Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

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aller-.

Fundstelle: Band 2, Spalte 344, Zeile 46 [Pfeifer]
ALLER-. ursprüngl. gen. plur. (selten sing., s. z.b. allerschlacht) von all indef.pron., der (1) als erstes glied in zusammenrückungen mit substantiven indefinitpronomen (1 a) und adverbien (1 b) bildet. die anfangs deutlich auf den gen. plur. weisende endung des substantivischen gliedes (s. allerhand u. vgl. z.b. mhd. allerdinge) kann in späterer zeit durch adverbiales -s ersetzt werden (frnhd. allerdings); neuerungen können gleich mit adverbialem -s gebildet sein (s. allerorts. aller- im gen. plur. mit substantiven liegt auch vor in den unter 1 c genannten bezeichnungen für kirchenfeste. hauptsächlich jedoch (2) tritt aller- bedeutungsverstärkend vor im superlativ stehende adjektive (2 a) und, allerdings weit seltener, vor superlativische adverbien (2 b). nur vereinzelt wird es auch zu positiven gestellt, vgl.: allereinzig adj.: 1803 mir zu verzeihen/ meine allereinzge lüge Herder 28,510 S. 1811 du (Marie v. Kleist) bist die allereinzige auf erden .., die ich jenseits wieder zu sehen wünsche Kleist 5,433 Sch.; allermitleidend part. adj.: 1710 das allermitleidende landes-vätterliche hertze des kaysers Köhler schles. kern-chr. 1,409. 1 aller- ‘jeder’, plur. ‘sämtliche(vgl. all indef.pron. A 2 und B). a indefinitpronomen bildend (ahd. und mhd., danach kaum neubildungen aber s. allerart):-art; -hand; -künne; -lei; -mann; -männiglich; -schlacht. b adverbien bildend (seit mhd. zeit, neubildungen noch im 19., dichterisch im 20. jh.)-dings (älter-dinge); -ecken: 1841 er .. wanderte .. der stadt zu, wo die polizeidiener .. schon allerecken .. lauerten archival. forsch. arbeiterbewegung 5,1,141 S.;-enden; -landen: ⟨1956⟩ erinnre dich! du weißt jetzt allerlanden:/ wer treu ist, wird im frühlicht heimgeführt Bachmann ged. (1966)40;-orten; -orts; -seits; -wärts; -wege(n); -weil; -zeiten: ⟨1880⟩ allerorten und allerzeiten Anzengruber 35,179 B. c bezeichnungen für kirchenfeste:-heiligen(abend, -fest, -tag); -seelen(fest, -tag). 2 bildungen mit verstärkendem aller- drücken die höchste quantität oder qualität der jeweiligen bedeutung des grundwortes im verhältnis zu allem vergleichbaren aus. der bildungstyp ist heute noch produktiv. die beleglage erlaubt jedoch keine lückenlose darstellung der einzelnen bildungen. a verstärkendes aller- bei superlativischen adjektiven, seit ahd. zeit produktiv. prinzipiell kann sich jedes superlativische adjektiv mit aller- verbinden (vgl. dazu auch z.b. die in 1DWB, Reichel Gottsched-wb. u. GWB verzeichneten bildungen, unter ihnen zahlreiche ad-hoc-bildungen ohne bezeugungskontinuität)-achtbarst: ⟨n1400⟩ Johann v. Saaz ackermann 25,19 H./J.;-allgemeinst; -alltäglichst: ⟨1840⟩ Arndt 1,300 R./M. ⟨1974⟩ Fühmann erfahrungen (1975)176; -ältest; -andächtigst: 1669 Grimmelshausen Simplicissimus 299 Sch.;-angelegentlichst: 1852 Hebbel III 4,376 W.;-angenehmst -anständigst: 1772 Lessing 2,445 L./M.;-ärgerlichst: ⟨1534⟩ (nachschr.) Luther w. 37,401 W. 1864 Hettner gesch. dt. lit. (1862)2,173;-ärgst; -ärmst; -artlichst: 1669 die aller-artlichste oder visierlichste narren Grimmelshausen Simplicissimus 130 Sch.; -aufrichtigst: 1707 Elisabeth Ch. v. Orleans br. 2,21 LV. 1743 Gottsched Bayle, wb. 3,46a;-äußerlichst: 1862 Hettner gesch. dt. lit. 1,133. 1911 Foerster schuld 58;-äußerst; -baldigst: 1807 Werner br. 2,83 F. 1847 Hebbel II 3,175 W.;-bangst: ⟨v1918⟩ Rosegger ges. w. 30(1922)108;-barmherzigst: ⟨n1400⟩ Johann v. Saaz ackermann 1,205 H./J.;-bequemst; -beschwerlichst: 1741 Gottsched Bayle, wb. 1,56b. ⟨1742⟩ Rabener s. schr. (1777)1,206; -best; -beständigst; -beständlichst beständigst, dauerhaftest: 1530 in der alre bestentlichster wyse in: Wrede altköln. sprachschatz 97b. 1544 ebd.;-beweglichst; -bewundernswürdigst: 1798 athenaeum 1,58 faks.;-billigst; -bitterst; -bösartigst: 1777 L. Mozart br. 1,311 Sch. 1847 Hebbel III 4,92 W.;-bösest; -boshaftest: 1744 Gottsched Leibniz, theodicee 148. 1755 Lessing 2,85 L./M.;-bündigst; -christlichst; -demütigst; -demütlichst: ⟨1481/2⟩ bidden .. so wir allerdiemietlichste .. kunnen (Köln) chr. dt. städte 14,929. 1499 in: Wrede altköln. sprachschatz 97b;-deutlichst -dickst 2;-dienlichst: 1522 in: Luther brw. 12,32 W. 1653 Chemnitz schwed. krieg (1648)2,765b;-dringlichst: 1741 Gottsched Bayle, wb. 1,39. 