Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

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aller-.

Fundstelle: Band 2, Spalte 344, Zeile 46 [Pfeifer]
ALLER-. ursprüngl. gen. plur. (selten sing., s. z.b. allerschlacht) von all indef.pron., der (1) als erstes glied in zusammenrückungen mit substantiven indefinitpronomen (1 a) und adverbien (1 b) bildet. die anfangs deutlich auf den gen. plur. weisende endung des substantivischen gliedes (s. allerhand u. vgl. z.b. mhd. allerdinge) kann in späterer zeit durch adverbiales -s ersetzt werden (frnhd. allerdings); neuerungen können gleich mit adverbialem -s gebildet sein (s. allerorts. aller- im gen. plur. mit substantiven liegt auch vor in den unter 1 c genannten bezeichnungen für kirchenfeste. hauptsächlich jedoch (2) tritt aller- bedeutungsverstärkend vor im superlativ stehende adjektive (2 a) und, allerdings weit seltener, vor superlativische adverbien (2 b). nur vereinzelt wird es auch zu positiven gestellt, vgl.: allereinzig adj.: 1803 mir zu verzeihen/ meine allereinzge lüge Herder 28,510 S. 1811 du (Marie v. Kleist) bist die allereinzige auf erden .., die ich jenseits wieder zu sehen wünsche Kleist 5,433 Sch.; allermitleidend part. adj.: 1710 das allermitleidende landes-vätterliche hertze des kaysers Köhler schles. kern-chr. 1,409. 1 aller- ‘jeder’, plur. ‘sämtliche(vgl. all indef.pron. A 2 und B). a indefinitpronomen bildend (ahd. und mhd., danach kaum neubildungen aber s. allerart):-art; -hand; -künne; -lei; -mann; -männiglich; -schlacht. b adverbien bildend (seit mhd. zeit, neubildungen noch im 19., dichterisch im 20. jh.)-dings (älter-dinge); -ecken: 1841 er .. wanderte .. der stadt zu, wo die polizeidiener .. schon allerecken .. lauerten archival. forsch. arbeiterbewegung 5,1,141 S.;-enden; -landen: ⟨1956⟩ erinnre dich! du weißt jetzt allerlanden:/ wer treu ist, wird im frühlicht heimgeführt Bachmann ged. (1966)40;-orten; -orts; -seits; -wärts; -wege(n); -weil; -zeiten: ⟨1880⟩ allerorten und allerzeiten Anzengruber 35,179 B. c bezeichnungen für kirchenfeste:-heiligen(abend, -fest, -tag); -seelen(fest, -tag). 2 bildungen mit verstärkendem aller- drücken die höchste quantität oder qualität der jeweiligen bedeutung des grundwortes im verhältnis zu allem vergleichbaren aus. der bildungstyp ist heute noch produktiv. die beleglage erlaubt jedoch keine lückenlose darstellung der einzelnen bildungen. a verstärkendes aller- bei superlativischen adjektiven, seit ahd. zeit produktiv. prinzipiell kann sich jedes superlativische adjektiv mit aller- verbinden (vgl. dazu auch z.b. die in 1DWB, Reichel Gottsched-wb. u. GWB verzeichneten bildungen, unter ihnen zahlreiche ad-hoc-bildungen ohne bezeugungskontinuität)-achtbarst: ⟨n1400⟩ Johann v. Saaz ackermann 25,19 H./J.;-allgemeinst; -alltäglichst: ⟨1840⟩ Arndt 1,300 R./M. ⟨1974⟩ Fühmann erfahrungen (1975)176; -ältest; -andächtigst: 1669 Grimmelshausen Simplicissimus 299 Sch.;-angelegentlichst: 1852 Hebbel III 4,376 W.;-angenehmst -anständigst: 1772 Lessing 2,445 L./M.;-ärgerlichst: ⟨1534⟩ (nachschr.) Luther w. 37,401 W. 1864 Hettner gesch. dt. lit. (1862)2,173;-ärgst; -ärmst; -artlichst: 1669 die aller-artlichste oder visierlichste narren Grimmelshausen Simplicissimus 130 Sch.; -aufrichtigst: 1707 Elisabeth Ch. v. Orleans br. 2,21 LV. 1743 Gottsched Bayle, wb. 3,46a;-äußerlichst: 1862 Hettner gesch. dt. lit. 1,133. 1911 Foerster schuld 58;-äußerst; -baldigst: 1807 Werner br. 2,83 F. 1847 Hebbel II 3,175 W.;-bangst: ⟨v1918⟩ Rosegger ges. w. 30(1922)108;-barmherzigst: ⟨n1400⟩ Johann v. Saaz ackermann 1,205 H./J.;-bequemst; -beschwerlichst: 1741 Gottsched Bayle, wb. 1,56b. ⟨1742⟩ Rabener s. schr. (1777)1,206; -best; -beständigst; -beständlichst beständigst, dauerhaftest: 1530 in der alre bestentlichster wyse in: Wrede altköln. sprachschatz 97b. 1544 ebd.;-beweglichst; -bewundernswürdigst: 1798 athenaeum 1,58 faks.;-billigst; -bitterst; -bösartigst: 1777 L. Mozart br. 1,311 Sch. 1847 Hebbel III 4,92 W.;-bösest; -boshaftest: 1744 Gottsched Leibniz, theodicee 148. 1755 Lessing 2,85 L./M.;-bündigst; -christlichst; -demütigst; -demütlichst: ⟨1481/2⟩ bidden .. so wir allerdiemietlichste .. kunnen (Köln) chr. dt. städte 14,929. 1499 in: Wrede altköln. sprachschatz 97b;-deutlichst -dickst 2;-dienlichst: 1522 in: Luther brw. 12,32 W. 1653 Chemnitz schwed. krieg (1648)2,765b;-dringlichst: 1741 Gottsched Bayle, wb. 1,39. 1987 eine allerdringlichste versammlung Hacks Liebkind 21;-dümmst; -dunkelst: 1727 Gottsched in: Reichel Gottsched-wb. (1909)1,106a. ⟨1839⟩ Tieck (1828)26,420; -durchlauchtigst; -dürftigst: 1832 Hebbel III 8,2 W. 1967 Seghers blau 26;-echtest: ⟨1839⟩ Tieck (1828)26,372;-edelst; -ehrerbietigst: 1750 Klopstock br. 40 L.;-eifrigst: 1741 wurden sie die allereifrigsten, den Aurelian zu verehren Gottsched Bayle, wb. 1,406a. 1873 Kudlich rückblicke 1,162;-eigenst; -eigentlichst: 1744 in dem allereigentlichsten verstande Gottsched Bayle, wb. 4,609. 1774 Hamann 3,125 N.;-einfachst; -einfältigst; -ekelhaftest: 1844 Schopenhauer 3,92 H.;-elendest; -empfindlichst; -engst: 1874 Treitschke br. 3,2,401 C. 1902 Siebs entwicklung 68;-ernstest: ⟨v1918⟩ Rosegger 30(1922)104;-erschrecklichst: 1669 Grimmelshausen Simplicissimus 67 Sch. 1705 J. Meier Smyrna 685;-ersprießlichst: ⟨1731⟩ die allerersprießlichsten dienste Gottsched Cato, in: Reichel Gottsched-wb. (1909)1,108b. 1898 Kainz br. 174 N.;-erste; -ewigst: 1669 Grimmelshausen Simplicissimus 457 Sch.;-famosest: 1786 das allerfamöseste pasquill J. G. Müller Emmerich 1/2,33;-fatalst: ⟨1841⟩ Tieck (1828)26,492; -feindst: ⟨1541⟩ (die Römer) solten die von Carthago, die jnen vorzeiten am allerfeindsten gewesen, mit aller macht vertilcken Boner Plutarch (1555)1,226a;-feinst; -fernst; -festlichst: 1451 in: Wrede altköln. sprachschatz 98a;-fettest: 1843 junge generation 78 faks.;-finsterst: ⟨1823⟩ Tieck (1828)17,236;-flachst: 1790 Gottsched war ein pedant, von der allerflachsten .. art in: Zimmermann fragm. 