Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

duft, m.

Fundstelle: Band 6, Spalte 1470, Zeile 18
DUFT m.   mhd. tuft. an. dupt n. ‘staub’; norw. duft f. wohl abl. von der schwundstufe der idg. wz. *dheubh- ‘stieben, rauchen; neblig, verdunkeltoder (weniger wahrscheinlich) abl. von mhd. dimpfen vb. ( 1907 Kluge in: zfdwf. 9,127). starke flexion. das genus bis zum 18. jh. auch fem. der t-anlaut hält sich vereinzelt bis zum ende des 17. jhs.wohl erst seit mhd. zeit bezeugt: ein beleg in den ahd. gl. stammt aus dem 13. jh., der andere ist eine (spätere?) randglosse zu einer hs. des 10./11. jhs. (s. 1 b). das wort ist im obd. und md. sprachgebiet verbreitet, kaum im nd. die bedeutunggeruch’ erst seit dem anfang des 18. jhs.; die hochsprachlich älteren bedeutungen haben sich landschaftlich noch erhalten. 1 als witterungserscheinung, niederschlag u. ä. a dunst, leichter nebel, hauch, vor allem visuell empfunden. im 20. jh. noch dichterisch sowie verbreitet mdal.: ⟨u1180⟩ sô gesihet man .. weder tuft noch nebel v. d. fünfzehenn zaichen 69 E. 1491 in einr grufft, / do tages licht noch windes tufft / gar fast wenig gemerckt wirt Folz reimpaarsprüche 43,556 F. 1779 so lag das ganze land .. in leichtem duft Goethe IV 4,108 W. 1858 dieser starke, bläuliche duft, der sich oft den ganzen tag hindurch auf land und meer lagert Allmers marschenb. 47. 1950 der duft, der diese märchenufer in der ferne umfließt L. Curtius welt 258. von daher zarter schmelz: 1914 schmetterlingsflügeln .., denen der duft abstäubt, wenn man sie greift Kröger nov. 1,21. mdal. feiner, mehltauartiger überzug am obst, auch schimmel am brot: 1911/25 siebenb.- sächs. wb. 2,89a. ⟨1925/40⟩ bad. wb. 1,587a. 1961 schweiz. id. 12,742. b rauhreif: 10./11.jh? gelu duft ahd. gl. 1,687 anm. 5 S./S. E13./A14.jh. bruma .. albedo .. que wlger dicitur tuft zfdwf. 5,4. ⟨u1310/30⟩ seht wie (im winter) .. der walt in tüften stât schweiz. minnesänger 281 B. ⟨z.j.1528⟩ uff den dag wass es fast kalt .. und lag ain grossar dufft Stockar jerusalemfahrt 158 Sch. 1874 dass hier weder duft, noch schneedruck, noch sturm eine bedeutende rolle spielen Nördlinger forstbotanik 1,351. 1968 Brockhaus enzykl. (1966)5,145b. – in der gegenwart hochsprachlich noch schweiz. oder als terminus des forstwesens, mdal. noch verbreitet im md. und obd. c tau: ⟨2.h14.jh.⟩ des suͤssen mayen tufft, / an yedem platt gesprenget Suchenwirt 46,26 P. 1925/40 bad. wb. 1,587a. 2 geruch. mdal. weitgehend ungebräuchlich, deutlicher nur unter 2 c. a wohlgeruch: 1725 dieser (geruch der blume), der uns nah/ den dufft entgegen bläßt Triller betrachtungen 1,228 H. ⟨1846⟩ da am wege .. maiblumen mit ihren weißen glöckchen in süßen düften blühten Mosen s. w. (1863)7,75. 1973 das brutzelnde fleisch verströmte einen duft Härtling Zwettl 78. b ohne wertung, geruch schlechthin: 1772 wie hängt gesicht und gehör, farbe und wort, duft und ton zusammen? Herder 5,60 S. 1966 der modrige dunst von .. salz und .. ölfarbe .. (deckte) alle andern düfte zu frankf. allg. ztg. 60, ereignisse u. gestalten. c unangenehm empfundener geruch, auch ironisch für wohlgeruch: 1796 ein solch abscheulicher mephytischer gestank ... es war der duft viel ärger, als wenn man ein privet ausräumt Laukhard leben (1792)3,245. 1935 daß man .. unangenehm riechendes gut zu verpacken und einzuwickeln hat, damit der unwillkommene duft nicht zu stark und schnell dem empfänger in die nase dringt Zechlin diplomatie 165. mdal. im rhein., lux., böhm., kärntn. sowie in der basler mda. 3 parfum: 1804 die theursten düfte .. benetzten ihm das vielgelockte haar Ariosto, Roland 1,187. 1909 ich habe duft in meine kleider gegossen C. Hauptmann pansp. 220. 4 übertragen; oft mit attribut. a fluidum atmosphäre: ⟨M14.jh.⟩ das mir indren der gnaden tuft Heinrich v. Mügeln kl. dicht. 1,155 DTM. 1785 als wenn ein duft seiner heiligkeit mich umschwebe Zimmermann einsamkeit (1784)4,349. 1889 die natur findet erst durch den menschen ihre geistige weihe, ihren dichterischen duft, ihren künstlerischen wert Dillmann mathematik 16. 1969 eine gut angezogene fünfunddreißigjährige, .. mit .. dem duft der weiten welt Andres dumme 96. b etwas schwer zu durchdringendes, vorgaukelei: 1630 wenn sie am meisten mit krieg schwanger gehen, so .. reden sie vom frieden, da mit sie andern ein dufft machen Lehmann florilegium 213. ⟨1851⟩ manches liegt in traum und duft Storm ausgew. w. 1,31 H.

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Zitationshilfe
„duft“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/duft>, abgerufen am 06.12.2021.

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