Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

erbittern, vb.

Fundstelle: Band 8, Spalte 1608, Zeile 16 [Albrand]
ERBITTERN vb.   mhd. erbitteren. präfixbildung zu bittern vb. ‘bitter machen, werden’. in mhd. belegen übersetzung von lat. exacerbare vb. 1 erzürnen, in zorn versetzen, mit wut, groll erfüllen. oft im zustandspassiv, auf, gegen etwas erbittert sein. hauptgebrauch: 2.h12.jh. si aue erbitterten. leidigten in (gott) in rate ire (exacerbauerunt eum in consilio suo) windb. psalter 2,204 K. u1477 ich bin ouch gegen vilen gütig gewesen, .. die nun alle wider mich synd erbittert Steinhöwel Äsop 99 LV. 1567 wenn sie (untertanen) mit jrem vngehorsam, vbermut vnd halstarrigkeit die herrn erbittern Milichius schrap teufel f2a. 1633 da nunmehro ein innerlicher krieg erwachsen, dadurch beyder gebrüder gemüter sehr erbittert worden Wilhelm descriptio 37. 1695 allein der erbitterte pöffel, dessen haß er (kaiser Clodius) sich durch die menge seiner laster gleichfalls auff den hals gezogen, achtete ihn nicht würdig, daß sein todtes aaß unter einem römischen dache liegen solte Ziegler u. K. schau-platz 67b. 1708 der oberste hatte einige wunden von ihm bekommen, worüber er so erbittert ward, daß er ihm den degen in den leib stieß Rink Ludewig XIV. 1,70. 1810 die obristin war über die zerstörende heftigkeit ihres gatten .. äußerst erbittert Kleist erz. 276. 1974 zunächst erbitterte mich Benois’ bekenntnis zur tradition, aber dann begeisterte mich wieder seine erstaunliche liebe zur kunst Fokin, gegen d. strom 134. in zorn, erregung geraten. intrans und refl.; selten: ⟨A14.jh.⟩ nû vûgete sichz in der zît,/ daz beide haz unde nît/ brou dô an zweien ritteren,/ daz sich ir herze erbitteren/ wart gegen dem kunige sêre Hester 438 Sch. 1560 der ritter ergrimbt und erpittert Sachs 2,281 LV. 1616 des königs in Franckreich .. sohn welcher, dieweil er nicht gewinnen könte gegen seinem mit=spieler, dermassen erbitterte, daß er ihn mit dem schach=brete erschlug Selenus schach-sp. 14.dr. 1653 laß den satan wittern,/ laß den feind erbittern:/ mir steht Jesus bey kirchenlied 4,93b F./ T. 1775 meine herren, die art zu streiten schaft nichts gutes. sie sind vermuthlich beyde zu gute leute, als daß sie sich sollten erbittern wollen Claudius s. w. 1/2,139. 1913 wenn .. die lehrer sich erbitterten und der streit heiß wurde Schlatter ruf 75. 1976 daß du dich über diese ablehnung .. so e[rbittern] würdest Duden wb. dt. spr. 2,721a. 2 bitter machen, verbittern, kränken. selten: ⟨1276⟩ ein engel sprach, der was kluch:/ ez Johann, nim und vriz daz buch,/ .. daz sal irbitteren dinen buch,/ dar nach wirt iz an dime sluch/ suze als eines honiges tran (amaritabit ventrem tuum, zu ap. 10,9) Brun v. Schonebeck 926 LV. ⟨u1370⟩ ich man dich (Maria) an .. grosse laÿdunge deines herczen, damit dein gedankchen erpittert waren in der complet zeit Johann v. Neumarkt 4,23 K. ⟨1533⟩ sage nur getrost zum teufel: sey so bose und gifftig du kanst, ich wil mir mein freude, lieber teufel, umb deines zorns willen nicht erbittern lassen (nachschr.) Luther w. 37,240 W. 1657 das leiden und der tod laufft wider die natur./ .. der tod siht schrecklich aus den harte pein erbittert Gryphius Catharina 377 TND. – bitter werden: ⟨u1300⟩ swen ein man der not entsebet,/ her ensi dan ein sluch,/ im erbittert sin buch Heinrich v. Hesler apokalypse 15404 DTM. ⟨1542⟩ dann ie wermer ein ding, ie suͤsser es wirdt, so lang das es erbittert dargegen wider, ie saurer ie kelter Ryff spiegel (1544)68b.

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Zitationshilfe
„erbittern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/erbittern>, abgerufen am 25.10.2021.

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