Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

drude, f.

Fundstelle: Band 6, Spalte 1450, Zeile 5
DRUDE f.   (1) ahd. truta, mhd. trute. westnd. truut, drüüt, trütte u. ä.dumme, träge, liederliche, kümmerliche person, meist weiblichen geschlechts; nnl. trut verächtliche bezeichnung meist weiblicher personen; ne. (mdal.) drute ‘faule, liederliche, gefühllose person’; dän. drude in jomfru Drude scherzende anrede eines kleinen mädchens, schwed. (mdal.) druda ‘liederliche frau’. mit bildungen wie nhd. trödeln vb., gleichbedeutendem nnl. trutten vb., an. trutta vb. ‘den pferden zurufen’, isl. drútur m. ‘windei’ onomatopoetischen ursprungs. (2) in der regel schwaches fem. mit späterem übertritt in die gemischte deklination; in bedeutung 1 b auch, in bedeutung 4 stets stark und schwach flektierendes mask. (3) als onomatopoetische bildung in zahlreichen lautvarianten: neben seit 18. jh. herrschender vokallänge mdal. (südliches schwäb.) und älter auch kürze bezeugt: ⟨u1300⟩ truten: darbuten passional 395b K.; obd. wechsel von u und o: ⟨1698⟩ drotte Weismann lex. (1725)2,98b; neben inlautendem t, tt auch in nichtlenisierenden mdaa. d: 1903 truden- Unger/K. steir. wortschatz 177a. die seit ende des 18. jhs. geltende schriftsprachliche form mit an- und inlautendem d beruht dagegen auf einer seit dem frühen 16. jh. begegnenden irrtümlichen verknüpfung mit druide m., s. 4. (4) seit spätmhd. zeit in literarischen texten erscheinendes mundartwort in seiner ursprünglich den ganzen hd. raum umfassenden mdal. verbreitung zuletzt auf das bair., schwäb. und siebenb. beschränkt. die jüngeren, auf der vermengung mit druide m. beruhenden bedeutungen 3 und 4 sind den mdaa. unbekannt. 1 dämonisches wesen. a gewöhnlich in weiblicher gestalt; hexe, zauberin: ⟨u1300⟩ ein alde vrowe, / ein volgerinne der truten passional 395b K. 1625 von den hexen oder drutten zu Rom G. Maier Camerarius 116. 1930 hexe oder trud Dörfler lampe 32. als urheberin des alpdrucks: 13./14.jh. (ein mann, der glaubt, seine frau beim nächtlichen ehebruch überrascht und ihr die haare abgeschnitten zu haben) zoch hervür zwen zopfe gra. / si sprach: ‘.. die sint einer truten gwesen’ .. n. gesamtabenteuer 22,395 N. ⟨1782⟩ ein g’setzl wider druden, / die einem oft so drucken thun Bucher s. w. 6,240 K. 1930 in der nacht träumte mir (einem pfarrer), er (ein eisernes götzenbild) laste wie eine trud auf meiner brust Watzlik pfarrer 64. b auch männlich; waldschrat, inkubus. hierher vielleicht schon der von jüngerer hand stammende eintrag in eine glossenhandschrift des 9. jhs.: scitropodes (d. i. scirtopodes?) mara. truta ahd. gl. 4,27,1 S./S. sichere zeugnisse erst spätmhd.: 14.jh. satirus uł trut ahd. gl. 4,187,24 S./S. 1593 die (geister) .., so inn .. trucknen oͤrtern .. wohnen, seind gemeinklich maͤnlein .. darunter werden auch gerechnet die incubi, die trutten oder alpen volks- und schwankb. 2,165 DLE. ⟨1914⟩ der mensch und der drud .. wer hängt das behaarte bein herab / von dieses felsens .. moos? / aus buschig krausem kopfe lugt ein horn .. / .. aus klarer welle schaut ein ziegenfuss George w. 1,430 B. 2 abfällige bezeichnung weiblicher personen: ⟨v1605⟩ wie ist die alte drut (eine betrunkene bäuerin) so vol Ayrer d. ä. 4,2645 LV. 1903 gänsfüßige trute bad. wb. 1,575a. 3 zauberkundige frau, seherin der Kelten und Germanen: 1780 eine drude war anfangs eine wahrsagende frau Popowitsch vers. 95. 1882 ein felsenblock, der eigen ist dem gotte, / drauf hoch des landes priesterinnen stehn: / ein hell geschöpf in sonnenlichten flechten / und eine drude mit geballter rechten C. F. Meyer s. w. 1,136 L. 4 im 16./17. jh. und gelegentlich noch im 18. jh. auch druide, heidnischer priester im alten Gallien und Germanien: 1533 die ‘druiden’ kurz ‘drudden’ genant Turmair 4,1,105 ak. 1684 von denen heidnischen priestern, denen drudten Melzer Schneebergk 529. 1774 dir, o Bürger, der du heiligen druden gleich, / richter-tugenden übst Stolberg (1820)1,9.

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Zitationshilfe
„drude“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/drude>, abgerufen am 27.11.2021.

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