Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

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1air, n.

Fundstelle: Band 2, Spalte 100, Zeile 14 [Braun]
1AIR n.   (f., m.). entlehnt aus frz. air m. ‘luft; äußere erscheinung, die art zu sprechen, zu handeln, sich zu kleiden’, das auf lat. aer, grch. ἀήρ ‘untere luftschicht, atmosphärezurückgeht. 1 luft: 1695 air .. luft Stieler zeitungs lust 492. 1728 air .. die lufft, eines von den 4. elementen Sperander a la mode-spr. 23b. 2 äußere erscheinung, die art, sich zu geben: 1695 air .. die stellung des angesichts Stieler zeitungs lust 492. 1702 weil seine trefliche air und gantzes wesen mehrere hoheit bezeichneten Menantes Adalie 342. 1724 es werden .. zu einem redner folgende dinge erfordert, .. daß er .. über seine minen air und gestus ohne affectation disponiren könne Fabricius oratorie 8. 1778 Maurer .. hat fähigkeiten, aber ich förchte etwas verstellung hinter seinem gutherzigen und einfältig scheinenden air Pestalozzi 1,188 B. 1825 ich zog mich ganz schwarz an, daß ich ein ziemlich theologisches air hatte Hauff 4,41 F. 1852 die alte Voß .. (hat ganz) die airs einer würdigen matrone! Alexis ruhe 1,110. 1924 braun beschnupft die blaue bluse,/ sitzt die alt gewordne muse;/ würdig, mit diskretem air,/ steht ihr flötensekretär Holz blechschmiede 2,821. 1966 (vgl. 3) die mutter, die zum erstenmal, seit dem tod des vaters, das air von vornehmtun und verschämter armut vergessen hatte Berger Nettesheim 322. 3 fluidum, hauch, aura, ansehen, oft in der verbindung sich ein (bestimmtes) air geben (entsprechend frz. se donner un air u. ä.) 1718 wodurch sich ein beamter bey denen ihm anvertrauten unterthanen eine air geben und viel gutes stifften kan Rohr staatsklugheit 827. 1752 wer hier in Dresden gedenket an sein glück zu arbeiten, muß wo nicht Italien, doch wenigstens Frankreich gesehen haben; präsupponirt, daß er plaudern kann und ein air hat Winckelmann br. 1,110 R. 1771 sie (schauspielerin) spielte .. die baronin, deren stolzes wesen mit einem gewissen air sie vortrefflich machte in: Lessing 20,65 L./M. 1782 sie war mehr als nur hübsch; sie hatte .. überdieß ein solches air von sittsamkeit und sanftheit, daß man sie nicht ansehen konnte ohne ihr gut zu seyn Wieland I 14,262 ak. 1827 darauf nahm das haus immer mehr zu an glanz und vornehmem air Eichendorff w. [1908]4,242 K. 1836 ohne äußeren pomp, ohne diplomatischen air, ja ohne vornehmheit, hat er sich dennoch jene besternten gemüther zugewendet, die Deutschland repräsentiren Beurmann hanse-städte 133. 1836 im caffé kommandirte ich, um mir ein air zu geben, die französische zeitung Gaudy 2,142 M. ⟨1944⟩ daß er bei den „Meiningern“ gewesen war, gab ihm ein gewisses air Winterstein leben (1947)1,114. ⟨1957⟩ sein auftreten ist von so todsicher gelassen-gerissener überlegenheit, daß sie ein air von blasiertheit ausstrahlt Becher sp. (1957) 2,153. ⟨1969⟩ es gibt den landfilmen das „gewisse air. soll die romantik passé sein?“ Strittmatter dienstag 204.

2air, n.

Fundstelle: Band 2, Spalte 100, Zeile 66 [Braun]
2AIR n.   aus frz. air, das auf it. aria ‘lied, melodie’ zurückgeht: 1695 air .. die gesangweise eines liedes Stieler zeitungs lust 492. 1732 die frantzösischen airs bestehen aus einer kurtz gefasten, .. mit wenig passagen versehenen melodie Walther lex.18b. 1870 air .. die sangweise, ein lied, gesang Heyse fremdwb. 1426a. 1963 air .. arie, lied, melodie; in der suitenform liedhafter satz, im charakter von den tänzerischen stücken verschieden, Meyers n. lex. 1,121a. 1966 air .. lied, melodie, auch instrumentalstück Seeger musiklex. 1,18b.

er, pron.

