Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

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fülle, f.

Fundstelle: Band 9, Spalte 1235, Zeile 21 [Katzmann]
FÜLLE f.   ahd. fullî, follî, mhd. vülle. mnd. vülle; mnl. volle, vulle, nnl. volle; ae. fyll, me. fille, ne. fill; an. fylli, norw. fyll, dän. fylde, schwed. fylle; got. (ufar‐)fullei. abl. von voll adj. (ahd. follî als nicht lautgerechte abl.); sehr selten im plur. – das wort erscheint häufig als begriff der seelensprache des 18. jhs., vgl. dt. wortgesch. (31974)2,120–122 M./R. A das angereichert‐, voll‐, vollendetsein. 1 zustand des angefülltseins. a übersättigung, trunkenheit; völlerei: 8.jh. saturitas .. fulli ahd. gl. 1,49,24 S./S. ⟨1264⟩ daz der rîchen liute kinde vil minre wirt ze alten liuten unde ze gewahsenen liuten danne der armen liute kint, daz ist von der überfülle, daz man der rîchen liute kint tuet mit fülle (bearbeitung) Berthold v. Regensburg 1,433 P./S. ⟨u1300⟩ fulle und alle trunckenhait/ ist dem achten staphen lait Heinrich v. Neustadt Apollonius 12062 DTM. ⟨u1460⟩ ain meczker .. sas ain mal an der vasnacht die ganczen nacht pey der fúll und frásserey Hartlieb dialogus 302 DTM. 1548 wenn einer lebt im vollem fraß/ der wirdt faul, treg, gleich wie ein aß,/ drumb ist die fuͤll vnd vberflut/ schedlich, zu keiner tugent gut Waldis Esopus 164a. 1575 sauff dich voll vnnd leg dich nider, steh fruͤ auff, vnd fuͤll dich wider, so vertreibt ein fuͤll die ander Fischart geschichtklitterung 142 HND. ⟨1623⟩ du suchest vnd ehrest nur den eusserlichen abgott, als silber vnnd gold, kupffer vnnd fülle des bauchs zu deiner vppigen sodomitischen wollust Böhme mysterivm (1640)358. b das ausgestattetsein mit inhalt, völle. meist im gegensatz zu leere, leerheit. selten, ahd. singulär: ⟨v1022⟩ sî sâr geuuar uuerdende in fone neuueiz uuelero fulli ersparten unde inblahenen Notker 2,166 ATB. 1673 und gehet in allen den jenigen, .. als in welchen ermeldte theile berührter saamenhafften materie viel in ihnen haben, und wegen solcher fülle gleichsam bartzen, und sich aufblähen, eine .. wütende und unsinnige begierde vorher Pfizer natur 111. 1715 damit wird wechsels=weise so lange fortgefahren, biß das fäßgen seine fülle hat Amaranthes frauenzimmer-lex. 10. 1795 eine ruhe, die .. aus der fülle nicht aus der leerheit fließt Schiller 20,473 nat. 1822 beide verhalten sich zueinander wie leere und fülle Schleiermacher dialektik 180 O. 1851 upln .. die fülle, das vollsein Šumavský slovník 1064a. ⟨1907⟩ ihr gestorbensein/ erfüllte sie wie fülle./ wie eine frucht von süßigkeit und dunkel,/ so war sie voll von ihrem großen tode Rilke (1927)3,101. in der verbindung fülle des herzens u. ä. ‘angefülltsein mit gefühlen’; bildlich. singulär im mhd., meist im 18. jh.: ⟨E13./A14.jh.⟩ der munt des menschen sprichet von dem, daz im inne ist, als unser herre sprichet, daz ‘der munt sprichet von der vülle des herzen’ meister Eckhart dt. w. 5,19 Q. 1734 würde ich aber nicht partheyisch scheinen, wenn ich aus der fülle meines herzens redete? Gottsched br. 1,85 R. 1774 wie ausgetroknet meine sinnen werden, nicht einen augenblik der fülle des herzens, nicht eine selige thränenreiche stunde Goethe Werther 1,77 ak. 1848 doch jauchzt mein herz in seiner fülle,/ und freut sich schlaflos seiner glut Geibel juniuslieder 47. 1926 was hier mein gütiger lehrer aus der fülle seines liebevollen herzens geschrieben hatte, legte mir die pflicht auf, seine worte zu bewahrheiten Ostwald lebenslinien 1,162. c krankhafte schwellung; blähung. selten: 1497 ein ander salb die do fleisch machet waschsen in frischen wunden besunder in eym glid do by ist die fylle der conplexion der kelte Brunschwig cirurgia 122a. 1564 dise salb ist auch zu allerhandt klüben vnnd füll der roß an bein guth Wolfgang ii. 1. roßarzneib. 125 S. ⟨1656⟩ es ist zu besorgen wegen ihrer (krampfadern) grossen fülle, sie möchten auffspringen J. Schmid speculum (1675)307. 1774 das zeitalter fremder wunschwanderungen, und ausländischer hoffnungsfahrten ist schon krankheit, blähung, ungesunde fülle, ahndung des todes! Herder 5,510 S. 1864 in der hälfte des april erklärte mich der arzt, da jede alte und böse fülle dahin war, für gesund Stifter 20,216 S. 2 volle ausprägung von etwas. a vollkommenheit, ganzheit; erfüllung. meist von abstrakta und religiös: 863/71 thaz wiht thar missihulli thes lichamen folli Otfrid IV 29,48 E. ⟨11.jh.