1,184;-fleißigst; -förderlichst: ⟨1525⟩ alle .. beschwerden .. zum allerfürderlichsten zuͦ erörtern chr. bamb. 2,24 Ch.; -freundlichst; -freundschaftlichst: 1844 Hebbel III 3,123 W.; -fröhlichst: 1472 Eyb dt. schr. 1,57 H.;-frömmst; -fruchtbarst: 1741 Gottsched in: Reichel Gottsched-wb. (1909)1,110a. 1864 eine der allerfruchtbarsten und erfolgreichsten thaten Lessing’s Hettner gesch. dt. lit. (1862)2,525;-frühest; -füglichst; -funkelnagelneuest: 1826 Hauff 5,8 F.;-fürchterlichst: 1844 Hebbel III 3,47 W.;-furchtsamst: 1374 unser allervorchtsamist (‘gefürchtetster’ ) vnd genedigister herre in: Hintner beitr. z. dt. wb. (1907)2b. 1750 bey der allerfurchtsamsten (‘scheuesten’) .. liebe ist noch einige hofnung, einmal geliebt zu werden Klopstock br. 40 L.;-garstigst: 1669 Grimmelshausen Simplicissimus 108 Sch.;-geduldigst: 1663 Pallavicino, außerles. w. 544. 1741 Gottsched Bayle, wb. 1,245; -gefährlichst; -geheimst; -gehorsamst: 1584 ohn alles wider reden auffs aller gehorsamist Ferdinand II. v. Tirol speculum 28 HND. 1669 Grimmelshausen Simplicissimus 253 Sch.;-geistreichst: 1669 die aller-geistreichste .. theologi Grimmelshausen Simplicissimus 216 Sch.;-gemeinst; -gemütlichst: v1888 Storm brw. 100 T.; -genauest; -geringst; -geschwindest: 1546 (nachschr.) Luther w. 51,143 W. 1741 Gottsched Bayle, wb. 1,647a;-getreuest; -gewaltigst: ⟨n1400⟩ Johann v. Saaz ackermann 29 H. ⟨1883⟩ Heyse [1924] I 4,394;-gewissest; -gewöhnlichst; -gleichest: 1349 (Straßb.) chr. dt. städte 9,936. 1452 strassb. zunft-verordn. 374 B.; -glückseligst; -gnädigst; -gottlosest; -grauen-haftest: ⟨1864⟩ Storm 2,292 K.;-grausamst; -greulichst; -grimmigst: 1670 Zesen in: dt. lit. 3,385 K. 1705 J. Meier Smyrna 644.;-gröbst; -großmächtigst: ⟨v1605⟩ Ayrer d. ä. 2,929 LV;-größt; -günstigst -gütigst; -härtest; -heftigst; -heiligst; -heilsamst: 1522 Luther w. 8,490 W. ⟨1725⟩ Gottsched in: Reichel Gottschedwb. (1909)1,114b;-heimlichst; -hellst; -herzlichst; -hinterst: ⟨1554/62⟩ Schmidel Süd-Amerika 113 LV;-höchst; -holdseligst; -hübschest; -huldreichst; -hurtigst: 1669 Grimmelshausen Simplicissimus 161 Sch. 1708 Walther praecepta 41 B.;-innerst; -irdischst: ⟨1905⟩ Kröger nov. (1914)1,256;-jämmerlichst: 1905 Storch wege 198;-jüngst; -kältest; -katholischst: 1868 Reuter br. 716 W. 1893 Fontane (1919)II 5,338 jub.;-ketzerischst: ⟨1531⟩ den (Apelles) heyßt Theodotion den aller ketzeristen ketzer Franck zeitb. (1536)2,94b;-keuschest; -kläglichst; -klarst; -kleinst; -klügst; -kostbarst; -köstlichst; -kraftlosest: ⟨1538⟩ Luther tischreden 4,46 W.;-kühnst; -kunstreichst: 1533/4 Aristoteles, der allerkunstreichist haid Turmair 4,2,626 ak.;-kürzest -lächerlichst; -langsamst: 1708 Walther praecepta 41 B.; -längst; -langweiligst: ⟨v1825⟩ Jean Paul in: W. Hoffmann wb. (1861)1,111a. 1985 Hacks binsen 75;-lebendigst: 1910 G. Hauptmann Quint 209;-leichtest; -leichtsinnigst: 1864 Raabe 6,223 H.;-letzt; -lieblichst; -liebseligst: ⟨v1660⟩ allerliebseeligstes hertze (anrede) Czepko geistl. schr. 172 M.;-liebst; -liederlichst: 1643 Moscherosch cura 38 HND. 1743 Gottsched Bayle, wb. 3,87a; -löblichst; -lustigst; -lustsamlichst: 1478 Niclas v. Wyle translationen 23 LV;-mächtigst; -mehrst: 1535 potissime allermerst Dasypodius dict. T 4a. 1745 unsere allermehresten handlungen J. F. Jacobi betrachtungen 2,30;-meist; -merklichst: 1725 Gottsched in: Reichel Gottsched-wb. (1909)1,118b. 1809 Goethe I 20,230 W.;-merkwürdigst; -mildest; -mindest; -modernst; -möglichst; -mutigst: ⟨1534⟩ (nachschr.) Luther w. 37,403 W.; -nachdenklichst: ⟨1835⟩ Tieck (1828)21,293;-nächst; -neuest; -neulichst; -nichtsnutzigst: ⟨1905⟩ Kröger nov. (1914)1,256; -nichtswürdigst: 1741 Gottsched Bayle, wb. 1,684b. 1755 Lessing 2,88 L./M.;-niederträchtigst: 1726 nach den trieben der allerniederträchtigsten begierden tadlerinnen 2,388 G. ⟨1887⟩ Ebner-E. 5(1905)149;-niedlichst: 1652 Harsdörffer trincirb. 176;-niedrigst -nötigst; -notwendigst; -nützest: 1525 flugschr. ref. 2,436 C. 1529 Luther bibel 12,74 W.;-nützlichst; -oberst; -ordinärst: ⟨1841⟩ Tieck (1828) 26,490;-östlichst: ⟨1949⟩ Seghers d. toten (1950)110;-prosaischst: 1864 Reuter br. 581 W.;-realst: 1781 Kant reine vernunft 583. 1844 Schopenhauer 3,400 H.; -rechtest allergerechtest: 1303/08 rechtsqu. Bremen I 2,42 E. ⟨1532⟩ daß Christus sei der allerrechteste, barmherzigste Luther tischreden 2,68 W.;-redlichst; -reichst; -reifst: 1669 Grimmelshausen Simplicissimus 216 Sch.;-reinlichst: 1524 hofordn. 1,186 K.; -reinst; -richtigst; -ruchlosest: 1743 Gottsched Bayle, wb. 3,142a. 1787? in: Schleiermacher leben in br. (1860)1,64;-sachtest: 1708 Walther praecepta 41 B.;-schädlichst: 1524 Luther w. 15,31 W. 1743 Krüger d. geistlichen 100 faks.;-schändlichst: 1541 Luther w. 51,525 W. 1741 Gottsched Bayle, wb. 1,155a;-schärfst; -schlechtest; -schleunigst: 1676 Francisci lust-haus 1270. 1808 reformministerium Stein 1,387 Sch.;-schlimmst; -schmählichst: 1521 Luther w. 8,22 W. ⟨1625⟩ kath. kirchenlieder 1,433 K.; -schmerzlichst; -schnödest: ⟨1542⟩ Sachs 3,355 LV;-schnödigst verwerflichst: 1472 vnordenlich lieb vnd vnkeuͦsche .. sein .. alten mennern vnd frawen am meysten verpotten vnd aller schnoͤdigst Eyb dt. schr. 1,13 H.;-schönst; -schrecklichst; -schwächst: 1537 Schaidenreiszer odyssea 193 W. 1741 Gottsched Bayle, wb. 1,327;-schwerst; -schwierigst: ⟨1887⟩ Ebner-E. 5(1905)251; -schwülst: ⟨1898⟩ Fontane (1919)II 2,212 jub.;-seligst; -seltenst: 1744 Gottsched Bayle, wb. 4,202a. 1841 K. A. Varnhagen tgb. (1861)1,330;-seltsamst; -sicherst; -sichtigst sichtbarst: 1710 Köhler schles. kern-chr. 1,19;-sinnlichst: ⟨v1813⟩ Wieland in: 1DWB 1,228. ⟨1860⟩ auf allersinnlichste und eigentlichste art Wackernagel kl. schr. (1872)3,249;-spätest: 1718 wir werden sie auff allerspätst biß dinstag hir haben Elisabeth Ch. v. Orleans br. 3,246 LV. 1885 C. F. Meyer 12,175 Z./Z.;-speziellst: ⟨1898⟩ Fontane (1919)II 2,264 jub.;-stärkst; -stillst: ⟨1804⟩ Tieck (1828)1,195;-streitbarst; -strengst; -submissest: 1777 gelanget an euer kaiserliche majestät allersubmissestes bitten in: br. an Bahrdt 2,27 P.;-subtilst: ⟨n1491⟩ pilgerreisen 171 R./M. 1742 Gottsched Bayle, wb. 2,7b;-sündigst: 1520 Luther w. 6,453 W.;-süßest; -tapferst: 1669 Grimmelshausen Simplicissimus 239 Sch. ⟨1727⟩ Gottsched Fontenelle, auserlesene schr. (1751)266;-teuerst; -tiefst; -tödlichst: 1521 Luther w. 8,282 W.;-tollst: ⟨1798⟩ Tieck (1828)16,109. 