Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

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ent-.

Fundstelle: Band 8, Spalte 1339, Zeile 23 [Horlitz, Albrand]
ENT-. die nhd. ent-verben haben sich aus zweifacher wurzel entwikkelt meist liegen ihnen bildungen mit dem präfix ant-, zum teil aber auch solche mit in- zugrunde. durch die germ. akzentfestlegung nach der entstehung der nominal-, aber vor derjenigen der verbalkomposita erscheint das in substantiven wie antlitz, antwort in voller form erhaltene ant- als verbalpräfix in gestalt einer unbetonten vorsilbe. nur die frühesten ahd. quellen bieten gelegentlich noch das ursprüngliche a. sonst liegt allgemein der durch abschwächung daraus entstandene unbestimmte murmellaut vor, der ahd. in der regel mit i, mhd., nhd. mit e wiedergegeben wird. neben ahd. int- auch die var. ent- und unt-, neben mhd. ent-, int-, ont- und unt-. – schon in frühahd. zeit entsprechen die formen mit und ohne t nur noch zum geringsten teil der ursprünglichen präfixverteilung sie spiegeln vielmehr meist jüngere lautentwicklung wider: schwund oder erhalt, unter umständen auch neueinfügung des präfixdentals sind vor allem durch die qualität des folgelautes bestimmt. vor vokal und h sind t-lose formen so gut wie nicht bezeugt. vor w, m, n, r und nachahd. l sind sie selten. die verschlußlaute haben dagegen schon im 9. jh. weitgehenden t-schwund bewirkt, dem bei stimmhaft gebliebenem b, d, g assimilation vorangegangen war (enpern, entecken, enkelten). in unmittelbarer nachbarschaft zu labialen stehendes n ist ebenfalls assimiliert worden (embern, emplündern). vor s hat eine unterschiedliche entwicklung stattgefunden: vor dem spätmhd. als ̌s erscheinenden s vor konsonanten und in der bereits im 11. jh. in denselben laut übergegangenen verbindung sk wechseln t-formen mit t-losen, wobei die ersteren außer vor sch < sk zu überwiegen scheinen. s vor vokal hat dagegen seit Notker in den allermeisten fällen ein t vor sich, das auch seit dem späten 13. jh. auftretende z-schreibungen (enzeubern für entsäubern, enzeben für entseben) bestätigen. wo, wie im omd., anlautendes vorvokalisches s stimmhaft gesprochen wurde, weisen solche schreibvar. außerdem auf auch bei dieser lautgruppe eingetretene assimilation hin. zur auffälligsten assimilationsbedingten formveränderung ist es vor f gekommen hier ist die gruppe tf zur affrikata pf, auch ph geschrieben, geworden (inphâhan schon im Tatian, zahlreichere belege, enpfremden, enpfüeren, seit 12., 13. jh.), der sich dann das vorangehende n angeglichen hat (empfallen, empfliehen). – auch wo das t ahd. völlig geschwunden war, stellen sich, für gewöhnlich ausgehend vom nfrk., ende 12. jhs., in der regel md. früher und häufiger als obd., wieder t-formen ein. dabei braucht es sich nicht in jedem fall um die wiederherstellung der ursprünglichen präfixform zu handeln. so kann z. b. das tz eines mhd. entziehen auch bloße orthographische z-var. sein. seit dem späten 13. jh. auftretende entpfüeren-, entperen-belege sind aber zweifellos als übergang von der durch reinen lautwandel entstandenen zur analogisch umgebildeten form anzusehen und lassen eine konservative, auf die wiederbzw im fall der ursprünglichen in-verben, neueinführung des weithin geschwundenen präfixdentals gerichtete entwicklungstendenz erkennen. der endpunkt dieser entwicklung ist, für die einzelnen anlauttypen unterschiedlich zwischen mitte 16. und 1. viertel 18. jhs. mit der rückgängigmachung jeglicher assimilation und der wiederherstellung des ursprünglichen grundwortanlauts erreicht. von der wiederherstellung ausgeschlossen bleiben nur die drei nicht mehr als ent-bildungen erkannten verben empfangen, empfehlen und empfinden. das archiv der göttinger