Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

entspringen, vb.

Fundstelle: Band 8, Spalte 1506, Zeile 32 [Arbeitsstelle]
ENTSPRINGEN vb.   ahd. in-, intspringan, mhd. entspringen. mnd. entspringen; mnl. nnl. ontspringen. präfixbildung zu springen vb. A entstehen, hervorgehen aus. 1 aus etwas hervorwachsen, -fließen. a aus etwas hervortreten, -wachsen, -sprießen: 8./9.jh. coaluit intspiranc ahd. gl. 1,90,12 S./S. ⟨1150/80⟩ dô mir begonde entspringen/ von alrêrste mîn bart Spervogel 3126,31 MF. ⟨hs.u1310/30⟩ liehte bluomen sint entsprungen schweiz. minnesänger 389 B. ⟨1569/70⟩ in dem ersten jahre entspringet laub und zweigle aus dem euglein (des baumzweiges) haushaltung in vorwerken 104 E./W. 1770 eine grössere zurücklaufende schlagader, die in der hirnschale aus den aesten der schlagadern der wirbelbeine entspringt Haller, umriß 189. ⟨1927⟩ diese staubgefäße .. entspringen als zarte fäden im blütengrunde Frisch bienen (1941)17. b aus etwas hervorquellen, -fließen, als quelle aus dem boden hervorkommen: ⟨u1120/5⟩ aver dwuoch si si mit dem brunnen, der ir von deme herzen was ensprungen Ava leben Jesu 82,5 M. ⟨u1300⟩ an dem perge do der Jordan/ enspringet Heinrich v. Neustadt Apollonius 19304 DTM. 1566 im königreich Damute sol ein gar grosses wasser entspringen Alvares, priester Johan 389. 1772 die Donau, welche in Schwaben bey Doneschingen entspringet Gerlach erdbeschr. 476. 1973 eine nach norden gewölbte klippe, in deren schutz der bach als kräftige quelle entsprang Walser sturz 46. 2 seinen ursprung in etwas oder jmdm. haben. a aus jmdm., einem geschlecht hervorgehen, von jmdm. abstammen geboren werden: ⟨1172⟩ wâren von ir (Evas) lîbe/ ⟨wir alle niht⟩ ensprungen,/ alte unde junge,/ sô wâre diu werlt ôde priester Wernher 1611 W. ⟨1428⟩ graf Fridrich, der entsprungen ist von den edelisten grafen zu Swaben Andreas v. Regensburg 626 L. 1627 als seynd die könige in Böheimb durch eben desselben geblüts weibs erben entsprungen vnnd fortgepflantzet worden Ensz fama 51b. 1831 ein nordamerikanischer stamm glaubte von dem bären entsprungen zu sein Rosenkranz naturreligion 192. 1976 Athene, die seinem haupt entsprungene lieblingstochter des Zeus Hagelstange filou 112. aus etwas hervorgehen, gestalt erhalten: ⟨u1194⟩ er sluoc mit sölher degenschaft/ ûf die herten ringe,/ als fiurîn urspringe/ dâ wæren ensprungen Ulrich v. Zazikhoven 2591 H. u1477 uß dem ist das gemain sprichwort entsprungen: du solt dich nit ze ser bleen, daz du nit brechest Steinhöwel Äsop 135 LV. 1680 die rechen-kunst entsprang aus unserem gehirne Lohenstein afrikan. trauersp. 300 LV. 1839 daß nicht ein mensch die sprach’ erfunden, glaubt ihr lang,/ und daß sie mit und aus der menschheit selbst entsprang Rückert ges. poet. w. (1868) 8,43. 1978 ich hasse die gewalt, aber kann ich das gesetz ändern, daß alle echten revolutionen blut kosten? das leben entspringt dem tod Bütow harfe 243. b gestalt annehmen, wirklichkeit werden, aufkommen. seit dem 16. jh. hauptgebrauch: ⟨n1180⟩ wol .. der sanfte tuonder swêre,/ diu mit fröiden in mîn herze sanc,/ dâ von mir ein wunne entspranc Heinrich v. Morungen 31125,37 MF. ⟨1411⟩ die mässichait ist ain soleiche frucht,/ das von ir entspringen drei grosse zucht: .. Vintler 6469 Z. 1633 hierzwischen ist in Holland an getreydt grosser mangel erschienen, also daß darüber .. an etlichen orthen grosse tumult entsprungen Abelin hist. chr. 259a. 1811 mancher verdruß entspringt auch daher, daß sich die stadt nach und nach mit nöthigen und unnöthigen personen anfüllt Goethe I 26,291 W. 1977 die aus dem respekt vor dem gesetzgeber entspringende zurückhaltung universität heute 45 F./H. c sich von etwas herleiten von etwas herrühren: 1857 daß solche gedanken nicht zufälligen launen einzelner, sondern einem tiefen bedürfniß der zeit entsprangen Häusser dt. gesch. (1854)4,37. 1979 (fußballspiel:) das schönste tor des tages entsprang einer hervorragenden gemeinschaftsleistung gött. tagebl. 42, sport. B wegspringen, sich entfernen. 1 aus einem gewahrsam entweichen, sich einem zugriff entziehen; häufig im part. prät.: hs. 10.jh. insprinc haptbandun merseb. zaubersprüche 1,4 S. ⟨1370⟩ so mach di bolde lingen,/ dat du vro machst entspringen/ van disser not, ut disser dru Gerhard v. Minden fab. 16,36 L. 1538 meinst uns (kräften der hölle) aln zu entspringen,/ nein, gsel, dir wirdt nicht gelingen Voith in: ackermann /V. dr. 241 LV. 1794 ein entsprungner mönch Laukhard anekdoten 1,55. 1976 ein entsprungener häftling Duden wb. dt. spr. 2,709a. – einen ort eilig verlassen, aus etwas heraus- oder von etwas herunterspringen: ⟨u1194⟩ den zoum er zuo ime hielt/ und lie sîn ros ensprungen varn Ulrich v. Zazikhoven 2989 H. u1538 als das rumor die fursten im bade horeten, entsprank hertzog Lestko aus dem bade Kantzow chr. Pommern 2,99 G. 1793 aber dem sessel entsprang Automedon Voss Homer 2,145. ⟨1910⟩ (beschreibung einer theaterszene:) der bursche mit der laterne entspringt, Cristina tritt schnell nach rechts hinüber Hofmannsthal lustsp. 1,123 S. aus der hand springen, fallen: 1711 aus den händen entspringen, fallen Rädlein spr.-schatz 1,243a. 1967 bei der kür .. war ihr der ball entsprungen Duden wb. dt. spr. (1976)2,709a. 2 von jmdm. abfallen verloren gehen: ⟨1234/55⟩ mir was fröide entpsrungen liederdichter 104 K. ⟨M15.jh.⟩ ‘und ze eim worczeichen so sol dir die ein brust entspringen.’ und das geschach uf der statt; won in dem land hand die frowen nutt mer den ein brust dt. volksb. 230 LV. 1566 wil mir den tag gnug trinkken wein/ als zu gedechtnus dieser zeit,/ da mir entsprungen ist die freud Brunner Jacob 37 HND.

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Zitationshilfe
„entspringen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/entspringen>, abgerufen am 17.10.2021.

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