1987 eine allerdringlichste versammlung Hacks Liebkind 21;-dümmst; -dunkelst: 1727 Gottsched in: Reichel Gottsched-wb. (1909)1,106a. ⟨1839⟩ Tieck (1828)26,420; -durchlauchtigst; -dürftigst: 1832 Hebbel III 8,2 W. 1967 Seghers blau 26;-echtest: ⟨1839⟩ Tieck (1828)26,372;-edelst; -ehrerbietigst: 1750 Klopstock br. 40 L.;-eifrigst: 1741 wurden sie die allereifrigsten, den Aurelian zu verehren Gottsched Bayle, wb. 1,406a. 1873 Kudlich rückblicke 1,162;-eigenst; -eigentlichst: 1744 in dem allereigentlichsten verstande Gottsched Bayle, wb. 4,609. 1774 Hamann 3,125 N.;-einfachst; -einfältigst; -ekelhaftest: 1844 Schopenhauer 3,92 H.;-elendest; -empfindlichst; -engst: 1874 Treitschke br. 3,2,401 C. 1902 Siebs entwicklung 68;-ernstest: ⟨v1918⟩ Rosegger 30(1922)104;-erschrecklichst: 1669 Grimmelshausen Simplicissimus 67 Sch. 1705 J. Meier Smyrna 685;-ersprießlichst: ⟨1731⟩ die allerersprießlichsten dienste Gottsched Cato, in: Reichel Gottsched-wb. (1909)1,108b. 1898 Kainz br. 174 N.;-erste; -ewigst: 1669 Grimmelshausen Simplicissimus 457 Sch.;-famosest: 1786 das allerfamöseste pasquill J. G. Müller Emmerich 1/2,33;-fatalst: ⟨1841⟩ Tieck (1828)26,492; -feindst: ⟨1541⟩ (die Römer) solten die von Carthago, die jnen vorzeiten am allerfeindsten gewesen, mit aller macht vertilcken Boner Plutarch (1555)1,226a;-feinst; -fernst; -festlichst: 1451 in: Wrede altköln. sprachschatz 98a;-fettest: 1843 junge generation 78 faks.;-finsterst: ⟨1823⟩ Tieck (1828)17,236;-flachst: 1790 Gottsched war ein pedant, von der allerflachsten .. art in: Zimmermann fragm. 1,184;-fleißigst; -förderlichst: ⟨1525⟩ alle .. beschwerden .. zum allerfürderlichsten zuͦ erörtern chr. bamb. 2,24 Ch.; -freundlichst; -freundschaftlichst: 1844 Hebbel III 3,123 W.; -fröhlichst: 1472 Eyb dt. schr. 1,57 H.;-frömmst; -fruchtbarst: 1741 Gottsched in: Reichel Gottsched-wb. (1909)1,110a. 1864 eine der allerfruchtbarsten und erfolgreichsten thaten Lessing’s Hettner gesch. dt. lit. (1862)2,525;-frühest; -füglichst; -funkelnagelneuest: 1826 Hauff 5,8 F.;-fürchterlichst: 1844 Hebbel III 3,47 W.;-furchtsamst: 1374 unser allervorchtsamist (‘gefürchtetster’ ) vnd genedigister herre in: Hintner beitr. z. dt. wb. (1907)2b. 1750 bey der allerfurchtsamsten (‘scheuesten’) .. liebe ist noch einige hofnung, einmal geliebt zu werden Klopstock br. 40 L.;-garstigst: 1669 Grimmelshausen Simplicissimus 108 Sch.;-geduldigst: 1663 Pallavicino, außerles. w. 544. 1741 Gottsched Bayle, wb. 1,245; -gefährlichst; -geheimst; -gehorsamst: 1584 ohn alles wider reden auffs aller gehorsamist Ferdinand II. v. Tirol speculum 28 HND. 1669 Grimmelshausen Simplicissimus 253 Sch.;-geistreichst: 1669 die aller-geistreichste .. theologi Grimmelshausen Simplicissimus 216 Sch.;-gemeinst; -gemütlichst: v1888 Storm brw. 100 T.; -genauest; -geringst; -geschwindest: 1546 (nachschr.) Luther w. 51,143 W. 1741 Gottsched Bayle, wb. 1,647a;-getreuest; -gewaltigst: ⟨n1400⟩ Johann v. Saaz ackermann 29 H. ⟨1883⟩ Heyse [1924] I 4,394;-gewissest; -gewöhnlichst; -gleichest: 1349 (Straßb.) chr. dt. städte 9,936. 1452 strassb. zunft-verordn. 374 B.; -glückseligst; -gnädigst; -gottlosest; -grauen-haftest: ⟨1864⟩ Storm 2,292 K.;-grausamst; -greulichst; -grimmigst: 1670 Zesen in: dt. lit. 3,385 K. 1705 J. Meier Smyrna 644.;-gröbst; -großmächtigst: ⟨v1605⟩ Ayrer d. ä. 2,929 LV;-größt; -günstigst -gütigst; -härtest; -heftigst; -heiligst; -heilsamst: 1522 Luther w. 8,490 W. ⟨1725⟩ Gottsched in: Reichel Gottschedwb. (1909)1,114b;-heimlichst; -hellst; -herzlichst; -hinterst: ⟨1554/62⟩ Schmidel Süd-Amerika 113 LV;-höchst; -holdseligst; -hübschest; -huldreichst; -hurtigst: 1669 Grimmelshausen Simplicissimus 161 Sch. 1708 Walther praecepta 41 B.;-innerst; -irdischst: ⟨1905⟩ Kröger nov. (1914)1,256;-jämmerlichst: 1905 Storch wege 198;-jüngst; -kältest; -katholischst: 1868 Reuter br. 716 W. 1893 Fontane (1919)II 5,338 jub.;-ketzerischst: ⟨1531⟩ den (Apelles) heyßt Theodotion den aller ketzeristen ketzer Franck zeitb. (1536)2,94b;-keuschest; -kläglichst; -klarst; -kleinst; -klügst; -kostbarst; -köstlichst; -kraftlosest: ⟨1538⟩ Luther tischreden 4,46 W.;-kühnst; -kunstreichst: 1533/4 Aristoteles, der allerkunstreichist haid Turmair 4,2,626 ak.;-kürzest -lächerlichst; -langsamst: 1708 Walther praecepta 41 B.; -längst; -langweiligst: ⟨v1825⟩ Jean Paul in: W. Hoffmann wb. (1861)1,111a. 1985 Hacks binsen 75;-lebendigst: 1910 G. Hauptmann Quint 209;-leichtest; -leichtsinnigst: 1864 Raabe 6,223 H.;-letzt; -lieblichst; -liebseligst: ⟨v1660⟩ allerliebseeligstes hertze (anrede) Czepko geistl. schr. 172 M.;-liebst; -liederlichst: 1643 Moscherosch cura 38 HND. 1743 Gottsched Bayle, wb. 3,87a; -löblichst; -lustigst; -lustsamlichst: 