1873 Treitschke br. 3,2,377 C.;-torlichst: 1520 Luther w. 6,440 W.;-totest: ⟨v1867⟩ Kügelgen jugenderinn. (1870)368;-trefflichst: 1760 d. neueste aus d. anmuthigen gelehrsamkeit 575 G. 1887 Keller leben 23,518 E.;-treuest; -trivialst: 1847 Hebbel III 4,40 W. 1863 Reuter br. 519 W.; -übelst; -unausstehlichst: 1834 Mendelssohn-B. br. 2,46 M.-B.; -unbescheidenlichst: 1463 (Augsb.) chr. dt. städte 5,296;-unbeständigst: ⟨1542⟩ Luther tischreden 3,515 W.;-undeutschest: ⟨1840⟩ Arndt 1,213 R./M.;-unglaublichst: 1950 Graf mitmenschen 168;-ungleichst: 1535 Luther w. 51,214 W.;-unglücklichst: 1741 dem allerunglücklichsten liebhaber Gottsched in: Reichel Gottsched-wb. (1909)1,127a. 1841 K. A. Varnhagen tgb. (1861)1,375; -unglückseligst; -ungünstigst: ⟨1886⟩ Ebner-E. 2(1905)398;-unmittelbarst: 1864 Hettner gesch. dt. lit. (1862)2,562;-unnützest: 1669 Grimmelshausen Simpliccissimus 41 Sch. ⟨1831⟩ Tieck (1828) 22,320;-unschädlichst: ⟨1473⟩ weist. 1,142 G.;-unscheinbarst: 1690 Lohenstein in: dt. lit. 3,426 K.;-unschuldigst: 1672 Greiffenberg in: dt. lit. 3,63 K. 1725 tadlerinnen 1,148;-unterst: ⟨1625⟩ kath. kirchenlieder 1,289 K. ⟨1932⟩ Stein frauenbildung (1949)7;-untertänigst; -untreulichst: 1522 Luther w. 8,676 W.; -unüberwindlichst: 1533/4 Turmair 4,2,622 ak. 1553 Kirchmair in: font. rer. austr. I 1,419;-unvergeßlichst: 1862 Hettner gesch. dt. lit. 1,411;-unverständlichst: 1828 Tieck 1,IX; -urältest: 1772 Hamann 3,48 N.;-verdammlichst: 1778 L. Mozart br. 2,120 Sch.;-verehrungswürdigst: ⟨1797⟩ Tieck (1828)15, 277;-vermutlichst: 1676 Francisci lust-haus 846;-vernünftigst: ⟨1726⟩ Gottsched Fontenelle, welt (1738)144. 1780 Mozart br. 2,24 Sch.;-verschiedenartigst: 1862 Hettner gesch. dt. lit. 1,139;-verschiedenst; -verschmählichst allerschmählichst, verachtetst: 1495 den allerversmelichsten, bittersten doit des cruzes privatbr. d. ma. 2,115 S.;-verwunderlichst: 1819 E. T. A. Hoffmann 4,80 G. ebd. 5,44;-vollständigst: 1741 Gottsched Bayle, wb. 1,53. ⟨1798⟩ Tieck (1828)15,322;-vorderst; -vornehmst; -vorsichtigst: 1741 die allervorsichtigste schreibart wird niemals verhindern, daß sich nicht ihren lesern .. geile bilder vorstellen sollten Gottsched Bayle, wb. 1,75a. 1848 Reuter br. 295 W.;-vortrefflichst -wägest allerbest: 1293 einen solichen man .. kiesen, der zvͦ dem ammete alrebest vn̄ alrewegest si corp. altdt. originalurk. 3,104 W. 1533 Hug villinger chr. 136 LV;-wahrst: ⟨1798⟩ Tieck (1828)16,108;-wärmst; -weisest; -weitest; -wenigst; -wertest -wertvollst: 1913 wandervogel 293;-wichtigst; -widerwärtigst -wildest: 1669 Grimmelshausen Simplicissimus 141 Sch. 1733 beytr. crit. hist. 2,635 G.;-willigst: 1522 Luther w. 10,1,2,207 W. 1523 ebd. 11,253;-winzigst: 1981 Fühmann saiäns-fiktschen 128;-witzigst; -wunderbarst: 1741 Gottsched Bayle, wb. 1,206b. ⟨1804⟩ Tieck (1828)1,148;-wunderlichst; -wundersamst; -würdigst: ⟨n1400⟩ Johann v. Saaz ackermann 247 H. 1472 Eyb dt. schr. 1,99 H.;-zartest; -zärtlichst: ⟨1545⟩ (nachschr.) Luther w. 51,56 W. 1743 Gottsched Bayle, wb. 3,142b;-zierlichst. bei partizipialadjektiven, auch bildungen mit un- (seit frnhd. zeit produktiv)-abgelegenst: 1683 Beer sommer-täge 30 HND;-ausschweifendst: ⟨v1786⟩ der allerausschweifendste geschmack Mendelssohn in: Nicolai’s leben (1820)191 G.;-beleibtest: 1822 Goethe II 5,1,410 W.;-bestimmtest: 1862 Hettner gesch. dt. lit. 1,222; -betrübtest: 1663 Rist in: dt. lit. 3,719 K.;-brennendst: 1935 Abendroth Pfitzner 51;-dringendst: ⟨1830⟩ Tieck (1828)21,217; -drückendst: 1842 die allerdrückendste armuth junge generation 59 faks.;-einleuchtendst: 1845 Scheffel br. an Schwanitz (1906)35; -einnehmendst: ⟨1947⟩ Graf unruhe (1948)359;-erlesenst: 1981 Kant nagel 72;-gelehrtest: 1520 Luther w. 6,430 W. 1910 G. Hauptmann Quint 197;-geliebtest: 1758 d. neueste aus d. anmuthigen gelehrsamkeit 343 G. ⟨1803⟩ Klinger w. 11(1809)35;-geneigtest: 1669 damit er (könig) den aller-geneigtesten willen erzeige Grimmelshausen Simplicissimus 297 Sch.;-gerüstetst: 1524 erfordert die not, das jr vff das allergerüste, mit dem aller besten hergeredt gewapnet, den feinden begegnet texte Böhmens 191 W.; -reizendst: 1808 in: Schleiermacher brw. mit seiner braut 2101 M.; -schlafbringendst: 1673 Weirauch regirungs-klugheit A 2a;-unbegründetst: 1864 Scherer in: brw. Müllenhoff 46 L.;-unbekanntest: 1523 Luther w. 12,236 W. 1741 Gottsched Bayle, wb. 1,281a; -ungelegenst: ⟨1538⟩ die allerungelegeneste und unbequemeste oerter Luther tischreden 3,681 W.;-ungeteiltest: 1870 Reuter br. 754 W.; -unvermutetst: 1777 L. Mozart br. 1,256 Sch.;-unverschämtest: 1541 Luther w. 51,525 W.;-verachtetst: 1536/7 Luther tischreden 2,650 W.;-verletzendst: ⟨1825⟩ Immermann 8,57 B.;-vermaledeitest: ⟨v1872⟩ Grillparzer 513,30 S.;-verschlagenst: 1669 den aller-verschlagnesten soldaten in der welt Grimmelshausen Simplicissimus 176 Sch. b verstärkendes aller- bei superlativischen adverbien (seit ahd. zeit), in neuerer sprache (18./19. jh.) vor allem bei adverbien des typs jüngstens, meistens usw.:-achterst ganz hinten: 1270 zolest ward ich des greven gewar .. zo aller eichterst an der schar in: Wrede altköln. sprachschatz 97b;-baldest; -bast; -dickst 1;-endlichst: 1870 allerendlichst aber ist irren menschlich Keller leben 23,26 E.; -erst; -gemachst: 1470 Tschachtlan in: qu. schweiz. gesch. (1877) 1,253;-gernst; -höchstens; -jüngstens: 1867 in: Sanders erg.- wb. (1885)289a;-meist; -meistens: ⟨v1709⟩ Abraham a s. Clara weinkeller (1710)259;-mindestens; -nächstens; -öfterst: ⟨1783⟩ auf diese weise entstehen die verschloßnen geschwüre .. der lunge am alleröftersten Stoll, heilungsmethode (1787)1,120;-schierst; -schließlichst: 1853 alles, was zu schwer sein sollte, auszulassen, überhaupt möchte er allerschließlichst noch um nachsicht wegen etwaiger fehler .. gebeten haben R. Wagner tgbbl. u. br. 4759 G.; -wenigstens.