⟩ ih chad in mînero gnuhte diu in plenitudine deitatis (gl.: in uolli gotheite) ist in: Notker 3,1,153 ATB. ⟨E13./A14.jh.⟩ inneblîbende in dem êrsten beginne der êrsten lûterkeit, diu dâ ist ein vülle aller lûterkeit meister Eckhart dt. w. 1,382 Q. ⟨u1370⟩ in dir ist leiphafticleichen gewesen aller eren vnd aller gnaden full Johann v. Neumarkt 2,185 K. ⟨u1480⟩ plenitudo .. volkummenheyt der fulle. vel der erfullung Melber voc. [Nürnb.o.j.]118b. ⟨1528⟩ dieweil nun die fülle und summa alles gotlichen verhaissens und willens in diesem testament reichlich begriffen (ist) qu. täufer 5(1951)259. ⟨v1565⟩ auß seiner (Christi) fuͤlle haben wir alle empfangen gnad vmb gnade Mathesius hist. Christi (1568)1,91a. 1610 in solcher liebe siehet die liebhabende seele die fülle der vnbegreifflichen allmacht gottes Arndt christenthumb 2,329. ⟨1674⟩ was wiltu sagen von Christo, der war gott selbst, und die fülle der gottheit wohnete in ihm H. Müller liebes-kuß (1679)286. 1703 jene (reinigung) aber kommt .. den cherubim, welches fülle der weißheit bedeutet, zu Arnold myst. theol. 145. 1778 er schmeckte die süße freyheit in all ihrer fülle Jung‐S. wanderschaft 48. 1824 wie aber auch die person des regenten bestimmt sein möge, immer muß in seinen händen die fülle der macht ruhen Henke recht 81. 1871 dort wird die fülle sein, die fülle des lebens, die fülle des friedens, die fülle der liebe, die aus gottes herzen ausströmt Uhlhorn pred. sonntage (1870)2,249. 1935 in Jesus trat die fülle der verborgenen gotteswirklichkeit in die geschichte Guardini unterscheidung 210 K. 1955 so ist im zölibat fülle und freude, ‘coeli beatitudo’, himmlische seligkeit Bovet weg 58. in der verbindung in der fülle stehen in voller pracht, schönheit, wohl im anschluß an hohel. 5,12. vereinzelt im frnhd., danach auslaufend: 1524 seyne augen sind wie tauben augen an den wasser bechen, mit milch gewasschen vnd stehen ynn der fuͤlle Luther bibel 10,2,142 W. 1653 die bäume werden schön/ in jhrer fülle stehn kirchenlied 3,400b F./T. 1755 wann itzt im frühling muntrer jugend/ ihr busen in der fülle steht Uz 88 DLD. 1813 sein (des gartens) vornehmster schmuck sollten .. meine in der fülle stehenden felder mit kohl und küchekräutern (sein) J. G. Jacobi s. w. (1807)7,48. b volle ausdehnung in größe, zahl; vollständigkeit. vereinzelt, meist vom mond: ⟨11.jh.⟩ unz plenitudo gentium (gl.: folli dieto) chumet in: Notker 3,1,297 ATB. 2.h15.jh. in der nacht da was ein finsternüß, der mond was in der füll (Nürnb.) chr. dt. städte 10,227. 1587 plenitvdo fuͤlle, volstendigkeit. crescere ad plenitudinem, zu volstendiger oder volkomener groͤsse auffwachsen Faber thes. 626a. 1699 die eroberung geschahe den 2. sptembris (!), im vollmond. gleich da das monden=liecht ist zu der fülle kommen,/ reißt tapfrer christen faust den türckschen ofen ein d. schles. Helicons ged. 29. 1858 als er (der mond) in seiner fülle war, hat er mir schöne tröstungen bereitet R. Wagner tgbbl. u. br. 4798 G. c vollendung, überwiegend in der verbindung fülle der zeit. meist religiös, vereinzelt: ⟨11.jh.⟩ daz ist danne so plenitudo temporis (gl.: folli zîtis) chumet in: Notker 3,1,171 ATB. ⟨E13./A14.jh.⟩ got sante sînen sun in der vülle der zît der sêle meister Eckhart dt. w. 1,74 Q. 1563 ich wil .. dich mit meinem geyst beseligen vnnd im todt erhalten vnnd von todten inn der fuͤlle der zeyt erwecken Mathesius ehestandt Q4b. 1644 dahin ist alles von Christo ausserhalb vns, doch nicht ausser dem wesen menschlicher, das ist, vnserer aller natur, in der fülle der zeit geschehen Hoburg misbräuche 127. 1665 der allmächtige gott wil .. denen armen menschen seinen sohn zu ihrer seeligkeit in der fuͤlle der zeit senden Olearius erinn. 67. 1700 wiewol du aber, hertzlieber Jesus, zur fülle deiner zeit bist auff die welt geboren wie ein anderer mensch Arnold kirchen-hist. (1699)3,275a. 1820 endlich erbarmt sich gott der sündigen welt. die fülle der zeit erscheint; ein gebot des römischen kaisers geht aus Goethe I 41,1,172 W. 1855 warum ordnete er (gott) es so, dass erst in der mitte als der fülle dieser langen zeiten der wiederbringer erschien ..? Delitzsch psychologie 106. 1937 in die fülle der stunde stößt das wort: ‘ist das nicht der sohn Josephs?’ Guardini herr 59. 