Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

fäule, f.

Fundstelle: Band 9, Spalte 203, Zeile 61 [Arbeitsstelle/Peperkorn]
FÄULE f.   ahd. fûli, mhd. viule. abl. von faul adj. ab dem 19. jh. nur noch seltener bezeugt. 1 zersetzung; von organischen stoffen. a verwesung, auflösung und davon betroffene stellen: ⟨v1022⟩ (ube ih chomen sol in putrefactionem) gl.: in fûli (also andere mennisken) Notker 3,1,154 ATB. hs.E12.jh. ia was do ein gewonheit,/ daz man toten mit mirren behielt,/ daz ire dehein fûle wîelt priester Wernher D 4650 W. ⟨u1240/50⟩ er hat daz salz enpfangen/ daz im sin fiule hat benomen Stricker bispelreden 1,541 Sch. ⟨u1300⟩ din lip enhat dehein lit/ im si stank und fůle mit Heinrich v. Neustadt visio 6116 DTM. u1466 ich bin verzert als die feule: vnd als das gewand daz do wirt gessen von den milben 1. dt. bibel 7,175 LV. 1568 warumb werden die zeene den thieren im alter schwartz? antwort. daß dieses geschicht auß feule der speiß vnd verderbung phlegmatis problemata Aristotelis D4a. ⟨1630⟩ dieselbe hitz .. in der lufft vnd auff erden, gleich wie in eines erstorbenen menschen leibe, eine fäule vervrsacht Crüger cupediae [1631]Bb1a. 1680 ja nach dem tode pflegt mit uns die zeit zu spieln,/ wenn fäule, mad’ und wurm in unsern leichen wühln Lohenstein afrikan. trauersp. 251 LV. 1714 continuirlich regenwetter, welches nicht allein durch seine langwürigkeit eine fäule erreget, bevorab wenn es darbey warm ist, auch allerley alten und zerlegenen unrath auffrühret Bräuner pest-büchl. 6. 1752 das abgehaune gras/ blieb, weil der regensturz beständig da, nur naß,/ und das, was man mit noth in schobern häufte, rauchte,/ daher man wegen fäul, es drauf zum dünger brauchte Scheibel witterungen 10. ⟨1935⟩ gold des sumpflochs grüne fäule,/ blasig auf dem grund Britting ged. (1957)90. 1961 unter dem blanken himmel ein bürgerliches wohnzimmer, in dessen schattigen ecken regenwasser stand, reglos verstaubt schwebten sofa und stehlampe und schachtisch über der wüste, die unter dem einsamen jungen sich dehnte mit verkohltem holz und zerriebenen steinen und fäule in den verschütteten kellern Johnson buch 97. b krankheit bei menschen, tieren, pflanzen: ⟨v1022⟩ nieht ein tremor nube ioh fûli chome in mîniu bein unde si uuerde ze uuurmen in mir sô Iobe gescah Notker 3,3,1084 ATB. hs.E12.jh. mit der sûzzen salben/ die wnden so bestrichen/ daz div fule můzze entwichen priester Wernher D 4245 W. ⟨1282⟩ wann undäunge wäscht den leibe unnd fürbet den magen von der feüle und von der gar pösen feüchte Hiltgart v. Hürnheim 81 DTM. ⟨1349/50⟩ die früht sint alle schad, wan si pringent rôch fäuht und fäul in den âdern und grôz siehtum dar nâch Konrad v. Megenberg b. d. natur 391 P. ⟨u1430⟩ ein gut wasser für alle feul in dem mund oder sust in wunden Peter v. Ulm 267 K. 1531 hat dz federspyl die feul an der nasen oder zungen. so nymm einer hecht leber, temperiers die mit honig gib jm das mit sym zu essen habichtslehre 227 L. ⟨1563⟩ die füle deß mauls, durch fule, sol man jnen waͤschen mit essich vnd trockner hepffen zůsamen gemischt Forer thierb. (1583)121a. 1603 solches alles gibt erstlich zu einer fäule, vnd folgents auch zu dem fieber vrsachUffenbach anatomia 2,7. 1682 er (arznei) trocknet alle wund=schäden, stärcket die zähne, und verwahret das zahnfleisch für fäule Hohberg georgica 1,254b. 1703 das cornu crudum wiederstehet eingenommen der fäule und gifft Hellwig thier-garten 81. 1786 die vorzüglichsten krankheiten des getreides, sind das mutterkorn, der honigthau, der brand, der rost, der carfunkel und die fäule Schwabe stadt-physikus 1,95. 1874 eigentliche krankheiten der stämme, wie fäule, brand oder krebs, schwamm etc. können gegenüber diesen brandschäden, wobei die borke in der regel der länge nach aufreißt, kaum in betracht gezogen werden Aubel polarsommer 372. 1978 in Japan war zwar mehr reis gepflanzt worden als sonst, aber die erträge gingen leicht zurück, da eine fäule etwa 40 prozent der gesamten anbaufläche befiel Schneider, klima 114. c durchlässigkeit, mürbheit; von gestein: ⟨1325/60⟩ es sei kluft czwischen den gruben oder ganczer stein, .. sint dem mal das di gruben czu den goltsmiden der grube czu dem staine wasser benimt, es gesche durch klufte, di man gesehen mag oder durch risse oder veule oder durch eczlich ander sache oder seig, der menschlich gesichte nicht wol gemerken mak böhm. bergrecht 2,439 Z. u1500 so aber in dem sincken ein feule queme der darff man nicht erschrecken Rülein bergbüchl. 97 faks. 1693 fäule wird genennt, wenn der gang an statt festen ertzes ein faul mürbe gebürge führet Schönberg berg-information 2,28. 1789 ein bergmann, der hier mit in arbeit gestanden hatte, zeigte mir zwar im schachte eine sogenannte fäule, von der er vermuthete, daß sie zu den erzten führen würde Voigt mineralog. abh. 1,71. 1871 Veith bergwb. 175. 2 trägheit; selten: hs.E15.jh. der mussigganck macht manchen diep./ durch ful, durch spil und durch frawen lib kl. mhd. erz. II 546 DTM. 1528 in solher fewl gedenckht der sünder awf ander ergetzlikait, besonder zuo erfüllen sein hochfart Berthold v. Chiemsee theol. 251 R. 1626 die versuchten selber werden voll schläffrigkeit vnd fäule in den stätten liegen Opitz Argenis 1,652. v1709 sie khomben von der faüle her, die faulkeit macht sie zu dieb Abraham a s. Clara w. 3,266 ak.

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Zitationshilfe
„fäule“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/f%C3%A4ule>, abgerufen am 03.12.2020.

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