dunkel, adj.

Fundstelle: Band 6, Spalte 1501, Zeile 58
DUNKEL adj.   ahd. tunkal, mhd. tunkel. anfrk. duncal, mnl. donkel. zu germ. *dunka-la, abl. von idg. *dhem-‘stieben, rauchen’ mit gutturalerweiterung *dhengu-, dhengu̯o- ‘neblig’ mit germ. -l-suffix (neben gleichbedeutenden germ. formen mit r-suffix, s. dunker adj.). steigerungsfähig überwiegend attributiv und prädikativ verwendet, seltener adverbial (s. 1 a γ). zu den substantivierungen des adj. vgl. auch dunkel n. der anlaut t- überwiegt bis 1500, bis zum 18. jh. ist er zugunsten von d- vollständig verdrängt worden (binnendeutsche konsonantenschwächung). der stammvokal -u- im 14.–17. jh. vereinzelt mit umlaut. der guttural außer -k- bis zum 15. jh. auch -ch-, seltener -chch-, -kch-, -gk-, -ckg-, vom 14.–18. jh. häufig -ck-. im nhd. e-ausfall vor der lautkombination -le-. das wort konkurriert mit finster, auch mit düster; antonyme sind im nhd. vor allem hell, klar. 1 im bereich optischer sinneswahrnehmung. a vom mangel an licht. α finster, nicht oder nur schwach erleuchtet nur attributiv und prädikativ verwendet; antonym ist im nhd. hell: 8.jh. obscura thunchal ahd. gl. 1,221,18 S./ S. ⟨n1150⟩ der sunne .. derliuhtet den tuncheln sal litanei G 2220,16 K. 1531 auff den selben tag wirts nit liecht sein, sonder tusam vnd dunckel bibel (Zür.) 2,190b. 1768 aus der opera comique geht ein langer dunkler gang in eine enge gasse Bode Yorick 2,119. ⟨1905⟩ aber da gehen wie durch dunkle gassen Rilke (1927)2,200. 1975 auf dem treppenflur war es noch dunkel Bienek polka 29. – substantiviert, dunkelheit (vgl. dunkel n.) ⟨M14.jh.⟩ wir haben uns gestosen .. in dem tunkiln als di toden Cranc 71 Z. 1633 das liecht mit welchem man sich aus dem tunckeln findet Opitz trost ged. 74. 1973 im dunkeln sagte ich: .. es geht nur diese nacht Lenz vorbild 85. β trübe, neblig; nur attributiv und prädikativ verwendet; antonym ist im nhd. klar: 11.jh. nimbosa txnchklb (l. tunchila) ahd. gl. 2,528,13 S./S. ⟨u1285⟩ diu wolken und der lüfte kreiz / dâ wurden tunkel dur den rouch Konrad v. Würzburg trojan. krieg 40149 LV. 1661 bey klarem oder dunckelem wetter acerra philologica 339. 1768 das lange anhaltende dunkele wetter Münchhausen hausvater (1764)3,3,665. γ schwach oder gar nicht leuchtend; von lichtquellen u. ä.; antonym ist im nhd. hell: ⟨v1022⟩ sô uuîo einêr dero niderhangentôn (sterne) tunchelôro sî . danne die andere Notker 2,117 ATB. ⟨1271/86⟩ habt ir dunkel sterne gesehen Ulrich v. Etzenbach Alexander 13602 LV. 1533 zuzeyten scheint die son̄ durch die wulcken so tunckel Apianus, instrumentb. D 4b. 1753 dieses schwächere licht wäre dunkel Creutz seele 1,116. ⟨1934⟩ Capella leuchtet um einen ton dunkler als Vega Jeans, wunderwelt 7192. von da her: ⟨u1160⟩ tunchil ist diu gotes chraft ubir alle heidenscaft hochzeit 9,1 M. 1721 ob wohl das licht der wahrheit immer mehr und mehr dunckler zu werden begunte Pertsch beicht-stühle 91. – substantiviert: 1676 wenn wir das sonnen-rad starck anschauen, werden wir .. inwendig aber etwas tunckles .. sehen Francisci lust-haus 670. ⟨1932⟩ lehre von yang (= das helle und lichte) und yin (= das dunkle und schattige) Frobenius schicksalskde. (1938)126. b von gedeckter, besonders schwarzer oder brauner färbung; antonyme sind im nhd. weiß, hell, licht: ⟨v1022⟩ ein gerta glîzentiu .. tiu uuas fornahtigiu guldin . mittiu uuas sî tuncheliu . ze niderôst suarziv Notker 2,197 ATB. ⟨u1200/10⟩ manege tunkele vrouwen / sach er bêdenthalben sîn: / nâch rabens varwe was ir schîn Wolfram Parzival 720,4 L./H. ⟨1493⟩ wan ein widder tunckel ist oder schwartz der mag nimmer weyße lemlein geberen Petrus de Crescentiis, nutzen d. dinge [1495]167d. 1683 daß zu dunckel-färbung eines tuchs, welches allbereit eine farbe hat, der dunckelmachenden farbe weniger erfordert werde ars tinctoria 166. 1810 eine dunkle röthe stieg in sein antlitz empor Kleist erz. 81. 1823 dein dunkles haar Platen 3,104 K./P. 1909 er .. wischte sich mit den händen, mit denen er den griffel gespitzt hatte, die ganze augengegend dunkel Frenssen Baas 17. 1969 diese schönen dunkel glänzenden augen Hagelstange altherrensommer 216. dunkles brot roggenbrot schwarzbrot, vollkornbrot: 1976 Duden wb. dt. spr. 2,580a. dunkles bier von der durch stärker erhitztes malz hervorgerufenen farbe; sachlich nicht korrekt auch eingeschränkt auf das alkoholfreie oder -arme dunkelbraune malzbier gegensatz helles bier: 1907 dunkel kaffeebraun geröstetes malz (farbmalz) (wird) zum färben dunkler biere benutzt Meyers konv.-lex. 2,842b. 1931 Esch (trank) sein dunkles bier Broch schlafwandler 2,36. 1976 Duden wb. dt. spr. 2,580a. vor farbadjektiven (vgl. auch dunkel-): M14.jh. der Greken cleynedonge is alremeist dunckell blay ber. Orient 19 R./M. ⟨1831⟩ das nickel hat ein dunkel grünlichgraues oxyd Wöhler grundriss (1833)144. – substantiviert: 1801 immerfort soll das helle aus dunkelm zusammengesetzt seyn Goethe IV 15,190 W. 1947 rote, grüne und blaue hosen in allen schattierungen vom hell bis zum dunkel Kasack stadt 365. c von stoffen und gegenständen, besonders von flüssigkeiten, trübe, schwach durchsichtig, auch undurchsichtig; nur attributiv und prädikativ verwendet; antonyme sind im nhd. klar, durchsichtig: ⟨1150/60⟩ der luhte ein carbunkel. / der wart nie tunchel könig Rother 4594 F./K. 1568 biß das wasser gantz dunckel vnd dicklecht wird Wirsung artzneyb. 7b. 1744 einen stein, der nicht so durchsichtig, sondern dunckel ist Zimmermann Henkel, schr. 497 Z. ⟨1901⟩ nun standen die drei bis an den hals im dunklen wasser Frenssen Uhl (1917) 326. von eingeschränktem sehvermögen, schwach, trübe: ⟨u1120⟩ sin mist der uon ime (vogel) uert. der ist zeden tunchelen ougen uile guͦt jüng. physiologus 26,4 W. ⟨1576⟩ so jhme das gesicht dunckel will werden Philomusus anonymus horn (1595)13a. 1926 ein abglanz noch und hauch vor seinem schon dunkler werdenden auge Scholz Perpetua 76. 