1976 die endgültige bejahung des salomonischen tempelbaus .. ist (für Newton) das ziel der kosmischen schöpfung und die fülle aller zeiten F. Wagner Newton 73. d wölbung, rundung, meist vom menschlichen körper, auch dessen üppiges ausmaß: 1477 in dem lentzen zÿmpt wol getemperirte speise die lind seint vnd messigklichen durch die fuͤlle die der leib in dem winter hat eingenommen Ortolff artzneipuch 46b. ⟨1755⟩ es bietet sich hier allezeit die wahrscheinlichkeit von selbst dar, daß in der bildung der schönen griechischen körper .. ein reicheres maaß der fülle gewesen, ohne magere spannungen, und ohne viele eingefallene höhlungen unserer körper Winckelmann w. 1,19 F. 1826 alles an ihr hatte eine rundung, eine zarte fülle bekommen Hauff mann 1,6. 1863 dem Bacchus .. fehlt auch der leiseste hauch der abgerundeten fülle, in der die Griechen ihre jungen götter bildeten H. Grimm Michelangelo (1860) 2,210. ⟨1921/2⟩ die mutter .., die wegen ihrer fülle auch nur die winzigsten schritte machen konnte Kafka schloss (1951)46 B. 1974 dann sieht Zerutt auf einmal nicht mehr wie der leibhaftige verfall aus, er hat wieder ein gesicht mit einer spur von fülle Muschg Albisser 368. 2003 der andere .. sprach dem weißbier sehr zu, wohl um seine fülle noch zu fördern. ja, er war so dick, dass .. süddt. ztg. 140,37. e intensität, stärke; von sinnlichen eindrücken, empfindungen u. ä.; vor dem 19. jh. vereinzelt: 1652 du soltest wol Benoni, schmertzenkind, heissen,/ .. dein vater auch, weil mich der tod so färbet,/ die fülle fühlt von schmertzerregter noht,/ die jhn lebendig sterbet Birken Teutonie 52. 1775 dass ich .. den zauber der liebe vergebens mit einem drang, einer fülle ausspreche, dass ich meine, ich müsste den mond herunter ziehen! Goethe jugendw. 2,163 ak. 1822 als ich .. mich aufrichtete, war mein zelt voll des herrlichsten geruchs .. von daher kam mir die fülle des guten dunstes ders., I 33,101 W. 1897/9 unendlich an fülle, tiefe und zartheit muss das gefühl sein Wolfskehl ges. w. 2,212 R./B. 1939 Rembrandt besaß .. etwas, das höher steht, weil es mehr gefühlskraft, mehr fülle und mehr malerische phantasie voraussetzt Scheffler form 165. 1966 der wohlklang seiner stimme, .. deren wütender schrei sogar noch tonliche fülle besaß, war ohne vergleich Abendroth neugierige 128. 2003 charakteristische obertonbereiche .. verleihen der stimme charakter, fülle und tragkraft süddt. ztg. 115,17. 3 reichhaltigkeit. a (über‐)reichliches vorhandensein, vielzahl. αgroße anzahl, menge (an etwas); überfluß. nhd. hauptgebrauch, meist mit genitivattr. oder präpositionalphrase: ⟨v1022⟩ ube indigentia îo gîêt unde îo gerôt unde mit sachôn erscoben uuirt sô uuerêt sî nôte îo ze dero fulli. sîd tiu fulli sîa netîligôt .. sô nezegât si Notker 1,2,155 ATB. ⟨n1190⟩ von spise vnd von gewanden/ was die vulle in sime hofe Herbort 105 F. ⟨1252/5⟩ bî des brôtes giricheit/ sint uns alle die ûzgeleit,/ die in der werlde girde streben,/ wie sie in grôzer vulle geleben Heinrich v. Krolewiz 3813 L. hs.2.h14.jh. in deme riche ist di vulle der nusse von Indie genumit unde sint gar groz Marco Polo 56 DTM. hs.u1470 wô man ûf erde in sunden lît/ und gûtes lebens pfligt und ouch der fulle,/ den warn ich hie, wan es ist zît meisterlieder kolmarer hs. 128,62 LV. 1525 dort fliehen wyr und hassen den mangel und suchen die fuͤlle Luther w. 17,2,195 W. 1566 es sein iren vil hernach, als sie wider in die fülle der speis kommen, gestorben, die sich überesen haben zimmer. chr. 24,268 B. 1620 gold, silber und münz ist die menge und fülle bei ihm schausp. engl. komödianten 53 T. 1669 keine lieb ohne argwohn, keine ruhe ohne forcht, keine fülle ohne mängel Grimmelshausen Simplicissimus 457 Sch. 1732 so verlang ich nichts mehr hier,/ fülle, reichthum und erbarmen/ hab ich stets in Jesu armen Henrici ged. (1727)3,126. 1792 ich sah noch keinen menschen, der das leben in üppiger fülle genoss, und der – ohne schwärmer zu sein – den tod verachtete W. v. Humboldt I 1,138 ak. 1843 es wurde viel gegessen und getrunken; wo die genießbaren vorräthe in solcher fülle herkamen, mag gott wissen Holtei 40 jahre 1,69. 1859 dagegen hat die californische küste deren (häfen) eine nicht unbeträchtliche anzahl, und dazu eine unerschöpfliche fülle trefflichen bauholzes Andree wanderungen 1,296. 1923 doch bring ich mehr. aus meinen händen quillt/ der überfluß. aus jedem meinem schritt/ sprießt fülle dir Ernst kaiserb. 1,1,18. 1962 die unübersehbare fülle der tatsachen und zusammenhänge läßt unzählige trugschlüsse zu Jacobs bewegung 364. 