Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

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dunk, m.

Fundstelle: Band 6, Spalte 1500, Zeile 62
DUNK m.   verbalabstraktum von der schwundstufe der in denken vb., dünken vb. vorliegenden wz. starke, vereinzelt (s. u. Franck) schwache deklination. in der gebrauchshäufigkeit hinter gleichzeitigem dünken n. und jüngerem dünkel m. 1 zurückbleibend. seit dem 17. jh. ungebräuchlich, aber noch mdal. im schwäb. und schweiz. subjektive meinung dafürhalten: ⟨u1230⟩ er rief: wer wil strîten / mit mir umb den meisten trunc, / als mich leitet mîn dunc, / den kan ich wol gezeigen Heinrich v. d. Türlin krone 2581 LV. ⟨1302⟩ meyger vnd gericht .. sollent .. rat vnd gedunck sprechen, .. vnd sal sollcher rat dunck ader vrteyl .. der fogdien herren herlicheit recht .. nit hyndern̄ ader schaden zs. berg. geschichtsver. 7,182 B. 1539 was mehr da bleibt, das ist eitel schauen und ungewisse persuasiones odder duͤncke odder ein gemalter, geferbter glaube (bearbeitung) Luther w. 46,21 W. 1615 im fall, daß offt ein weib etwas besser wüste .., so sol sie doch gehorsam seyn jhrem manne, vnnd jhren duncken fallen lassen, vnd dem manne folgen (so in ausg. seit 1560; ausg. bis 1552: jren dunckel) Franck sprichw. 206a. noch lexikalisch: 1734 dunck (der) meditatio, cogitatio Steinbach wb. 1,306. –formelhaft nach meinem dunk: ⟨u1285⟩ ob ich den prîsant einer gebe, / diu nâch mînem dunke lebe / an der hœhsten werdekeit Konrad v. Würzburg trojan. krieg 2764 LV. nach gutdünken: 1443/60 (steuererhebung) nach dem dunke schweiz. id. 13,688.

dunk, f.

Fundstelle: Band 6, Spalte 1501, Zeile 11
DUNK f.   (1) ahd. mhd. tunc. as. dung m., mnd. dunk m., f.; mnl. donc; afrs. dung; ae. dung ‘gefängnis’; an. dyngja. zur idg. wz. *dhengh- ‘drücken, krümmen, bedecken, worauf liegen’, zu der auch jüngeres dung m. ‘düngung, mist(seit 12. jh.) gehören dürfte (nach Tacitus, Germania 16 legten die Germanen erdkeller an, die sie zum schutz gegen kälte mit mist bedeckten; nach Plinius, naturalis hist. 19,1 wurden in derartigen räumen webarbeiten verrichtet). – zur etymologie und zum stellenwert von dunk f. im kreise verwandter germ. wörter s. Teuchert d. sprachreste d. nl. siedlungen des 12. jhs. (1944)166–171. (2) genus gelegentlich mask.ahd. und mhd. gilt im anlaut obd. t-, md. d-; im 16. jh. setzt sich d- auch obd. durch. in lexikalischen ansätzen seit dem 18. jh. t-. (3) früheste bezeugung in der zuss. 8.jh. gurgitem tuncculle ahd. gl. 1,55,2 S./S., sonst seit dem 10. jh. seit dem 16. jh. literarisch auf obd. texte beschränkt und nicht über das frühe 18. jh. hinaus bezeugt. später noch in lexikalischen buchungen, mdal. vereinzelt thür., breiter schwäb. 1 unterirdisch angelegter raum, speziell in der verwendung als weberwerkstatt: 10.jh. textrinum opus dung ahd. gl. 1,475,8 S./S. 12.jh. genezeum dunc ebd. 3,210,47. ⟨1230/51⟩ diu keiserinne .. wolde, dat de utgesnedene (eunuch) Narses mit eren wiven in erer dung spunne sächs. weltchr. 136 MGH. ⟨1301/19⟩ unz daz man ûz dem tunc (unterirdischer gang) / die tôten veigen roumt Ottokar öst. reimchr. 49156 MGH. 1564 daß eim jeden .. auff sein grund vnd boden ein gewelb, dunchen oder keller zuͦ gelassen werde zuͦ bauwen Fronsperger bauwordn. 