Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

erbsünde, f.

Fundstelle: Band 8, Spalte 1637, Zeile 28 [Peperkorn]
ERBSÜNDE f.   mhd. erbesünde. mnd. ervesunde; mnl. erfsonde, nnl. erfzonde. lehnübersetzung von lat. peccatum hereditarium, zu erben vb. in der christlichen religion die seit Adams und Evas sündenfall angeborene und erbliche sündhaftigkeit des menschen: ⟨u1225⟩ swelch sæliger sich toufen lât/ und erkennet got in unser ê,/ dem schadet dehein erbsünde mê Konrad v. Heimesfurt himmelfahrt 718 P. ⟨1331/5⟩ wazzer, blut aldar uz (wunde Christi) vloz/ (ewangelist Johannes/ sach ez, und ist gezuc des;/ war ist sin gezucnisse/ in rechter bedutnisse),/ sin blut zu irlosunge,/ wazzer zu reinigunge/ von alder erbe sunde Daniel 5273 DTM. ⟨1492⟩ wider die erbsünd haben wir den tauff, wider teglich sünd die ölung, wider todsünd die buß Fridolin pred. 63 Sch. ⟨u1535⟩ die barfoten hieltent, sy (Maria) were reyn on alle erbsünd und mackel, darwider die predier, sy were wie andre menschen in erbsünde empfangenn Stumpf schweizerchr. 1,82 G. 1612 weil alle vnd jede menschen in der erbsünd geboren Albertinus tummel-platz 17. 1773 für die erbsünde können wir nichts, und für die wirkliche auch nichts, das ist so natürlich, als daß einer geht der füße hat Goethe I 37,158 W. 1804 dann wirst du endlich begreifen, daß die medikasterey ein nothwendiges uebel sey, und eben so wenig darüber klagen, als über die erbsünde Rademacher br. 12. 1876 in ihm pflanzt sich die erbsünde fort, und geburt und tod begrenzen den menschen Thoma aus 80 lebensjahren 2167 B. 1974 die christen nennen die schuld, mit der die menschen zur welt kommen, erbsünde Roth horizont 167. überkommene erbliche schuld, fehlerhaftigkeit: ⟨u1365⟩ daz bilde fedirlichir irbesunde sulte an in mit grymmer pine gemessin werdin gold. bulle 139 A. 1778 er ist nicht sein fehler: er ist seine erbsünde Lessing 13,150 L./M. ⟨1883⟩ seit es menschen gibt, hat der mensch sich zu wenig gefreut: das allein, meine brüder, ist unsre erbsünde! Nietzsche w. 2,346 Sch. 1974 das zeigt sich bereits in den von Lorenz vorgeschlagenen prophylaxen des angeborenen zerstörungsdranges, der erbsünde der ethologen seiner schule Herbig ende 51.

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Zitationshilfe
„erbsünde“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/erbs%C3%BCnde>, abgerufen am 21.10.2021.

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