2 im bereich akustischer sinneswahrnehmung. a von tiefer tonlage, dumpf, tief klingend; antonyme sind im nhd. hoch, hell, klar: ⟨v1022⟩ sô . daz ioh tero musarum sang tunchelôra vuurte (obtusior redderetur) . fone dero lûtreisti dero timpanorum Notker 2,164 ATB (hierher?). ⟨u1227/47⟩ sîn stimme was vor clage tunkel, heiser unde riech Reinmar v. Zweter 140,2 R. 1690 es giebt hohe, klare, schnelle, fröliche, auch wiederumb niedere, dunckele, langsame, traurige stimmen und thone Simmer edelmann 4. ⟨1970⟩ eine dunkle frauenstimme ertönte Simmel Jimmy (1971)123. von der klangfarbe der hinterzungenvokale; antonym ist im nhd. hell: 1531/7 die juden .. nennen dises aͤ a obscurum ein dunckel a Ickelsamer gramm. A 7a. 1973 je weiter hinten der höchste punkt des zungenrückens ist, desto dunkler ist ein vokal Duden gramm. 28. b vereinzelt von eingeschränktem hörvermögen, schwerhörig, schwach: 1769 wo der sterbende Siegmar den bardengesang zu leise glaubt, .. Siegmar ist dem tode nah, und hört dunkler Gerstenberg rezensionen 285 DLD. 3 von 1 her übertragen auf abstrakte erscheinungen, dem entsprechend auch auf menschen hinsichtlich ihres verhaltens und ihrer äußerungen. a nicht klar. α schwierig zu verstehen, intellektuell schwer erkennbar, nicht erfaßbar; besonders von menschlichen äußerungen: 863/71 (die menschen) iz dunkal eigun funtan Otfrid I 1,8 E. hs.13./14.jh. dise rede han ich mit tuncheln worten mit iu geredet altdt. pred. 2,100 Sch. ⟨1508/16⟩ Dioclecianus us Dalmacia, gar tunkler oder niderer gepurt Brennwald schweizerchr. 1,70 L. 1601 möchte Cicero .. etwas sehr dunckel vnnd verdeckt in gericht wider Verrem reden Quad memorabilia 142. 1781 wenn in dem publicirten urtel .. etwas .. dunkel und zweydeutig ausgedrückt zu seyn scheinet corp. jur. fridericianum 1,1,118. ⟨1880⟩ der text war in üblem zustand, die schreibart dunkel und schwerfällig, mehrere wichtige materien unerörtert Dehio kunsthist. aufs. (1914)183. 1968 in ‘wer kennt seinen vater’ ist mir vieles dunkel geblieben Kaschnitz tage 124. unerforscht, vom kontinent Afrika; die vorstellungdunkelhäutig’ (dunkel 1 b) mag manchmal mit anklingen: 1878 wie viel von dem dunkeln innern Afrikas der welt noch immer unbekannt war Stanley, dunkler welttheil 1,2. 1955 als Livingstone und Stanley in das innere eines dunklen erdteils aufbrachen W. D. Müller erde 67. –substantiviert unklarheit, verborgenes: 1566 daß er (gott) wolle wohnen im dunkeln (bearbeitung) Luther tischreden 3,508 W. ⟨1771⟩ (bank,) deren ursprung im dunkeln liegt Büsch staatswirtschaft (1780)3,169. 1917 sie .. hält sich am liebsten etwas im dunkeln Krause wofür stirbt d. dt. volk 83. β vage, verschwommen, unbestimmt; vom menschlichen fühlen, denken, erfahren, handeln: 1644 daß deß Gomers bruder der sey, davon die gedichte, ist eine dünckele mutmaßung ertzschrein 270 K. 1776 beyde glaubten nun, so ganz dunkel, daß sie einander nicht gleichgültig seyen Miller Siegwart 1,349. 1808 ein unerklärliches dunkles gefühl Schubert ansichten 347. ⟨1900⟩ dunkle ahnungen von bevorstehendem unglück grenzfragen d. nervenlebens 1,53 L./K. 1976 aus dem RSHA verlautete dunkel, das nähere werde der reichsführer-SS veranlassen Höhne Canaris 448. substantiviert (vgl. dunkel n.) 1669 ohne was solches (gesinde) in dunckeln verspüret Praetorius glückstopf 69. 1951 sonst tappt die ‘vorbereitung’ völlig im dunkeln Sauer prozessrechtslehre 89. b betrübt, traurig; von seelischen empfindungen: ⟨v1022⟩ so tuncheliu herzen gab er in Notker 3,3,775 ATB. 1786 ich habe viele, viele gedancken und bin ein wenig dunckel Goethe IV 7,247 W. 1926 ich fühlte mich verlassen, dunkel, aufgegeben und war trostlos Langgässer vergänglichkeit [1954]11. hinterlistig böse; von mächten, gedanken, plänen u. dgl.: ⟨u1300⟩ gegen vinstern trube, / die uz tunkeln herzen vloz passional 39a K. 1712 an kräfften ist sie (hand) lähr, an dunck. len griffen voll J. G. Schmidt Ovid, verwandlungen 521, 1949 ein mensch in tiefer seelennot .. (wird) kaum wissen ob er aus freiem willen handelt oder ihn eine dunkle macht in den abgrund stößt Diesel jahrhundertwende 297. substantiviert, auch personifiziert: 1822 daß sie (Medea) die dunkle, sie die frevlerin Grillparzer I 2,244 S. 1935 das dunkle, bedrohende, in bösen, dämonischen kräften sich auswirkende A. Weber kulturgesch. 56. unerfreulich, unangenehm, rückständig; von zeitabschnitten, aspekten, aktionen, situationen u. dgl.; nur attributiv und prädikativ verwendet: ⟨M14.jh.⟩ das der mensche nút belibe .. uf dunkel krankheit Tauler 221 DTM. 1484 ain ellend vnd dunckels leben spiegel d. sele e 4a. 1676 unerträglich dunkles leid / bringt uns diese finsterniß Schottel hölle 73. ⟨1892⟩ als er dann des dunkeln tags gedachte, / der all sein glück begrub F. W. Weber ges. dicht. 3,355 W. 1970 das dunkelste kapitel des krieges Hagelstange alleingang 65. substantiviert: 1901 gottes vaterliebe in alles dunkle und schwere mitzunehmen Wernle anfänge 67. c verwirrt, betäubt; nur attributiv und prädikativ verwendet: ⟨u1350⟩ er sluoc den liehten Hiltegrîn / daz er muoste werden tunkel jüng. Sigenot 37,8 Sch. 1673 (die menschen,) deren verstand doch zerbrochen, tunckel und unklar ist Weirauch regirungs-klugheit C 1a. 1840 wirds mir dunkel doch und wirre Grillparzer I 5,90 S. d (abwertend) zweifelhaft, wohl nicht ganz einwandfrei, undurchsichtig; von personen, deren praktiken, von unternehmungen, beziehungen u. ä.: 1612 falsche dunckele conträct Albertinus tummel-platz 341. ⟨1868⟩ sein vater war ein schornsteinfeger gewesen, ein dunkler ehrenmann Raabe 7,140 H. 1969 hinter jeder ecke .. sah ich dunkle, lauernde gestalten Hagelstange altherrensommer 133. substantiviert, zwielicht: 1853 (in einer charakterisierung) geriet .. die hauptfigur etwas ins dunkle Grillparzer I 16,177 S. e unfreundlich, mürrisch; vom gesichtsausdruck: 1769 ihre dunkeln gesichter werden sich aufheitern Bodmer schausp. (1768)2,115. 1974 frau dr. Leumanns blick wird noch eine spur dunkler und strenger Muschg Albisser 324.