arbeitsstelle des 2DWB enthält etwa 1870 bildungen mit ent-. nach dem datum der frühesten bezeugung entfallen davon auf das althochdeutsche 10% und auf das mittelhochdeutsche 27 ̇für das 15. bis 19. jh. sind jeweils rund 10% der erstbezeugungen zu beobachten, für das 20. jh. 23%. ent-verben sind untrennbar. deverbale bildungen überwiegen. die verben der gruppe 2 b schließen an be-, ver- und ein-antonyme an. unmittelbar von substantiven oder adjektiven abgeleitet sind, abgesehen von wenigen gelegenheitsbildungen, nur die verben der gruppe 3. die gruppen 6 und 7 enthalten ausschließlich bildungen, die in der jüngeren sprachgeschichtlichen entwicklung durch er- bzw. zer- abgelöst worden sind. 1 verben mit direktivem ent-. die seltenen bildungen sind durchweg früh auch in germanischen, insbesondere gotischen entsprechungen schon vorahd. bezeugt. mit ausnahme mehrerer wahrnehmungsverben erscheint der bildungstyp schon ahd., mhd. nicht mehr einheitlich. nhd. ist er auf einige vielgebrauchte einzelwörter beschränkt:-bieten, -seben. 2 verben mit aufhebung oder negierung bezeichnendem ent-. a ent- bezeichnet einen aufhebenden gegensatz zum basiswort. im hinblick auf die geringe zahl sicherer denominaler ent-abl. in vornhd. zeit werden dieser gruppe auch alle auf ein denominatives simplex beziehbare ältere bildungen zugeordnet, die möglicherweise direkt vom zugrundeliegenden substantiv oder adjektiv abgeleitet sind. in vielen fällen ist mit jüngeren umdeutungen im sinn von 3 zu rechnen:-binden, -decken A,-falten 1,-fesseln, -gürten, -hüllen, -kleiden -satteln, -schleiern, -stellen, -tarnen, -täuschen 1, 2,-waffnen 1,-zweien 1. b ent- bezeichnet einen aufhebenden gegensatz zu einer be-, ver- oder ein-bildung:-dunkeln, -geistigen, -giften, -krampfen, -loben, -motten, -puppen, -sorgen, -völkern, -zaubern. c ent- bezeichnet eine negation. vom spätahd. bis ins ältere nhd. spärlich bezeugter bildungstyp:-helfen 2,-hören 1. 3 verben mit privativem ent-. seit ahd. zeit auftretende nominalableitungen zunächst vor allem von körperteilbezeichnungen; nhd. deutlich zunehmend. nicht immer eindeutig gegen 2 abzugrenzen. für die ältere zeit nur bei fehlen einer verbalen herleitungsmöglichkeit angenommen: -arten 2,-ästen, -beinen, -gräten, -haupten, -jungfern, -kernen 1,-machten, -mündigen, -mutigen, -rätseln, -rechten, -rümpeln, -sittlichen. 4 verben mit separativem ent-. a ent- bezeichnet ‘von etwas fort oder her, aus etwas heraus-eilen, -fahren, -fallen, -fliegen, -fliehen, -führen 1, 2,-gehen 1, 2, 3,-gleiten, -kommen, -laufen 1,-lehnen, -leihen, -leiten, -locken, -nehmen B, C,-quellen, -reißen, -rücken, -schlüpfen, -schwinden, -senden, -sinken, -weichen, -wenden, -wischen, -ziehen, -zücken 1, 2, 3. b ent- bezeichnet den abstand oder die abwesenheit:-behren, -halten A,-raten 2,-stehen C. c ent- bezeichnet den perfektiv-resultativen aspekt. meist synonym neben entsprechenden ab-verben:-lohnen, -richten B,-scheiden B, C,-schichten, -sühnen. 5 verben mit inchoativem ent-. das geraten oder versetzen in einen zustand. die bildungen gehen z. t. auf alte in-bildungen zurück; vgl. imbiß neben entbeißen und germ. entsprechungen wie got. inbrannjan und mnl. inbiten-äußern, -beißen, -blößen, -brennen, -fachen -fernen, -flammen, -fremden, -leeren, -schlafen, -schlummern, -spinnen, -stehen, -unehren, -zünden, -zweien. 6 verben mit ent- als konkurrenzform zu verschiedenen er-bildungen. vereinzelte parallelbildungen zu er-verben unterschiedlicher bedeutungstypen seit mhd. zeit:-bauen, -bitten, -denken, -folgen, -götzen, -kälten, -kobern, -mangeln, -örtern, -seufzen, -sterben. 7 verben mit ent- in der bedeutungauseinander’. selten; oft neben geläufigeren zer-bildungen:-rütten, -schrunden, -spreiten, -stoßen 2.