1478 Niclas v. Wyle translationen 23 LV;-mächtigst; -mehrst: 1535 potissime allermerst Dasypodius dict. T 4a. 1745 unsere allermehresten handlungen J. F. Jacobi betrachtungen 2,30;-meist; -merklichst: 1725 Gottsched in: Reichel Gottsched-wb. (1909)1,118b. 1809 Goethe I 20,230 W.;-merkwürdigst; -mildest; -mindest; -modernst; -möglichst; -mutigst: ⟨1534⟩ (nachschr.) Luther w. 37,403 W.; -nachdenklichst: ⟨1835⟩ Tieck (1828)21,293;-nächst; -neuest; -neulichst; -nichtsnutzigst: ⟨1905⟩ Kröger nov. (1914)1,256; -nichtswürdigst: 1741 Gottsched Bayle, wb. 1,684b. 1755 Lessing 2,88 L./M.;-niederträchtigst: 1726 nach den trieben der allerniederträchtigsten begierden tadlerinnen 2,388 G. ⟨1887⟩ Ebner-E. 5(1905)149;-niedlichst: 1652 Harsdörffer trincirb. 176;-niedrigst -nötigst; -notwendigst; -nützest: 1525 flugschr. ref. 2,436 C. 1529 Luther bibel 12,74 W.;-nützlichst; -oberst; -ordinärst: ⟨1841⟩ Tieck (1828) 26,490;-östlichst: ⟨1949⟩ Seghers d. toten (1950)110;-prosaischst: 1864 Reuter br. 581 W.;-realst: 1781 Kant reine vernunft 583. 1844 Schopenhauer 3,400 H.; -rechtest allergerechtest: 1303/08 rechtsqu. Bremen I 2,42 E. ⟨1532⟩ daß Christus sei der allerrechteste, barmherzigste Luther tischreden 2,68 W.;-redlichst; -reichst; -reifst: 1669 Grimmelshausen Simplicissimus 216 Sch.;-reinlichst: 1524 hofordn. 1,186 K.; -reinst; -richtigst; -ruchlosest: 1743 Gottsched Bayle, wb. 3,142a. 1787? in: Schleiermacher leben in br. (1860)1,64;-sachtest: 1708 Walther praecepta 41 B.;-schädlichst: 1524 Luther w. 15,31 W. 1743 Krüger d. geistlichen 100 faks.;-schändlichst: 1541 Luther w. 51,525 W. 1741 Gottsched Bayle, wb. 1,155a;-schärfst; -schlechtest; -schleunigst: 1676 Francisci lust-haus 1270. 1808 reformministerium Stein 1,387 Sch.;-schlimmst; -schmählichst: 1521 Luther w. 8,22 W. ⟨1625⟩ kath. kirchenlieder 1,433 K.; -schmerzlichst; -schnödest: ⟨1542⟩ Sachs 3,355 LV;-schnödigst verwerflichst: 1472 vnordenlich lieb vnd vnkeuͦsche .. sein .. alten mennern vnd frawen am meysten verpotten vnd aller schnoͤdigst Eyb dt. schr. 1,13 H.;-schönst; -schrecklichst; -schwächst: 1537 Schaidenreiszer odyssea 193 W. 1741 Gottsched Bayle, wb. 1,327;-schwerst; -schwierigst: ⟨1887⟩ Ebner-E. 5(1905)251; -schwülst: ⟨1898⟩ Fontane (1919)II 2,212 jub.;-seligst; -seltenst: 1744 Gottsched Bayle, wb. 4,202a. 1841 K. A. Varnhagen tgb. (1861)1,330;-seltsamst; -sicherst; -sichtigst sichtbarst: 1710 Köhler schles. kern-chr. 1,19;-sinnlichst: ⟨v1813⟩ Wieland in: 1DWB 1,228. ⟨1860⟩ auf allersinnlichste und eigentlichste art Wackernagel kl. schr. (1872)3,249;-spätest: 1718 wir werden sie auff allerspätst biß dinstag hir haben Elisabeth Ch. v. Orleans br. 3,246 LV. 1885 C. F. Meyer 12,175 Z./Z.;-speziellst: ⟨1898⟩ Fontane (1919)II 2,264 jub.;-stärkst; -stillst: ⟨1804⟩ Tieck (1828)1,195;-streitbarst; -strengst; -submissest: 1777 gelanget an euer kaiserliche majestät allersubmissestes bitten in: br. an Bahrdt 2,27 P.;-subtilst: ⟨n1491⟩ pilgerreisen 171 R./M. 1742 Gottsched Bayle, wb. 2,7b;-sündigst: 1520 Luther w. 6,453 W.;-süßest; -tapferst: 1669 Grimmelshausen Simplicissimus 239 Sch. ⟨1727⟩ Gottsched Fontenelle, auserlesene schr. (1751)266;-teuerst; -tiefst; -tödlichst: 1521 Luther w. 8,282 W.;-tollst: ⟨1798⟩ Tieck (1828)16,109. 1873 Treitschke br. 3,2,377 C.;-torlichst: 1520 Luther w. 6,440 W.;-totest: ⟨v1867⟩ Kügelgen jugenderinn. (1870)368;-trefflichst: 1760 d. neueste aus d. anmuthigen gelehrsamkeit 575 G. 1887 Keller leben 23,518 E.;-treuest; -trivialst: 1847 Hebbel III 4,40 W. 1863 Reuter br. 519 W.; -übelst; -unausstehlichst: 1834 Mendelssohn-B. br. 2,46 M.-B.; -unbescheidenlichst: 1463 (Augsb.) chr. dt. städte 5,296;-unbeständigst: ⟨1542⟩ Luther tischreden 3,515 W.;-undeutschest: ⟨1840⟩ Arndt 1,213 R./M.;-unglaublichst: 1950 Graf mitmenschen 168;-ungleichst: 1535 Luther w. 51,214 W.;-unglücklichst: 1741 dem allerunglücklichsten liebhaber Gottsched in: Reichel Gottsched-wb. (1909)1,127a. 1841 K. A. Varnhagen tgb. (1861)1,375; -unglückseligst; -ungünstigst: ⟨1886⟩ Ebner-E. 2(1905)398;-unmittelbarst: 1864 Hettner gesch. dt. lit. (1862)2,562;-unnützest: 1669 Grimmelshausen Simpliccissimus 41 Sch. ⟨1831⟩ Tieck (1828) 22,320;-unschädlichst: ⟨1473⟩ weist. 