2003 das riesige angebot .. bietet eine fülle von optionen süddt. ztg. 7,17. βmenschenmenge, volk. selten, zuletzt nur in der verbindung fülle der heiden (im anschluß an Röm. 11,25) bezeugt: ⟨1279/98⟩ durch daz quam dha mit heres vulle/ gevaren keyser Heynrich braunschw. reimchr. 4489 MGH. ⟨1.h15.jh.⟩ so soͤllend ir .. alle siechen miden und villy des volcks arch. gesch. med. 8,278. 1523 die fulle ist das volck Israel, .. wie Paulus die christenheyt nennet die fulle Christi Luther bibel 8,670 W. ⟨1584⟩ es sey die zeyt herzu kommen, darinn die fuͤll der heyden hinnein gehn solten, vnd also gantz Israel selig werde Nigrinus hoch achtung (1587)407. ⟨1623⟩ der heyden fülle ist am ende Böhme Iosephus (1631)212. 1716 bis die fülle der heyden eingegangen sey curieuse br. 201. 1888 einst, wenn die fülle der heiden eingegangen, wird auch Israels fülle gläubig Döllinger vortr. 1,213. γdichte; von haaren. vereinzelt: 1787 die ganze anzahl von jahren .., für welche mir die ausserordentliche fülle meiner haare im stande meiner schönheit gewähr leistete Wieland Dschinnistan (1786) 2,167. ⟨1817⟩ rings um sie fließt des haares goldne fülle E. Schulze s. poet. schr. (1818)4,259. ⟨1858⟩ Ottiliens losgelöstes haar floß bis an die knöchel .. die ganze gestalt (war) von der herrlichen, unvergleichlichen fülle bedeckt M. Hartmann ges. w. (1873)4,244. 1919 das haar ist eine luftige, lockere masse, ein wolliges vlies, eine binde schlingt sich durch die üppige fülle Salis kunst d. Griechen 186. 1978 die hohe stirn, die sich in die vorn schon licht werdende fülle des schwarzen haares hineinbog Bütow harfe 239. 2003 sie (kinder) liebten es, damit (haar) zu spielen. als die mutter in der stolzen schwarzen fülle die ersten weißen boten entdeckte, erfand sie ein neues spiel süddt. ztg. 162,37. b vielfalt; vieldeutigkeit; komplexität: 1641 also zwar, daß jener (sprache) der Teutschen wegen der künstlichen fülle .. die oberstelle zugeeignet werde Schottel sprachkunst 36. 1796 uebrigens nehme ich beyde (wörter) in ihrem würdigsten sinn und in der ganzen fülle ihres begriffs Schiller 20,493 nat. 1836 ich begriff die ganze tiefe und fülle des spaßes, der darin enthalten war Heine s. w. 7,81 W. 1863 ich habe bisher nirgens, als im Plato .. die entwicklung eines begriffs zu der ganzen fülle seines inhalts gefunden Ruge zeit (1862)3,173. 1933 hier bedarf es eines übergreifenden blickes, dem sich der wesenhafte kern in seiner fülle aufschließt Wehrung gesch. 133. ⟨1971⟩ in den sogenannten primärgruppen .. findet die bildung der persönlichkeit in der gefühlsmäßigen bindung und orientierung an partnern statt, deren gegenwart unmittelbar, spontan, in der ganzen fülle der personhaftigkeit .. erlebt wird Rüegg lebensordnung [1978]72. 2003 als ‘vitale wachstumskraft’ bezeichnet der segen die menschlichen erfahrungen der fülle des lebens süddt. ztg. 115,14. B etwas, das etwas an‐, ausfüllt. 1 inhalt, rauminhalt: ⟨v1022⟩ domini est terra et plenitudo eius truhtenes ist diu erda unde iro fulli Notker 3,1,121 ATB. hs.13.jh. beweget werde daz mare unde di fulle sin trierer ps. 449 G. ⟨u1300⟩ da was ein lutzel wines doch/ in eime fazze bliben noch:/ daz wolte di frouwe lobelich/ den siechen deilen umme sich./ .. wie lange si daz giezen dreib,/ ir maz in glicher fulle bleib/ unde des wines gliche vil hl. Elisabeth 3666 LV. hs.1431 also das er nu .. ainen graben und ain fulli darin machen und dan uf dieselben fulli ain buchhus buwen und setzen sol konstanzer leinengewerbe 2,29 W. 1534 vor Hansen Langenmosers hus, da sol es alwegen ufgfüllt bliben .. baide jar .. sollend alle inhaber der selbigen behusung und hofraite zwüschmet dem hus und bemelter fülle ainen guoten gatter geben rechtsqu. St. Gallen I 1,33. 1572 der her daer ist mein grůnd ůnt bode ve̊st,/ meins bechers fuͤl, mein’ rend ůnt zins-einkommen Schede psalmen 53 HND. 1616 multiplicir das feld dess runden bodens in die halbe höhe dess schnitzes, so kompt der raum oder fülle dess kugelschnitzes Kepler 5,532 F. ⟨1656⟩ zum andern ist die blasen ein rechter behalter aller feuchtigkeiten deß leibs, .. (die) auch wegen der fülle sich außdehnen muß J. Schmid speculum (1675)118. 1724 die fülle, womit der meuler ausgefüllet wird, .. soll nicht im stehenden holtz, sondern im dürren und brüchen genommen werden Fleming jäger (1719)2,332b. 1794 ein gefäß dem man mehr zugießt als es halten kann, muß, um dem ueberflusse raum zu geben, von seiner ersten fülle in gleichem maasse von sich lassen F. H. Jacobi Woldemar 1,69. 