Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

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fühlen, vb.

Fundstelle: Band 9, Spalte 1198, Zeile 40 [Michaelis]
FÜHLEN vb.   (1) ahd. fuolen, fuolôn, mhd. vüelen. mnd. vȫlen; mnl. nnl. voelen; afrs. fēla; ae. fēlan, me. fēlen, ne. feel. herkunft unsicher. (2) vor dem 16. jh. selten, mit Luther an verbreitung gewonnen. refl. gebrauch nimmt erst ab der 2. hälfte des 18. jhs. deutlich zu, vgl. 2 b. (3) zu geschichte u. wandel von gefühlsvorstellungen siehe auch artikel gefühl 2006 Brockhaus enzyklopädie 10,325a. 1 körperlich wahrnehmen. a ertasten, tastend prüfen, suchen: 9./8.jh. palpari kifualit uuesan ahd. gl. 1,287,31 S./S. ⟨1433/40⟩ mit der hant uff seyn houpt greiff, her vulte, das en sere wunderte, alle seyne har hatte her so volkomen an houpte, .. das nymant mochte irkennen keyne stad, dy ye gewesen were kal script. rer. pruss. 3,580. ⟨1542⟩ (gespürt wird) die geschicklicheit des gebluͤts in fleisch, narung, vnnd substantz der glider verwandlet zuwerden, fürnemlich wa solche substantz der gestalt gefunden wirt, dz man sie mit den fingern fuͤlen moͤg Ryff spiegel (1544)140b. 1583 fuͤle auch mit den fingern auff den augenlieden, ob der augapffel noch vorhanden, vnd ob der noch gros oder klein sey Bartisch augendienst 186a. ⟨1631⟩ da die kugel nicht durch weggangen, vndt irgendt an einem knochen ist blieben steckhen, so nimm einen ladstockh mit samt der kugelschraub fühle wo die kugel ist, vndt sihe daß du sie heraußbringen kanst Neuneck roßarzneib. 102 M. 1668 der patient war sehr schwach, und da ihm der doctor den puls gefühlet, sprach er zu mir auff lateinisch .. Wolgemuth musen-freund 66. 1713 wenn sie sich .. in denen wäldern verirret, haben sie dieselbige (nordseite) an statt des compasses, leichtlich an den mooß der bäume finden und fühlen .. können Carlowitz baum-zucht 69. 1769 so deucht michs, daß der kranz in der schlacht gewelkt ist. .. ja, es deucht mich, daß ich auch blut daran fühle Klopstock Hermanns schlacht 74. 1808 mit 12 nudeln hält man so lange an (zu füttern), bis die gans fett ist, welches man unter den flügeln fühlen kann vollständiges hannöver. kochb. 280. v1867 ich wußte, wo ich hergekommen war, und mit händen und füßen vor mich fühlend, erreichte ich die treppe Kügelgen jugenderinn. (1870)336. ⟨1910⟩ da, ich geb ihnen meine hand. fühlen sie, ob sie zittert Hofmannsthal lustsp. 1,263 S. 1975 Valeska fühlte mit beiden händen nach ihren schläfen Bienek polka 2268. 2003 bevor die kinder die afrikanischen figuren anschauen dürfen, .. machen sie ein tastspiel. sie dürfen materialien mit den fingern fühlen und erkennen süddt. ztg. 274,N1. in der verbindung jmdm. auf den zahn fühlen u. ä., jmdn. prüfen, auf die probe stellen: ⟨v1683⟩ er hätte sich hiermit noch nicht abweisen lassen wollen, sondern um ihm recht auf den puls zu fühlen, dem Brahman einhalt gethan Lohenstein Arminius (1689)1,664b. 1719 manche unter diesen helden haben wohl gar noch niemahls gehöret, daß eine dergleichen schrifften in der welt sey, .. daher sie denn auch alsobald, wenn ihnen jemand recht auf die zähne fühlt, von der mähren herunter liegen Mattheson organisten-probe 5. 