / das anders in mir nit mag gesein, / den was da bill die fraue mein sterzinger sp. 1,98 WND. 1593 jetzo dringet mich die hoͤchste noth darzu, daß ich euch offenbaren muß, welches ich zuuor vnter allen meinen sachen am heymlichsten gehalten Schwartzkopff Herodot 148. 1732 wann namblichen ein landman gedeüter landschaft aus noht gedrungen wäre, sein eigen besitzendes guth .. zu verhandlen oder zu verkaufen rechtsqu. Bern II 1,2,174. 1792 der geringste bewegungsgrund, der mich diesen schritt zu thun dringt Vosz gemählde 1,181. 1875 wenn einer von ihnen, wie Hutten, doch durch große praktische interessen gedrungen wird deutsch zu schreiben, da beweist er auf die traurigste art, daß er und seinesgleichen es nicht verstanden Rückert schriftspr. 1,191. in wendungen wie sich zu etwas gedrungen fühlen noch vereinzelt bis zur gegenwart: ⟨1772⟩ in den letzten jahren Azors hatte man sich durch die äußerste noth gedrungen gesehen, den übermäßigen aufwand der hofhaltung einzuschränken Wieland I 9,168 ak. 1885 wofür anderen tages B. .. seinen freudigsten dank auszusprechen sich gedrungen fühlte Kobbe lebens-erinn. 192. 1939 jedes glied einer fest geschlossenen gemeinschaft, das auf eigene verantwortung zu handeln sich gedrungen fühlt Scheffler form 87. 2 jmdn. bedrängen, bedrücken; zweiwertig mit akkusativobjekt: ⟨u1200/10⟩ mîn arbeit ich gar verlür, / ob den mîn mære drunge Wolfram Parzival 7241,27 L./H. u1348/58 quême ein vrost oder ein sulch snê, der der stat schedlich wêre oder mochte gesîn und den mulen, welchen iz denne zu êrst dringet, der .. zwickauer rechtsb. 54 U. 1523 dise angst trang inn so starck, das er schrey Zwingli 2,46 E./F. 1699 die liebe dringet uns, die liebe hat dieses ausgepreßt Arnold kirchen-hist. 2,281b. 1770 ihr zustand ist ein zwang, mit dem entweder sie selbst, oder sonst iemand ihr herz dringt Hermes Sophie 1,220. 3 gelegentlich einwertig von psychischem druck überhaupt: 1648 unglükk, noht und elend dringet Schottel friedens sieg 55 HND. 1674 Weigel moral-weißheit 113. 4 sich intensiv um etwas bemühen etwas mit nachdruck anstreben; zweiwertig, meist refl., mit präpositionalobjekt (nach, um): ⟨n1391⟩ wir solden bilchs zu stride darnach (mut, tapferkeit) dringen bruder Hans marienlieder 3495 ATB. 1522 das er sahe, wie sich seyn kinder umbs reych tzu beerben drungen Luther w. 10,1,1,2 W. 1690 wer aber nicht an hof gezogen wird, sondern er dringt sich selber nach solcher ehre und ansehen Simmer edelmann 109. 1808 was bin ich denn? wenn es nicht möglich ist / der menschheit krone zu erringen, / nach der sich alle sinne dringen Goethe Faust 2,83 ak. F rechtlichen druck, zwang ausüben. 1 druck, zwang gegen jmdn. in den verschiedenen durch rechtsbestimmungen geregelten bereichen ausüben; zweiwertig mit akkusativobjekt: 1274 dat vͦns duͤchte dathe (d. i. daß er) vͦns zuͦnrehte druͤnge an vͦnsme rehte ce Kolne corp. altdt. originalurk 1,227 W. ⟨1363⟩ wer den andern an seinem koͤuff iͤrret oder in uͤberstat dringet rechtsqu. Argau I 5,62. ⟨1423⟩ waͤr auch, daß unter dem obgenannten haͤllingern ainer den andern tringen, und ungleich weeg suechen wollte, darin sullen wuͤr ain gleicher scherm und herr sein, damit ainem als gleich bescheche, als dem andern samml. baier. bergrecht 26a L. E15.jh. (der procurator soll nehmen) von ainem manbrief 12 den. und von ainem banbrieve 15 den. und niemend hoͤcher dringen nördlinger stadtrechte 468 M. 1567 vnd sollen sich die werckleut an dem hernach gesetzten sommer vnd winttertaglohn beniegen lassen vnd niemandt, wer der sey, weitter tringen bawordn. Würtemberg 82. hs.2.h18.jh. drunge uns jemand furdern, wir wollen alleweg sprechen das man uns unrecht drunge weist. Rheinprovinz 2,2,112. 2 jmdn. durch druck, zwang zum vollzug von handlungen zu veranlassen suchen; dreiwertig mit akkusativ- und präpositionalobjekt (zu): ⟨u1300⟩ dat her yn .. czu dem geloubde getrungin hat neumarkter rechtsb. 182 M. ⟨1363⟩ ap der richter yn czu clage dringe moge magdeb. schöffensprüche u. rechtsmitt. VII 1,47 M. 1420 so hat man die zwene meczeler getrungen darzu, uf den eit zu sagen frankf. chr. 322 F. ⟨1525⟩ daß die von Sultz oder ander s. f. g. undertonen je zu einicher schatzung getrungen noch gezwungen worden seyen bauernkrieg, aktenbd. 228 F. 1592 wir albereit daselbst vnsere priuilegien wider zulegen durch den bann sind gedrungen worden Schütz hist. 6/10, M m 1b. 1831 kein stand soll den andern, oder desselben unterthanen zu seiner religion dringen hist. taschenb. 