Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

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ent-.

Fundstelle: Band 8, Spalte 1339, Zeile 23 [Horlitz, Albrand]
ENT-. die nhd. ent-verben haben sich aus zweifacher wurzel entwikkelt meist liegen ihnen bildungen mit dem präfix ant-, zum teil aber auch solche mit in- zugrunde. durch die germ. akzentfestlegung nach der entstehung der nominal-, aber vor derjenigen der verbalkomposita erscheint das in substantiven wie antlitz, antwort in voller form erhaltene ant- als verbalpräfix in gestalt einer unbetonten vorsilbe. nur die frühesten ahd. quellen bieten gelegentlich noch das ursprüngliche a. sonst liegt allgemein der durch abschwächung daraus entstandene unbestimmte murmellaut vor, der ahd. in der regel mit i, mhd., nhd. mit e wiedergegeben wird. neben ahd. int- auch die var. ent- und unt-, neben mhd. ent-, int-, ont- und unt-. – schon in frühahd. zeit entsprechen die formen mit und ohne t nur noch zum geringsten teil der ursprünglichen präfixverteilung sie spiegeln vielmehr meist jüngere lautentwicklung wider: schwund oder erhalt, unter umständen auch neueinfügung des präfixdentals sind vor allem durch die qualität des folgelautes bestimmt. vor vokal und h sind t-lose formen so gut wie nicht bezeugt. vor w, m, n, r und nachahd. l sind sie selten. die verschlußlaute haben dagegen schon im 9. jh. weitgehenden t-schwund bewirkt, dem bei stimmhaft gebliebenem b, d, g assimilation vorangegangen war (enpern, entecken, enkelten). in unmittelbarer nachbarschaft zu labialen stehendes n ist ebenfalls assimiliert worden (embern, emplündern). vor s hat eine unterschiedliche entwicklung stattgefunden: vor dem spätmhd. als ̌s erscheinenden s vor konsonanten und in der bereits im 11. jh. in denselben laut übergegangenen verbindung sk wechseln t-formen mit t-losen, wobei die ersteren außer vor sch < sk zu überwiegen scheinen. s vor vokal hat dagegen seit Notker in den allermeisten fällen ein t vor sich, das auch seit dem späten 13. jh. auftretende z-schreibungen (enzeubern für entsäubern, enzeben für entseben) bestätigen. wo, wie im omd., anlautendes vorvokalisches s stimmhaft gesprochen wurde, weisen solche schreibvar. außerdem auf auch bei dieser lautgruppe eingetretene assimilation hin. zur auffälligsten assimilationsbedingten formveränderung ist es vor f gekommen hier ist die gruppe tf zur affrikata pf, auch ph geschrieben, geworden (inphâhan schon im Tatian, zahlreichere belege, enpfremden, enpfüeren, seit 12., 13. jh.), der sich dann das vorangehende n angeglichen hat (empfallen, empfliehen). – auch wo das t ahd. völlig geschwunden war, stellen sich, für gewöhnlich ausgehend vom nfrk., ende 12. jhs., in der regel md. früher und häufiger als obd., wieder t-formen ein. dabei braucht es sich nicht in jedem fall um die wiederherstellung der ursprünglichen präfixform zu handeln. so kann z. b. das tz eines mhd. entziehen auch bloße orthographische z-var. sein. seit dem späten 13. jh. auftretende entpfüeren-, entperen-belege sind aber zweifellos als übergang von der durch reinen lautwandel entstandenen zur analogisch umgebildeten form anzusehen und lassen eine konservative, auf die wiederbzw im fall der ursprünglichen in-verben, neueinführung des weithin geschwundenen präfixdentals gerichtete entwicklungstendenz erkennen. der endpunkt dieser entwicklung ist, für die einzelnen anlauttypen unterschiedlich zwischen mitte 16. und 1. viertel 18. jhs. mit der rückgängigmachung jeglicher assimilation und der wiederherstellung des ursprünglichen grundwortanlauts erreicht. von der wiederherstellung ausgeschlossen bleiben nur die drei nicht mehr als ent-bildungen erkannten verben empfangen, empfehlen und empfinden. das archiv der göttinger