entdecken, vb.

Fundstelle: Band 8, Spalte 1360, Zeile 26 [Albrand]
ENTDECKEN vb.   (1) ahd. in(t)decken, antdecken, mhd. endecken. mnd. entdecken; mnl. ontdecken, nnl. ontdekken. präfixbildung zu decken vb.nbf. entecken, mit aus -td- assimiliertem -t-, seit dem 10. jh.; mhd. häufig, nhd. noch bis ins 17. jh., besonders im obd. (2) die im 16. jh. einsetzende bedeutungsveränderung von ‘aufdecken, enthüllen’ (A) zufinden, wahrnehmen’ (B) hat semantische parallelen in verben anderer europ. sprachen, z. b. bei nl. ontdekken, mit anderem etymon z. b. it. (di)scoprire, port. descobrir, frz. découvrir, engl. discover. A aufdecken, enthüllen. im 19. jh. zurückgehend, im 20. jh. veraltet. 1 von etwas bedeckendem freimachen. a entblößen, entkleiden oft das haupt entdecken eine kopfbedeckung abnehmen: ⟨790/802⟩ (die geistlichen väter,) dea uuiszun .. andrero tolc (wunde, hier: verborgene sünde) nalles intdecchan .. offanon (qui sciant curare et sua et aliorum uulnera non detegere et publicare) benediktinerregel 253,16 S. ⟨1130/40⟩ sin (Noahs) same was inthecchet. halber lac er nacchet bücher Mosis 14 D. ⟨u1230⟩ ab dem houbet er den helm bant/ und endact sich von dem îsengwant Heinrich v. d. Türlin krone 17674 LV.hs. 15.jh. wan er sin heupt hatt endeckt Lancelot 2,18 DTM. 1538 soll man die rebstoͤck vnnd baum, die vmb die wurtzel entdeckt seind, wider zuͦdecken Herr ackerwerck 190a. 1657 wenn das entdeckte (entblößte) schwerdt nicht kan die völcker zwingen Gryphius Carolus 69 P. 1778 ist der ganze (land-)strich unter wasser in tiefem sand begraben .. 1150 ist er durch einen gewaltigen sturm .. wieder entdeckt worden geschichtforscher 6,82 M. archaisierend: ⟨1912⟩ die ratsmänner .. grüßten ihn mit entdeckten häuptern Handel-M. Schwertner [1948]1,206. b öffnen, abdecken, einen deckel, ein dach u. dgl. von etwas abnehmen. nach dem 18. jh. noch mdal. im obd. bezeugt: 863/71 sprah er (Jesus) tho zen sinen:/ ‘nemet thana sar then stein ../ intheket mir thaz ketti (grab) thes mines friuntes betti!’ (Joh. 11,39) Otfrid III 24,82 E. ⟨A13.jh.⟩ der kuster brâhte den kelch sân./ dô der kelch wart endact,/ .. Ebernand 2471 B. ⟨1492⟩ o herr, endöck myne augen, so wurd ich mercken .. die wunder, die do sind in dinem gesetz Fridolin pred. 128 Sch. 1548 an etlichen orten wurdend die stroͤuwtaͤcher entdeckt Stumpf chr. 2,418a. 1703 so daß im fallen (des turms) die halbe kirche entdecket (wurde) d. neueste v. gestern 2,23 B. 1774 ein haus, ein dach entdecken .. einen topf, ein glas entdecken Adelung wb. 1,1676. c regional im sinne von ‘abdecken kadaver beseitigen ⟨1453/4⟩ waz er (abdecker) hute abeczuhet addir entdecket cod. dipl. saxoniae regiae II 8,244 P./E. ⟨1715⟩ ein schinder entdecket das aas Rottmann philosophus (1734)93. 1774 Adelung wb. 1,1676. 2 verdecktes, verborgenes offenbar machen, zum vorschein bringen oder kommen. a sichtbar, erkennbar machen; refl. sichtbar oder erkennbar werden, sich als etwas erweisen: E8.jh. dhiu uurza dhera spaida huuemu siu uuard antdhechidiu? (radix sapientie cui reuelata est, eccli. 