1,142 G.;-unscheinbarst: 1690 Lohenstein in: dt. lit. 3,426 K.;-unschuldigst: 1672 Greiffenberg in: dt. lit. 3,63 K. 1725 tadlerinnen 1,148;-unterst: ⟨1625⟩ kath. kirchenlieder 1,289 K. ⟨1932⟩ Stein frauenbildung (1949)7;-untertänigst; -untreulichst: 1522 Luther w. 8,676 W.; -unüberwindlichst: 1533/4 Turmair 4,2,622 ak. 1553 Kirchmair in: font. rer. austr. I 1,419;-unvergeßlichst: 1862 Hettner gesch. dt. lit. 1,411;-unverständlichst: 1828 Tieck 1,IX; -urältest: 1772 Hamann 3,48 N.;-verdammlichst: 1778 L. Mozart br. 2,120 Sch.;-verehrungswürdigst: ⟨1797⟩ Tieck (1828)15, 277;-vermutlichst: 1676 Francisci lust-haus 846;-vernünftigst: ⟨1726⟩ Gottsched Fontenelle, welt (1738)144. 1780 Mozart br. 2,24 Sch.;-verschiedenartigst: 1862 Hettner gesch. dt. lit. 1,139;-verschiedenst; -verschmählichst allerschmählichst, verachtetst: 1495 den allerversmelichsten, bittersten doit des cruzes privatbr. d. ma. 2,115 S.;-verwunderlichst: 1819 E. T. A. Hoffmann 4,80 G. ebd. 5,44;-vollständigst: 1741 Gottsched Bayle, wb. 1,53. ⟨1798⟩ Tieck (1828)15,322;-vorderst; -vornehmst; -vorsichtigst: 1741 die allervorsichtigste schreibart wird niemals verhindern, daß sich nicht ihren lesern .. geile bilder vorstellen sollten Gottsched Bayle, wb. 1,75a. 1848 Reuter br. 295 W.;-vortrefflichst -wägest allerbest: 1293 einen solichen man .. kiesen, der zvͦ dem ammete alrebest vn̄ alrewegest si corp. altdt. originalurk. 3,104 W. 1533 Hug villinger chr. 136 LV;-wahrst: ⟨1798⟩ Tieck (1828)16,108;-wärmst; -weisest; -weitest; -wenigst; -wertest -wertvollst: 1913 wandervogel 293;-wichtigst; -widerwärtigst -wildest: 1669 Grimmelshausen Simplicissimus 141 Sch. 1733 beytr. crit. hist. 2,635 G.;-willigst: 1522 Luther w. 10,1,2,207 W. 1523 ebd. 11,253;-winzigst: 1981 Fühmann saiäns-fiktschen 128;-witzigst; -wunderbarst: 1741 Gottsched Bayle, wb. 1,206b. ⟨1804⟩ Tieck (1828)1,148;-wunderlichst; -wundersamst; -würdigst: ⟨n1400⟩ Johann v. Saaz ackermann 247 H. 1472 Eyb dt. schr. 1,99 H.;-zartest; -zärtlichst: ⟨1545⟩ (nachschr.) Luther w. 51,56 W. 1743 Gottsched Bayle, wb. 3,142b;-zierlichst. bei partizipialadjektiven, auch bildungen mit un- (seit frnhd. zeit produktiv)-abgelegenst: 1683 Beer sommer-täge 30 HND;-ausschweifendst: ⟨v1786⟩ der allerausschweifendste geschmack Mendelssohn in: Nicolai’s leben (1820)191 G.;-beleibtest: 1822 Goethe II 5,1,410 W.;-bestimmtest: 1862 Hettner gesch. dt. lit. 1,222; -betrübtest: 1663 Rist in: dt. lit. 3,719 K.;-brennendst: 1935 Abendroth Pfitzner 51;-dringendst: ⟨1830⟩ Tieck (1828)21,217; -drückendst: 1842 die allerdrückendste armuth junge generation 59 faks.;-einleuchtendst: 1845 Scheffel br. an Schwanitz (1906)35; -einnehmendst: ⟨1947⟩ Graf unruhe (1948)359;-erlesenst: 1981 Kant nagel 72;-gelehrtest: 1520 Luther w. 6,430 W. 1910 G. Hauptmann Quint 197;-geliebtest: 1758 d. neueste aus d. anmuthigen gelehrsamkeit 343 G. ⟨1803⟩ Klinger w. 11(1809)35;-geneigtest: 1669 damit er (könig) den aller-geneigtesten willen erzeige Grimmelshausen Simplicissimus 297 Sch.;-gerüstetst: 1524 erfordert die not, das jr vff das allergerüste, mit dem aller besten hergeredt gewapnet, den feinden begegnet texte Böhmens 191 W.; -reizendst: 1808 in: Schleiermacher brw. mit seiner braut 2101 M.; -schlafbringendst: 1673 Weirauch regirungs-klugheit A 2a;-unbegründetst: 1864 Scherer in: brw. Müllenhoff 46 L.;-unbekanntest: 1523 Luther w. 12,236 W. 1741 Gottsched Bayle, wb. 1,281a; -ungelegenst: ⟨1538⟩ die allerungelegeneste und unbequemeste oerter Luther tischreden 3,681 W.;-ungeteiltest: 1870 Reuter br. 754 W.; -unvermutetst: 1777 L. Mozart br. 1,256 Sch.;-unverschämtest: 1541 Luther w. 51,525 W.;-verachtetst: 1536/7 Luther tischreden 2,650 W.;-verletzendst: ⟨1825⟩ Immermann 8,57 B.;-vermaledeitest: ⟨v1872⟩ Grillparzer 513,30 S.;-verschlagenst: 1669 den aller-verschlagnesten soldaten in der welt Grimmelshausen Simplicissimus 176 Sch. b verstärkendes aller- bei superlativischen adverbien (seit ahd. zeit), in neuerer sprache (18./19. jh.) vor allem bei adverbien des typs jüngstens, meistens usw.:-achterst ganz hinten: 1270 zolest ward ich des greven gewar .. zo aller eichterst an der schar in: Wrede altköln. sprachschatz 97b;-baldest; -bast; -dickst 1;-endlichst: 1870 allerendlichst aber ist irren menschlich Keller leben 23,26 E.; -erst; -gemachst: 1470 Tschachtlan in: qu. schweiz. gesch. (1877) 1,253;-gernst; -höchstens; -jüngstens: 1867 in: Sanders erg.- wb. (1885)289a;-meist; -meistens: ⟨v1709⟩ Abraham a s. Clara weinkeller (1710)259;-mindestens; -nächstens; -öfterst: ⟨1783⟩ auf diese weise entstehen die verschloßnen geschwüre .. der lunge am alleröftersten Stoll, heilungsmethode (1787)1,120;-schierst; -schließlichst: 1853 alles, was zu schwer sein sollte, auszulassen, überhaupt möchte er allerschließlichst noch um nachsicht wegen etwaiger fehler .. gebeten haben R. Wagner tgbbl. u. br. 4759 G.; -wenigstens.