1807 so gleichgültig es ist, die zunahme eines lochs als vermehrung seiner als der leerheit, oder als vermehrung der herausgenommenen fülle auszusprechen Hegel phänomenologie (1921)181 L. 1877 der eigentliche wille .. erhält erst allmählich inhalt und fülle Frohschammer phantasie 503. 1923 die sichere fülle des grossen raumerlebens zusammen mit der geometrischen einfachheit der linienführung gibt dem bilde die klassische haltung Gerstenberg landschaftsmalerei 84. 2 das innere gefüllter speisen, älter auch ‘wurst’; vgl. füllsel n. 1, füllung f. 1 c. meist im 18. jh., gegenwartssprachlich noch im obd.: ⟨1.h14.jh.⟩ eynen holbroten wol gemaht, wol zweier vinger breit gesniten vnd gefuͤllet wol mit eyner gůten fuͤlle b. v. guͦter spise 40 TSM. ⟨v1485?⟩ mach ein fül von ayren vnd geribem keß oder geriben leekuchen kuchemaistrey (1493) a9b. 1541 farcimen .. ein wurst, fülle, pasteten Cholinus/F. dict. 443b. 1557 nimm das jung hůn bey der brust auß, streck jm seine bein, bind es an ein gerten vnd rüst die fülle Heuszlin vogelb. 80a. 1616 die fülle deß fladens, oder torten, von käß, ayern, honigen, weinberen Henisch t. spr. 1,1285. 1669 farce .. fülle, gefülsel, klein gehackt fleisch dict. françois-alleman 450a. 1715 in die außgehöleten aepffel thue alsdenn die fülle Amaranthes frauenzimmer-lex. 86. 1778 so sind sie (aprikosen) auch in fruchttorten eine der besten füllen Germershausen hausmutter 2,792. 1849 eine reichsverfassung ohne reich! – das ist wie eine pastete ohne fülle! Pfizer einheit 27. 1911/25 fülle .. füllung, füllsel siebenb.-sächs. wb. 2,517a. 1963 fülle f. .. ‘füllung im geflügel’ Mitzka schles. wb. 1,348a. 2003 die fülle (des spanferkelrückens): nicht ein den magen zustopfender semmelpams, .. sondern eine reelle fleischfarce süddt. ztg. 298,N1. 3 (zubereitete) nahrung, speise. vereinzelt, zuletzt im übergang zu A 3 a α: ⟨u1370⟩ du speisest rein gedancken, nicht des bawchs fulle Johann v. Neumarkt 2,194 K. ⟨u1450⟩ du bist genant Smagkfol,/ dar umb bistu eyn schusul:/ du smeckst eyn fulle uber czwo milen rhein. ostersp. 680 R. 1521 solche fulle sol unschedlich, nutzlich und seliglich sein, das sie leyb und seel mit allen krefften wol thu Luther w. 7,594 W. 1653 du wirst uns mit fülle speisen kirchenlied 4,96b F./T. 1732 du wollest, wann dich gott und glück/ mit aller fülle dieser erden/ für dich nach wunsch gesättigt hat,/ für uns dennoch nicht lebenssatt,/ als biß nach höchstem alter, werden poesie d. Niedersachsen 4,72 W./K. 1808 auf ihr faulen! schaffet sogleich den thätigen männern/ was der magen bedarf ../ also sprach sie, und jene gehorchten, verdrossenes herzens,/ eilend, und schafften die fülle heraus, die mäuler beladend Goethe epen 1,307 ak. in der formelhaften verbindung hülle und fülle zunächst (kleidung und) ‘nahrung’, seit dem 16./17. jh. zunehmend im anschluß an A 3 a α: 1527 da .. er (Jakob) keinen lohn verdienet hatte denn huͤlle und fuͤlle, futter und decke .., werden sie der sache eins des lohns halben Luther w. 24,536 W. 1579 dieweil es .. auff erden fuͤrnemlich vmb ein suppen vnd jupen, das ist, vmb fuͤlle vnd huͤlle, vmb nahrung vnd kleidung zuthun ist Schwab geitzwagen F5b. 1644 (so) bedachte er mittel vnd wege in seinem land allewege die hüll vnd die füll, ja einen vberfluß in allen sachen zuverschaffenBoccalini, relation 68. ⟨v1678⟩ alle thiere .. seyn denen menschen, zu nutz und dienste erschaffen: .. vögel, fische und thiere, den menschen mit hülle und fülle zu besättigen Butschky rosen-thal (1679)961. 1735 so lang ich diesen habe, fehlt mirs an keiner gabe: der reichtum seiner fülle giebt mir die füll und hülle gesangb. Herrn-Huth 239b. 1778 ein engel gottes soll ihr haus/ und ihren hof bewachen!/ .. und soll euch liebe kinderlein/ die hüll’ und fülle geben Claudius s. w. (1775)3,133. 1843 Franzosen und feinde (kamen) in hülle und fülle Stifter erz. 2,173 S. 1852 der holzhacker .. hatte alles, was er sich nur wünschen mochte, in hülle und fülle Zingerle volksdicht. 1,250. ⟨1901⟩ eine hülle und fülle der möglichkeiten zweckmässiger verwendung solcher terrains bietet sich dar Henrici beitr. [1904]195. 1953 als der krieg vorbei war, gab es wasserflugzeuge in hülle und fülle aus beständen der luftwaffe zu kaufen Zahn freunde 189. 2003 das hoch Liliana sorgt weiter für sonnenschein in hülle und fülle süddt. ztg. 65,1.

füllen, vb.