1,6) Isidor 115 ATB. 863/71 (daß) wir then sens intheken,/ thaz frowon lidi thine fon themo heilegen wine Otfrid II 9,5 E. ⟨u1170⟩ da al dat volc tu sach,/ den slotel (Petri) he entdeckede,/ di hant he ut reckede (clavem .. dextra gerebat) Heinrich v. Veldeke st. Servatius 2745 F./Sch. ⟨u1300⟩ got unser herre entacte/ vil kurzeliche daz mere/ wes dit heubt were/ daz sich alsus schowen lie passional 195,16 H. 1533 der mon, mit schoͤnerem liecht herfür scheynende, entdecket die kommenden Pinicianus Scanderbeg 142b. 1668 da habe sich ihnen (seglern) allererst, zu beyden seiten deß wassers, die schönste landschafft von der welt entdeckt Francisci lust-garten 506b. 1729 das allerverächtlichste würmgen entdecket die kunst der natur .. am allervollkommensten G. Ch. Wolf Swift, tonne 2,123. 1847 das unbeachtete .. entdeckte sich als schwerpunkt der dinge Stifter ges. w. (1959)3,391 S. b entlarven, einen betrug, eine verschwörung aufdecken: E8.jh. ni nemant gaumun muotes blinde dhero iro chiliihsamono lugino antdhecchidero (nec adtendunt mente cecati simulationis sue mendacia detegi) Isidor 595 ATB. ⟨u1300⟩ swie vil er doch enttecte/ mit siner scharfen sinne grift/ die valscheit an irre (ketzerischen) schrift passional 435a K. 1531 dannn zuͦmal ist des Silonis betrug entdeckt worden Hedio Josephus 2,19b. 1680 sr. Waller hat .. ein neues complot der papisten entdecket d. neueste v. gestern 1,109 B. 1766 aber eben diese eitle begierde zu verschönern .. entdeckt ihn (den nachahmer Vergils) Lessing 9,38 L./M. 1860 Swift’s beschreibung der ‘fürchterlichen verschwörung, die Atterbury’s französischer hund entdeckt habe’ Chrysander Händel (1858)2,210. c sich, etwas ohne deckung, ungeschützt dem feind darbieten. militärisch: ⟨1301/19⟩ daz si (krieger in der festung) sich ninder entecken/ mohten noch enplecken/ vor der vinde angesiht Ottokar öst. reimchr. 28702 MGH. 1570 einen (fechter) von wegen entdeckter bloͤsse getroffen J. Meyer fechten 1,4a. ⟨1697⟩ die .. in dem chemin couvert gemachte wercke müssen mit dem gang des bedeckten weges horizontal und gleich lauffen, damit man in demselben nicht entdecket sey Gruber friedens-schule (1702)275. d die zeit entdeckt es enthüllt es. phraseologisch: 1591 hab yedoch sorg, sich .. (die abreise) verziehen möchtt, enttdecktt die zeitt Paumgartner brw. 113 LV. 1789 (man) freut sich, wenn die zeit entdeckt, was er (der kluge fürst)/ im stillen lang bereitet und vollbracht Goethe Tasso 1,28 ak. 3 jmdm. verborgenes, geheimes mitteilen. a erläutern, bekanntgeben refl. sich jmdm. zu erkennen geben: 863/71 iz (evangelium Joh. 21) Augustinus rechit joh filu kleino inthekit Otfrid V 14,27 E. ⟨1160/70⟩ nv wil ich iv entechen/ war vmbe man den gewalt (als attribut gottes)/ an den rat habe gizalt anegenge 5,80 H. ⟨1455/70⟩ ich .. erkenne vch wol .. ir sint herr Pontus .. endeckent vch vor mir Pontus 180 TSM. 1586 das ich .. allgemeiner christenheit meinen vnbillichen zustand durch ein publiciertes ausschreiben offenbaren vnd entdecken solte G. Müller handel A3b. 1626 da Artaxerxes das vernam, schwieg er still, entdecket niemand sein vorhaben Gottfried Sardi, fortification (1623) 1,101. ⟨1783⟩ doch kömt mir dieser (reiseweg) zu weit und langwierig