Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

enterben, vb.

Fundstelle: Band 8, Spalte 1367, Zeile 63 [Peperkorn]
ENTERBEN vb.   ahd. interben, mhd. enterben. mnd. enterven; mnl. nnl. onterven; afrs. ontervia. abl. von erbe n. 1 als erblasser jmdn. von einem in aussicht gestellten oder im erbfall zustehenden besitz ausschließen: 9.jh. (exheredes) anarpta ahd. gl. 2,172,36 S./S. hs.M/E12.jh. daz nit ainich irzurnit der vatir sine nit etswenne svne interbe regula st. Benedicti 13 S. 1472 ist schwer vnd nit zuleiden, so der son von dem vater on redlich vnd rechtlich vrsach enterbet wirt Eyb dt. schr. 1,22 H. ⟨1607⟩ vatter vnd muͦter aber habend nit gwalt, einiche irer eelicher kinden gar zu enterben vnd sines erbtheils gar zuberouben dan allein vß hienach geschrybnen vrsachen rechtsqu. Argau I 4,304. 1759 weswegen sein oheim, ein aberglaubischer papist, ihn enterbet, und um einen grossen reichthum gebracht hat Stevens, reise 227. 1840 jetzt ist er von seiner reichen frau getrennt, vom großonkel enterbt Nestroy 10,296 B./R. 1977 Sophie, was hast du empfunden, als dein vater dich enterbte Cordes haus 181. 2 jmdm. seinen erlangten oder ihm rechtlich zustehenden besitz wegnehmen, entziehen; nach dem 16. jh. selten: ⟨n1150⟩ daz wir mit dinem uæterlichin segene/ des tieuels uns irwergen,/ ê er uns des richis mug enterben/ daz uns din selbis tot intsloz litanei G 2235,35 K. u1390 ist daz Allexander/ kompt in dicz land her,/ er tut uns verderben,/ an land und leut enterben grosser Alexander 6020 DTM.hs. 1550/5 der chur hatt man ihn enterbt volks- u. gesellschaftslieder 71 DTM. 1633 so kündigten auch anno 1599. auff dem landtag zu Stockholm die stände in Schweden jhrem könig Sigismundo die regierung gäntzlich auff vnd enterbten jhn aller trew vnd gehorsam, mit welcher sie jhm verpflichtet waren Neumayr auffstand 156. 1854 es ist freilich unrecht von einem alten siebenzigjährigem manne, daß er sich untersteht, wieder zu hause zu kommen und von seinem alten platze besitz zu nehmen, nachdem man für gut befunden hatte, diesen platz zu besetzen und ihn förmlich zu enterben! Fritze erinnerungsbl. 17. ⟨1955⟩ denn normal, denkt man, ist es doch, oder müßte es sein, daß sich millionen menschen nicht durch jahrtausende von einer handvoll oberschicht beherrschen, ausbeuten, enterben lassen Bloch hoffnung (1959) 1,551. seit der mitte des 19. jhs. im häufig substantivierten part. prät. für die besitz- und rechtlosen mitglieder der gesellschaft: ⟨1862⟩ der vierte stand (ist) der letzte und äußerste, der enterbte stand der gesellschaft Lassalle ges. reden u. schr. 2,186 B. 1908 dies entspricht im soziologischen typus genau den kommunistischen bewegungen des altertums, in denen es auch nicht auf abschaffung des privateigentums, sondern auf grösseren anteil an ihm seitens der enterbten abgesehen war Simmel soziologie 218. 1956 so wie er (kampf) angelegt war und geführt wurde, hatte er den charakter einer auflehnung der enterbten, eines aufruhres gegen eine überkommene ordnung Blühdorn beziehungen 272.

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Zitationshilfe
„enterben“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/enterben>, abgerufen am 22.10.2021.

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