Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

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fächel, m.

Fundstelle: Band 9, Spalte 17, Zeile 43 [Meyer-Hinrichs]
FÄCHEL m.(f. , n.)   abl. von fach n. (?). frnhd. überwiegend in der form fechel bezeugt. schleier; tuch, binde: ⟨1403/39⟩ dÿ armen vnnd durfftigen sullen eÿn gelbs fechil zum mÿnsten eÿner handt prait tragen auf wen haüp tuchern ofner stadtrecht 124 M. 1537 und wie unser rat weisse fechel an stiefeln tregt, also sollen sie auch leuchten jnn weisser farbe Luther w. 50,72 W. ⟨1560⟩ von den schwartzen binden oder fechel/ die man jetzundt gemein vmb die huͤte tregt theatrvm diabolorum (1569) 458a. 1612 also ist .. bey den begräbnissen .. ein solcher mißbrauch eingeführet, daß vnter dem trawren vnd leidtragen auch nicht ein geringer excess, mit sonderlichen trawerkleidern, fecheln, binden vnd andern übermachten dingen, von vielen begangen policeyordn. Sachsen 68. 1668 der alte war bekleidet mit einem weissen leinen kittel, darüber mit einer schwebender fechel Ch. Schultze Gardelegen 65. z.j.1715 die fraun miessen allzeith fachlen aufsözen chr. Sonnenb. 1,128 H.

fächeln, vb.

Fundstelle: Band 9, Spalte 17, Zeile 58 [Meyer-Hinrichs]
FÄCHELN vb.   abl. von fächel m. (?); bis zur mitte des 18. jhs. selten bezeugt, überwiegend in poetischen texten, gehoben. 1 (sich) leicht hin und her bewegen; wedeln: 1537 ich .. sahe .. die hend gegen mir fecheln, damit sy mich in der hoͤchsten angst vnd not vmb hilff anruͤfften Schaidenreiszer odyssea 52b. ⟨1792⟩ flisternd hier das junge rohr,/ dort die zitterpappel fächeln Voss s. ged. (1802)6,210. 1903 dämmerhelle ringsum und fächelnde gräser Lauff Pittjewitt 281. 1977 jene lebendige stille, die sich dauernd aus vielen unhörbaren geräuschen zusammensetzt: .. den glatten, geschmeidigen strömungen der luft, dem fächeln der blätter Wellershoff schönheit 92. 2 sanft (um)wehen; anwehen; luft heranblasen. hauptgebrauch: ⟨1632⟩ der verliebte himmel lächelt/ in die gleicherwärmte luft,/ welche gleichsam küsse fächelt Fleming ged. 1,297 LV. ⟨1744⟩ und zauberischen wind, voll gluth und wollust, fächelt Zachariä schr. (1772) 1,20. 1768 er fächelt sie mit dem hute Weisze opern 1,160. ⟨1810⟩ kühle morgenlüftchen fächelten sanft um nacken und kinn Sartori Oesterreich (1811)1,64. 1868 eine erfrischende briese kühlte die fluren, lispelte in den baumwipfeln und fächelte den müden skizzen feldzug 1866 64. ⟨1927⟩ leise spielte der wind in den blättern, fächelte den männern, milderte die glut A. Zweig streit (1928)245. 1975 er ging in den garten, wo der fächelnde sommerwind die bedrückung bald linderte Handke stunde 125. 3 sich mit einem fächer o. ä. luft zuwehen. refl.: 1760 so bald sie dies gesagt und sich dazu gefächelt,/ putzt sie Climenen an, sie freut sich und sie lächelt Löwen w. 2,325. ⟨1800⟩ Emilie sitzt auf einer bank, fächelt sich und gähnt Kotzebue s. dr. w. (1827)11,40. 1899 unser wirt merkte, daß frau Lore sich mit der serviette das erhitzte antlitz fächelte H. Seidel erz. schr. 1,145. ⟨1901⟩ sie fächelt sich mit dem weißen taschentuch Frenssen Uhl (1917)54. ⟨1954⟩ kirchendiener gingen umher und verteilten bunte fächer .. und jedermann fächelte sich Frisch Stiller (1955)252.

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Zitationshilfe
„fächel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/f%C3%A4chel>, abgerufen am 04.12.2020.

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