dunkel, f.

Fundstelle: Band 6, Spalte 1505, Zeile 49
DUNKEL f.   ahd. tunchalî, mhd. tunkel. abl. von dunkel adj. starke flexion. anlautverhältnisse ähnlich wie bei dunkel adj. umlautbezeichnung besonders im 16. jh. mit dunkel f. konkurrieren dunkel n. (seit dem 14. jh.), dunkelheit f. (seit dem 12. jh.) sowie die nicht lexikalisierte substantivierung von dunkel adj. (dunkles n., seit dem 14. jh.). dunkel f. ist nur bis um die mitte des 18. jhs. bezeugt. 1 eigentlicher gebrauch. a finsternis, dunkelheit; die ältesten glossenbelege wohl hierher: 8.jh. caligo tunchali ahd. gl. 1,73,36 S./S. ⟨v1022⟩ nouembrio . in demo nebel unde tuncheli ist Notker 2,94 ATB. 1472/3 piß in die dünckel der nacht Schlüsselfelder decameron 570 LV. 1755 will der poêt einem fremden staat eine gefährliche dunckle androhen crackauer-schreib-calender F 3a. b tiefe, schwarze färbung: 1543 wenn die farb vff das rot stichet, so ist sye nit so guͦt, als wenn sye ein kleine dünckele hynder ir hatt Eppendorff Plinius 127. 1715 so vergehet die dünckle (unreifer früchte beim kochen) Muralt lust-garte 48. c undurchsichtigkeit: 1678 so ferne .. das glaß von der dunckele in die durchsichtigkeit .. wiederumb verwandelt werden solte Geiszler Neri 112. speziell, getrübtheit der augen: ⟨M14.jh.⟩ du wirst plint .. . vnd zuhant viel auf in di tunkel vnd vinster cod. tepl. 3,45 K. ⟨1563⟩ die gall .. vertreybt die dünckle der ougen Forer thierb. (1583)65a. d erdbrei (? falls nicht auf in der nähe stehendes tenebras oder caligo zu beziehen) 11.jh. uligo dhunchili ahd. gl. 2,513,57 S./S. 13.jh. vligo dunchili ebd. 2,537,41. 2 übertragen. a herabsetzung: 9.jh. obfuscatio tuncali ahd. gl. 1,587,43 S./S. b unklarheit: 12.jh. enigma tunchil ahd. gl. 4,170,7 S./S. 1713 (von etwas) einen dunckelen begriff haben. (die) grade der dunckelen (sind folgende) Ch. Wolff verstand 12. c schlimmes: u1466 hat der herr bedeckt mit der tunckel (caligine) die tochter Syon (lam. 2,1) 1. dt. bibel 9,209 LV. 1539 das sie mit der dünckle der boßheit übergossen vnd geschendet Boner Orosius 51a.