49b. 1658 der weber ihre dunken oder werkstattgewölber Birken Balde, trunkenheit 39. ⟨v1709⟩ der schmied bey den funcken, der weber bey der duncken Abraham a S. Clara etwas (1699)2,623. noch häufiger lexikalisch: 1744 Zincke oecon. lex. 2,2980. 1780 Adelung wb. (1774)4,1104. 1780 Popowitsch vers. 230. 1863 dunk, f., niedriges zimmer, halb unter, halb über der erde und mit kleinen fenstern versehen Mothes bau-lex. 1,667b. mdal.: 1895 dunk m. unterirdischer gang, keller, z. b. im kloster zu Gotha Hertel thür. sprachschatz 86. für die weberstube: 1908 Fischer schwäb. wb. 2,466. 2 höhle, tiefe: ⟨u1275/87⟩ alsam daz hermelîn den unc / versêren mac in sîner tunc Konrad v. Würzburg leiche 21,152 Sch. ⟨M14.jh.⟩ vliet und kerit den rucke, machit uch in den tunk (in voraginem), ir woner von Dedan (Jer. 49,8) Cranc 151 Z. 1658 in dem so unseligen dunck (der hölle) Schmeller/F. bayer. wb. (1961)1,526.

dünken, vb.

Fundstelle: Band 6, Spalte 1513, Zeile 77
DÜNKEN vb.   (1) ahd. dunken, mhd. dunken, dünken. as. thunkian, mnd. dünken; mnl. nnl. dunken; afrs. thinza; ae. þyncan, me. thinchen, ne. think ‘seem, appear’; an. þykkja, isl. þykja, norw. tykke, dän. tykkes, schwed. tycka; got. þugkjan. gemeingerm. wort als schwundstufenbildung zur wz. der wortgruppe denken vb., idg. *tong- ‘denken, fühlenin lat. tongere ‘wahrnehmen, wissen’. (2) schwaches vb. I. das prät. primär synkopierend, germ. *þunhta; ahd. dûhta, mhd. dûhte, nhd. dauchte mit nasalausfall und ersatzdehnung part. prät. entsprechend gi-, gedûht, gedaucht. diese präteritalformen herrschen bis ins 18. jh. vor, sie laufen um 1800 aus, noch 1801 dauchte Schiller 13,156 nat.um 1300 wird in anlehnung an das präs. dunkt, dünkt ein prät. dunkte, dünkte und ein part. prät. gedunkt, gedünkt gebildet: ⟨u1285⟩ gedunket Konrad v. Würzburg trojan. krieg 49352 LV. 1290 dvnchti corp. altdt. originalurk. 2,536 W. diese präteritalformen breiten sich langsam neben dauchte, gedaucht aus, sie herrschen seit dessen eliminierung um 1800 gegen deuchte, gedeucht (s. u.) vor.seit etwa 1400 in anlehnung an den konj. prät. diuhte ein umgelauteter ind. prät. mhd. diuhte, nhd. deuchte, däuchte und ein part. prät. gediuht, gedeucht, gedäucht. diese formen breiten sich wie dünkte, gedünkt langsam neben dauchte, gedaucht aus, sie bleiben aber nach dessen eliminierung um 1800 hinter dünkte, gedünkt zurück. (3) in anlehnung an die präteritalformen mhd. diuhte und dûhte werden im 14./15. jh. sekundäre präsensformen, überwiegend für die 3. sg., gebildet. zu den -iu-formen das präs. mhd. diuht, nhd. deucht, bis in die gegenwart bezeugt, im 20. jh. aber als preziös empfunden und dementsprechend mit abnehmender frequenz: 1333 dewchet (3. sg. ind. präs.) oberrhein. stadtrechte III 3,1,91. u1400 dewch (3. sg. konj. präs.) (Nürnb.) chr. dt. städte 1,52. zum präs. deucht, prät. deuchte ein sporadisch auftretender inf. deuchen in: 1582 bedeuchen Hayneccius comoedien H 8b. 1784 däuchen (druckfehler?) Kretschmann s. w. 2,41. ein entsprechender inf. auch in mdawbb. angesetzt: daichn, däuchn Schatz tirol. mdaa. 1,126. däuchen Fischer schwäb. wb. 2,468. – seltener zu den -û- formen das präs. dûht, daucht, bis ende 18. jh. bezeugt: ⟨u1350/77⟩hs.1469 daucht (3. sg. ind. präs.) Teichner 681,95 DTM. 14./15.jh.