vor; wenn sie (anrede) einen bessern wissen, so entdecken sie mir ihn Heinse 10,226 Sch. 1831 ungern entdeck’ ich höheres geheimniß. –/ göttinnen thronen hehr in einsamkeit,/ .. von ihnen sprechen ist verlegenheit Goethe I 15,1,70 W. archaisierend: 1976 da entdeckte er sich ihnen (Odysseus seinen knechten) Hagelstange filou 178. b jmdm. etwas anvertrauen, gestehen, hinterbringen: hs.M/E12.jh. von der sach (beichte) di scrift sprechende. dv indech dī herren den wec din (revela ad dominum viam tuam, ps. 36,5) regula st. Benedicti 20 S. ⟨2.h13.jh.⟩hs.u1430 dieselb (jungfrau) was die jhene, der sie ir heimlicheit allermeyst endeckt hatt Lancelot 2,227 DTM. 1581/91 ich mag mein hertz mit kainem schreiben gegen euch recht entdecken oder offenbar machen älteste chr. hutter. brüder 120 Z. 1673 (er) bediente sich der ersten gelegenheit, der Aprite seine liebe zu entdecken Anton U. v. Braunschweig Aramena (1669)5,214. 1786 wobey er drohte, alles dem nabob zu entdecken Archenholtz Engländer (Leipz.)2,193. 1850 ihnen entdeckt’ ich mich, Wildungen, weil ich sie liebgewann Gutzkow ritter 2,163. ⟨1963⟩ sie .. entdeckte ihm ihre vorliebe für billiges zuckerzeug Ch. Wolf himmel (1964)101. B finden, wahrnehmen. hauptgebrauch seit dem 18. jh. 1 neues, unbekanntes als erster erforschen, erschließen. geographisch, wissenschaftlich: 1566 wie dann derselben (inseln) sehr viel erst .. in dieser letzten portugallesischen schiffung sind entdeckt vnd kundtlich worden Alvares, priester Johan 24 (übersetzung aus dem portugies. und it.). 1598 sandte er (Columbus) seinen bruder Barthel zu dem koͤnig von Engelland, .. mit jhm zu handlen, daß er jhm schiff thet Indien zu entdecken Löw meer oder seehanen buch 2. 1683 nachdem aber das secret von unsern scharlachkörnern entdecket worden, und man gesehen, daß daraus eine viel schönere purpurfarbe .. gemachet werden könte ars tinctoria 270. 1790 daß es ihm gelungen sey, ein neues und zuverläßiges mittel gegen diese fürchterliche seuche zu entdecken Forster 7,104 ak. ⟨1864⟩ (die arbeit der gelehrten) hilft .., neue maschinen erfinden und neue culturpflanzen entdecken Freytag (1886)6,70. 1988 im labor Metcalfs wurden schließlich alle vier wachstumsfaktoren der maus .. entdeckt und chemisch analysiert frankf. allg. ztg. 262,N 1. 2 etwas plötzlich, überraschend bemerken. a verborgenes, gesuchtes ausfindig machen. älter auskundschaften, sichten: ⟨1616⟩ wann er (Caesar) verstanden hatte, was seine .. kundschaffers vom feindt vernommen vnd newes hatten, steig er vff ein gutes pferdt, vnd gieng selbsten, solches zu erfahren vnd zu entdecken Wallhausen militia (1617)39. 1689 welcher (arzt) nachdem er mit einer spatel den mund visitiret, .. zwey löcher oberhalb der kehle .. entdeckte, und mich .. der spanischen pocken gewiß versicherte Blankaart, Venus 226. 1767 die kunst, vergrabene schätze zu entdecken Eisenhart erz. 1,197. 1836 nachmittags ward (vom schiff aus) land entdeckt Chamisso w. 1,236. 1885 wie ist es möglich .. daß eure flucht nicht entdeckt ward Dahn nonnen 18. 