Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

erbören, vb.

Fundstelle: Band 8, Spalte 1622, Zeile 32 [Albrand]
ERBÖREN vb.   (1) spätahd. irbôren (12. jh.), mhd. erbœren. obd. nbf. erpören. herkunft unklar. das basisvb. mhd. bœren, nhd. mdal. (schweiz.) bören ‘erheben’ ist seit dem 13. jh. bezeugt; es liegt auch vor in spätmhd. gebœren vb. und vermutlich in empören vb. (s. d.). etymologisch gehört es als dehnstufige form neben bor n. ‘höhe, spitze’ zur idg. wz. *bher- ‘tragen bringen’. – dagegen ist ein nhd. mdal. bezeugtes erbüren abzusetzen, das auf ahd. irburien, mhd. erbürn zurückgeht. (2) erbören begegnet überwiegend im obd. und omd.; seit dem 13. jh. konkurriert es mit (häufigerem) empören vb. (s. d.), von dem es anfang des 16. jhs. ersetzt wird. 1 in die höhe heben; refl. sich erheben, sich aufmachen. bildlich erhöhen, sich überheben: 12.jh. surgam irborimich (Luc. 15,18) ahd. gl. 1,728,24 S./S. ⟨u1194⟩ als schiere er in gesach/ und in der wurm erhôrte,/ von vreude er sich erbôrte Ulrich v. Zazikhoven 7890 H. ⟨2.h13.jh⟩hs.u1430 er trat in sin stegereiff und erbort sich in synem sattel Lancelot 1,328 DTM. ⟨u1375⟩ sunder is gehoͤret dorczu muͤ dez herczen, daz sich ein mensch domit erboͤre vnd erheb von disen nydern vnd irdisschen dingen vnd aufsteige czu den himlisschen Johann v. Neumarkt 3,188 K. ⟨u1480⟩ Lantzilet jagt (dem entfliehenden ritter) mit erportem schwertt alls nach pis in die vest Füetrer Lanzelot 224 LV. ⟨1.h16.jh.⟩ wie die von Wil sich schampar und lichtfertiklich hieltend und mit sufen, tanzen .. und allem muetwillen erboretend schweiz. id. 4,1510. jünger noch mdal. im schweiz., ‘losmachen von der stelle bewegen; sich regen’. 2 beginnen, anheben entstehen: ⟨M12.jh.⟩ ih wil eine rede erboren,/ div ist also lobesam st. Veit 12 K. ⟨E13.jh.⟩ ie sâ mit disem worte/ ein ertweige (erdbeben) sich erbôrte Walther v. Rheinau 212361 P. ⟨1301/19⟩ von wîben und von man/ wart erbôrt ein ruofen Ottokar öst. reimchr. 76670 MGH. u1520 das er sich bewilligt, was sich auß der sachen erboren worde, solches alles zu uoranthwerten bey alledem, das er in stadtrechte hette dt. rechtsdenkm. Schlesien 332 G./G. 3 aufwiegeln sich empören, sich gegen jmdn. erheben: 1488 wir vorstehn das man euch wider vns gerne irboren wuldt script. rer. lusat., n. f. 2,62. ⟨1525⟩ von ihme abgevallen, rotiert, erböret Fischer schwäb. wb. 2,763. 1534/44 isz haben sich viel dorffschafften wiedir jre junghern erboret script. rer. lusat n. f. 4,13. 1599 das kein erblicher regierender fuͤrst der lande Preussen gewesen, sondern dieselbigen durch viel herrn und heupter geregieret sein, daraus sich auch die lande gegeneinander in krieg erboͤrt und begeben, viel christlichs bluts vergossen Waissel chr. preuss. hist. 280b.

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Zitationshilfe
„erbören“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/erb%C3%B6ren>, abgerufen am 18.10.2021.

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