(?) duͦcht (3. sg. ind. präs.) weist. 1,162 G. (4) syntaktische grundtypen: (a) unpersönliche konstruktion es dünkt (jmdm., -n.) (gut u. ä.) mit abhängigem satz, der den inhalt des dünkens ausdrückt: parataktisch angeschlossener indikativischer oder konjunktivischer aussagesatz, konjunktionalsatz (daß, als ob, auch wenn, wie), infinitivsatz. (b) umwandlung in eine persönliche konstruktion etwas dünkt (jmdm., -n.), in der das subjekt den gegenstand des dünkens ausdrückt, mit einem subjektsprädikativ. (c) der vorgang des dünkens wird meist auf eine person bezogen, die als dativ- oder akkusativobjekt erscheint (s. 1). dieser persönliche dat. oder akk. kann an die stelle des scheinsubjekts es treten: jmdm., -n. dünkt. die konstruktion mit dem akk. überwiegt entschieden. der dat. ist ahd. (besonders bei Notker) und frmhd. nicht selten, recht häufig (aber seltener als bei deuchten vb.) im späten 18. und im 19. jh. (unter einfluß von mir scheint?), rückläufig im 20. jh. (d) persönliche konstruktion, in der das subjekt die bezugsperson des dünkens bezeichnet: jmd. dünkt (sich). bei refl. dünken (s. 2) steht als ergänzung ein prädikativ (mit schwankendem kasus bei substantivischer besetzung), ein infinitivsatz oder ein präpositionalobjekt, sonst (s. 3) ein satzförmiges objekt. (e) konstruktionen ohne bezugsperson: es oder jmd., etwas dünkt etwas u. ä. (s. 4). 1 den eindruck haben, der meinung sein, zur umschreibung einer meinung von nur subjektiver geltung. in unpersönlicher konstruktion, die in eine persönliche umgesetzt werden kann, mit nennung der bezugsperson im dativ oder akkusativ. a im sinne einer ausgesprochen subjektiven einschätzung sachlicher oder persönlicher verhältnisse, situationen u. dgl. α: 8.jh. ut testimo (l. aestimo) so mir thunkhit ahd. gl. 1,269,2 S./S. ⟨v1022⟩ ter nâh tero gûollichi strîtigo fehte, unde si imo dunche dingo heuigôsta Notker 1,1,128 ATB. ⟨u1198⟩ entuon ichs niht, mich dunket daz mîn niemer werde rât Walther 11113,37 K. ⟨1355⟩ Tullius spricht daz gutir rat / den zcornigin dunkit ein missetat md. schachb. 213 S. 1522 die gelider des leybes, die vnns duncken die schwechsten seyn, sind die notigisten Luther bibel 7,120 W. 1683 mich düncket, meine anschläge werden die besten seyn Weise Masaniello 38 HND. 1780 wenn eltern die unfähigkeit ihrer kinder zu den wissenschaften merken, dan erst dünken sie ihnen die fähigkeit zur wundarzneikunst zu haben Voitus reden 100. v1848 was diesem karg, dünkt jenem reich Droste- H. 2,1,80 Sch. K. 1975 nur so viel dünkt mich: könnte ich es erfassen, ich wüßte alle wahrheit Bloch experimentum 252. älter gelegentlich im urteil über jmds. eignung für eine bestimmte aufgabe: ⟨u1235⟩ daz er des landes krône / selbe haben solde / odr geben swem er wolde, / der in dar zuo dûhte guot Rudolf v. Ems Alexander 8361 LV. n1399 und sollen die zwene .. darzu (zur materialkontrolle) nemen, wen sie duncket, der sich des virstee und darzu gut sij frankf. zunfturk. 1,460 Sch. 1562 die worden die wol zu sich ruffen, die in gut dunken worden und zu erem rote notzlich Falk elbing. chr. 109 T. in der umschreibung mit lassen: ⟨1465⟩ (wir) lassen uns duncken, es were mehe den gnug gebotten script. rer. pruss. 