arbeitsstelle des 2DWB enthält etwa 1870 bildungen mit ent-. nach dem datum der frühesten bezeugung entfallen davon auf das althochdeutsche 10% und auf das mittelhochdeutsche 27 ̇für das 15. bis 19. jh. sind jeweils rund 10% der erstbezeugungen zu beobachten, für das 20. jh. 23%. ent-verben sind untrennbar. deverbale bildungen überwiegen. die verben der gruppe 2 b schließen an be-, ver- und ein-antonyme an. unmittelbar von substantiven oder adjektiven abgeleitet sind, abgesehen von wenigen gelegenheitsbildungen, nur die verben der gruppe 3. die gruppen 6 und 7 enthalten ausschließlich bildungen, die in der jüngeren sprachgeschichtlichen entwicklung durch er- bzw. zer- abgelöst worden sind. 1 verben mit direktivem ent-. die seltenen bildungen sind durchweg früh auch in germanischen, insbesondere gotischen entsprechungen schon vorahd. bezeugt. mit ausnahme mehrerer wahrnehmungsverben erscheint der bildungstyp schon ahd., mhd. nicht mehr einheitlich. nhd. ist er auf einige vielgebrauchte einzelwörter beschränkt:-bieten, -seben. 2 verben mit aufhebung oder negierung bezeichnendem ent-. a ent- bezeichnet einen aufhebenden gegensatz zum basiswort. im hinblick auf die geringe zahl sicherer denominaler ent-abl. in vornhd. zeit werden dieser gruppe auch alle auf ein denominatives simplex beziehbare ältere bildungen zugeordnet, die möglicherweise direkt vom zugrundeliegenden substantiv oder adjektiv abgeleitet sind. in vielen fällen ist mit jüngeren umdeutungen im sinn von 3 zu rechnen:-binden, -decken A,-falten 1,-fesseln, -gürten, -hüllen, -kleiden -satteln, -schleiern, -stellen, -tarnen, -täuschen 1, 2,-waffnen 1,-zweien 1. b ent- bezeichnet einen aufhebenden gegensatz zu einer be-, ver- oder ein-bildung:-dunkeln, -geistigen, -giften, -krampfen, -loben, -motten, -puppen, -sorgen, -völkern, -zaubern. c ent- bezeichnet eine negation. vom spätahd. bis ins ältere nhd. spärlich bezeugter bildungstyp:-helfen 2,-hören 1. 3 verben mit privativem ent-. seit ahd. zeit auftretende nominalableitungen zunächst vor allem von körperteilbezeichnungen; nhd. deutlich zunehmend. nicht immer eindeutig gegen 2 abzugrenzen. für die ältere zeit nur bei fehlen einer verbalen herleitungsmöglichkeit angenommen: -arten 2,-ästen, -beinen, -gräten, -haupten, -jungfern, -kernen 1,-machten, -mündigen, -mutigen, -rätseln, -rechten, -rümpeln, -sittlichen. 4 verben mit separativem ent-. a ent- bezeichnet ‘von etwas fort oder her, aus etwas heraus-eilen, -fahren, -fallen, -fliegen, -fliehen, -führen 1, 2,-gehen 1, 2, 3,-gleiten, -kommen, -laufen 1,-lehnen, -leihen, -leiten, -locken, -nehmen B, C,-quellen, -reißen, -rücken, -schlüpfen, -schwinden, -senden, -sinken, -weichen, -wenden, -wischen, -ziehen, -zücken 1, 2, 3. b ent- bezeichnet den abstand oder die abwesenheit:-behren, -halten A,-raten 2,-stehen C. c ent- bezeichnet den perfektiv-resultativen aspekt. meist synonym neben entsprechenden ab-verben:-lohnen, -richten B,-scheiden B, C,-schichten, -sühnen. 5 verben mit inchoativem ent-. das geraten oder versetzen in einen zustand. die bildungen gehen z. t. auf alte in-bildungen zurück; vgl. imbiß neben entbeißen und germ. entsprechungen wie got. inbrannjan und mnl. inbiten-äußern, -beißen, -blößen, -brennen, -fachen -fernen, -flammen, -fremden, -leeren, -schlafen, -schlummern, -spinnen, -stehen, -unehren, -zünden, -zweien. 6 verben mit ent- als konkurrenzform zu verschiedenen er-bildungen. vereinzelte parallelbildungen zu er-verben unterschiedlicher bedeutungstypen seit mhd. zeit:-bauen, -bitten, -denken, -folgen, -götzen, -kälten, -kobern, -mangeln, -örtern, -seufzen, -sterben. 7 verben mit ent- in der bedeutungauseinander’. selten; oft neben geläufigeren zer-bildungen:-rütten, -schrunden, -spreiten, -stoßen 2.