Fundstelle: Band 9, Spalte 1239, Zeile 69 [Katzmann]
FÜLLEN vb.   ahd. fullen, mhd. vüllen. as. fullian, mnd. vüllen; mnl. nnl. vullen; afrs. fella; ae. fyllan, me. fillen, ne. fill; an. fylla, norw. fylle, dän. fylde, schwed. fylla; got. fulljan. abl. von voll adj. 1 etwas (gebot, wunsch u. dgl.) erfüllen, befriedigen, im erstbeleg ‘vollenden’. meist ahd./mhd. bezeugt, danach auslaufend: ⟨790/802⟩ completo opere .. kefultemu benediktinerregel 249,29 S. u830 thaz giscrib uuerde gifullit quedenti Tatian 2203,4 S. ⟨v1022⟩ apostoli sint dîn reht uuanda sîe fullent iz Notker 3,1,206 ATB. hs.E12.jh. sæliger man der da fûllet girde sine uon in (ps. 127) cod. pal. vind. 2682 1,213 LGF. ⟨1215/6⟩ swer girigen muot vüllen wil/ mit guote, der müet sich gar ze vil Thomasin 13850 R. ⟨u1310/30⟩ du bist gotes paradîse,/ dâ gepflanzet wart diu spîse,/ diu nâch wunsches rîcher wîse/ alle girde füllen mac schweiz. minnesänger 367 B. 1527 die hungert nach dem guten, den fült er jr beger kirchenlied 3,618 W. 1592 dieweil man jhr (feinde) allein darumb verschonet, daß man den geitz fuͤllen, vnnd ein gewin von jhnen .. haben moͤge Oswaldt respvblica 39. 1648 und die fürsten mehrer theils,/ folgend ihrem schnöden willen,/ der ein werckzeug des unheyls,/ ihren lust mit lastern fillen Weckherlin ged. 2,252 LV. ⟨v1671⟩ was hilfft dem Tzafer (in der wüste verirrter wanderer) gold noch geld?/ es kan doch sein begehr nicht füllen/ und weder durst noch hunger stillen Olearius rosen-thal (1696)50a. 1735 der, seit er nun der seelen schmertz gestillt,/ auch die begier der seel alleine füllt Zinzendorf ged. 1,185. 1774 er ist nicht der mensch, die wünsche dieses herzens alle zu füllen Goethe Werther 1,91 ak. 2 jmdn., etwas (ganz oder teilweise) mit inhalt versehen. a etwas voller, vollmachen. von vertiefungen, räumen, hohlräumen (behältnisse, gefäße u. dgl., auch speisen). hauptgebrauch: u830 thó quad ín ther heilant: fullet thiu faz mit uuazaru Tatian 245,5 S. ⟨1060/5⟩ er fulte des weizes die secche wiener genesis 2327 S. ⟨u1120/5⟩ da stunden sehs chruge stainin, di fulten si al gemaine Ava leben Jesu 59,2 M. ⟨u1285⟩ gefüllet und geladen wart/ mit dem geziuge manic kiel Konrad v. Würzburg trojan. krieg 23582 LV. hs.M14.jh. sy quamen unde fulten beide schif also ful daz sy undir gyngen evangelistar 1,109 F. ⟨1.h15.jh.⟩ man soll sie (tauben) mit speck, mit wachalternn vnd salbej fullenn vnd pratenn meister Eberhard kochb. 106 F. ⟨1532⟩ so sollen bemelt vnsere froͤner selbs messen, und einsehung haben, damit der khuͤbl recht gehauͤfft, und die maß ordenlich gefült, und gegeben werde samml. baier. bergrecht 220b L. 1579 wann die grube vngefaͤr eynes halben schuchs tieff gefüllet ist, soltu den grund mit füsen .. tretten Sebiz feldbau 371. 1617 alßdan macht der schmeltzer das aug des ofens wiederumb zu, vnd füllet jhn mit kollen vnd ertz Löhneysz bergkwerck 90. ⟨1674⟩ die krüge müssen leer seyn, wann sie gott mit oel soll füllen H. Müller liebes-kuß (1679)312. ⟨v1716⟩ man schlug die sturm=glocke, und füllete säcke mit erde, und warf sie in den bruch Bilkau hadeleriologia (1722)140. 1769 zu den zeiten des Seneca brannte und vergrößerte man nur noch durch gläserne mit wasser gefüllte kugeln Lessing 10,386 L./M. 1802 bruder Philipp füllte schweigend die gläßer. sie wurden geleert Vulpius Orlandino 1,28. 1860 ein communicant, bei welchem der kelch von neuem gefüllt wird, steht bald gevatter Wuttke volksaberglaube 41. ⟨1904⟩ komm schnell und lindre unsre not,/ der du die krippe füllst Busch 6,345 N. 1955 eine riesige schüssel milchreis .. wurde immer wieder gefüllt Behrmann wunder (1956)121. 2003 mit comics .. kann er ganze kisten füllen süddt. ztg. 44,51. beutel, tasche u. dgl. füllen sich (unrechtmäßig) bereichern, geld bekommen; bildlich. meist frnhd.: ⟨1213?⟩ ie dar under füllen wir die kasten:/ ich hâns an mînen stoc gement, ir guot ist allez mîn:/ ir tiuschez silber vert in mînen welschen schrîn Walther 1134,9 K. ⟨u1300⟩ schônent alle des lîbes hiute/ und nement swaz in werden mac:/ ein und ander füllet den sac Hugo v. Trimberg 16712 LV. 1491 die hern fúllend iern seckel mit irm loͮn Oesterreicher Columella 2,129 LV. 1518 sie .. kunden auch durch die werck der liebe und almußen viel pessers ablas ubirkomen, das wurd aber nit kasten fullen Luther w. 1,388 W. 1582 darzu ein eignen capelan/ allzeit mit jm zu tische han,/ der thet jn straffen nicht,/ all sein sünd lies er jm hingan,/ dardurch füllet er sein seckel schon ambraser liederb. 280 LV. 1621 die müntzer .. haben jhre beutel durch diß verbotene mitel gefüllet, also daß sie sich nun von dem raub vnnd diebstall mesten Lampius de foetu 13b. ⟨1663⟩ die welt ist jetzunder so geldbegierig, daß sie immer etwas hervor bringet, sich zu bereichen und den beutel zufüllen Schorer medicina (1677) 92. 1712 ihr .. habt alsdann einen stinckenden schatz, der euch künfftig den beutel mit geld füllet, dann ihr bedörfft hinführo keine düngung auff den acker noch weinberg führen Schröter hauß-verwalter 39. 