1968 (er) wandte sich nach allen seiten um, entdeckte niemanden Jens nein 60. einen straftäter fassen, ein verbrechen aufklären. im anschluß an A 2 b 1731 wenn die richter .. sehr fleissig und wachsam sind, die missethäter von dieser gattung zu entdecken Rohr bürgerl. recht 166. 1936 obgleich natürlich die kriminalstatistik nur die entdeckten und nicht die begangenen verbrechen zählen kann H. Mayer strafrecht 48. 1975 die mörder (Theodor Lessings) sind nie entdeckt worden H. Mayer aussenseiter 416. b auf etwas unvermutetes stoßen, etwas zum ersten mal sehen, erkennen: 1668 (die an land gehenden segler) haben .. keine (menschen) funden: jedoch haben sie ein frisches wasser entdecket Francisci lust-garten 992b. 1788 man entdeckt von zeit zu zeit an dem, was da ist, neue seiten Reinhard moral 1,374. ⟨1890⟩ wie kam’s, daß du dein talent (zur sängerin) entdecktest? Sudermann dr. w. (1923)4,29. 1978 Lackner entdeckte nun plötzlich, daß er mit einer vermögenden frau verheiratet war Bieler kanal 14. c die begabung eines unbekannten künstlers erkennen, ihn fördern, bekanntmachen: ⟨1854⟩ heute soll er beide werke hören, .. von selbst entdecken die leute niemanden Brahms br. 1,51 L. 1972 wo der französische dirigent .. den siebzehnjährigen (geiger) entdeckte Giesen flügel 125.

ent-.

Fundstelle: Band 8, Spalte 1339, Zeile 23 [Horlitz, Albrand]
ENT-. die nhd. ent-verben haben sich aus zweifacher wurzel entwikkelt meist liegen ihnen bildungen mit dem präfix ant-, zum teil aber auch solche mit in- zugrunde. durch die germ. akzentfestlegung nach der entstehung der nominal-, aber vor derjenigen der verbalkomposita erscheint das in substantiven wie antlitz, antwort in voller form erhaltene ant- als verbalpräfix in gestalt einer unbetonten vorsilbe. nur die frühesten ahd. quellen bieten gelegentlich noch das ursprüngliche a. sonst liegt allgemein der durch abschwächung daraus entstandene unbestimmte murmellaut vor, der ahd. in der regel mit i, mhd., nhd. mit e wiedergegeben wird. neben ahd. int- auch die var. ent- und unt-, neben mhd. ent-, int-, ont- und unt-. – schon in frühahd. zeit entsprechen die formen mit und ohne t nur noch zum geringsten teil der ursprünglichen präfixverteilung sie spiegeln vielmehr meist jüngere lautentwicklung wider: schwund oder erhalt, unter umständen auch neueinfügung des präfixdentals sind vor allem durch die qualität des folgelautes bestimmt. vor vokal und h sind t-lose formen so gut wie nicht bezeugt. vor w, m, n, r und nachahd. l sind sie selten. die verschlußlaute haben dagegen schon im 9. jh. weitgehenden t-schwund bewirkt, dem bei stimmhaft gebliebenem b, d, g assimilation vorangegangen war (enpern, entecken, enkelten). in unmittelbarer nachbarschaft zu labialen stehendes n ist ebenfalls assimiliert worden (embern, emplündern). vor s hat eine unterschiedliche entwicklung stattgefunden: vor dem spätmhd. als ̌s erscheinenden s vor konsonanten und in der bereits im 11. jh. in denselben laut übergegangenen verbindung sk wechseln t-formen mit t-losen, wobei die ersteren außer vor sch < sk zu überwiegen scheinen. s vor vokal hat dagegen seit Notker in den allermeisten fällen ein t vor sich, das auch seit dem späten 13. jh. auftretende z-schreibungen (enzeubern für