Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

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empfinden, vb.

Fundstelle: Band 7, Spalte 1266, Zeile 54 [Peperkorn]
EMPFINDEN vb.   ahd. intfindan, mhd. enphinden, entvinden. as. antfindan, mnd. entvinden; mnl. ontvinden; ae. onfindan. präfixbildung mit ent-. mhd. überwiegen die formen en-, ent-. seit dem 14. jh. wird entf- zu empf- assimiliert, welches vom 16. jh. an überwiegt. en- ist noch im 16. jh., ent- noch bis zum beginn des 18. jhs. vereinzelt belegt. das präteritum bis zum 18. jh. gelegentlich empfund neben empfand. meist mit akkusativobjekt, bis zum 18. jh. auch häufig mit genitivobjekt. 1 etwas geistig oder sinnlich wahrnehmen: A9.jh. euuiges leohtes sceffento / leoht er selbo aller inti tak / naht noc einiga intfindanter murbacher hymnen 4,1,3 S. ⟨u1250⟩ du emphindest mîner tucke v. d. übeln wîbe 471 ATB. ⟨1439⟩ man sol einen notarien jemerlichen toten, wo man sein entpfindet, wann es (seine aussage) ist offen falsch ref. Siegmunds 304 MGH. 1532 ein hefftiger schlaf der nicht entpfindt die dornstiche Petrarca, artzney 70a. 1619 er empfindet keinen nutz von seinem schulgehen ev. schulordn. 2,219 V. 1740 diese sorte der pflantze soll sich vor allen andern am besten dazu schicken, weil sie die veränderungen der lufft am ehesten unter allen empfindet Rohr phyto-theol. 467. 1823 wohl sei ihm doch wenn er sich selbst empfindet! Goethe I 4,18 W. 1930 die nase empfindet den leicht süßlichen .. geruch Liek wunder 65. 1976 sie nahm die leeren hände zwischen die knie, empfand, daß die hände warm waren Muschg bekannte 110. in bestimmter weise auffassen, als etwas erkennen, ansehen: 1480/1 do sich nun die tuben gefangen entpfunden, do flotterten sy hin vnd her, sich zuͦ entledigen Pforr beispiele 82 LV. 1579 die setzstangen .. soll man .. also tieff inns erdrich setzen, biß das man den boden gantz hart empfinde Sebiz feldbau 461. 1671 sie entfanden den als einen jupiter, den sie für einen poeten gehalten Schott, magia 19. 1808 ach! die erscheinung war so riesen-groß, / daß ich mich recht ls zwerg empfinden sollte Goethe Faust 2,35 ak. 1901 Jesus selbst hat sich als mittler empfunden Wernle anfänge 25. 1979 nicht absetzbarer überfluß auf der einen, schmerzlich empfundener mangel auf der anderen seite frankf. rundschau 20,3. 2 fühlen, emotional erfassen: ⟨11.jh.⟩ ist einimo lide uue des inphindent alliu diu andrin in: Notker 3,1,160 ATB. ⟨1180/90⟩ wande si disen ungemach / in dem slafe enphant obd. Servatius 2833 W. ⟨1337⟩ nu empfind ich an / mir selben, das ich zornig bin Konrad v. Ammenhausen 9338 V. u1466 er enpfint sich wol zesein bey dir 1. dt. bibel 4,184 LV. 1510 so ich an gott gedenk, so enpfind ich grossen wollust granatapfel G 4b. 1648 ewer veste haben noch etwas weniger vngemachs hierauß empfunden Sohle Kichote (1928)233. 1852 die geheimräthin wittwe empfand das unangenehme der situation Alexis ruhe 5,151. 1927 ‘das ist vielleicht nicht ganz unrichtig gedacht’, empfand Johann Braun Altkirchner 92. 1976 die in der mehrheit nationalsozialistisch und großdeutsch empfindende jugend Höhne Canaris 268.

empfinden, n.

Fundstelle: Band 7, Spalte 1267, Zeile 28 [Peperkorn]
EMPFINDEN n.   mhd. enphinden. konversionsbildung zu empfinden vb. 1 wahrnehmungsfähigkeit, erkenntnisfähigkeit: ⟨1264⟩ sie (seele) gît ieglîchem glide leben und enpfinden (bearbeitung) Berthold v. Regensburg 1,98 P./S. ⟨E14.jh.⟩ wenen frëuet nicht, / bis daz enpfinden lib erkennt mönch v. Salzburg 21,11 M./R. ⟨1567⟩ sie war so gar noch nicht ohn entfinden Weyer zauberer (1571)164a. 1721 wenn er auf diese seite entweder mit der faust oder einem stock schlüge, hätte er daselbst gar kein gefühl oder empfinden Messerschmidt Sibirien 1,55 W. 1877 das empfinden, fühlen, wahrnehmen theilt er (mensch) dagegen mit seinen niederen mitgeschöpfen Helmholtz denken 9. 1962 erst bewegungsversuche der verschiedensten art .. führen zu einem sicheren, auch in der bewegung standhaltenden empfinden für das übereinander von unter- und oberkörper Jacobs bewegung 282. 2 das seelische fühlen, gefühl: ⟨E13./A14.jh.⟩ daz man denne gote als getriuwe ist, als man in dem grœsten enpfindenne wære meister Eckhart dt. w. 5,283 Q. ⟨1534⟩ (gott) scheint jetzt gnaͤdig, jetzt zornig, nach dem empfinden vnsers hertzens Franck paradoxa (o.o.u.j.) O 2b. 1790 hoheit der seele, und edles empfinden in dem, was wir das herz heissen, findet sich im vollesten maasse da, wo der mensch seiner natürlichen würde am nächsten ist Müller v. F. staatswiss. 316. ⟨1872⟩ die uebereinstimmung von sittlichkeit und glückseligkeit, d. h. von handeln und empfinden Strausz ges. schr. 6,78 Z. 1978 diese verschmutzung beleidigt nicht nur das ästhetische empfinden von menschen Schneider, klima 176. 3 wahrnehmung, erfahrung, anschauung: ⟨A/M14.jh.⟩ es ist liht von lidene ze sprechene und ze hoͤrene, es tuͦt aber vil we ein gegenwúrtiges enpfinden Seuse 367 B. 1523 der glaub thut und glaubt wieder das empfinden der natur unnd vernunfft (bearbeitung) Luther w. 12,425 W. 1669 dieses lebendige empfinden seiner blindtheit kombt allein durch den heiligen geist in unser seele Hoburg Christvs 139. 1800 da das ich im empfinden des acts sich nicht bewusst wird, bleibt nur das resultat zurück Schelling idealismus 128. 1979 die krebskrankheit .. ist in unserer aller empfinden eine krankheit zum tode gött. tagebl. 34, hochschule.

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Zitationshilfe
„empfinden“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/empfinden>, abgerufen am 27.10.2021.

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