1755 er wird doch nicht seyn verdrüßlich geworden, daß ich ihm ein wenig auf den zahn fühlte Lessing schr. (1753) 5,58. 1926 dies mißtrauen wurde ich trotz ehrlichster versicherung die ganze zeit über nicht los. immer wieder fühlte man mir auf den zahn Schoenaich Damaskus 117. 1958 er lud mich zu einem ausgiebigen essen ein und fühlte mir auf den zahn. er wollte feststellen, wie weit meine anpassungsfähigkeit gehe Niekisch leben 110. 2006 da kam leistungsstolz auf. jeder schüler wollte etwas präsentieren und musste sich außerdem bei einer ganz traditionellen prüfung auf den zahn fühlen lassen zeit 25,76. b (einen reiz) spüren: ⟨u1180⟩ als er begunde vûlen/ daz er ir (hände und füße) hête gwalt,/ des wart er frevil unde balt/ an loufe unde an gange Pilatus 340 W. ⟨E13.jh.⟩ got hatte den menschen dar zu geschafen, .. daz er kein serde vulte an sinem liebe altdt. pred. 1,53 Sch. ⟨u1300⟩ Jesum bî der spîse/ mit der salben kûlte/ um daz, wan man vûlte/ in dem lande stête hitze Johannes v. Frankenstein 808 LV. ⟨u1480⟩ an stund hailt sein wunden, das er nicht mer kainen wee fülte Füetrer Lanzelot 293 LV. ⟨1529⟩ das auge sihet ettwas, das ore hoͤret, die zung schmecket, die nase reücht, die hawt fuͤlet Agricola sprichw. (1534)t1b. z.j.1586 stürzt ich uf das gnückh herunder (vom pferd), das ichs wol öttliche tag fület Kiechel reisen 85 LV. 1613 (es) war auff dem meer ein solche windstille, daß wir in drey tagen nacheinander gar keinen wind fühleten Megiser septentrio 94. 1670 (das frauenzimmer) welches, so bald es die kalten wasserstrahlen, unter den rökken, auf der bloßen haut fühlete, mit dem wasser als üm die wette zu springen und zu hüpfeln begunte Zesen Assenat 193. 1720 ein thier weiß es, daß es siehet, oder höret, oder fühlet, etc. denn die thiere haben solche gliedmassen der sinnen, wie die menschen Ch. Wolff gott 440. 1787 der gewerbsmann ist immer frei; der gelehrte fühlt eine kette an seinem fusse klirren, die er .. niemals mehr los werden kann Weckherlin Wirtemberg 85. 1826 ich wußte nicht wie mir geschah, ich fühlte einen heißen kuß auf meinen lippen und weg war sie Hauff mem. 1,215. 1854 sonderbarer weise fühlte ich aber eine art schwindel im kopf, als ob ich betrunken wäre Gerstäcker reisen (1853)4,160. ⟨1928⟩ ich fühlte einen schauer mir über die kopfhaut rieseln Renn krieg 20146. 1974 (sie) sieht sich durchs haus laufen, die geschwungene treppe, fühlt das kühle geländer an der handfläche Härtling frau 17. 2003 der SEK-beamte .. fühlte einen schlag am knöchel und knickte weg. das war wohl sein glück. ein zweiter schuss traf ihn nur am gesäß süddt. ztg. 253,3. c allgemein sich befinden, gesundheitszustand wahrnehmen: (2.h13.jh.)hs.u1430 (sie waren) betrubt das er so verturmelt was, dann sie meynten nit das er so bald genesen mocht und fragten yne wie er sich fulte Lancelot 2,611 DTM. ⟨u1300⟩ er sprach ‘ei werder herre,/ zergangen ist min werre:/ ich fůlen ander mere/ danne ich gewon e were ..’ hl. Elisabeth 3435 LV. ⟨1460⟩ bade ön (den kranken) sso langk, bis er bessserungk fülth Pfolspeundt bündth-ertznei 98 H./M. ⟨1538⟩ Ph. fragte: ‘ob er mehr krankheit fühlete, die ihn vexirten und plagten?’ (nachschr.) Luther tischreden 4,16 W. 1628 denn der herr von Glajon sich beklagte, daß er gleich alß am gantzen leibe zurschlagen were, .. sintemal er solches von der zeit an jmmerdar gefühlet MyricianusThomas, spiegel 84. 1663 die spähte abendszeit, zusamt der müdigkeit, welche herr Cleander und herr Concord von ihrer weiten und beschwehrlichen reise annoch fühleten .. (nötigte sie), sich nach hause und zur ruhe zubegeben Rist leben 39. 1725 hingegen fühlet er (der kranke) linderung, wann er den arm ein wenig in die höhe hebetPetit, knochen 1,124. ⟨1774⟩ als der lieutenant seine rostscheibe genossen und ein glas sekt genommen hatte, fühlte er sich ein bischen besser Bode Schandi (1776)6,33. 1819 ich wollte dir nur sagen, daß ich mich dem leibe nach sehr schwach fühle nachrichten brüder-gemeine 2,291. 1877 er sagte mir, daß am morgen, als er seinen stiefel anzog, eine schwarze spinne darin war und ihn in den fuß biß und daß er sich etwas unwohl fühlte 13 jahre im westen v. Amerika 62. 1901 er fühlte sich wie zerschlagen Lindau ausflüge 40. 1974 sagt dr. Kündig, der chefchirurg, mit einem fröhlichen blick auf Zerutts augenbinde, wie fühlen wir uns heute, heilen wir brav? Muschg Albisser 8. 2003 eine kürzlich publizierte untersuchung erbrachte das paradoxe ergebnis, dass die menschen in den USA sich weniger gesund fühlen als die bewohner des indischen bundesstaates Bihar süddt. ztg. 98,V2/9. 2 seelisches, innere vorgänge, zustände wahrnehmen: a stimmungen, gefühle, neigungen empfinden, erleben (erleiden): 863/71 er gab tho antwurti then liutin mit giwurti,/ zalta, wes er fualta joh waz thar inan ruarta Otfrid III 20,110 E. ⟨E13.jh.⟩ als daz herze wirt gereinigt von den sůnden, also vil unphet iz inbinnen der vrůde, daz iz nieman mach uͤz gelegen mit worten was daz si daz daz herze vůlet altdt. pred. 1,56 Sch. ⟨u1300⟩ vater, ich han gute gemach/ und vule in mir dekeinen strit väterb. 20857 DTM. ⟨1401/17⟩ sie bekante, das sy ny gefult hette anvechtunge ires fleissches script. rer. pruss. 2,217. 1528 trost vnd freud wird nicht gefület, wo nicht rew vnd schrecken ist Melanchthon op. 26,53 B. dr.1576 vnd gehn inn des königs pallast,/ da sie han ewig ru vnd rast,/ kain kommer noch laid fuͤlen kirchenlied 4,838 W. 1642 liebe wie magstu mit mir so grausam spielen,/ ach! welche starcke gluth machstu mein hertze fühlen Zesen rosen-wälder 59. 1673 ich fülete nun mehr als iemals meine eiversucht, als ich diesen mitbuler bei meinen schönen wieder sehen muste Anton U. v. Braunschweig Aramena (1669)5,287. 1724 ich (bin) fast in eine gleiche schwermuht mit Celinde verfallen, und habe in mir eine verwirrung gefühlet patriot Ll2a. 1789 wenn der mann der fühlt, so witzeln, oder der so witzelt, fühlen kann, so kenne ich abermals die natur der empfindung nicht Hottinger vergleichung 115. ⟨1828⟩ wie glücklich fühl ich mich, dich wieder zu sehen, nichts soll uns trennen Raimund 2,103 B./C. ⟨1878⟩ wenn im ‘wunderschönen monat mai’ die knospen springen, baum und strauch sich mit jungem grün bedecken .., dann fühlt auch der stadtbewohner .. die sehnsucht, gottes schöne freie natur zu genießen Ebhardt ton (1882)601. ⟨1938⟩ sie sagte das mit einem kleinen schalk im gesicht, den hatte er sonst auch immer an ihr recht lieb gehabt, aber heute fühlte er dabei abermals ein unbehagen Le Fort hochzeit (1953)18. 