entsäubern, enzeben für entseben) bestätigen. wo, wie im omd., anlautendes vorvokalisches s stimmhaft gesprochen wurde, weisen solche schreibvar. außerdem auf auch bei dieser lautgruppe eingetretene assimilation hin. zur auffälligsten assimilationsbedingten formveränderung ist es vor f gekommen hier ist die gruppe tf zur affrikata pf, auch ph geschrieben, geworden (inphâhan schon im Tatian, zahlreichere belege, enpfremden, enpfüeren, seit 12., 13. jh.), der sich dann das vorangehende n angeglichen hat (empfallen, empfliehen). – auch wo das t ahd. völlig geschwunden war, stellen sich, für gewöhnlich ausgehend vom nfrk., ende 12. jhs., in der regel md. früher und häufiger als obd., wieder t-formen ein. dabei braucht es sich nicht in jedem fall um die wiederherstellung der ursprünglichen präfixform zu handeln. so kann z. b. das tz eines mhd. entziehen auch bloße orthographische z-var. sein. seit dem späten 13. jh. auftretende entpfüeren-, entperen-belege sind aber zweifellos als übergang von der durch reinen lautwandel entstandenen zur analogisch umgebildeten form anzusehen und lassen eine konservative, auf die wiederbzw im fall der ursprünglichen in-verben, neueinführung des weithin geschwundenen präfixdentals gerichtete entwicklungstendenz erkennen. der endpunkt dieser entwicklung ist, für die einzelnen anlauttypen unterschiedlich zwischen mitte 16. und 1. viertel 18. jhs. mit der rückgängigmachung jeglicher assimilation und der wiederherstellung des ursprünglichen grundwortanlauts erreicht. von der wiederherstellung ausgeschlossen bleiben nur die drei nicht mehr als ent-bildungen erkannten verben empfangen, empfehlen und empfinden. das archiv der göttinger arbeitsstelle des 2DWB enthält etwa 1870 bildungen mit ent-. nach dem datum der frühesten bezeugung entfallen davon auf das althochdeutsche 10% und auf das mittelhochdeutsche 27 ̇für das 15. bis 19. jh. sind jeweils rund 10% der erstbezeugungen zu beobachten, für das 20. jh. 23%. ent-verben sind untrennbar. deverbale bildungen überwiegen. die verben der gruppe 2 b schließen an be-, ver- und ein-antonyme an. unmittelbar von substantiven oder adjektiven abgeleitet sind, abgesehen von wenigen gelegenheitsbildungen, nur die verben der gruppe 3. die gruppen 6 und 7 enthalten ausschließlich bildungen, die in der jüngeren sprachgeschichtlichen entwicklung durch er- bzw. zer- abgelöst worden sind. 1 verben mit direktivem ent-. die seltenen bildungen sind durchweg früh auch in germanischen, insbesondere gotischen entsprechungen schon vorahd. bezeugt. mit ausnahme mehrerer wahrnehmungsverben erscheint der bildungstyp schon ahd., mhd. nicht mehr einheitlich. nhd. ist er auf einige vielgebrauchte einzelwörter beschränkt:-bieten, -seben. 