entbieten, vb.

Fundstelle: Band 8, Spalte 1347, Zeile 70 [Arbeitsstelle]
ENTBIETEN vb.   (1) ahd. inbiotan, mhd. enbieten. as. anbiodan, mnd. en(t)bēden; mnl. nnl. ontbieden. mit einer in-bildung zusammengefallene and-zuss.? vgl. ahd. mhd. inbot n. ‘gebot, botschaft’ und synonymes (as. anbio- dan?,) mnd. anbēden; got. anabiudan, mit präfix ana-. (2) das mhd., frnhd. sehr geläufige wort ist in seiner hauptbedeutung 1 wie als synonym zu (dar-, er-bieten seit mitte des 18., in 3 seit mitte des 19. jhs. weitgehend außer gebrauch. jünger gehoben noch in den teils zu 1, teils zu 4 a zu stellenden wendungen wünsche, seinen gruß entbieten. sonst nur noch historisierend und, in 1, in randmundarten (graubünd., siebend.). 1 jmdm. etwas übermitteln: 8./9.jh. (fratres ejus ..) mandauerunt (ei dicentes:) inbutun (gen. 50,16) ahd. gl. 1,284,14 S./S. ⟨v1022⟩ Phoebo ist er (Jupiter) geuuon sînen uuillen ze offenônne, unde be dir (Merkur) ze inbîetenne Notker 2,45 ATB. ⟨1271/86⟩ dô hieschen die geste/ zins und die veste:/ Ambrâ der künc her ûz enbôt/ er het niht hêrren mê denn got Ulrich v. Etzenbach Alexander 22969 LV. 1321 wir Friderich von gotes gnaden roͤmischer kvnich .. embieten allen .. amptleuten .., den der brief gezaigt wirt, .. vnser gnad vnd alles guͤt urkb. ob d. Enns (1852)5,300. ⟨1421⟩ Athenas heist eyne grosse stat yn Krichenlande .. . do zoch Allexander vor unde entpot on yn die stat alsso ‘ich begere von uch .. das ir mich vor eynen herrn habit ..’ Rothe düring chr. 76 L. 1657 alsbald das land befreyt ..,/ liß er dem Tamaras durch schnelle post entbitten/ was ihm zu wissen noth Gryphius Catharina 332 TND. 1730 hierauf ließ die besatzung der stadt Stralsund denen einwohnern in Rügen entbieten, sich stille zu halten Wackenroder Rügen 112. 1813 so mögt ihr Bela’s bothschaft auch vernehmen,/ die euch im zorn der könig so entbietet Collin dr. dicht. 1,46. 1901 es häd-mer enbotten, es chönni nid chon (Graubünden) schweiz. id. 4,1869. 1962 ich erhebe mein glas zu ehren der Bundesrepublik Deutschland, zu ehren ihres präsidenten .., dem ich meinen herzlichen gruß entbiete und dessen liebenswürdiger besuch bei uns in bester erinnerung ist europa-arch. 17,2,D 352 C. 2 jmdm. etwas gebieten:hs. 10.jh. sizi, sizi, bina: inbot dir sancte Maria lorscher bienensegen 3 S. ⟨1276⟩ angelis suis mandavit de te ut custodiant te/ .. . sinen engeln entpot her, vrouwe sich,/ daz si solden behuten dich Brun v. Schonebeck 1567 LV. 1616 ist derwegen das schach = geben nichtes anders, alß den könig mit einem auß des gegeners funfzehen steinen öffentlich anrennen und mit dem worte schach .. zu weichen entbieten Selenus schach-sp. 120. 3 jmdn., gelegentlich auch etwas (an einen bestimmten ort) kommen lassen. die entwicklung aus 1 (durch ersparung eines nebensatzes sie sollten kommen, daß er käme u. ä.) bezeugt der mhd. allein geltende, frnhd. noch vereinzelt anstelle des akk. begegnende dat. der akk. zuerst in nl. beeinflußten quellen, vgl. mnl. ieman ontbieden⟨u1170/80⟩ hs. 14.jh. Merses waz der kunic genant;/ her inbot sinem volke in daz Crichinlant Wernher v. Elmendorf 154 ATB. 1448 das di van Prusen unde Lifflant senden sullen .. einen personen gemechtiget an den stadhalder unde rath in Holland, unde da sal man denne .. di .. personen, di her beclagen wirt, untbieten zcu antworde staatsverträge dt. orden 2,81 W. 1665 Mahomet entbeut indessen seinem sohn .. nach Marocco zu sich Francisci traur-saal 1,779. ⟨1858⟩ der fürst läßt uns zu seinem frühstück entbieten K. A. Varnhagen tgb. (1861) 14,315. 