1957 (ich) war mir bewußt, daß Ivy, wie jede frau, eigentlich nur wissen möchte, was ich fühle, beziehungsweise denke, wenn ich schon nichts fühle Frisch homo 42. 2003 ich fühle eine ungewöhnliche glühende wut in mir süddt. ztg. 59,15. etwas nach‐, mitempfinden mit anderen personen. in überschneidung mit 3: ⟨u1220⟩ drümb weiz ich, dat du sere brandes,/ dů si zwei vůlden dines brandes rhein. marienlob 3518 LV. 1641 Sophia komm du edles bild,/ mein trost und schild,/ ich fiele deiner liebe schmertzen/ in meinem hertzen Zesen Helicon (1640)2,30. ⟨1738⟩ er (Christus) hat unsere noth gefühlet Zinzendorf reden (1781)72. 1772 wir fühlen alles mit ihm, und unsere thränen mischen sich zu den seinen frankf. gel. anzeigen 1,257 DLD. 1822 halt mich für hart und grausam nicht, Medea!/ glaub’ mir, ich fühl’ dein leid so tief als meines Grillparzer I 2,181 S. 1921 Fortunio, welcher fühlte, wie bitter sie (schmeicheleien) mir mundeten, lenkte das gespräch auf andere dinge Kolb Zarastro 65. 1967 er fühlte, was ich dachte, und ich fühlte, was er dachte Hagelstange löwe 124. b von der eigenen situation, lage, person eine empfindung, eindruck haben; sich halten für, ansehen als; vor der 2. hälfte des 18. jhs. selten, überwiegend refl.: ⟨u1330/40⟩ zu jungist, dô er sich sô swach/ vûlte und ummuginde,/ .. des amtis zôch er sich dô ab/ und iz dêmûticlîch ûfgab Nicolaus v. Jeroschin kronike 15405 S. ⟨1538⟩ wenn sich einer fühlet, er sey ein mann, so nehme er ein weib zur ehe und versuche gott nicht (nachschr.) Luther tischreden 4,11 W. 1582 sie fuͤleten sich beschweret vom keyser vnd der churfuͤrsten rechte mit allerley vorurtheil Runaw hist. D3a. ⟨v1678⟩ der wenigste zufall, so ihm wiederfähret, verstößt ihn in den abgrund: dann, weil er sich strafwürdig zu seyn fühlet; als lebt er allzeit in anwartung, die strafe seines verbrechens zu tragen Butschky rosen-thal (1679)1002. 1707 der verurteilte hat die strafe sofort den gildemeistern zu erlegen. doch ist ihm, falls er sich beschwert fühlt, appellation ‘gehörigen orts’ gestattet westf. stadtrechte I 1,120. 1782 der hat fürwahr genug gesehn,/ und fühlet stracks sich weiser Goeckingk ged. (1780)3,69. 1808 ich wußte nie mich in die welt zu schicken,/ vor andern fühl’ ich mich so klein;/ ich werde stets verlegen seyn Goethe Faust 2,94 ak. 1866 das mädchen selbst fühlt sich überflüssig im hause geworden Otto recht 7. 1916 ein bürovorsteher sich als ein kleiner gott in seinem reiche fühlt, kriechend nach oben und brutal nach unten Wendland sozialethik 167. 1979 (er hatte das glück) eine eigene fernseh-show zu bekommen. seither fühlt er sich als star frankf. rundschau 153,20. 2003 viele beschäftigte fühlen sich zu recht schlecht bezahlt süddt. ztg. 4,4. glauben, etwas tun zu wollen, müssen. in funktionsverbverbindungen wie sich veranlaßt, gezwungen, geneigt fühlen: 1676 (er hat) sich durch diese ursach bezwungen gefühlt zu urtheilen, dieser porphyr=berg bestehe entweder aus einem roten felsen, oder sande, oder rötlicher erde Francisci lust-haus 440. 