Fundstelle: Band 8, Spalte 1570, Zeile 12 [Peperkorn]
ER pron.   (1) ahd. er, ir, mhd. er. got. is; lit. jis, germ. *iz, *ez, lat. is. die formen schließen an einen idg. pronominalstamm *i- an. aufgrund der weiteren etymologischen verwandtschaft mit air. ē ist daneben auch ein pronominalstamm *e- anzunehmen. die gemeingerm. formen *is, *iz und *ez gelten auch als vorstufen zur ausbildung von ae.und as. hē, hi. es wird angenommen, daß die gemeingerm. pronomina in schwachtoniger position zu *i bzw. *e wurden, deren stützung durch übertragung des anlautenden h aus den instrumentalisformen der dem.pron. *hio, *hiu erfolgte. (2) im dt. sprachraum stehen sich entwicklungsbedingt nd. he, hei und hd. er gegenüber (vgl. dt. sprachatlas, karte 48). die ahd. schreibsprachen zeigen im md. raum das nebeneinander von he und er sowie das auftreten des als kontaminationsform interpretierten her. (zu her in obd. quellen siehe Braune ahd. gr. § 283a) (3) er steht als nom.sg.mask. der genusdifferenzierten 3. pers. des personalpronomens neben der form des femininums sie und der form des neutrums es. zur historischen bewertung des gesamten flexionsparadigmas der personalpronomina siehe 1DWB III, Sp. 680–682. (4) enklise des pronomens im dat. und akk. an andere pronomina, im nom. an vorausgehende verba findet sich schriftsprachlich bis ins 16. jh. 1 pronominaler vertreter eines maskulinums im nom.sg. a wiederaufnahme eines eingeführten maskulinums; hauptgebrauch: E8.jh. meinida dher forasago chiuuisso in dheru christes lyuzilun, huuanda ir uns uuard chiboran, nalles imu selbemu Isidor 392 ATB. ⟨v1022⟩ ze gote hareton sîe er gemachota daz ungeuuitere ze uuetere Notker 3,3,801 ATB. ⟨u1150⟩ daz Philippus den zins galt/ in Darios gewalt/ dannen uber manegen tach,/ daz was tem sune ungemach./ Darius er wart umbe den selben zins erslagen Lamprecht Alexander V (1923)483 M. ⟨u1328/38⟩ wer dem richter daz recht nit enhilft sterken, ab ers bedarf, .. der hat getan wider daz riche keyserrecht 9 E. 1466 saltzzollner Mathis Meges ist bestellt zum saltzol .. er sol auch den zol nieman anstan lassen nördlinger stadtrechte 432 M. 1562 im ersten buch der koͤnige wird vermeldet auch diese vrsach der zertrennung des koͤnigreichs Salamonis, das er von gott abgewichen vnd andern goͤttern gedienet hat Torquatus grewel G1b. 1654 wer wenig irren wil, er thu gleich, was er thu,/ der schweiffe weit nicht um, er geh gerade zu Logau sinnged. 203 LV. ⟨1714⟩ das auge siehet den mond, wann er hinter dem horizont hervor komt, als etwas grosses, prächtiges und herrliches an, der aber immer kleiner wird, je höher er steiget Mel schaubühne (1732)1,114. 1804 der lüsterne knabe/ er winkt mir in’s haus Goethe I 1,31 W. 1844 in dieser erklärung gibt sich herzog Friedrich ganz wie er war Stängel postwesen 207. 1978 sie hatten mir, als sie mich in die kneipe schickten, einen revolver gegeben, nur für den notfall. ich hatte ihn in die manteltasche gesteckt, dort war er geblieben Härtling Hubert 368. älter auch mit wechselndem semantischen bezug entsprechend nhd. dieser (und) jener ⟨1060/5⟩ duo negetorst er den man an chomen, forht daz er in negeruochte fernemen,/ ob er im ieht geriete daz er is niene tâte,/ ob er iz an in hâte erhaben er hiez in sînen wech scaben wiener genesis 319 S. ⟨u1240/50⟩ es den bíschóf verdrôz/ dem er was gehôrsám./ daz er dés sô vil von im vernam,/ daz liez er níht âne nît./ er kom zem phaffen z’einer zît Stricker ̂Amîs 257 L. b auf ein maskulinum vorausweisend; selten: ⟨u1194⟩ er begât sîn êre, swer mirz saget Ulrich v. Zazikhoven 2213 H. ⟨u1300⟩ sô tuot er als vor hât getân/ der barmherzige samaritân Hugo v. Trimberg 2869 LV. ⟨1801⟩ und er, der sprachlos waltet und unbekannt/ zukünftiges bereitet Hölderlin (1943)2,1,36 B. ⟨1842⟩ und mit sonnenschein beladen/ und mit blumenduft besä’t/ nahet er von gottes gnaden,/ er, des frühlings majestät Hoffmann v. F. ges. w. 1,50 G. c anstelle eines demonstrativpronomens in betonter verwendung: hs.A9.jh. uueo mag er christani sin, der dei lirnen niuuili noh in sinera cahucti hapen? exhortatio A 25 S. ⟨1060/5⟩ des swôr er guote Abrahame unt Ysaak unt Jacobe wiener genesis 3030 S. ⟨n1231⟩ daz kom von im, er hellehunt Reinbot 5199 K. 1568 wo aber er richter und rat darinnen nachlässig erscheinen öst. weist. 10,12. 1644 jedoch wann er pflegvatter will, mag er sich entschuldigen wegen der jenigen güter, so ausser lands ligen Werndle pupillen schilt 32. 1811 er ungezogner mensch Kleist krug 139. 2 als anrede wird er pron. seit dem 16. jh. für die höhergeachtete 2. person verwendet. möglicherweise im anschluß an frz. oder ital. vorbilder zeigt der gebrauch zunächst das pronomen in wiederaufnehmender funktion für appellative wie herr u. dgl., später tritt es als höflichkeitsanrede ohne appellativbezug auf. parallel zur ersetzung des singularischen er durch das pluralische sie in der höflichkeitsanrede vollzieht sich die beschränkung der verwendung von er auf die anrede untergebener oder gesellschaftlich geringer geachteter personen: ⟨1561⟩ (an den herrscher gerichtet:) gott geb meim herren glück und sieg/ in diesem gefehrlichen krieg,/ daß er in kürtze widerumb/ gsund mit frewden zu lande kumb! Sachs 16,25 LV. 1676 Goldstern: das erste betreffend; kan dem herrn schwerlich unbewust seyn, woher die verfinsterung deß monds komme; nemlich daher, daß der erdbodem alsdenn sich zwischen der sonnen und dem mond setze, doch giebt er mir anlaß, hiebey eines und andres zugedencken, das vielleicht merckens wehrt Francisci lust-haus 502. 1700 halte er sich nur nicht lange auff, daß er noch zu rechte kömmt Reuter Ehrenfried 17. ⟨1774⟩ nun, so mag er zu fuß gehn, rief mein vater Bode Schandi (1776)5,21. ⟨1850⟩ hört er, vetter Wilkens? Ludwig ges. schr. 3,52 S./Sch. 1930 es ist recht von ihm, Schulze, daß er daran gedacht hat I. Seidel wunschkind 2,193. 3 substantiviert für männliches wesen im unterschied zum weiblichen: ⟨u1120/30⟩ iares alt sol ez sin, ein ér niht ein si milst. exodus 152,20 D. ⟨u1270⟩ minne ist ein si, minn ist ein er Albrecht v. Scharfenberg Titurel 732,1 DTM. ⟨1411⟩ die fledermaus ist so voller uncheuscher gir,/ das ain er und ain er/ uncheuschen mit ainander mer Vintler 6216 Z. ⟨1584⟩ obs ein er oder sie Scherer tractaͤtle (1585)24a. ⟨1789⟩ o maid, willst du mein leibbursch sein/ und heißen er statt sie Bürger 1,192 W. 1991 dank der schutzkleidung bleibt es meist verborgen, ob eine sie oder ein er die schwere maschine dirigiert frankf. allg. ztg. 138, t1.

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„er“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/er>, abgerufen am 25.10.2021.

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