2,14 R. 3 jmdn. durch druck, zwang zur aufgabe, selten zur einnahme einer rechtsposition zu veranlassen suchen; dreiwertig mit akkusativobjekt und direktiver ergänzung: ⟨1301/19⟩ daz er in ungerne drunge / von deheinem rehte sîn, / daz er hete bî dem Rîn Ottokar öst. reimchr. 39373 MGH. E14.jh. es fuget nicht der geswornen gerechtikeit, das si di leute, .. wann si erez vinden, ansprechen und von iren rechten dringen böhm. bergrecht 2,141 Z. ⟨u1476⟩ tringestu dan̄ einen vnrechtlich von einer pfruͤnd oder einē ampt geÿstlich oder weltlich spiegel d. sünders (1480)98a. ⟨v1562⟩ mann dringt vns mit gewalt auß vnsern alten hergebrachten besitzungen Solms vrsprung (1564)11b. 1731 daß diejenige, welche damalen in dem besitz eines rechtes etc. in religions- und kirchensachen gewesen, davon wider ihren willen nicht können getrungen werden Moser compendium 472. 4 gelegentlich einwertig: 1525 das gebot steht da und dringet Luther w. 18,88 W. 1549 kurmärk. ständeakten 1,450 F. G nachdrücklich, unnachgiebig fordern. 1 mit angabe der geforderten handlung oder sache, auf etwas dringen; zweiwertig mit präpositionalobjekt (auf): 1505 vch ist wissent, das nit allein die gmeind sonder ouch zuͦ letst ein ratt zuͦ merem teil daruff getrungen hat, mich für ein gmeynd zurecht zustellen Schöfferlin/W. Livius 33a. 1593 so wuͤrde sichs befinden, daß jeder wuͤrde auff seine gewonheyt vnd gesetze dringen Schwartzkopff Herodot 139. ⟨v1686⟩ daß er vielmehro noch wie vor auf das concilium gedrungen Winckler edelmann (1696)567. 1742 die ihm nicht nur ferner kein geld zu seinen unternehmungen vorstrecken wollten, sondern die noch dazu auf ihre bezahlung drungen freydenker Mmm 2a. 1809 du drangst auf eine verbindung; ich willigte nicht gleich Goethe wahlverwandtschaften 1,7 ak. ⟨1883⟩ so müssen wir darauf dringen, daß durch soziale reformen in gesetzlicher weise dies angestrebt werde Schönerer 3,118 P. 1974 sie bitte ja selten um etwas, nie eigentlich, aber in diesem fall dringe sie darauf Zeller lampenfieber 167. auf etwas bestehen, etwas betonen, herausstreichen: 1543 das die rabinen dringen moͤchten auff das he und holem im silo, ficht mich nichts an Luther w. 53,641 W. 1740 es ist freylich etwas zu viel gefordert, sprach sie, wenn unsre gehülfin, die gewohnheit, durchgehends auf ihr altes herkommen dringet Geszner buchdruckerkunst 1,2,91. 2 mit angabe der person, an die eine forderung gerichtet wird, in oder auf jmdn. dringen; zweiwertig mit direktiver ergänzung: ⟨1522⟩ da er aber solchs zu yhn saget, fiengen an die schrifftgelerten vnd phariseer hartt auff yhn zu dringen, vnd yhm mit mancherley fragen den mund stopffen Luther bibel 6,268 W. 1641 ich schwur mit falscher zungen, / als man mit vngestümm / vnd macht in mich gedrungen, / ich wüste nichts von ihm ged. königsb. dichterkreis 110 HND. 1734 weil nun der herr von Hoym sahe wie stark man auf ihn dringe, so gab er in diese forderung seinen willen Pöllnitz, Sachsen 199. ⟨1786⟩ man überhäuft mich mit güte, dringt in mich, ich gebe nach Iffland dr. w. (1798)3,2,48. ⟨1854⟩ sie fragten mich mit ernster miene, wer mich diese sachen gelehrt hätte, insbesondere die fremde frau drang in mich Keller 16,153 F. 1970 du hast dich jahrelang ausgeschwiegen über deinen dienst in diesen lagern, und ich habe nicht in dich gedrungen Hagelstange alleingang 68. 3 gelegentlich einwertig: 1533 diesses (vorgeschlagene verfahren) ist nit gedrungen, sonder allein gepetten, mag einer thuen ader lassen Ferrarius nutz 38a. hs.1848 diener. sie dringen sehr. (da Wolfgang Rumpf einige schritte gegen den kaiser macht.) Grillparzer I 6,263 S.

drink, m.

Fundstelle: Band 6, Spalte 1402, Zeile 41
DRINK m.   lehnwort aus engl. drink subst. alkoholisches (mix)getränk: 1864 der steuermann mußte .. bis zum gegenüberliegenden barroom mitgehen und zahlreiche drinks annehmen J. W. v. Müller reisen 1,57. ⟨1927⟩ das aufpulvern, das muß mein kaffee besorgen und meine drinks Kolbenheyer lächeln (1932)91. 1972 bei einem drink sitzend Rinser grenzübergänge 86.

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dreißigtage dunkelfarb
Zitationshilfe
„drink“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/drink>, abgerufen am 06.12.2021.

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