Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

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dumm, adj.

Fundstelle: Band 6, Spalte 1482, Zeile 49
DUMM adj.   (1) ahd. tumb, mhd. tump. as. dumb ‘dumm’, mnd. dum ‘dumm’; anfrk. dumb ‘dumm’, mnl. domp ‘dumm’, nnl. dom ‘dumm; stumpf (vom gefühl); afrs. dumb ‘dumm’; ae., me., ne. dumb ‘stumm’; an. dumbr ‘stumm’, isl. dumbur ‘stumm’, norw. dum ‘dumm; trübe (archaisierend); taub (mdal.); stumm (mdal.)’, dän. dum ‘dumm; stumpf; dumpf (von tönen); trübe (preziös und mdal.); stumm (mdal.)’, schwed. dum ‘dumm; stumm (archaisierend); trübe (älter); taub (vom salz, älter); got. dumbs ‘stumm’. das wort wird heute wegen seiner bedeutungsverwandtschaft mit taub adj. in der regel als nasalierte bh- erweiterung zur idg. wz. *dheu-, dheu̯ǝ ‘stieben, wirbeln’ gestellt; doch ist der älteren auffassung (vgl. Falk/T. norw.-dän. wb. 1,165) der vorzug zu geben, nach der es als labialerweiterung mit germ. b neben dumpf adj. mit germ. p zur idg. wz. *dhem-, dhemǝ ‘stieben, rauchengehört. (2) assimilation von -mb- zu -mm- md. seit 13. jh. bezeugt, im 15. jh. auch obd. weitgehend durchgeführt; jüngeres -mb- wohl lediglich historische schreibung. analog umgestalteter auslaut md. seit 14., obd. 15./16. jh. mp-formen noch in einzelnen omd. dialekten (schles., lausitz.). – der anlaut schwankt bis ins 18. jh. zwischen altem t und lenisiertem d. seit etwa 1740 ist schriftsprachlich d die regel. einzelne t-var. noch bis ende 18. jhs.steigerungsformen älter und mdal. mit und ohne umlaut. schriftsprachlich dominiert seit 18. jh. die umlautform, neben der sich, vor allem bei autoren des überwiegend nichtumlautenden nd. mundartgebiets bis ende 19. jhs. die unumgelautete form behauptet. (3) im gegensatz zu seinen etymologischen verwandten dumpf und dumper begegnet dumm schon seit ahd., mhd. zeit kaum noch in physischem sinn, und seit mitte des 18. jhs. bewahren schriftsprache und mdaa., abgesehen von der dem geistigen bereich am nächsten stehenden bedeutung I A 4, nur noch mehr oder weniger erstarrte reste dieses alten germ. gebrauchs. dem dt. wortschatz gehört dumm in erster linie als eines der wichtigsten negativen glieder des intellektualfeldes an, wobei das schwergewicht ahd., mhd. auf der bedeutung II B, nhd. auf II A liegt. auch die unter III zusammengefaßten bedeutungen haben sich auf der grundlage von dumm II entwickelt. I als bezeichnung physischer eigenschaften. A auf die menschlichen sinne bezogen, nicht oder nicht voll funktionsfähig. 1 stumm: ⟨896⟩ den tumben dheter (st. Georg) sprekenten, den tohuben ohrenten (d. i. touben horenten) georgslied 19 S. ⟨A14.jh.⟩ die harphe und daz psalterium / sint beide ungespannen dum erlösung 5634 DLE. 1616 Henisch t. spr. 1,764. 