1778 (personen), welche ein bedürfniß zu bethen empfinden, .. indem sie vom innigsten gefühl .. ihrer gänzlichen abhängigkeit von gott, sich gedrungen fühlen, zu seinem schutze und beystand ihre zuflucht zu nehmen Campe erziehungsschr. 1,217. 1823 möge doch der sommer ihnen soviel kraft und lebenslust verliehen haben, daß sie ihre reise zu uns .. anzutreten sich geneigt fühlen Goethe IV 37,180 W. 1862 wir fühlen keine veranlassung, die unbedingten lobredner der deutschen ersten kammern oder herrenhäuser zu machen dt. zuschauer 2,57. ⟨1912⟩ auch fühle er sich nicht berechtigt, an den inkriminierten äußerungen des herrn Reicke kritik zu üben Liebermann ges. schr. (1922)241. 1979 als Segler dann am wochenende .. die lösung seines bis 1981 laufenden vertrags .. forderte, fühlte sich das präsidium zum handeln gezwungen frankf. rundschau 44,7. 3 etwas (be)merken, gewahr sein, intuitiv erfassen, ahnen: ⟨u1220⟩ an dir lernent diͤ geistliche luͥde,/ .. wiͤ si ir herze halden sülen,/ of si der sunderlicher gracien vuͤlen rhein. marienlob 2959 LV. ⟨u1330/40⟩ abir dô des morgins vrû/ sî vûltin und irvrischin, daz/ dî burc was gemannit baz,/ .. sî vordrôz der mêre/ und irhûbin sich hin dan Nicolaus v. Jeroschin kronike 16691 S. u1460 nu die jhenen, die daruffe woren, .. fuelten, daz sie daz sloz nich lengir muchten erhalden Cammermeister chr. 122 R. 1526 es komen wenig guter sachen unter die juristen odder rechtsprecher, wie sie selbs fulen und bekennen Luther w. 19,362 W. ⟨1584⟩ da er aber fůlete daß er den streit nicht auffhalten kondte, .. wandte er allen fleiß an, darauff daß er die keyserliche kleinot vnd zeichen empfienge Nigrinus hoch achtung (1587)388. 1610 wenn die kränche zu stiller vnd schöner zeit des himmels sehr schreyen, so fülen sie, das ein vngewitter vorhanden sey Hildebrand magia 3,4b. 1659 der grosse Ruland fühlete, daß er tödlich verwundet wahr, wolte doch seinen feind gerne mit in den tod nehmen .. und taht einen solchen kräfftigen streich Bucholtz Herkules 1,134. ⟨v1747⟩ so hat der schöpfer sie (die tiere) gekleidet, bedeckt, erwärmet und beschützt,/ doch fühlen wir, daß uns ihr balg, sowohl als ihnen selber, nützt Brockes vergnügen 9(1748)244. 1787 der eine sohn schreiet würklich, und schreiet zum vater. er fühlt noch nicht, wie wenig ihm sterbliche helfen können Ramdohr mahlerei 1,60. 1822 er hatte nur gefühlt, daß seine neue ueberzeugung mit dem glauben derer, vor denen er predigen sollte, nicht übereinstimme de Wette Theodor 1,74. 1886 die zeichnung herrscht vor, man fühlt den werth, den der meister auf die linie legte H. Grimm Raphael 267. 1927 ich fühlte, daß ich etwas gesagt hatte, was in ihren ohren geradezu wie eine beabsichtigte bosheit klingen mußte Brod frau 136. 1974 ich (versicherte) ihm immer wieder, daß ich es schaffen würde, obwohl ich fühlte, daß ich eine fast unerfüllbare aufgabe auf mich nahmFokin, gegen d. strom 239. 