1936 nach dem erfurter kongreß .., zu dem Napoleon die von ihm in abhängigkeit befindlichen deutschen fürsten entboten hatte Dörnberg-H. Dörnberg 34. 4 bieten, erbieten, darbieten. a jmdm. etwas zuteil werden lassen, erweisen: ⟨A13.jh.⟩ ich (Maria) gedenche wol daz dv ez bist,/ der den stovp vnt den mist/ ffvrbte von des bildes wæte,/ daz vor meiner chapelle stat./ nv schæinet vil wol andir,/ der meinen svn oder mir/ ie dehæin dinest enbot,/ daz des zedehæiner not/ vnser helfe vergaz jüdel 2309 M.-B. ⟨1508/16⟩ o du torechtiger mentsch, der du dem tüfel .. göttliche er enpüttist Brennwald schweizerchr. 1,78 L. ⟨1776⟩ wie so holden gruß entbot/ mir das neue morgenrot! Bürger 1,43 W. 1976 als Nausikaa noch in edler anmut ihre reisewünsche entboten hatte und .. neue speisen aufgetragen waren, .. da war es Odysseus selbst, der den schleier des geheimnisses, der ihn umgab, lüften half Hagelstange filou 105. b jmdm. etwas anbieten: ⟨v1209⟩ Lîôn der vürste ir dicke enbôt/ sînen lîp und ouch sîn lant./ daz gienc ir allez zeiner hant Wirnt 10028 K. 1673 Zerasto liß güldene berge .. dem Aristo entbiten, wo er ihm weichen würde Kuhlmann gesch.-herold 229. 1898 habe ich allen frieden entboten, so habe ich auch jedem einzelnen die sicherheit verbürgt Spitteler 4,220 B. refl., sich zu oder als etwas erbieten, sich dazu bereit erklären: ⟨1357/87⟩ wundet einer den andern, und wirt vorfluchtic .. und ez ubernechtic ist worden, so daz er sich czu siner notwere nicht enboten hat vor gerichte: so en mac er keine notwer mer an sich genemen rechtsb. nach distinctionen 185 O. 1772 ihm wird die jüngste der charitinnen/ .. sich zur führerinn/ entbieten Ramler lyr. ged. 87. noch einmal: 1927 wer sich entbot, der kunst zu dienen, muß manches opfer auf sich nehmen Frank männerquartett 228.

ent-.

Fundstelle: Band 8, Spalte 1339, Zeile 23 [Horlitz, Albrand]
ENT-. die nhd. ent-verben haben sich aus zweifacher wurzel entwikkelt meist liegen ihnen bildungen mit dem präfix ant-, zum teil aber auch solche mit in- zugrunde. durch die germ. akzentfestlegung nach der entstehung der nominal-, aber vor derjenigen der verbalkomposita erscheint das in substantiven wie antlitz, antwort in voller form erhaltene ant- als verbalpräfix in gestalt einer unbetonten vorsilbe. nur die frühesten ahd. quellen bieten gelegentlich noch das ursprüngliche a. sonst liegt allgemein der durch abschwächung daraus entstandene unbestimmte murmellaut vor, der ahd. in der regel mit i, mhd., nhd. mit e wiedergegeben wird. neben ahd. int- auch die var. ent- und unt-, neben mhd. ent-, int-, ont- und unt-. – schon in frühahd. zeit entsprechen die formen mit und ohne t nur noch zum geringsten teil der ursprünglichen präfixverteilung sie spiegeln vielmehr meist jüngere lautentwicklung wider: schwund oder erhalt, unter umständen auch neueinfügung des präfixdentals sind vor allem durch die qualität des folgelautes bestimmt. vor vokal und h sind t-lose formen so gut wie nicht bezeugt. vor w, m, n, r und nachahd. l sind sie selten. die verschlußlaute haben dagegen schon im 9. jh. weitgehenden t-schwund bewirkt, dem bei stimmhaft gebliebenem b, d, g assimilation vorangegangen war (enpern, entecken, enkelten). in unmittelbarer nachbarschaft zu labialen stehendes n ist ebenfalls assimiliert worden (embern, emplündern). vor s hat eine unterschiedliche entwicklung stattgefunden: vor dem spätmhd. als ̌s erscheinenden s vor konsonanten und in der bereits im 11. jh. in denselben laut übergegangenen verbindung sk wechseln t-formen mit t-losen, wobei die ersteren außer vor sch < sk zu überwiegen scheinen. s vor vokal hat dagegen seit Notker in den allermeisten fällen ein t vor sich, das auch seit dem späten 13. jh. auftretende z-schreibungen (enzeubern für entsäubern, enzeben für entseben) bestätigen. wo, wie im omd., anlautendes vorvokalisches s stimmhaft gesprochen wurde, weisen solche schreibvar. außerdem auf auch bei dieser lautgruppe eingetretene assimilation hin. zur auffälligsten assimilationsbedingten formveränderung ist es vor f gekommen hier ist die gruppe tf zur affrikata pf, auch ph geschrieben, geworden (inphâhan schon im Tatian, zahlreichere belege, enpfremden, enpfüeren, seit 12., 13. jh.), der sich dann das vorangehende n angeglichen hat (empfallen, empfliehen). – auch wo das t ahd. völlig geschwunden war, stellen sich, für gewöhnlich ausgehend vom nfrk., ende 12. jhs., in der regel md. früher und häufiger als obd., wieder t-formen ein. dabei braucht es sich nicht in jedem fall um die wiederherstellung der ursprünglichen präfixform zu handeln. so kann z. b. das tz eines mhd. entziehen auch bloße orthographische z-var. sein. seit dem späten 13. jh. auftretende entpfüeren-, entperen-belege sind aber zweifellos als übergang von der durch reinen lautwandel entstandenen zur analogisch umgebildeten form anzusehen und lassen eine konservative, auf die wiederbzw im fall der ursprünglichen in-verben, neueinführung des weithin geschwundenen präfixdentals gerichtete entwicklungstendenz erkennen. der endpunkt dieser entwicklung ist, für die einzelnen anlauttypen unterschiedlich zwischen mitte 16. und 1. viertel 18. jhs. mit der rückgängigmachung jeglicher assimilation und der wiederherstellung des ursprünglichen grundwortanlauts erreicht. von der wiederherstellung ausgeschlossen bleiben nur die drei nicht mehr als ent-bildungen erkannten verben empfangen, empfehlen und empfinden. das archiv der göttinger arbeitsstelle des 2DWB enthält etwa 1870 bildungen mit ent-. nach dem datum der frühesten bezeugung entfallen davon auf das althochdeutsche 10% und auf das mittelhochdeutsche 27 ̇für das 15. bis 19. jh. sind jeweils rund 10% der erstbezeugungen zu beobachten, für das 20. jh. 23%. ent-verben sind untrennbar. deverbale bildungen überwiegen. die verben der gruppe 2 b schließen an be-, ver- und ein-antonyme an. unmittelbar von substantiven oder adjektiven abgeleitet sind, abgesehen von wenigen gelegenheitsbildungen, nur die verben der gruppe 3. die gruppen 6 und 7 enthalten ausschließlich bildungen, die in der jüngeren sprachgeschichtlichen entwicklung durch er- bzw. zer- abgelöst worden sind. 1 verben mit direktivem ent-. die seltenen bildungen sind durchweg früh auch in germanischen, insbesondere gotischen entsprechungen schon vorahd. bezeugt. mit ausnahme mehrerer wahrnehmungsverben erscheint der bildungstyp schon ahd., mhd. nicht mehr einheitlich. nhd. ist er auf einige vielgebrauchte einzelwörter beschränkt:-bieten, -seben. 