2 taub: ⟨u1150⟩ swer dumben herfet, der fliuset sin arebeit wahrheit 5,6 M. 1718 so wenig als ein .. blinder .. kan sehen, ein d[umm]er hören, ein stummer reden schweiz. id. 12,1836. in fester verbindung noch mdal. els.: 1907 dumm und taüb machen so lärmen, dass man sein eigenes wort nicht mehr versteht Martin/L. els. mdaa. 2,683a. 3 in bezug auf andere sinne: 1545 daruon (schlangenbiß) alle glieder entschlaffen, dumm vnd doll vnd vnempfindtlich werden Ryff thierb. Y 5a. 1667 welche einen t[umm]en geruch oder geschmak haben schweiz. id. 12,1837. noch mdal.: 1961 t[umm]i finger eingeschlafene finger schweiz. id. 12,1837. 4 betäubt, benommen: ⟨u1400⟩ ich pin von slauf (d. i. slâf) worden tumb Kaufringer 14,256 LV. 1786 dumm- oder schlafmachende, berauschende .. mittel Schwabe stadt-physikus 1,56. 1931 mir ist noch ganz dumpf und dumm im kopf Blunck sprung 120. B in bezug auf rohstoffe, naturprodukte u. dgl., ohne die ihnen für gewöhnlich zukommenden eigenschaften. 1 minderwertig, verdorben: ⟨1562⟩ es ist alles schmeltzen an dem .. thummen oder verworffen metall verloren Mathesius Sarepta (1571)111b. v1867 durch entfernung des dumm gewordenen firnisses Kügelgen jugenderinn. (1870)385. mdal. formelhaft noch: 1927 umme de dummen nête deut’ et nich, um taube nüsse, d. i. für nichts, umsonst, tut er es nicht Damköhler nordharz. wb. 48a. – durch Luthers übersetzung von Matth. 5,13 am geläufigsten in bezug auf das salz: 1522 wo nu das saltz thum wirtt, was kan man da mit saltzen? Luther bibel 6,26 W. 1947 hier darf nichts abgeschwächt, dieses salz darf nicht dumm werden Barth dogmatik im grundriß (Stuttg.) 128. 2 vom holz, dürr: 1670 zimmt brennet lieblicher, als fängt (zündet) der bauersmann / .. ein dummes eich-holtz an Trommer poesie 68. C in bezug auf sinneseindrücke, schwach. 1 im optischen bereich, dunkel: ⟨A15.jh.⟩ ein dümme petstat meister Reuausz 428 Sch. 2 im akustischen bereich, dumpf: 1564 die heuwschrecken .. anfahen jr rauches gesang / vnd geben einen tummen klang Spreng Palingenius 161b. 1783 ein dummer, dumpfer laut Schwan dict. 1,361b. 3 den geschmack betreffend, fade: 1626 ohne das saltz sind alle speysen gleichsam taub vnd thumb, vnd ohne geschmack Gottfried Sardi, fortification (1623)1,262. noch mdal.: 1897 dumm geschmacklos, fade Crecelius obhess. wb. 1,309. II als negatives glied des intellektualwortschatzes. A von schwachem verstand, seltener ohne verstand, ohne vernunft. 1 verstandesmäßig wenig begabt; von menschen und anderen lebewesen: 863/71 esil, wizun wir thaz, theist fihu filu dumbaz Otfrid IV 5,7 E. hs.1.h15.jh. den wer sich ain lachen macht, / für schalch oder für tumb wird er geacht dt. facetus 105 Sch. 1690 jener weltweise hatte 2. jünger, der eine war geschickt und unfleissig, der andere aber dumm und fleissig Happel academ. rom. 387. 1843 er stand wie ein lamm und sah unbeschreiblich dumm aus Holtei 40 jahre 1,44. 1974 sie vertraten ansichten .. nur aus angst, dumm zu wirken Roth horizont 128. in fester verbindung mit bestimmten substantiven und eigennamen: 9.jh. brutus tumber narro ahd. gl. 4,4,65 S./S. hs.1493 du dummer gauch frankf. passionssp. 