1782 zum dritten füllt so ein mädchen (prostituierte) den beutel/ der aerzte Blumauer ged. 129. 1886 die leute erkannten, daß diese unternehmungen nicht bloß den aktionären die taschen füllten, sondern dem ganzen lande zu gute kämen Hagen eisenbahn 106. ⟨1935⟩ ‘was heißt das – ’n büschen rubeln?’.. ‘in Riga natürlich – ’n bißchen plündern – das säcklein füllen!’ Dwinger reiter (1941)173. 2003 die parlamentarier könnten sich doch nicht aus klammen staatskassen die eigenen taschen füllen süddt. ztg. 50,7. b mit personen anfüllen. vor dem 19. jh. vereinzelt, oft im zustandspassiv: u830 gifulto uuârun thio brûtlofti sizentero Tatian 2125,11 S. ⟨v1022⟩ unde fullên sie den himel unserro neuôn Notker 2,113 ATB. ⟨u1300⟩ die knehte .. fulton die hôchgezit mit den geladeten dt. pred. 1,130 G. hs.u1480 mein haus ist vor mit leuͤt wol gefiltt egerer fronleichnamssp. 1612 LV. 1529 der bapst .. fuͤllet .. die helle mit eitel christen Luther w. 30,2,195 W. ⟨1584⟩ darumb bereitet er mancherley ruͤstung vnd thürne, vnd fuͤllet die mit den staͤrcksten kriegsleuten Nigrinus hoch achtung (1587)450. 1602 es hat auch der herr graf eben vmb dieselbe zeit, fast alle seine heuser mehr vnd mehr mit soldaten heimlich gefüllet apologia, verantwortung Embden 89. 1664 in einem dorffe stehn, die bauern=kirche füllen,/ das kan ein jeder tuhn Rachel ged. 73 HND. 1795 der platz war ziemlich mit volk gefüllt Goethe I 21,150 W. 1827 der könig .. winkte den leuten, herein zu treten. der saal war alsbald gefüllt Bruckbräu charakterzüge 164. 1866 in dem wirthshause .. war jeder winkel mit soldaten gefüllt Wachenhusen oest. kriegsschauplatz 12. 1930 der waggon .. war dicht gefüllt; denn es war die stunde des geschäftschlusses Feuchtwanger erfolg 1,159. 1959 bis auf den letzten platz war der beethovensaal gefüllt Eggebrecht volk 55. 2003 auch mit unbekannteren boxern ließen sich hallen in Gera, Köthen und Dessau füllen süddt. ztg. 3,24. c jmdn., etwas mit etwas abstraktem, immateriellem erfüllen; übertragen von 2 a her. älter religiös, jünger von gedanken, empfindungen u. dgl.: u830 inti Zacharias sîn fater uuard gifullit heilages geistes Tatian 24,14 S. ⟨v1022⟩ so habent iz aber apostoli fone dir uuanda du sîe fullest spiritu sancto Notker 3,3,753 ATB. hs.E12.jh. uf tust du hant dine und fullest elliv tyere mit segene cod. pal. vind. 2682 1,232 LGF. ⟨1250/4⟩ do santer (gott) in/ den heiligen geist und fulte ir sin/ des heiligen geistis lere Rudolf v. Ems weltchr. 13403 DTM. ⟨1330/44⟩ und pit dich daz du mich volbringest in aller volkumenheit und füllest aller gnoden Langmann offenbarungen 82 S. 1494 des füllt sie got genaden vol Brant narrenschiff b6a faks. 1524 fuͤlle vns frue mit deyner guete Luther bibel 10,1,404 W. 1572 allda füllet er (Theodobert) Italien mit schrecken seines nammens Wurstisen hist. 1,25. ⟨1614⟩ das die schöne Harmonia deß allgemeinen friedens würde getrennet, vnd die welt mit vnglück vnd elend gefüllet werden fama fraternitatis (1616)144. 1657 worauf auch alsobald die groben stücke brüllten,/ und alles in der stadt mit forcht und schrecken füllten Greflinger dreyßigj. krieg D1a. 1735 du wollst mit deinem geist mich füllen gesangb. Herrn-Huth 196. 1775 es drängt sich eine welt voll verwirrung und quaal in meine seele, und füllt sie ganz mit unsäglichen schmerzen Goethe jugendw. 2,196 ak. 1815 sogar dein lispeln glaubt’ ich auch zu lesen,/ womit du liebend meine seele fülltest ders., I 2,12 W. 1899 mit übernatürlicher geschicklichkeit, die mich heute noch mit staunen füllt, brachte ich ihm alles bei H. Seidel erz. schr. 1,57. 1916 die .., welche in der gewaltigen krisis der gegenwart ihre seele öffnen, um sie zu füllen mit dem neuen ideal Kutter reden 80. 1955 das liebeserlebnis offenbart ihm immer neue seiten, füllt ihn mit immer neuen möglichkeiten Bovet weg 55. 2003 dieses .. jahrhundert .. hat mich gezwungen, meine bilder mit einer grenzenlosen traurigkeit zu füllen süddt. ztg. 113,56. jmds. auge(n), ohr(en) füllen jmdn. mit sinneseindrücken erfüllen, innerlich ausfüllen. auch abwertend für ‘oberflächlich befriedigen’; bildlich. vereinzelt, meist frnhd.: hs.1378 dv en woldes des ophers nicht; dv fulletes obir mine oren zwei psalter aus d. 14. jh. 88 DTM. ⟨1460⟩ die grosssen meyster, die den lewten die augen fullen, die machenn sie (salbe) nicht von zcweien stuckenn ader von iii Pfolspeundt bündth-ertznei 114 H./M. u1535 darmit bestrichend sy den eidgnossen das mul, fülletend dem einfaltigen die ougen Stumpf schweizerchr. 1,328 G. 1556 vil trůgend auff beiden achßlen, dientend dem künig so vil sy mochtend, vnd fülletend dem pabst auch die augen ders., Heinrych IV. 65a. 1619 wie der cant vnd alt, tenor vnd alt, so gemeiniglich miteinander fortgehen, einer dem andern die ohren fülle, vnd den ganzen gesang zuwider, auch zum singen verdrossen mache Prätorius syntagma 3,68 B. u1700 also seynd viel unter den bauren, damit sie nicht vor unchristlich gehalten werden, und dem pfarrherrn die augen füllen mögen, stellen sie sich bißweilen in der kirchen ein Veroander lasterprob (o.o.u.j.)126. 