2 verben mit aufhebung oder negierung bezeichnendem ent-. a ent- bezeichnet einen aufhebenden gegensatz zum basiswort. im hinblick auf die geringe zahl sicherer denominaler ent-abl. in vornhd. zeit werden dieser gruppe auch alle auf ein denominatives simplex beziehbare ältere bildungen zugeordnet, die möglicherweise direkt vom zugrundeliegenden substantiv oder adjektiv abgeleitet sind. in vielen fällen ist mit jüngeren umdeutungen im sinn von 3 zu rechnen:-binden, -decken A,-falten 1,-fesseln, -gürten, -hüllen, -kleiden -satteln, -schleiern, -stellen, -tarnen, -täuschen 1, 2,-waffnen 1,-zweien 1. b ent- bezeichnet einen aufhebenden gegensatz zu einer be-, ver- oder ein-bildung:-dunkeln, -geistigen, -giften, -krampfen, -loben, -motten, -puppen, -sorgen, -völkern, -zaubern. c ent- bezeichnet eine negation. vom spätahd. bis ins ältere nhd. spärlich bezeugter bildungstyp:-helfen 2,-hören 1. 3 verben mit privativem ent-. seit ahd. zeit auftretende nominalableitungen zunächst vor allem von körperteilbezeichnungen; nhd. deutlich zunehmend. nicht immer eindeutig gegen 2 abzugrenzen. für die ältere zeit nur bei fehlen einer verbalen herleitungsmöglichkeit angenommen: -arten 2,-ästen, -beinen, -gräten, -haupten, -jungfern, -kernen 1,-machten, -mündigen, -mutigen, -rätseln, -rechten, -rümpeln, -sittlichen. 4 verben mit separativem ent-. a ent- bezeichnet ‘von etwas fort oder her, aus etwas heraus-eilen, -fahren, -fallen, -fliegen, -fliehen, -führen 1, 2,-gehen 1, 2, 3,-gleiten, -kommen, -laufen 1,-lehnen, -leihen, -leiten, -locken, -nehmen B, C,-quellen, -reißen, -rücken, -schlüpfen, -schwinden, -senden, -sinken, -weichen, -wenden, -wischen, -ziehen, -zücken 1, 2, 3. b ent- bezeichnet den abstand oder die abwesenheit:-behren, -halten A,-raten 2,-stehen C. c ent- bezeichnet den perfektiv-resultativen aspekt. meist synonym neben entsprechenden ab-verben:-lohnen, -richten B,-scheiden B, C,-schichten, -sühnen. 5 verben mit inchoativem ent-. das geraten oder versetzen in einen zustand. die bildungen gehen z. t. auf alte in-bildungen zurück; vgl. imbiß neben entbeißen und germ. entsprechungen wie got. inbrannjan und mnl. inbiten-äußern, -beißen, -blößen, -brennen, -fachen -fernen, -flammen, -fremden, -leeren, -schlafen, -schlummern, -spinnen, -stehen, -unehren, -zünden, -zweien. 6 verben mit ent- als konkurrenzform zu verschiedenen er-bildungen. vereinzelte parallelbildungen zu er-verben unterschiedlicher bedeutungstypen seit mhd. zeit:-bauen, -bitten, -denken, -folgen, -götzen, -kälten, -kobern, -mangeln, -örtern, -seufzen, -sterben. 7 verben mit ent- in der bedeutungauseinander’. selten; oft neben geläufigeren zer-bildungen:-rütten, -schrunden, -spreiten, -stoßen 2.

entdenken, vb.

Fundstelle: Band 8, Spalte 1364, Zeile 13 [Albrand]
ENTDENKEN vb.   präfixbildung zu denken vb. 1 seine gedanken auf etwas hinlenken, sich bedenken: ⟨1567⟩ sie (gerichtspersonen, denen der müller ein essen auszurichten hat) sollen sich dan entdenken, ob der müller dan also gethan habe, alss es sich gebühret weist. 2,583 G. 2 seine gedanken von etwas abwenden, etwas vergessen, sich wegdenken: ⟨1609⟩ etzliche, deren nahm ihme aber itzo entdacht Vilmar Kurhessen (1868)70. 1782 entdenke dich einmal den allzu groben sinnen/ und fleuch an meiner hand bis an die quelle hin Withof academ. ged. 1,274.

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Zitationshilfe
„entdenken“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/entdenken>, abgerufen am 25.10.2021.

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