allerdümmst, adj.

Fundstelle: Band 2, Spalte 354, Zeile 11 [Pfeifer]
ALLERDÜMMST, in älterer spr. auch allerdummst adj.   (aller- 2 a): ⟨1727⟩ der allerdümmste pöbel Gottsched Fontenelle, auserlesene schr. (1751)344. ⟨1796⟩ die allerdummste erfindung Tieck (1828)15,158. ⟨1883⟩ die allerdümmsten einfälle Storm 6,76 K.

duhm, m.

Fundstelle: Band 6, Spalte 1473, Zeile 72
DUHM m.   s. daune f.

dumm, adj.

Fundstelle: Band 6, Spalte 1482, Zeile 49
DUMM adj.   (1) ahd. tumb, mhd. tump. as. dumb ‘dumm’, mnd. dum ‘dumm’; anfrk. dumb ‘dumm’, mnl. domp ‘dumm’, nnl. dom ‘dumm; stumpf (vom gefühl); afrs. dumb ‘dumm’; ae., me., ne. dumb ‘stumm’; an. dumbr ‘stumm’, isl. dumbur ‘stumm’, norw. dum ‘dumm; trübe (archaisierend); taub (mdal.); stumm (mdal.)’, dän. dum ‘dumm; stumpf; dumpf (von tönen); trübe (preziös und mdal.); stumm (mdal.)’, schwed. dum ‘dumm; stumm (archaisierend); trübe (älter); taub (vom salz, älter); got. dumbs ‘stumm’. das wort wird heute wegen seiner bedeutungsverwandtschaft mit taub adj. in der regel als nasalierte bh- erweiterung zur idg. wz. *dheu-, dheu̯ǝ ‘stieben, wirbeln’ gestellt; doch ist der älteren auffassung (vgl. Falk/T. norw.-dän. wb. 1,165) der vorzug zu geben, nach der es als labialerweiterung mit germ. b neben dumpf adj. mit germ. p zur idg. wz. *dhem-, dhemǝ ‘stieben, rauchengehört. (2) assimilation von -mb- zu -mm- md. seit 13. jh. bezeugt, im 15. jh. auch obd. weitgehend durchgeführt; jüngeres -mb- wohl lediglich historische schreibung. analog umgestalteter auslaut md. seit 14., obd. 15./16. jh. mp-formen noch in einzelnen omd. dialekten (schles., lausitz.). – der anlaut schwankt bis ins 18. jh. zwischen altem t und lenisiertem d. seit etwa 1740 ist schriftsprachlich d die regel. einzelne t-var. noch bis ende 18. jhs.steigerungsformen älter und mdal. mit und ohne umlaut. schriftsprachlich dominiert seit 18. jh. die umlautform, neben der sich, vor allem bei autoren des überwiegend nichtumlautenden nd. mundartgebiets bis ende 19. jhs. die unumgelautete form behauptet. (3) im gegensatz zu seinen etymologischen verwandten dumpf und dumper begegnet dumm schon seit ahd., mhd. zeit kaum noch in physischem sinn, und seit mitte des 18. jhs. bewahren schriftsprache und mdaa., abgesehen von der dem geistigen bereich am nächsten stehenden bedeutung I A 4, nur noch mehr oder weniger erstarrte reste dieses alten germ. gebrauchs. dem dt. wortschatz gehört dumm in erster linie als eines der wichtigsten negativen glieder des intellektualfeldes an, wobei das schwergewicht ahd., mhd. auf der bedeutung II B, nhd. auf II A liegt. auch die unter III zusammengefaßten bedeutungen haben sich auf der grundlage von dumm II entwickelt. I als bezeichnung physischer eigenschaften. A auf die menschlichen sinne bezogen, nicht oder nicht voll funktionsfähig. 1 stumm: ⟨896⟩ den tumben dheter (st. Georg) sprekenten, den tohuben ohrenten (d. i. touben horenten) georgslied 19 S. ⟨A14.jh.⟩ die harphe und daz psalterium / sint beide ungespannen dum erlösung 5634 DLE. 1616 Henisch t. spr. 1,764. 2 taub: ⟨u1150⟩ swer dumben herfet, der fliuset sin arebeit wahrheit 5,6 M. 1718 so wenig als ein .. blinder .. kan sehen, ein d[umm]er hören, ein stummer reden schweiz. id. 12,1836. in fester verbindung noch mdal. els.: 1907 dumm und taüb machen so lärmen, dass man sein eigenes wort nicht mehr versteht Martin/L. els. mdaa. 2,683a. 3 in bezug auf andere sinne: 1545 daruon (schlangenbiß) alle glieder entschlaffen, dumm vnd doll vnd vnempfindtlich werden Ryff thierb. Y 5a. 1667 welche einen t[umm]en geruch oder geschmak haben schweiz. id. 12,1837. noch mdal.: 1961 t[umm]i finger eingeschlafene finger schweiz. id. 12,1837. 4 betäubt, benommen: ⟨u1400⟩ ich pin von slauf (d. i. slâf) worden tumb Kaufringer 14,256 LV. 1786 dumm- oder schlafmachende, berauschende .. mittel Schwabe stadt-physikus 1,56. 1931 mir ist noch ganz dumpf und dumm im kopf Blunck sprung 120. B in bezug auf rohstoffe, naturprodukte u. dgl., ohne die ihnen für gewöhnlich zukommenden eigenschaften. 1 minderwertig, verdorben: ⟨1562⟩ es ist alles schmeltzen an dem .. thummen oder verworffen metall verloren Mathesius Sarepta (1571)111b. v1867 durch entfernung des dumm gewordenen firnisses Kügelgen jugenderinn. (1870)385. mdal. formelhaft noch: 1927 umme de dummen nête deut’ et nich, um taube nüsse, d. i. für nichts, umsonst, tut er es nicht Damköhler nordharz. wb. 48a. – durch Luthers übersetzung von Matth. 5,13 am geläufigsten in bezug auf das salz: 1522 wo nu das saltz thum wirtt, was kan man da mit saltzen? Luther bibel 6,26 W. 1947 hier darf nichts abgeschwächt, dieses salz darf nicht dumm werden Barth dogmatik im grundriß (Stuttg.) 128. 2 vom holz, dürr: 1670 zimmt brennet lieblicher, als fängt (zündet) der bauersmann / .. ein dummes eich-holtz an Trommer poesie 68. C in bezug auf sinneseindrücke, schwach. 1 im optischen bereich, dunkel: ⟨A15.jh.⟩ ein dümme petstat meister Reuausz 428 Sch. 2 im akustischen bereich, dumpf: 1564 die heuwschrecken .. anfahen jr rauches gesang / vnd geben einen tummen klang Spreng Palingenius 161b. 1783 ein dummer, dumpfer laut Schwan dict. 1,361b. 3 den geschmack betreffend, fade: 1626 ohne das saltz sind alle speysen gleichsam taub vnd thumb, vnd ohne geschmack Gottfried Sardi, fortification (1623)1,262. noch mdal.: 1897 dumm geschmacklos, fade Crecelius obhess. wb. 1,309. II als negatives glied des intellektualwortschatzes. A von schwachem verstand, seltener ohne verstand, ohne vernunft. 1 verstandesmäßig wenig begabt; von menschen und anderen lebewesen: 863/71 esil, wizun wir thaz, theist fihu filu dumbaz Otfrid IV 5,7 E. hs.1.h15.jh. den wer sich ain lachen macht, / für schalch oder für tumb wird er geacht dt. facetus 105 Sch. 1690 jener weltweise hatte 2. jünger, der eine war geschickt und unfleissig, der andere aber dumm und fleissig Happel academ. rom. 387. 1843 er stand wie ein lamm und sah unbeschreiblich dumm aus Holtei 40 jahre 1,44. 1974 sie vertraten ansichten .. nur aus angst, dumm zu wirken Roth horizont 128. in fester verbindung mit bestimmten substantiven und eigennamen: 9.jh. brutus tumber narro ahd. gl. 4,4,65 S./S. hs.1493 du dummer gauch frankf. passionssp. 