Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

ducken, vb.

Fundstelle: Band 6, Spalte 1465, Zeile 16
DUCKEN vb.   mhd. tücken, tucken. mnl. ducken. intensivbildung zu tauchen vb. der ursprünglich nd. anlaut d- begegnet hd. vereinzelt seit überlieferungsbeginn des wortes, hat im 15. jh. bereits das übergewicht gegenüber t- und herrscht seit dem 18. jh. allein. der stammvokal bis ins 17. jh. auch mit umlaut -ü- neben den durch obd. umlauthemmung vor -ck- bedingten u-formen. A eigentlicher gebrauch. 1 refl. a von lebewesen, sich niederbeugen, klein machen, besonders um nicht gesehen oder getroffen zu werden, unter einem hindernis hindurch zu gelangen oder um mehr schwung für ein plötzliches emporschnellen zu gewinnen; absolut, mit direktiver ergänzung oder präpositionalobjekt (vor, unter, nach) oder einer kombination von beiden: ⟨1331/5⟩ da gienc besit / ieclicher sich zu tucken Daniel 7483 DTM. A15.jh. Egg .. wolt sich nach dem Perner tuken Wittenwiler 9048 DLE. 1548 der wider mußt sich vor jm (dem auf ihm sitzenden adler) tuͤcken Waldis Esopus 48a. 1605 als .. das erst römisch glid seine wurff spießlen gegen dem feind geschutzt hett, ducket es sich gleich auff den boden Welser bayr. gesch. 20. ⟨1843⟩ (die schafe) ducken sich eins unter das andre vor dem blitz B. v. Arnim 6,105 Oe. 1972 wenn Russen kamen, duckte ich mich in den graben Kempowski uns geht’s ja noch gold 65. b von örtlichkeiten, gebäuden, pflanzen u. dgl., so daliegen oder dastehen, als ob sie sich verstecken wollten; absolut, mit direktiver ergänzung oder mit direktiver ergänzung und präpositionalobjekt (vor): 1901 an des lagers ecke / duckt lehmbeworfen, niedrig sich vorm wind / die schenke an des grenzwalls dornenhecke Münchhausen balladen 17. 1922 die schmale seitengasse .., wo sich meister Mohmes haus klein und niedrig mit moosschwarzem strohdach unter einen großen birnbaum duckte Strausz u. T. tag 21. 1973 die häuser hatten sich in einer zeile geduckt Härtling Zwettl 23. 2 trans. etwas nach unten drücken, senken; mit akkusativobjekt, auch mit akkusativobjekt und direktiver ergänzung oder präpositionalobjekt (vor): ⟨u1410/33⟩ wer strantzelt vnd die augen duckt Muskatblüt 76,73 G. 1599 wann sie jhre kinder taͤuffen so duͤcken vnnd stossen sie es drey mal vnder das wasser Quad enchiridion J 1a. 1960 alles duckt rücken vor mir Dürrenmatt blinde 63. 1965 (der vater) schlug ins leere, weil ich unwillkürlich den kopf geduckt hatte Pörtner gestern 62. 3 intrans. mit A 1 konkurrierend, jedoch weit seltener bezeugt. sich niederbeugen. a von lebewesen absolut, auch mit lokalen angaben, mit direktiver ergänzung oder präpositionalobjekt (vor): ⟨v1601⟩ (der herzog) vor dem schuß ein wenig ducket Spreng aeneis (1610)255a. 1794 auch in’s wasser ducken sie (die jungfüchse) brav, die ente zu holen Goethe I 50,99 W. ⟨1830⟩ eh’ ich konnte ducken,/ hat das ungeheu’r den größten / stein ../ .. mir aufs haupt geschleudert Immermann 5,48 M. 1844 igel im grase duckt Droste-H. 1,1,55 Sch.K. 1961 wie ein blind ausweichendes ducken vor drückendem wind Johnson buch 258. b von örtlichkeiten, versteckt daliegen; mit lokaler angabe: 1894 die weiße gaisblattlaube / duckte noch im ahornschatten Mombert tag 59. 4 im zustandspassiv. a von lebewesen, zusammengekauert; auch mit direktiver ergänzung: 1480/1 vier tier, die mit geduckten höubtern in begerten zuͦ uerschlinden Pforr beispiele 20 LV. 1965 sie war vom letzten zivilen bahnhof mitgefahren, hinter die tür geduckt Johnson ansichten 203. b von örtlichkeiten und gebäuden, wie versteckt daliegend; auch mit direktiver ergänzung: ⟨1921⟩ einzelne kahle, kleine arbeiterkaten, kümmerliche geduckte dörfer Frenssen pastor (1922)151. 1954 die reetdächer (der gehöfte) geduckt unter die vom wind nach osten gepeitschten kronen der spärlichen bäume Mönnich land 23. B übertragen. 1 refl.; sich unterwerfen, nicht aufzumucken wagen; absolut, mit dativ- oder präpositionalobjekt (vor, für, ob) oder mit direktiver ergänzung: 1248 sich muz daz swecher immer tucken (hs. E) Thomasin 2416 R. 1523 du solt dich ducken fur deynem man Luther bibel 8.44 W. ⟨1855⟩ die meier und kellerer auf den höfen duckten sich des Romeias worten Scheffel 1,126 P. 1913 unserm kranken gewissen, das sich feige hinter den staat zu ducken liebt Groddeck mensch 95. 1973 (das verdanke ich) meiner fähigkeit, mich zu ducken Walser sturz 172. 2 trans.; jmdn. demütigen, unterdrückt halten. mit akkusativobjekt: ⟨13.jh.⟩ got hât sîn kint getocket erlösung 4,26 B. 1973 Lintschi .. lag wochenlag im sterben, duckte ihre umgebung, die nur noch flüsterte Härtling Zwettl 86. 3 intrans.; sich unterwerfen, nicht aufzumucken wagen; absolut oder mit präpositionalobjekt (vor, unter): ⟨u1340⟩ da selbest alles truren tuckt minneburg 1342 DTM. 1601 damit sie (die armen) .. nicht, gleich die schlauen, vor jederman zu ducken bedörffen Quad memorabilia 137. ⟨1931⟩ das volk hat lange geduckt Meschendörfer stadt (1934)163. 1966 bereitschaft, vor dem unheil zu ducken Adorno dialektik 74. 4 im zustandspassiv; gedrückt: ⟨1896⟩ Styczinski: (geduckt) o bitte Holz 5,57 F. 1968 von ihrem geduckten, heimlichen leben Lenz deutschstunde 63.

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Zitationshilfe
„ducken“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/ducken>, abgerufen am 20.01.2022.

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