5,256. 1534 da aber Maccabeus mercket, das er sich vnfreundlicher gegen jm stellet weder zuuor, vnd lies sich wol duncken, (da) .. Luther bibel 12,482 W. 1735 einige meister, die sich im spielen (von musikinstrumenten) keine katzen düncken lassen Mattheson general-baß-schule 55. β formelhaft was, älter auch wie dünkt dich, dir usw.? was meinst du? oft mit präpositional-, älter auch genitivobjekt, was hältst du von jmdm., einer sache?: u830 nu gihortut ir bismarunga fon sinemo munde: uuaz thunkit iuuuih? Tatian 2191,2 S. ⟨v1022⟩ uuaz tunchet iu umbe Christ. uues sun uuânint ir ist er Notker 3,2,538 ATB. ⟨u1210⟩ Brangæne, sprich, / waz rætestu, wie dunket dich? Gottfried 410526 R. 1538 wie dünckt euch umb Cayn nu? Voith in: Ackermann/V. dr. 255 LV. 1684 was uns aber von dieser müntze düncket, haben wir schon .. an den tag gegeben Hartknoch Preussen 2,605a. ⟨v1809⟩ nun was dünkt dich von meinem projekte? Pfeffel pros. vers. (1810)7,6. ⟨1911⟩ möcht wissen, was ihm dünkt von mir und ihm? Hofmannsthal lustsp. 1,358 S. γ parenthetisch: ⟨1337⟩ truͤwe und wârheit wil zergân / in allen steten, dunket mich, / aber in Lamparten sunderlich Konrad v. Ammenhausen 8301 V. 1645 diser ort, wi mich dünket, ist gahr stolz Zesen Rosemund 95 HND. 1864 die altdeutschen gespräche, dünkt mich, verdienten eine neue behandlung Scherer brw. 87 L. ⟨1948⟩ ein umstand der ja in allen gesprächen zwischen beiden konfessionen ohnehin grade heut eine sehr bedeutende, und wie mich dünkt für beide teile nicht unfruchtbare rolle spielt Schröder ges. w. (1952)3,365. b zu wissen glauben, der überzeugung sein, von grundsätzlich wißbarem, nachprüfbarem. erheblich seltener als a: ⟨z.j.1470⟩ die mutter sol in der Faulegasse wonen, wie mich dunkt script. rer. pruss. 4,704. 1593 eins (ein faß), duncktt mich, hab Wilhelm Kreß begehrtt; doch waiß ichs auch nitt gewieß Paumgartner brw. 178 LV. 1702 mich dunckt es kehre der magnet seinen einen polum gegen norden, den andern aber gegen süden natürl. zauberb. 239. 1760 mich dünkt, daß ich es ihnen schon einmal gesagt habe br., d. neueste litt. betreffend 5,52. ⟨1873⟩ da steht unter den tapfersten meiner leute, mit einem kreuze bezeichnet, der name Sadow, mir dünkt, es war ein Deutscher C. F. Meyer 11,38 Z./Z. ungewöhnlich im sinne vonsich einer sache erinnern⟨v1723⟩ es dünkt mich ja noch gut der ersten kinderspiele Günther in: 1DWB 2,1549. c von eindrücken sinnlicher, vor allem optischer wahrnehmung: ⟨v1022⟩ taz tu scône dunchest manne, daz netuot tîn natura nîeht .., nube dero ougôn unmagen Notker 1,2,178 ATB. ⟨M13.jh.⟩ ich sihe den tagesternen, alsô dunket mich liederdichter 334 K. 1632 diese (stoffe) alle seynd rauh ohne den alaun, welcher einen glatt duncket Hörnigk saurbrunnen 16. 1790 (die) schönheit seines (eines tierchens) gesanges, der, wenn er vom menschen .. ganz genau nachgeahmt wird, unserm ohre ganz geschmacklos zu sein dünkt Kant 5,242 ak. ⟨1851⟩ dieser von unserem empfindungsvermögen .. bestimmte eindruck (eines gegenstandes) ist das bild, das uns im gedenken der gegenstand selbst dünkt R. Wagner (1871) 4,228. 