Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

entsprieszen, vb.

Fundstelle: Band 8, Spalte 1505, Zeile 55 [Arbeitsstelle]
ENTSPRIESZEN vb.   mhd. entspriezen. mnd. entsprēten, -sprūten; nnl. ontspruiten. präfixbildung zu sprießen vb. – flexion als starkes vb. II.seit dem 17. jh. vornehmlich gehoben. 1 hervorgehen aus. seit dem 18. jh. mit dativobjekt anstelle der sonst geläufigen präpositionalen fügungen mit aus, von. a aus etwas hervorsprießen, -wachsen, aus dem boden sprießen. häufig bildlich: ⟨n1190⟩ vf dem gefilde/ wart zv tretet daz gras/ daz ein teil entsprozzen was Herbort 8764 F. ⟨u1400⟩ frow, du bist mîn bluejender hag,/ entsprossen in mim hertzen Hugo v. Montfort 1,26 W. 1657 ich weiß ein liebes blümelein/ mit gottes thau begossen,/ in einem jungfräulichen schrein/ zur winters=zeit entsprossen Silesius seelenlust 44 HND. 1788 dem, der kahlen felsenwänden/ blümchen oft entsprießen läßt Langbein ged. 158. 1815 der keim der freiheit, welcher tief/ entsproß in menschenbrust Schenkendorf ged. 119. 1939 wer sich den trügerischen blüten, die dem sumpf entsprossen waren, nahte, verfiel dem banne, der die niederung regiert E. Jünger marmor-klippen 60. b aus etwas hervorgehen, entstehen, sich entwickeln: ⟨E13.jh.⟩ ich wart hôher fröiden hûsgenôz,/ dô mir gap diu gar gehiure/ stiure hiure, des mîn wunne ent- sprôz liederdichter 56 K. ⟨1526/37⟩ das nymand heymlich oder vffinbar worte awsgehen lasse, dor durch zwaispaltikait oder vffrur .. entsprissen müchte mon. hist. warm. 8,459. 1645 was von erleuchtem geist hochsinnig ist entsprossen Harsdörffer gesprechsp. (1641)5,275. ⟨1787⟩ eine that, von scharfem tiefen gefühl oder vielfacher ueberlegung entsprossen Heinse 4,59 Sch. 1884 das dem lebendigen volksthum entsprossene recht Reinhold volksthum 98. 1947 das helle liebesfeuer,/ das der kelter ist entsprossen F. G. Jünger weinberghaus 19. c von jmdm. abstammen, herkommen: ⟨1279/98⟩ dher werdhe Heynrich,/ von dhem ir her untsprozen sit braunschw. reimchr. 4748 MGH.dr. 1497 o Maria, port beslossen,/ von der küngen stamm entsprossen kirchenlied 2,875 W. ⟨1598⟩ Abraham begerte leibßerben vnd gott gab jhme einen sohn, von welchem Christus ist entsprossen nach dem fleisch Albertinus sendtschreiben (1603) 2,132b. 1715 sie war aus jüdischem geblüt entsprossen Diebolt hist. welt 1312. 1962 diese einzelsalpen (meerestier) vermehren sich durch knospung. aus ihrem hinterende entsprießen salpenketten, oft mehrere hintereinander, die allmählich reif werden Wendt liebesleben 121. d aus etwas hervorfließen entspringen: ⟨u1330/40⟩ sô sîn (eines kometen) schîn intsprûzit,/ ein flamme von im dûzit Nicolaus v. Jeroschin kronike 15581 S. 1754 wohin der wilde nord den kalten thron gesetzt,/ entsprießt ein reicher brunn Schönaich aesthetik 69. 2 nutzen, zu gute kommen. selten: ⟨1569⟩ das es den kindern zu gutten und frommen entspriessen und dienen (soll) wittgensteiner landrecht 110 H. ⟨1.h17.jh.⟩ wenn sich ein mangel erzeigt, kan mans den corporalen verweisen, und da kein ermahnen bey ihnen entspriessen wolte, ihnen den monat-sold vorbehalten in: Frauenholz heerwesen (1935)3,1,241.

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Zitationshilfe
„entsprieszen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/entsprieszen>, abgerufen am 21.10.2021.

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