1710 DNL. 1805 nur ein dummer teufel .. könnte .. so viel albernheiten vorbringen Goethe I 45,79 W. ⟨1918⟩ Diederich nannte sie im stillen eine dumme gans H. Mann ausgew. w. 4,18 ak. ⟨1930⟩ der künstler, .. das ist .. ein schnorrer, .. ein dummer August Benn 4,220 W. von den zahlreichen wendungen und redensarten der mdaa. sind einige auch literarisch bezeugt: ⟨u1240/50⟩ du bist noch tumber denne ein rint Stricker fabeln 28,17 ATB. 1764 ich bin .. nicht so dumm als ich aussehe Wieland don Sylvio 1,143. 1793 er .. ist dumm wie stroh Forster brw. 2,655 H. von aussehen verhalten, meinungen, äußerungen, den ergebnissen geistiger tätigkeit, handlungen u. dgl.: 1657 ein tummes ubersehen an dem leibwach-obristen .., der .. dergleichen .. händel (bestechungen) nicht merken konte Grottnitz Tacitus 771. 1785 sein dummes großes gesicht Goethe Meister 1,204 ak. 1865 ein schrecklich dummes zauberspiel Moltke ges. schr. (1891)6,442. 1954 es ist geradezu töricht, was du sprichst, um nicht zu sagen: dumm Mönnich land 210. adverbial: ⟨v1787⟩ ich machts so dumm, / der topf fiel um Musäus kinderklapper (1788)12. 1968 die .. mädchen kicherten dumm und boshaft Zwerenz erbarmen 149. nähere bestimmungen in form eines präpositionalgefüges oder eines unflektierten adjektivs, mhd. auch im gen.: hs.E14.jh. ir sint der witz tumb lieder saal 90,61 L. 1965 es war .. darum gegangen, daß die D. ihn für politisch dumm hielt Johnson ansichten 71. 2 von nicht entwickeltem verstand, in bezug auf kinder: ⟨1160/70⟩ he inlîz sîne ougin nît virbinden, / als man deit den dumbin kinden Wernher v. Niederrhein 294 K. ⟨v1908⟩ mein büdelein (d. i. brüderlein) / is noch so tlein, / is noch so dumm Busch 6,351 N. 3 geistig unnormal, schwachsinnig, toll. a von menschen: ⟨n1190⟩ tumben / touben vnd stummen / mac man geweichen / swenne man in zeichen / mit dem finger tut Herbort 6135 F. ⟨u1400⟩ si was nachett worden tumb / und von iren sinnen komen Kaufringer 14,562 LV. 1752 ein gewisser saft .., der denjenigen, der davon etwas zu sich nimt, alsbald zu einem unwissenden und dummen menschen machet Stackhouse, bibl. gesch. 1,340. noch mdal.: 1928 d[umm] in de kopp sin rhein. wb. 1,1556. b von tieren: 1725 ein tummer hund, canis rabidus Steinbach wb. 397. 4 nicht vernunftbegabt. a von tieren: ⟨u1120⟩ do wart er (der mensch) tumben fihen gebinmazzet jüng. physiologus 5,22 W. 1926 im gewissen sinne sind ja alle tiere dumm B. Schmid seelenleben 198. b in der älteren gelehrten literatur gelegentlich auch von unbelebtem: 1709 eine tumme und unbewegliche grobe materie Proeleus grund-sätze 37. B von mangelnder einsicht in urteil und verhalten. 1 meist in erkenntnismäßigem sinn, töricht, unvernünftig: u830 tumbo (stultę), in therra naht thina sela suochent fon thír Tatian 2105,3 S. 1678 er sey thum und thorecht gewesen, .. weil er gern mit karten und würffeln gespielet J. L. Hartmann spielteuffel 139. 1830 ich glaube, ich wäre so dumm, und müßte weinen, wenn ich so allein dort auf den feldern herumginge Stifter 17,24 S. 1973 der Schöller hat den Angelo nur ausgenützt. .. der Schöller soll sich jetzt einen anderen dummen suchen Grün glatteis 15. von der jugend: ⟨u1160⟩ des muͦtet uns got, .. daz wir die tumben uirtragen in ire iugende st. trudperter hohes lied 124,31 M. ⟨1921⟩ die meisten jungen menschen sind so dumm, daß sie sich über den kauf einer kuh mehr gedanken machen, als über die wahl der frau Frenssen pastor (1922)10. als umschreibung von ‘alle’ sind in der mhd. dichtung formeln wie die wîsen und die tumben, der wîse und (ouch) der tumbe geläufig: ⟨E12.jh.⟩ der kunic fragite alumbe / wise vnde tumbe fuchs Reinhart S 21758 ATB. ⟨1473/8⟩ dy weysen und dy tummen, alls, das da was Fuetrer gralepen 1195,2 DTM. redensartlich. jmdn. dumm machen jmdn. zum narren halten: 1638 o jhr tumm-gemachten sinnen / die jhr nicht die possen spührt! Homburg Clio 1,C 6b. 1951 die .. aufgabe besteht darin, weder von der macht der anderen, noch von der eigenen ohnmacht sich dumm machen zu lassen Adorno moralia 94. jmdn. für dumm verkaufen wollen glauben, jmdn. hereinlegen zu können: ⟨1860⟩ ji wullt .. dat geld mi ut den büdel ströpen, / un mi tauletzt för dumm verköpen Reuter w. 5,335 S. 1969 die wollen uns wohl für dumm verkaufen Nossack sieger 184. der dumme sein der betrogene sein: ⟨1896⟩ dir loofn se alle ibern hals. du bist ja man immer der dumme Holz 5,17 F. von meinungen, äußerungen, verhalten, handlungen u. dgl.: ⟨u1187/9⟩ durch dînen tumben zorn Hartmann Gregorius 1454 N. 1973 es gehört zu seinen dummen angewohnheiten Zwerenz erde 167. in fester verbindung mit substantiv, dummer streich, dummes zeug: 1754 sterben ist der dümmste streich, den man begehen kann Lessing schr. (1753)4,195. 1784 wer alles gute für dummes zeug hält Zimmermann einsamkeit 1,69. 1974 sie redet dummes zeug Härtling frau 327. adverbial: 1654 die (kinder), wann sie etwas neues sehn, thun töblich, thum und gach Logau sinnged. 661 LV. 1955 emigranten .., die .. einmal dumm oder unverantwortlich geredet hatten Reichenberger willkür 185. mhd. mit näherer bestimmung im gen. oder in form eines präpositionalgefüges: ⟨u1200/10⟩ gein valscheit diu tumbe Wolfram Parzival 7630,18 L./H. hs.E14.jh. swie tumb (hs.: tum) ich doch der jâre bin gesammtabenteuer 56,17 H. 2 in älterer sprache mit hervortreten einer ethischen komponente, schlecht, böse, sündig: ⟨u1085⟩ den tumbin was her (Anno) sceirphe, den guotin was er einste annolied 35,6 M. dr.1541 (der mensch) bleibt thumb, on frumb, .. biß das er gar in dhellen kumb kirchenlied 3,782 W. ähnlich noch: ⟨1856⟩ das kätzchen .. ließ .. sich von einer art dummer menschen, von welchen es behauptete, daß die dummheit aus einem unreifen und nichtsnutzigen herzen käme, nicht das mindeste gefallen Keller 7,324 F. das sprichwort je krümmer, je dümmer beruht auf dem alten glauben an die zeichenhaftigkeit körperlicher mißbildung: 1584 ich hab all main tag gehoͤrt: je kruͤmper je tuͤmper, vnnd das kain puggel so klain, das nichts darhinder steckte Ferdinand ii. v. Tirol speculum 58 HND. leicht variiert noch: 1872 wie krümpә wiә dümpә Schmeller/F. bayer. wb. (1961)1,509. in fester verbindung, tumbez wîp hure: hs.E.14.jh. den tumben wiben ez gezimpt / die gent fuͤr derz gerne nimpt lieder saal 76,271 L. von gesinnung und verhalten: ⟨u1170/80⟩ von tummir minne saltu dich huten Wernher v. Elmendorf 440 H. 1643 es stekt ein süsser gift in thumer leibesfüll (völlerei) Harsdörffer gesprechsp. (1641) 3,239. 