1954 er erhielt nur ein schwaches lächeln zur antwort, dies aber dünkte ihn so holdselig und kindlich, daß er über den tisch hinweg ihre hand ergriff Schaper gouverneur 53. prägnant, sich einbilden: 1593 ich sehe niemandts. hat mirs denn gedaucht? sol ich recht sagen, so habe ich einen husten, vnd sich reuspern gehort Heinrich J. v. Braunschweig schausp. 44 LV. d die angemessenheit oder zweckmäßigkeit von verhaltensweisen, handlungen, intentionen beurteilen. nur unpersönlich mit prädikativer ergänzung zur angabe der bewertung. α es dünkt jmdm., -n. gut, ratsam, möglich, genug, ein zufall, daß .. u. ä.: ⟨881/2⟩ ob hiu rat thuhti, thaz ih hier geuuhti ludwigslied 34 S. ⟨u1170⟩ dat hen allen dochte gut .., dat da (in Maastricht) dat bischdume ware Heinrich v. Veldeke st. Servatius 3696 F./Sch. ⟨u1235⟩ nû dûhte in gar ein zageheit / daz er sî sô lange meit Rudolf v. Ems Alexander 461 LV. ⟨z.j.1525⟩ das daucht doch mich zuͦ viel lieder Württembergs 219 S./M. 1665 dem Sinan Bassa daugte es nicht gnug, die Mammelucken geklopfft zu haben Francisci traur-saal 1,127. 1858 es dünkt uns deßhalb doch einmal zeit, diese mitbrüderliche christenliebe .. näher in’s auge zu fassen B. Weber cartons 513. 1976 Canaris dünkte es kein zufall, daß gerade Geyr von Schweppenburg den gegenschlag der londoner waffen- attachés ausgelöst hatte Höhne Canaris 199. in der umschreibung mit lassen: 1.h14.jh. (der dieb eines goldenen bechers zu seinem erschrockenen begleiter:) nû swîc und lâ dich guot dunken engel u. waldbruder 211 Sch. A15.jh. des lat ew nicht vnpilleich dunkchen daz man ew des pitt d. tugenden b. 203 B. β im sinne eines einverständnisses: ⟨n1210⟩ ob ez iuch herren dunket guot, / sô sol uns des durch got gezemen / daz wir durch in daz kriuze nemen herzog Ernst B 1812 B. ⟨1554/62⟩ da [liesse] unnser haupttman .. dem folck fürhaltenn, ob sie für guet dünckht, so wolt er mit etlichem folckh in das lanndt zihenn Schmidel Süd-Amerika 84 LV. γ was, wie u. ä. jmdm., -n. gut dünkt u. ä., zur umschreibung einer entscheidungsfreiheit auch negativ im sinne einer anmaßung oder willkür: ⟨u1210⟩ so ratet ir ze wibe / iuwerm herren, swar iuch dunke guot Gottfried 48727 R. 1522 das wir nit thun sollen was vns gut dunckt .., sunder was vns Christus heysset vnd gebeut Cronberg 44 HND. ⟨1852⟩ daß für einen sarg der schreiner fordern dürfe, was ihm gut dünkte Holtei erz. schr. (1861)10,125. 1858 quäle dich meinethalben nicht und tue oder lasse mit Frankfurt, wie es dir gut dünkt Feuerbach br. an seine mutter 1,516 K./ U.-B. e sich dünken lassen irrtümlich glauben (anders unter 1 a α, d α): ⟨1493⟩ er soll .. nit sich losse duncken mee wissen wā seyn herrn Petrus de Crescentiis, nutzen d. dinge [1495]8d. 1528 (sie) sind durch den teuffel betrogen, das sie sich haben duͤncken lassen, sie sehen, das sie nicht sahen Luther w. 26,316 W. 1770 ietzt glaubt ein ieder, der sich dünken läßt er schreibe schön, .. er sey selbst der schöpfer der sprache Hermes Sophie 1,110. f jmdm., -n. dünkt, prägnant im sinne von ‘jmdm. gefällt, jmd. möchte: ⟨v1022⟩ sed si placet . numeremus eam (d. i. providentiam) inter eas . quas inopinabiles paulo ante docuisti. nû stôzên sia doh . ube dir iz tunche . ze dien ungeloublichên Notker 1,3,318 ATB. 1468 darū mich nicht düncket die (gefangenen) zu lassen Schlüsselfelder blumen 459 V. 1534 wenn Arcesilao ettwas gefyel, so pfleget er zuͦsagen: mich dunckets also Eppendorff Plutarch, sprüch 498. 