1710 DNL. 1805 nur ein dummer teufel .. könnte .. so viel albernheiten vorbringen Goethe I 45,79 W. ⟨1918⟩ Diederich nannte sie im stillen eine dumme gans H. Mann ausgew. w. 4,18 ak. ⟨1930⟩ der künstler, .. das ist .. ein schnorrer, .. ein dummer August Benn 4,220 W. von den zahlreichen wendungen und redensarten der mdaa. sind einige auch literarisch bezeugt: ⟨u1240/50⟩ du bist noch tumber denne ein rint Stricker fabeln 28,17 ATB. 1764 ich bin .. nicht so dumm als ich aussehe Wieland don Sylvio 1,143. 1793 er .. ist dumm wie stroh Forster brw. 2,655 H. von aussehen verhalten, meinungen, äußerungen, den ergebnissen geistiger tätigkeit, handlungen u. dgl.: 1657 ein tummes ubersehen an dem leibwach-obristen .., der .. dergleichen .. händel (bestechungen) nicht merken konte Grottnitz Tacitus 771. 1785 sein dummes großes gesicht Goethe Meister 1,204 ak. 1865 ein schrecklich dummes zauberspiel Moltke ges. schr. (1891)6,442. 1954 es ist geradezu töricht, was du sprichst, um nicht zu sagen: dumm Mönnich land 210. adverbial: ⟨v1787⟩ ich machts so dumm, / der topf fiel um Musäus kinderklapper (1788)12. 1968 die .. mädchen kicherten dumm und boshaft Zwerenz erbarmen 149. nähere bestimmungen in form eines präpositionalgefüges oder eines unflektierten adjektivs, mhd. auch im gen.: hs.E14.jh. ir sint der witz tumb lieder saal 90,61 L. 1965 es war .. darum gegangen, daß die D. ihn für politisch dumm hielt Johnson ansichten 71. 2 von nicht entwickeltem verstand, in bezug auf kinder: ⟨1160/70⟩ he inlîz sîne ougin nît virbinden, / als man deit den dumbin kinden Wernher v. Niederrhein 294 K. ⟨v1908⟩ mein büdelein (d. i. brüderlein) / is noch so tlein, / is noch so dumm Busch 6,351 N. 3 geistig unnormal, schwachsinnig, toll. a von menschen: ⟨n1190⟩ tumben / touben vnd stummen / mac man geweichen / swenne man in zeichen / mit dem finger tut Herbort 6135 F. ⟨u1400⟩ si was nachett worden tumb / und von iren sinnen komen Kaufringer 14,562 LV. 1752 ein gewisser saft .., der denjenigen, der davon etwas zu sich nimt, alsbald zu einem unwissenden und dummen menschen machet Stackhouse, bibl. gesch. 1,340. noch mdal.: 1928 d[umm] in de kopp sin rhein. wb. 1,1556. b von tieren: 1725 ein tummer hund, canis rabidus Steinbach wb. 397. 4 nicht vernunftbegabt. a von tieren: ⟨u1120⟩ do wart er (der mensch) tumben fihen gebinmazzet jüng. physiologus 5,22 W. 1926 im gewissen sinne sind ja alle tiere dumm B. Schmid seelenleben 198. b in der älteren gelehrten literatur gelegentlich auch von unbelebtem: 1709 eine tumme und unbewegliche grobe materie Proeleus grund-sätze 37. B von mangelnder einsicht in urteil und verhalten. 1 meist in erkenntnismäßigem sinn, töricht, unvernünftig: u830 tumbo (stultę), in therra naht thina sela suochent fon thír Tatian 2105,3 S. 1678 er sey thum und thorecht gewesen, .. weil er gern mit karten und würffeln gespielet J. L. Hartmann spielteuffel 139. 1830 ich glaube, ich wäre so dumm, und müßte weinen, wenn ich so allein dort auf den feldern herumginge Stifter 17,24 S. 1973 der Schöller hat den Angelo nur ausgenützt. .. der Schöller soll sich jetzt einen anderen dummen suchen Grün glatteis 15. von der jugend: ⟨u1160⟩ des muͦtet uns got, .. daz wir die tumben uirtragen in ire iugende st. trudperter hohes lied 124,31 M. ⟨1921⟩ die meisten jungen menschen sind so dumm, daß sie sich über den kauf einer kuh mehr gedanken machen, als über die wahl der frau Frenssen pastor (1922)10. als umschreibung von ‘alle’ sind in der mhd. dichtung formeln wie die wîsen und die tumben, der wîse und (ouch) der tumbe geläufig: ⟨E12.jh.