2002 auf einmal fühlten die manager einen bezug zum thema, und die arbeit konnte beginnen zeit 44,24. etwas unmittelbar als wahr, in seinem wesen erfassen. häufig als steigerung zu intellektuellem erkennen: 1343/9 swanne di vernunft daz êwige wort gebirt und kennet und fulit in sîme eigen bilde dâ iz der vater gebirt in ime selber dt. mystiker 1,26 P. 1523 darumb mus sie (die natur) hie am gutten gesetz gottis, yhre boßheyt erkennen vnd fulen, vnd nach der hulff gottlicher gnaden suffzen vnd trachten Luther bibel 8,24 W. 1644 jederman weiß, ja fühlet je, daß der krieg alles verderbet habe Hoburg krieg 221. ⟨1726⟩ ihr müsset sie (die gnade) aber kennen und fühlen lernen, damit ihr ihre züge von natürlichen regungen wohl unterscheiden lernet Zinzendorf bedencken u. send-schreiben (1734)1,43. 1796 fühlen verhält sich zum denken, wie seyn zum darstellen Novalis 22,232 K./S. 1808 wenn ihr’s nicht fühlt, ihr werdet’s nicht erjagen,/ wenn es nicht aus der seele dringt Goethe Faust 2,32 ak. 1846 diese veranschaulichung und verwirklichung kann aber nicht durch die symbolik der sühnopfer geschehen, die nur ein schattenbild der wirklichen versöhnung ist, und deren ungenügendes tief gefühlt wurde von juden und heiden de Wette glaube 242. 1916 wenn man etwas schon versteht, dann fühlt man es noch nicht. und wenn man etwas schon fühlt, dann gestaltet es sich noch nicht Walden ges. schr. 1,113. ⟨1946⟩ Georg wußte das alles, aber er fühlte es nicht Seghers ges. w. (1951) 4,182. 2003 wären die vielen macken und inszenierungsmätzchen nicht, dann fühlte man in diesem überaus kurzweiligen hiphop-Hebbel light dessen wahres gewicht und ahnte es nicht nur in den wohlgesetzten zwischentönen süddt. ztg. 97,12. 4 spüren lassen, zu spüren bekommen. a folgen, wirkung erdulden, ertragen, spüren lassen: hs.M14.jh. also alse ir vullit daz uch dy lute tun, daz selbe tut en wedir evangelistar 1,126 F. 1471 und irer maiestaten nichtis libers ist, denn sulcher konigreich eintracht, dodurch die Turcken widerstant fulen werden got zu lobe .. und allem cristlichen folk zu frewde script. rer. siles. 13,75. 1521 sye soͤllen die (unsere macht) nit foͤrchten, sonder fuͤlen, in einer grossen klag der gantzen welt über sye Hutten 4,251 B. ⟨1583⟩ darumb werden sie (sünder) auch dermahleins müßen fühlen, nachdem bey ihnen keine beßerung folget vnd sich nicht wollen warnen laßen Hake bergchr. 112 D. 1649 gerechter gott, laß diese schlange, als die erste ursacherin unsrer beeden sünde, deinen zorn fühlen und nicht uns Harsdörffer gesprechsp. (1641)8,274. 1671 ein flekken muste den folgenden morgen .. den grimm dieser tyrannen fühlen, und in grund verwüstet werden Pinto, reisen 228. 1751 laß sie dein zornfeur fühlen,/ und deine rache sich in ihrem blute kühlen Evers Crösus 30. 1778 er stellt ihnen himmel und hölle vor. nun, wenn sie nicht hören wollen: so mögen sie fühlen Lessing 13,167 L./M. 1806 (er) ließ besonders dem städtchen Stadtoldendorf, welches widerstand gewagt hatte, die volle wuth eines barbarischen siegers fühlen Venturini vaterländ. gesch. (1805) 3,387. 1867 er scheint damals eine abneigung gegen Mozart gewonnen zu haben, die dieser später empfindlich fühlen mußte Jahn Mozart 1,397. 