1721 sie opferten und beteten, wenn es ihnen selbst dünkete Messerschmidt Sibirien 1,69 W. 2 fälschlich annehmen, sich einbilden, meist im sinne einer unkritischen selbstüberschätzung; refl. mit persönlichem subjekt. a sich für etwas halten: ⟨v1022⟩ sie sint aber tôt . doh sîe in selbên dunchên leben Notker 3,2,376 ATB. hs.14.jh. ez giengen zwene man in das goteshûs, durch gebetis willen. der aine dûhte sich ain rehter man, der ander was eîn ofner sundære altdt. pred. 65 W. 1524 eyn fauler dunckt sich weyser, denn sieben die do sitten leren Luther bibel 10,2,86 W. 1768 auf dem rechten wege dünken wir uns alle Lessing 10,151 L./M. 1871 einen augenblick dünkt er sich general an der spitze einer armee Foote, menschensystem 221. 1976 der .. sich autonom dünkende homo faber F. Wagner Newton 114. prägnant, nur eingebildet: 1797 so bin ich doch nur ein sich dünkender eigenthümer (dominus putativus) (als käufer eines gestohlenen pferdes), und der wahre eigenthümer hat ein recht der wiedererlangung Kant 6,301 ak. b sich etwas auf eine leistung o. ä. zugute halten, sich etwas darauf einbilden selten: 1796 (er) dünkte sich nicht wenig über das kunststück Goethe I 23,273 W. 1812 unter solchen umständen dünken sich die schäfer viel auf ihre lokalkenntniß Thaer grundsätze (1809)4,411. 3 glauben, wähnen, meinen; mit persönlichem subjekt. seltener und wohl unter einfluß von verben wie glauben, meinen: 9.jh. putabam (nos ligare manipulos in agro) uuanta duhta (gen. 37,7) ahd. gl. 1,286,71 S./S. ⟨u1370⟩ das auch nyemant dunck, das ich meins liben uaters sant Jeronimus lob durch lib reden wolle Johann v. Neumarkt 2,275 K. 1519 sie wissen adder duncken, sie haben wirdiglich vnd wol gebet (d. i. gebetet) Luther w. 2,127 W. 1654 ich wil glauben, du magst düncken (mit bezug auf leib und blut Christi in den abendmahlselementen) Logau sinnged. 494 LV. 1832 verdienst du’s besser? dünk’ es nicht Goethe I 15,142 W. 4 den anschein haben, den eindruck machen; ohne nennung einer bezugsperson. selten, mit auffälliger bezeugungslücke im älteren nhd. in unpersönlicher konstruktion, oft in eine persönliche umgesetzt: ⟨790/802⟩ ibu huuelihhiv ze suahhanne sint (von einem schüler) fona heririn mit dera furistun eruuirdii, min si keduht meer sprehhan denne piderbit (si qua requirenda sunt a priore cum summa reuerentia! ne videatur plus loqui quam expedit) benediktinerregel 209,11 S. ⟨1257⟩ ist aber ir (der ehefrau) wirt dâ heime niht, / sô diuht ez ein grôz ungeschiht, / ob si kein gast enphienge Ulrich v. Lichtenstein 609 L. 1404 daz selbe poluer sal man behalten in eyme verwesten duͤch, wan ez zumol wol dinckt zu solichen sachen v. falken, hunden u. pferden 1,162 L. 1530 das es duocht, das erttrich zyttrette under innen (den kämpfern) Morgant 108 LV. ⟨1864⟩ der weiß, wie schwierig in der nähe erscheint, was in der ferne so leicht dünkt Freytag (1886)6,61. ⟨1870⟩ wie es zweifelhaft dünken dürfte, ob .. R. Wagner (1871), 9,121. ⟨1946⟩ da mag es ein schwacher trost dünken, wenn wir sehen, wie .. Schröder ges. w. (1952)3,433. 1979 Malzacher im part des ehemannes (im film) dünkt mimisch ähnlich stereotyp frankf. rundschau 23,35.