⟩ der kunic fragite alumbe / wise vnde tumbe fuchs Reinhart S 21758 ATB. ⟨1473/8⟩ dy weysen und dy tummen, alls, das da was Fuetrer gralepen 1195,2 DTM. redensartlich. jmdn. dumm machen jmdn. zum narren halten: 1638 o jhr tumm-gemachten sinnen / die jhr nicht die possen spührt! Homburg Clio 1,C 6b. 1951 die .. aufgabe besteht darin, weder von der macht der anderen, noch von der eigenen ohnmacht sich dumm machen zu lassen Adorno moralia 94. jmdn. für dumm verkaufen wollen glauben, jmdn. hereinlegen zu können: ⟨1860⟩ ji wullt .. dat geld mi ut den büdel ströpen, / un mi tauletzt för dumm verköpen Reuter w. 5,335 S. 1969 die wollen uns wohl für dumm verkaufen Nossack sieger 184. der dumme sein der betrogene sein: ⟨1896⟩ dir loofn se alle ibern hals. du bist ja man immer der dumme Holz 5,17 F. von meinungen, äußerungen, verhalten, handlungen u. dgl.: ⟨u1187/9⟩ durch dînen tumben zorn Hartmann Gregorius 1454 N. 1973 es gehört zu seinen dummen angewohnheiten Zwerenz erde 167. in fester verbindung mit substantiv, dummer streich, dummes zeug: 1754 sterben ist der dümmste streich, den man begehen kann Lessing schr. (1753)4,195. 1784 wer alles gute für dummes zeug hält Zimmermann einsamkeit 1,69. 1974 sie redet dummes zeug Härtling frau 327. adverbial: 1654 die (kinder), wann sie etwas neues sehn, thun töblich, thum und gach Logau sinnged. 661 LV. 1955 emigranten .., die .. einmal dumm oder unverantwortlich geredet hatten Reichenberger willkür 185. mhd. mit näherer bestimmung im gen. oder in form eines präpositionalgefüges: ⟨u1200/10⟩ gein valscheit diu tumbe Wolfram Parzival 7630,18 L./H. hs.E14.jh. swie tumb (hs.: tum) ich doch der jâre bin gesammtabenteuer 56,17 H. 2 in älterer sprache mit hervortreten einer ethischen komponente, schlecht, böse, sündig: ⟨u1085⟩ den tumbin was her (Anno) sceirphe, den guotin was er einste annolied 35,6 M. dr.1541 (der mensch) bleibt thumb, on frumb, .. biß das er gar in dhellen kumb kirchenlied 3,782 W. ähnlich noch: ⟨1856⟩ das kätzchen .. ließ .. sich von einer art dummer menschen, von welchen es behauptete, daß die dummheit aus einem unreifen und nichtsnutzigen herzen käme, nicht das mindeste gefallen Keller 7,324 F. das sprichwort je krümmer, je dümmer beruht auf dem alten glauben an die zeichenhaftigkeit körperlicher mißbildung: 1584 ich hab all main tag gehoͤrt: je kruͤmper je tuͤmper, vnnd das kain puggel so klain, das nichts darhinder steckte Ferdinand ii. v. Tirol speculum 58 HND. leicht variiert noch: 1872 wie krümpә wiә dümpә Schmeller/F. bayer. wb. (1961)1,509. in fester verbindung, tumbez wîp hure: hs.E.14.jh. den tumben wiben ez gezimpt / die gent fuͤr derz gerne nimpt lieder saal 76,271 L. von gesinnung und verhalten: ⟨u1170/80⟩ von tummir minne saltu dich huten Wernher v. Elmendorf 440 H. 1643 es stekt ein süsser gift in thumer leibesfüll (völlerei) Harsdörffer gesprechsp. (1641) 3,239. 