2 verben mit aufhebung oder negierung bezeichnendem ent-. a ent- bezeichnet einen aufhebenden gegensatz zum basiswort. im hinblick auf die geringe zahl sicherer denominaler ent-abl. in vornhd. zeit werden dieser gruppe auch alle auf ein denominatives simplex beziehbare ältere bildungen zugeordnet, die möglicherweise direkt vom zugrundeliegenden substantiv oder adjektiv abgeleitet sind. in vielen fällen ist mit jüngeren umdeutungen im sinn von 3 zu rechnen:-binden, -decken A,-falten 1,-fesseln, -gürten, -hüllen, -kleiden -satteln, -schleiern, -stellen, -tarnen, -täuschen 1, 2,-waffnen 1,-zweien 1. b ent- bezeichnet einen aufhebenden gegensatz zu einer be-, ver- oder ein-bildung:-dunkeln, -geistigen, -giften, -krampfen, -loben, -motten, -puppen, -sorgen, -völkern, -zaubern. c ent- bezeichnet eine negation. vom spätahd. bis ins ältere nhd. spärlich bezeugter bildungstyp:-helfen 2,-hören 1. 3 verben mit privativem ent-. seit ahd. zeit auftretende nominalableitungen zunächst vor allem von körperteilbezeichnungen; nhd. deutlich zunehmend. nicht immer eindeutig gegen 2 abzugrenzen. für die ältere zeit nur bei fehlen einer verbalen herleitungsmöglichkeit angenommen: -arten 2,-ästen, -beinen, -gräten, -haupten, -jungfern, -kernen 1,-machten, -mündigen, -mutigen, -rätseln, -rechten, -rümpeln, -sittlichen. 4 verben mit separativem ent-. a ent- bezeichnet ‘von etwas fort oder her, aus etwas heraus-eilen, -fahren, -fallen, -fliegen, -fliehen, -führen 1, 2,-gehen 1, 2, 3,-gleiten, -kommen, -laufen 1,-lehnen, -leihen, -leiten, -locken, -nehmen B, C,-quellen, -reißen, -rücken, -schlüpfen, -schwinden, -senden, -sinken, -weichen, -wenden, -wischen, -ziehen, -zücken 1, 2, 3. b ent- bezeichnet den abstand oder die abwesenheit:-behren, -halten A,-raten 2,-stehen C. c ent- bezeichnet den perfektiv-resultativen aspekt. meist synonym neben entsprechenden ab-verben:-lohnen, -richten B,-scheiden B, C,-schichten, -sühnen. 5 verben mit inchoativem ent-. das geraten oder versetzen in einen zustand. die bildungen gehen z. t. auf alte in-bildungen zurück; vgl. imbiß neben entbeißen und germ. entsprechungen wie got. inbrannjan und mnl. inbiten-äußern, -beißen, -blößen, -brennen, -fachen -fernen, -flammen, -fremden, -leeren, -schlafen, -schlummern, -spinnen, -stehen, -unehren, -zünden, -zweien. 6 verben mit ent- als konkurrenzform zu verschiedenen er-bildungen. vereinzelte parallelbildungen zu er-verben unterschiedlicher bedeutungstypen seit mhd. zeit:-bauen, -bitten, -denken, -folgen, -götzen, -kälten, -kobern, -mangeln, -örtern, -seufzen, -sterben. 7 verben mit ent- in der bedeutungauseinander’. selten; oft neben geläufigeren zer-bildungen:-rütten, -schrunden, -spreiten, -stoßen 2.

entbot, n.

Fundstelle: Band 8, Spalte 1356, Zeile 37 [Horlitz, Albrand]
ENTBOT n.   ahd. in-, imbot, mhd. inbot. herkunft unklar wohl zunächst bildung mit ahd. in präp. zu ahd. bot n.meinung, auftrag’, im 17. jh. erneute bildung zu entbieten vb. unter einfluß von gebot n. befehl, ahd. mhd. auch auftrag, bescheid: 863/71 sprah ther gotes boto sar: ih scal iu (den hirten auf dem felde) sagen wuntar;/ .. ih scal iu sagen imbot, gibot ther himilisgo got Otfrid I 12,9 E. 10.jh. commonitorium .. inpot ahd. gl. 2,255,64 S./S. 2.h12.jh. ih behielt inbote diniu unde urchunde diniu windb. psalter 2,237 K. 1684 sie (schickt) .. zu ihren zweyen älteren söhnen, .. mit dem ernstlichen entbott, daß .. in: dt. lit. 3,94 K.

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Zitationshilfe
„entbieten“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/entbieten>, abgerufen am 18.10.2021.

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