dünken, n.

Fundstelle: Band 6, Spalte 1516, Zeile 34
DÜNKEN n.   substantivierung von dünken vb. vgl. bedeutungsähnliches gutdünken n. seit dem 17. jh. rückläufig. 1 subjektives meinen, glauben im gegensatz zum wissen und zur wahrheit: ⟨E13./A14.jh.⟩ daz ander, daz si (seele) enpfâhet von der gotheit, daz ist diu êwige wîsheit des vaters, bekantnüsse und underscheit aller dinge; sô wirt ir benomen dunken unde wênen unde gelouben, wan si ist komen ze der wârheit dt. mystiker 2,242 P. 1522 ists wunder, das Christus war sage? wiltu deynem duncken mehr glewben denn seynen wortten? Luther w. 10,1,1,493 W. 1767 in dem reiche der wahrheit giebt es keinen zweifel, keinen schein, kein dünken und meynen; sondern alles ist entschieden wahr, oder entschieden irrig und falsch Mendelssohn 3,1,118 E. ⟨1903⟩ löse sie los von der welt des truges und der trennung. siehe, die letzte leuchte verlosch! denken und dünken versank in heiliger dämmerung, die sich welterlösend über des wahnes qualen breitet Th. Mann ges. w. [1960]8,245. zur kennzeichnung der selbstüberschätzung, in der verbindung mit gut adj.: ⟨E14.jh.⟩ unnd lissest daz gute duncken under wegen / unnd woldest der demutikeid plegen Rothe keuschheit 3806 DTM. 1951 es .. kommt nur auf das sich zu gut dünken, das ausgenommensein von arbeit kraft der verfügung über fremde hinaus Adorno moralia 238. oft in präpositionaler verbindung oder als absoluter gen., nach jmds. dafürhalten: ⟨E13./A14.jh.⟩ ein hane sol kræn, ein hunt sol bellen, kerrn ein swîn / nâch dunken mîn Frauenlob sprüche 54,2 E. 1522 44. psalm, der meynß dunckenß auffs aller klerlichst und sterckist schleust, das Christus gott sey Luther w. 10,1,1,175 W. 1950 ihr habt die zukunftssucht aller männer .. abzustoßen, was bald überfällig sein wird nach eurem dünken. ob ihr recht habt, ermessen wir (frauen) nicht Gaiser stimme 284. 2 meinung ansicht. selten: 1521 diesze drey artickel hab ich auff schulrecht nur disputirt, offt bekennet, es sey mein gut duncken, ich wisse aber nichts grunds noch gewisses davon antzutzeigen Luther w. 7,455 W. 1640 daß es (ein e) allein, wenn ein vokal oder h folgen, sein soll, deuchtet ihme, mir nicht, welches düncken ist nu besser? ertzschrein 256 K.

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„dunk“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/dunk>, abgerufen am 27.11.2021.

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