3 im religiösen bereich, blind gegenüber gott und seinen geboten: u830 uuola tumbe in lazzę in herzen (stulti et tardi corde) zi giloubanne in allen then thiu dar sprachun thie uuizogon! Tatian 2227,1 S. ⟨u1300⟩ der wîse man .. hüetet sich vor dem übele, sô vertriuwet sich der tumbe .. ich meine niht tumben, die dâ tôren sint von natûre, .. ich meine, die wider ir schepfer ungehôrsam sint Berthold v. Regensburg 2,138 P./S. 1772 alle übrigen menschen theilte ich in zwo classen: die dummen und die klugen. die dummen waren die ganz gottesvergessenen menschen Hermes Sophie (1770)5,122. in fester verbindung, die dummen heiden: ⟨u1170⟩ haiden die tumbin Konrad rolandslied 285 W. 4 speziell, vermessen, verwegen. a gewöhnlich negativ: ⟨u1250⟩ ez wundet dicke ein wîser ein starken tumben in den tôt Alpharts tod 98,4 M. 1690 ist auch hernach so thum in alle occasiones gelauffen Simmer edelmann 138. hierher gehört die redensart jmdm. dumm kommen jmdm. gegenüber unverschämt werden: 1878 sie denken wol, sie können mir dumm kommen? H. Meyer Berliner 21a. b im nibelungenlied positiv als charakterisierendes beiwort von recke im wechsel mit küene: ⟨u1200⟩ vil manec recke tumber des tages hete muot, / daz er an ze sehene den frouwen wære guot nibelungenlied 13277,1 B./B. 5 speziell, ungestüm, hitzig: 1556 sol ich .. sein tumm und wütig schausp. 16. jh. 1,214 T. redensartlich, die dumme stunde haben seinen rappel haben: 1729 zudem sahen sie wohl, daß er die tumme stunde hatte, und es nur viel ärger machen würde, wenn man mit ihm streiten wollte G. Ch. Wolf Swift, tonne 1,119. auf jmdn. dumm sein, mit jmdm. dumm tun auf jmdn. böse sein: 1833 dump seyn auf einen Anton Oberlausitz 7,17. 1911 die tut dumm mit mir Müller-F. obs. mdaa. 1,261a. C unwissend: ⟨1120/30⟩ siner wundero ist so vil daz ih nemac noch newil / necheinemo dumben .. gesagan, daz er so manege dugunt habe friedb. Christ 29,3 M. 1769 (bauernkinder) kommen oft eben so dumm wieder aus der schule, wie sie hineingekommen sind Münchhausen hausvater (1764)4,1,119. ⟨1817⟩ ritter. seid ihr seekund’ge lootsen? Droll. .. man hat sie dümmer Müllner dr. w. (1828)3,63. 1949 immer hatte ich das gefühl, viel zu wenig zu wissen und zu können, und hielt mich für dümmer als die meisten anderen Diesel jahrhundertwende 224. in der beziehung auf die wissensmäßigen voraussetzungen künstlerischer tätigkeit wichtiger bestandteil der demutsformel mhd. dichter: ⟨u1185⟩ (̂Enîte) muoz von mir belîben / ungelobet nâch ir rehte, / wans gebrist mir tumben knehte Hartmann Erec 31603 ATB. 1469 hoͤrent mir tummen singer Beheim reimchr. 1425,5 H. in fester verbindung mit substantiv. dem theologisch gebildeten weisen pfaffen steht der dumme laie gegenüber: ⟨u1160⟩ daz unreht verberen, / daz der tumbe leige dar nach niene zeige v. rechte 23,8 M. 1762 ich (ein theologe) hätte .. ihn (einen nichttheologen) .. einen dummen laien .. genent Semler hist. theol. abh. (1760)2,229. dummes volk, dummer pöbel u. ä.: 1620 durch .. jhr .. geschwätz bringen sie (quacksalber) so viel zu wege, daß das dumme volck hauffenweiß zu jhnen läufft Philiater Forestus, vromanteia 207. 