3 im religiösen bereich, blind gegenüber gott und seinen geboten: u830 uuola tumbe in lazzę in herzen (stulti et tardi corde) zi giloubanne in allen then thiu dar sprachun thie uuizogon! Tatian 2227,1 S. ⟨u1300⟩ der wîse man .. hüetet sich vor dem übele, sô vertriuwet sich der tumbe .. ich meine niht tumben, die dâ tôren sint von natûre, .. ich meine, die wider ir schepfer ungehôrsam sint Berthold v. Regensburg 2,138 P./S. 1772 alle übrigen menschen theilte ich in zwo classen: die dummen und die klugen. die dummen waren die ganz gottesvergessenen menschen Hermes Sophie (1770)5,122. in fester verbindung, die dummen heiden: ⟨u1170⟩ haiden die tumbin Konrad rolandslied 285 W. 4 speziell, vermessen, verwegen. a gewöhnlich negativ: ⟨u1250⟩ ez wundet dicke ein wîser ein starken tumben in den tôt Alpharts tod 98,4 M. 1690 ist auch hernach so thum in alle occasiones gelauffen Simmer edelmann 138. hierher gehört die redensart jmdm. dumm kommen jmdm. gegenüber unverschämt werden: 1878 sie denken wol, sie können mir dumm kommen? H. Meyer Berliner 21a. b im nibelungenlied positiv als charakterisierendes beiwort von recke im wechsel mit küene: ⟨u1200⟩ vil manec recke tumber des tages hete muot, / daz er an ze sehene den frouwen wære guot nibelungenlied 13277,1 B./B. 5 speziell, ungestüm, hitzig: 1556 sol ich .. sein tumm und wütig schausp. 16. jh. 1,214 T. redensartlich, die dumme stunde haben seinen rappel haben: 1729 zudem sahen sie wohl, daß er die tumme stunde hatte, und es nur viel ärger machen würde, wenn man mit ihm streiten wollte G. Ch. Wolf Swift, tonne 1,119. auf jmdn. dumm sein, mit jmdm. dumm tun auf jmdn. böse sein: 1833 dump seyn auf einen Anton Oberlausitz 7,17. 1911 die tut dumm mit mir Müller-F. obs. mdaa. 1,261a. C unwissend: ⟨1120/30⟩ siner wundero ist so vil daz ih nemac noch newil / necheinemo dumben .. gesagan, daz er so manege dugunt habe friedb. Christ 29,3 M. 1769 (bauernkinder) kommen oft eben so dumm wieder aus der schule, wie sie hineingekommen sind Münchhausen hausvater (1764)4,1,119. ⟨1817⟩ ritter. seid ihr seekund’ge lootsen? Droll. .. man hat sie dümmer Müllner dr. w. (1828)3,63. 1949 immer hatte ich das gefühl, viel zu wenig zu wissen und zu können, und hielt mich für dümmer als die meisten anderen Diesel jahrhundertwende 224. in der beziehung auf die wissensmäßigen voraussetzungen künstlerischer tätigkeit wichtiger bestandteil der demutsformel mhd. dichter: ⟨u1185⟩ (̂Enîte) muoz von mir belîben / ungelobet nâch ir rehte, / wans gebrist mir tumben knehte Hartmann Erec 31603 ATB. 1469 hoͤrent mir tummen singer Beheim reimchr. 1425,5 H. in fester verbindung mit substantiv. dem theologisch gebildeten weisen pfaffen steht der dumme laie gegenüber: ⟨u1160⟩ daz unreht verberen, / daz der tumbe leige dar nach niene zeige v. rechte 23,8 M. 1762 ich (ein theologe) hätte .. ihn (einen nichttheologen) .. einen dummen laien .. genent Semler hist. theol. abh. (1760)2,229. dummes volk, dummer pöbel u. ä.: 1620 durch .. jhr .. geschwätz bringen sie (quacksalber) so viel zu wege, daß das dumme volck hauffenweiß zu jhnen läufft Philiater Forestus, vromanteia 207. 1789 Zoang wollte keinem wehren, / den dummen pöbel aufzuklären Pfeffel poet. vers. 2,111. dummer junge: 1695 Fleck. und sollen den frauenzimmer .. eine visumpe geben? Edward. eine visite heist es dummer junge Reuter ehrl. frau 35 HND. als studentische beleidigung: 1831 dummer (junge) ist der auf allen universitäten gewöhnliche sturz (beleidigung) Ragocky bursch 28. von bildungsstufen wissensstadien u. dgl.: ⟨v1666⟩ das papstthumb .. machet .. auß der thummen .. vnwissenheit ein heiligthumb Dannhauer catechismvs milch 10(1673)112. 1790 die helleste aufklärung und den dümmsten aberglauben Müller v. F. staatswiss. 270. mhd. häufig mit näherer bestimmung im gen.: ⟨1240/50⟩ ich was do tummer / maniger dinge danne ich nu bin Ulrich v. Türheim Rennewart 17804 DTM. rechtssprachlich, dumme leute rechtsunkundige: ⟨u1280/5⟩ ob der man .. vor dem gerihte .. hvͦstet .. oder nivset .., dar vmb wettet er dem herren nit. doch wænent tvmbe lvte er svl dar vmb wetten schwabenspiegel 211b L. ⟨1574⟩ Pölmann handtb. (1576) N 4b. III von II her übertragen. A bedauernswert: ⟨u1270/5⟩ sus lac der tumbe (ein vom aussatz befallener) klagende Konrad v. Würzburg Engelhard 25417 ATB. so bezeichnet sich häufig der von seiner dame nicht erhörte minnesänger: ⟨E12.jh.⟩ ist .. daz .. si mich alsus verderben lât, / sô mac ich klagen vil, ich tumber man Reinmar 31190,25 MF. noch: hs.1550/5 mach mich nit thumb, mein kaiserin, / erbarm dich mein volks- u. gesellschaftslieder 195 DTM. B beschwerlich, unerfreulich; überwiegend adverbial: ⟨14.jh.⟩ krumer und .. tumber / wurde lichtt min arbaitt göttweiger trojanerkrieg 22248 DTM. 1735 man kommt zu nichts, es geht uns gar zu tumm Stoppe Parnaß 241. negiert noch gelegentlich mdal., nicht schlecht: 1927 dat smeckt gǫrni so d[umm] Mensing schlesw.-holst. wb. 1,911. 1961 das macht kein t[umm]en lärmen .. das hauwt nid t[umm] aben, von heftigem regen schweiz. id. 12,1846. C ärgerlich, meist von als unnötig, vermeidbar empfundenem: ⟨1753⟩ daß sie gern gekommen wär’, / konnt’ ich ihr im auge lesen; / o du dummes ungefähr, / ach, wär’ ich allein gewesen! Gleim s. w. 2,38 K. 1830 es ist mir höchst ärgerlich, daß .. gerade das, was für dich bestimmt war .., durch einen so dummen grund verdorben worden ist Droste-H. br. 1,99 Sch.K. 1972 ohne das dumme schild wäre vielleicht alles ganz anders gekommen Nossack melodie 42. jmdm. zu dumm sein oder werden jmds. geduld übersteigen: 1926 die mutter Stralzin .. studierte hin und her .. bis ihr solches zu dumm wurde Grogger Grimmingtor 92. 1974 Muschg Albisser 278.