1946 da doch jeder den ‘arm’ des staates fortdauernd zu fühlen bekommt und die realität dieses verbandsgebildes oft genug als eine nur zu harte wirklichkeit erlebt Jostock soziallehre 52. 2005 das bestürzende an solchen reiseerlebnissen ist jedoch weniger die scham angesichts einer ungebremst sich inszenierenden virilität, sondern die kulturelle, besser: weltanschauliche schwäche, die wir nebenbei bitter zu fühlen bekommen zeit 36,39. b zeigen, aufzeigen, zu verstehen, erkennen geben, unter beweis stellen: 1668 er (stellte) das ganze heer in zween gevierte .., thäte eine kurze rede zu seinen Teutschen .. und vermahnte sie, dass sie ihre und ihrer voreltern tugend auch dissmal dem feind solten zu fühlen geben in: Frauenholz heerwesen (1935)2,2,88. 1724 jeder tag, wie sie wissen, lässt uns alle vier jahres=zeiten fühlen, so daß auch unsere barometer täglich des vormittages bis um eilff uhr steigen, hernach bis zwey oder drey uhr wieder fallen, und alsdann von neuen allmählig in die höhe gehen patriot R2b. 1771 sie ist eure frau. lasst sie’s fühlen Goethe Götz 1,161 ak. 1840 ich sage ihnen das, nicht aus unmuth, .. aber um sie fühlen zu lassen, wie viel [sie] jetzt für mich thun müssen Heine br. 2,371 H. 1938 dabei gilt es, .. diesen erst halb gezähmten stamm fühlen zu lassen, daß Frankreich in der Sahara allgegenwärtig ist und die wüste wahrhaft regiert Sieburg frühling 194. 1974 ihr denkt immer noch, was da wächst, habe gott wachsen lassen. das ist ein mißverständnis, das habt ihr schon auf manchem kartoffelacker zu fühlen bekommen Muschg Albisser 184. 2002 das schlimmste und zugleich dümmste, was man dem narziss antun kann, ist, ihn nicht ernst zu nehmen. dass man ihn das fühlen lässt zeit 30,5.

fühlen, n.

Fundstelle: Band 9, Spalte 1202, Zeile 64 [Michaelis]
FÜHLEN n.   abl. von fühlen vb. 1 affektive wahrnehmung, gefühlszustand; selten: ⟨E13./A14.jh.⟩ aber die selben, sô sie her nâch mêr minne gewinnent, sô enhânt sie lîhte niht als vil vüelennes und enpfindennes und dar ane schînet wol, daz sie minne hânt meister Eckhart dt. w. 5,220 Q. ⟨1401/17⟩ wy ir der herre qwam im sacrament mit manchirley fulen script. rer. pruss. 2,342. 1660 gibt er gar nichtß? wie, daß die kraft inß hertze kümmt?/ das sanfte fühlen wird verkehrt in pein und schmertzen Schwieger Cynthie B11b. 1841 gütiger, heiliger gott! welch’ sanftes, schönes fühlen legtest du in des menschen seele Stifter 1, ergbd. 67 S. ⟨1892⟩ war es das wunderliche fühlen wieder,/ das nie mich ohn’ erröten geben lässt Falke tod (1900)33. 1908 Jean Paul hat uns in seinen dichtungen gezeigt, zu welchen wundern an tiefe und reichtum .. sich die für die entwicklung der menschheit so hochwichtige sentimentale weise des fühlens zu steigern vermag Volkelt dicht. u. philos. 113. 1997 fußball .. bringe schamlos die lehre der anthroposophie zu fall, die den menschen in kopf (denken), brust (fühlen) und ‘unteren bereich’ (wollen) gliedert frankf. allg. ztg. 176,31. 2 wahrnehmung mit den sinnen, vor allem mit dem tastsinn: ⟨1338⟩ den lib gehoret vulen an,/ dy sele nicht gevulen kan,/ want si ist eyn luter geist Hiob 1110 DTM. ⟨E14.jh.