1789 Zoang wollte keinem wehren, / den dummen pöbel aufzuklären Pfeffel poet. vers. 2,111. dummer junge: 1695 Fleck. und sollen den frauenzimmer .. eine visumpe geben? Edward. eine visite heist es dummer junge Reuter ehrl. frau 35 HND. als studentische beleidigung: 1831 dummer (junge) ist der auf allen universitäten gewöhnliche sturz (beleidigung) Ragocky bursch 28. von bildungsstufen wissensstadien u. dgl.: ⟨v1666⟩ das papstthumb .. machet .. auß der thummen .. vnwissenheit ein heiligthumb Dannhauer catechismvs milch 10(1673)112. 1790 die helleste aufklärung und den dümmsten aberglauben Müller v. F. staatswiss. 270. mhd. häufig mit näherer bestimmung im gen.: ⟨1240/50⟩ ich was do tummer / maniger dinge danne ich nu bin Ulrich v. Türheim Rennewart 17804 DTM. rechtssprachlich, dumme leute rechtsunkundige: ⟨u1280/5⟩ ob der man .. vor dem gerihte .. hvͦstet .. oder nivset .., dar vmb wettet er dem herren nit. doch wænent tvmbe lvte er svl dar vmb wetten schwabenspiegel 211b L. ⟨1574⟩ Pölmann handtb. (1576) N 4b. III von II her übertragen. A bedauernswert: ⟨u1270/5⟩ sus lac der tumbe (ein vom aussatz befallener) klagende Konrad v. Würzburg Engelhard 25417 ATB. so bezeichnet sich häufig der von seiner dame nicht erhörte minnesänger: ⟨E12.jh.⟩ ist .. daz .. si mich alsus verderben lât, / sô mac ich klagen vil, ich tumber man Reinmar 31190,25 MF. noch: hs.1550/5 mach mich nit thumb, mein kaiserin, / erbarm dich mein volks- u. gesellschaftslieder 195 DTM. B beschwerlich, unerfreulich; überwiegend adverbial: ⟨14.jh.⟩ krumer und .. tumber / wurde lichtt min arbaitt göttweiger trojanerkrieg 22248 DTM. 1735 man kommt zu nichts, es geht uns gar zu tumm Stoppe Parnaß 241. negiert noch gelegentlich mdal., nicht schlecht: 1927 dat smeckt gǫrni so d[umm] Mensing schlesw.-holst. wb. 1,911. 1961 das macht kein t[umm]en lärmen .. das hauwt nid t[umm] aben, von heftigem regen schweiz. id. 12,1846. C ärgerlich, meist von als unnötig, vermeidbar empfundenem: ⟨1753⟩ daß sie gern gekommen wär’, / konnt’ ich ihr im auge lesen; / o du dummes ungefähr, / ach, wär’ ich allein gewesen! Gleim s. w. 2,38 K. 1830 es ist mir höchst ärgerlich, daß .. gerade das, was für dich bestimmt war .., durch einen so dummen grund verdorben worden ist Droste-H. br. 1,99 Sch.K. 1972 ohne das dumme schild wäre vielleicht alles ganz anders gekommen Nossack melodie 42. jmdm. zu dumm sein oder werden jmds. geduld übersteigen: 1926 die mutter Stralzin .. studierte hin und her .. bis ihr solches zu dumm wurde Grogger Grimmingtor 92. 1974 Muschg Albisser 278.

dummern, vb.

Fundstelle: Band 6, Spalte 1488, Zeile 67
DUMMERN vb.   s. tummern.

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dreißigtage dunkelfarb
Zitationshilfe
„dummern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/dummern>, abgerufen am 27.11.2021.

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