1dummen, vb.

Fundstelle: Band 6, Spalte 1488, Zeile 15
1DUMMEN vb.   ahd. tumbên, mhd. tumben. mnl. dommen ‘töricht sein’; ae. ā-dumbian ‘verstummen’, me. dumbien ‘dasselbe’; isl. dumbast ‘dasselbe’, norw. dumme ‘sich trüben (historisierend)’, dän. dumme ‘sich trüben (von den augen)’, schwed. dumma ‘etwas dummes sagen oder tun’. inchoativum zu dumm adj. schriftsprachlich durch die präfixbildung verdummen verdrängt. A im physischen bereich. 1 entsprechend dumm adj. I A 4, schlummern, träumen; nur mdal. schweiz. und schles. bezeugt. 2 entsprechend dumm I B 1, verderben, vom heu: u1800 Fischer schwäb. wb. 2,453. B im geistigen bereich. 1 entsprechend dumm II A 1, verdummen: 15.jh. hebere thumen in den sinnen Diefenbach gl. 273c. 1961 du fahst schier gar an t[ummen] schweiz. id. 12,1851. 2 entsprechend dumm II B 1, unvernünftig werden: 12.jh. desipio iedumbe (l. ic dumbe) ahd. gl. 4,178,9 S./S. hs.1435/62 ach alter, du mir bringest leit .. daz herze tummet mir, der rücke gihtet meisterlieder kolmarer hs. 70,9 LV. 1940/4 nu fange ook all ale lied (alte leute) an to domme Ziesemer preuß. wb. 2,127b.

2dummen, vb.

Fundstelle: Band 6, Spalte 1488, Zeile 36
2DUMMEN vb.   mhd. tumben. mnl. dommen ‘berauschen; ne. dumb ‘zum schweigen bringen’; dän. dumme ‘dämpfen (akustisch); dumm machen’. faktitivum zu dumm adj., germ. *dumbjan. mdal. und in mhd., frnhd. texten gelegentlich neben verdummen. nur vereinzelt umlautformen, s. A. A physisch. entsprechend dumm adj. I A 4, betäuben: v1547 vom starken rouch der wolriechenden himelgilgen getuͤmpt Anshelm Berner-chr. (1884)2,34. 1961 wer wellend .. d’s schwein z’ērst t[ümmen] schweiz. id. 12,1855. B geistig. 1 entsprechend dumm II A 1, geistig stumpf machen: 1959 vęl fragen dummt opletz Teut hadeler wb. 1,466. 2 entsprechend dumm II B 1, zum toren machen: ⟨u1210⟩ gelükke .. tumbet den, swem ez ze vil geborget minnesinger 2,277b H.

dummern, vb.

Fundstelle: Band 6, Spalte 1488, Zeile 67
DUMMERN vb.   s. tummern.

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Zitationshilfe
„dumm“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/dumm>, abgerufen am 27.11.2021.

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