dunkel, n.

Fundstelle: Band 6, Spalte 1506, Zeile 7
DUNKEL n.   substantivierung von dunkel adj. gegenüber der nicht lexikalisierten substantivierung des adj. mit starker flexion und häufig mit attribut. das wort verdrängt u. a. zusammen mit dunkelheit f. und dunkles n. (s. dunkel adj.) in nhd. zeit das ältere dunkel f. in der gegenwartssprache nur gehoben. 1 eigentlicher gebrauch. a finsternis dunkelheit: ⟨1444⟩ (da) die nacht mit jrem dunckel kam Hartlieb Allexander (1478)132a. ⟨1756⟩ (die kühe) ruhen beschirmt im dunkel der eichen Zachariä schr. (1772)2,35. 1975 Josel hatte sich im dunkel verlaufen Bienek polka 2150. b tiefe, schwarze färbung: ⟨1477⟩ zwene luchten als der liecht karfunckel, / vier von gold aen alles dunkel Wameshaft hodoeporicon 2294 B. 1752 die engel .. schwärzen die stralen mit dunkel Bodmer Noah 64. 1908 in der weise des späten Giorgione ist hell und dunkel gegeneinander gesetzt, das dunkel ziemlich tief Justi Giorgione 1,265. c trübes, undurchsichtiges: ⟨u1375⟩ abstreichen daz tunckel von den aügen Johann v. Neumarkt 3,114 K. 2 übertragen. a gedrücktheit, elend: hs.1347 herr, geruͦch .. des hertzen tunkel von vns triben kirchenlied 2,325 W. 1811 manches volk, das .. in tiefem dunkel saß J. G. Jacobi s. w. (1807)5,17. 1937 die künstlerin konnte aus dem fröhlichen beifall nicht mehr in das tragische dunkel zurück Schäfer wendekreis 135. b undurchschaubarkeit verborgenes: ⟨u1520⟩ nit suͦch das dunckel d. frawen spiegel (1522) A 4b. 1784 deren geschlecht sich in das dunkel der vorwelt verliehrt charakteristik Berl. 61. 1972 je weiter wir in das mythische dunkel der menschheitsgeschichte zurückgehen Augstein Jesus 399.