⟩ unnd dicke sint gar unfossen/ mit griffen unnd helsen und auch kossen; .. aber in eime so gethane fulen/ kan man di unkuscheid nicht gekulen Rothe keuschheit 4710 DTM. ⟨1526⟩ die wehmutter rechnet mir vmb s. Johannes tag, vnd das stymmet auch cum tempore conceptionis. ich habe gerechnett nach dem ersten fuelen Luther brw. 4,81 W. 1560 letztlich mit greiffen, fülen oder rüren, do schendlich gesündigt wirt am leibe kath. katechismen 508 M. 1607 nach vnterscheid der kranckheit, diese beide wasser auch am gewicht vnterschieden sein werden, darumb ich diese gewisse experientz, viel warhaffter vnd eigentlicher achte, denn die blosse muthmassung aus dem begreiffen, tasten vnd fülen der pulßadern Zeisingk theatrum 1,44. ⟨v1678⟩ das anrühren oder fühlen, wie auch der geschmack, müssen in diesem vorgangs-urtheil zu rücke stehen Butschky rosen-thal (1679)903. 1713 dann wenn solcher recht vollkommen ist, so ist der gute geschmack und geruch davon auch ein mercksames zeichen, wie auch das fühlen, ob er nicht noch zu weich oder hart gnug sey Carlowitz baum-zucht 141. 1779 ausserdem zeiget sich noch von einerlei sorte eine sommerfeder dadurch an, daß ihre fahne oben eine scharfstehende spizze hat, die dem fühlen der finger empfindlich fällt Halle werkstäte (1761)6,78. 1829 wie vom hören, hatte sie auch vom fühlen, schmecken und riechen keine erinnerung mehr Kerner seherin 1,223. ⟨1843⟩ glaube ist eine physische geisteskraft, .. es ist das hören des geistes, sein fühlen, sehen, schmecken und wittern B. v. Arnim 6,164 Oe. 1995 nach den erfahrungen des chirurgen .. läßt sich die daumenspitze, die zum greifen, tasten und fühlen von entscheidender bedeutung ist, am besten mit hilfe von mikrochirurgischen verfahren rekonstruieren frankf. allg. ztg. 189,N3. 3 intuitives verstehen, einschätzen. in abgrenzung zu denken, handeln usw.: 1522 daher bitt ßo fast der ps. 118., das gott yhn wolt seyn gericht, seyn gesetz, seyn gepot leren, auff das er ia nit nach seynem gutduncken und fuͤlen wandlet Luther w. 10,1,1,27 W. 1553 es fehlet vns nur, das wir nach vnserm fuͤlen gottes werck richten Sarcerius ehestand 123a. 1647 man kan auch wol so vnvernünfftig mit den geschribenen gesetzen gegen alles gesundes fühlen vnd weisen rath verfahren SeifertSpee, gewissensb. 36. 1752 bey innrer fähigkeit zum fühlen und zum denken,/ sollt ihm die gottheit nicht die kräfte selber schenken? Wieland natur 59. 1774 alle wirkungen des witzes bestehen dennoch im fühlen Haller tgb. beob. 2,18 H. 1845 beim menschen, der auch durch sein denken, fühlen und wollen einen gattungsact verrichten kann, ist das allmälige schwinden aller seiner geisteskräfte der sichere vorbote seines natürlichen todes rhein. jb. 1,9 P. ⟨1918⟩ geben wir .. nicht leichtfertig auf, was inbegriff nationalliberalen denkens und fühlens durch ein halbes jahrhundert gewesen ist Stresemann rev. (1919)39. 1978 werte sind uns im fühlen, genauer im ‘wertfühlen’ gegeben Grabner‐H. vernunft 25.

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„fühlen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/f%C3%BChlen>, abgerufen am 28.11.2020.

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