2dünkel, m.

Fundstelle: Band 6, Spalte 1506, Zeile 62
2DÜNKEL m.   wohl aus spätmhd. und mnd. zuss. mit 1dünkel- isoliert. weniger wahrscheinlich ist rückbildung aus dem von dunk m. abgeleiteten mhd. dunkelîn n. ‘schwache vermutung’ (Henzen wortbildung (1965)146), das nur ⟨u1210⟩ Gottfried 913054 R. belegt ist. – umlautlose formen begegnen bis in die 2. hälfte des 17. jhs., der umlaut herrscht vor seit mitte des 16. jhs. – seit Luther bezeugt und wahrscheinlich von ihm gebildet, im gebrauch jedenfalls von ihm entscheidend bestimmt. 1 subjektive meinung, ansicht, vorstellung. im 16. jh. stark, im 19. jh. nur noch vereinzelt bezeugt, zuletzt vor allem in der verbindung nach jmds. dünkel. a selten neutral: 1522 abba pater .. warumb tzwillingt er aber das wortt ..? ich will meynen dunckell sagen mit urlaub Luther w. 10,1,1,375 W. 1538 das daselbst der Cusanus alle die epitheta, so er dem babst zuleget, auff einen vngewissen duͤnckel laut seinen eigen wort erbawet hat Kymeus Hercules C 2b. 1669 drum sol man nicht zuviel seinem eigenen dünkel trauen, sonderen wo es möglich, auch andere mit zu rahte nehmen Schottel ethica 286. ⟨1765⟩ da es mir außer dem vaterlande wohl ergangen ist, sonderlich in Rom, wo ich völlig nach meinem eigenen dünkel gelebet habe Winckelmann br. 3,124 R. einschätzung, bewertung: 1525 es muͦs ia solch unterscheyd seyn auff erden, eyns wesen hoch, des andern nidrig. es kan nicht alles gold seyn, auch nicht alles stro. aber doch soll der dunckel gleich seyn unter disen ungleichen sachen Luther w. 17,2,56 W. b meist abwertend mit dem nebensinn des eigenwilligen oder irrigen, bei Luther und in der tradition der reformationsliteratur speziell die irrige menschliche meinung im gegensatz zur offenbarungswahrheit: 1520 nu aber, szo sententias allein hirschen, findt man mehr heydnische und menschliche dunckel, den heylige, gewisse lere der schrifft in den theologen Luther w. 6,460 W. 1544 die schwermer sind oͤffentliche luͤgener .., muͤssen auch jmer fort liegen, weil sie jrem duͤnckel mehr trawen, denn dem wort gottes ebd. 54,157. 1553 doch das kein tyrann oder bube dis verstehe, als habe ich jnen hiemit erleubet, zu vrteilen oder in sachen zu sprechen, nach jrem gefallen oder duͤnckel, wider offentliche rechte oder warheit Sarcerius ehestand 81a. ⟨1596⟩ mit was gewissen hast du doͤrffen deinen duͤnckel in die schrifft stossen vnd meine helle klare wort anders verstehen, denn sie gelautet haben Ph. Nicolai t. schr. (1617) 3,30a. 1762 daß man .. Jesu .. lehre .. nicht aus eignem dünkel vermehre und verbessere Semler hist. theol. abh. (1760)2,293. 1854 (sollte sich) der ganz unverhoffte fall ereignen, daß sich die französischen prinzen die oben festgesetzten bedingungen nicht gefallen lassen und nach ihrem eigenen dünkel separatim agiren wollen, so bliebe nichts weiter übrig, als .. die prinzen ihrem eigenen schicksal preisgeben Häusser dt. gesch. 1,428. 2 sich in hochmut und überheblichkeit äußernde einbildung vermeintlicher überlegenheit. seit mitte des 18. jhs. stark zunehmend: 1518 widder die spenstige hoffart vnnd fleyßlich vormesßen der juden. die vormeynend. sie sollen alleyn̄ gottes kinder seyn͞n .. wie dann̄ der herr zcu Nicodemo auch widder den selben duͮnckel sprach Luther w. 9,194 W. 1533 stehe nicht nach hoherm stande, vnd dencke nicht vber dein vermuͤgen .. solcher duͤnckel hat viel betrogen, vnd jre vermessenheit hat sie gestuͤrtzt ders., bibel 12,158 W. 1664 wie manchen hat sogar der dünkkel eingenommen, / daß er auch bey ihm selbst nicht kan zu schlusse kommen, / welch ansehn, welcher dienst, welch leben, welcher stand / nur seiner würdig sey Rachel ged. 73 HND. 1729 doch, nun er umgewandt, / und seit drey monden ist .. / ein großer criticus .. worden, / hat er sich solchen stoltz und dünckel zugelegt, / daß keiner fast mit ihm mehr umzugehen pflegt Abel sat. ged. 1,182. 1855 bei dem freiherrn aber gesellte sich noch der dünkel dazu, daß er sich für einen viel besseren architekten hielt, als den Schlüter Klöden Schlüter 38. 1974 daß es uns nur guttun könne, wenn wir von unserem hohen roß herunterkämen, unserem dünkel .., diesem eifersüchtig gehüteten abendländischen bewußtsein unserer werte Zeller lampenfieber 35. 3 überhebliche sich ein wissen nur einbildende person. vereinzelt: 1600 wie das werck deß philosophischen steins so gantz leichte sey, daß auch dessen ein jeder grober bawren drämel vnnd vngelehrter dünckel vnnd phantast wissenschafft haben .. könne Hippodamus irrwege 153.

3dünkel, m.

Fundstelle: Band 6, Spalte 1508, Zeile 2
3DÜNKEL m.   herkunft unsicher, aber sicher zusammenhängend mit obd. teuchel m., s. deuchel m. 1DWB, 1tüchel m. ebd., tüchel m. schweiz. id. 12,220. nur schweiz.; anlaut älter t-, seit 15. jh. daneben, seit 17. jh. nur d-. wasserleitungsrohr: 1.h14.jh. daz .. die tv́nkel in der tiefi ligen soͤnd rechtsqu. Argau I 4,34. 1778 das aufsteigen der sohle, die durch dünkel dahin geführt wird Gruner Helvetien 1,104. 1922 (ein prahlhans) het .. sich ūfg’lōn wie der chrott uf dem dünkel schweiz. id. 12,230.

4dünkel, m.

Fundstelle: Band 6, Spalte 1508, Zeile 11
4DÜNKEL m.   s. dinkel.

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„dunkel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/dunkel>, abgerufen am 07.12.2021.

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