1791 da ich mit tönen mein ohr nicht selten zu voll füllte, so suchte ich mich öfters in den gesellschaften der Desmaret’s und Schega’s auszuleeren Schubart leben 1,267. 1829 der eine, der sein ohr mit vollen, anmuthig geregelten tönen gefüllt, geist und seele dadurch angeregt wünscht, dankt er mir’s, wenn ich ihm das trefflichste gemählde vor augen stelle? Goethe I 24,125 W. d sich, den mund, leib, magen, schlund u. dgl. füllen (übermäßig) essen, trinken; zu essen geben, sättigen. häufig frnhd., danach auslaufend: 863/71 thie welfa ../ thero brosmono sih fullent Otfrid III 10,38 E. ⟨v1022⟩ indûo dînen munt ih fullo dir in Notker 3,2,580 ATB. ⟨12./13.jh.⟩ wane were er zu sere gevůllet mit spise vnd mit tranke. so were da angest zu daz er vile in die vleischlicheit dt. pred. 59 L. ⟨n1240⟩ si sprâchen: ‘wê uns armen,/ die nâch ir lîbes gelust/ sô dicke füllent ir brust/ mit trinken und mit ezzen! ..’ Lamprecht v. Regensburg st. Franziskus 2204 W. ⟨u1380⟩ so geet er denn zu der nechsten fulle und fult sich do. so er denn truncken wirt, so stet er denn auf alz ein unsynniger Martin v. Amberg gewissensspiegel 815 TSM. 1488 meniglich wolt müeßig geen; kein zucht, die nacht zu dem tag gefüllt, und ie lenger nach mitternacht ie paß schmecket in der wein (Nürnb.) chr. dt. städte 3,146. 1522 als kunig Attila bey einer hochzeit vnd breutleuff sich gefullet het, starb er gehling Schenck cronica Francken 73. 1560 ich hab ein weib, das wil mir wol,/ füllt mich schier all nacht weines vol Sachs 9,96 LV. 1618 der volle bruder legt sich nieder,/ stunde frü auff, vnd füllt sich wider Sandrub kurzweil 78 HND. 1664 er achtet meiner nicht, wenn er den gantzen tag/ mit brandwein und mit bier den rachen füllen mag Rachel ged. 25 HND. 1708 sie fülleten den leib für drey tage Boßmann, Gvinea 155. 1784 ich beneide den frohen hirtenknaben, .. der weiter keine sorge hat, als seinen bauch zu füllen Knüppel rechte 249. 1820 ich habe ernste honette leute gekannt, die am späten abend sich bloß mit champagner .. füllten E. T. A. Hoffmann 9,168 M. 1850 es ist, als wenn man einem armen teufel ein unbestreitbares recht auf seinen leeren magen zuerkennen, ihm aber gleichzeitig streng verbieten wollte, denselben zu füllen Walter größen 1,57. ⟨1948⟩ ich verachte leute, deren gehirn nicht fähig ist, ihren magen zu füllen Brecht stücke (1953)8,54. e etwas fehlendes ergänzen, auffüllen, oft in der verbindung lücke füllen. bis ins 18. jh. selten: ⟨hs.15.jh.⟩ zen außprechen!/ her an, her an, her an,/ welcher do hat ein posen zan!/ .. und laß auch kein von mir gan,/ ich full im vor die lucken schon fastnachtsp. 1,377 LV. 1623 rimas explere, die spalten außbessern, wieder füllen, vermachen Corvinus fons 660. 1650 allerhand flikwörter aber die in den verß eigentlich nicht gehören, sondern jhn nur füllen helffen, werden verworffen Hadewig anleitung 27. 1765 wenn diese strossenbaue grosse tiefen erweitern und das gebirge lose machen: so mus man bedacht seyn, es an gehörigen orten wieder zu füllen und zu unterstüzzen Halle werkstäte (1761)4,173. 1800 die einzige zuflucht .. ist allein die kritische betrachtung der militairgeschichte, um daraus grundsätze zu abstrahiren, welche allgemein gültig sind, und die lücken füllen können, die sich bis jetzt noch in den materien der strategie so häufig zeigen Venturini taktik 2II 1,1,XVII. 1867 die fagotts .. dienen .. als füllende mittelstimmen Jahn Mozart 1,302. 1910 ein prachtvolles bogenroth loht aus dem wasser,/ und gelb schwellt, und blau schaut, und grün füllt die lücke Däubler nordlicht 2,202. 1962 trotz des bevölkerungszuwachses um 17 vh müssen gegenwärtig ausländische arbeitskräfte hereingeholt werden, um die lücken auf dem arbeitsmarkt zu füllen europa-arch. 17,1,232 C. 2003 das polizeipräsidium (war) nicht in der lage, seine reihen mit bewerbern aus der region zu füllen süddt. ztg. 143,38. f in verbindungen wie papier, seite, band, buch u. dgl. füllen mit text (o. ä.) anfüllen, vollschreiben: 1495 und noch so ist unser rabisch (kerbholz) nicht gefult privatbr. d. ma. 1,312 S. 1522 es moͤcht eyner .. dencken, der koͤnig sey unsynnig, der widder Luther schreybt unnd .. die bletter mit fluchen, schellten, naßen runtzel unnd gifftigen stichen fuͤlle Luther w. 10,2,251 W. 1644 es dient die zusammensetzung so vieler mitlautenden, die nicht gelesen werden, zu anders nichts, als den anfahenden auch frembden leser irre zu machen, und das pappier unnötig zu füllen ertzschrein 264 K. 1668 davon man wol zehen kräuter=bücher hätte füllen können Francisci lust-garten 506b. 1745 ich fülle schier meinen brief mit fragen Ramler brw. 1,36 LV. 1792 ich habe .. eine solche menge von dergleichen beispielen erfahren, daß ich wohl eine ganze chronik damit füllen könnte Laukhard leben 1,196. ⟨1849⟩ noch nachtheiliger wirkt jede rücksicht der einschränkung jährlich zu veröffentlichender vorträge auf die bestimmte stärke eines zu füllenden bandes J. Grimm kl. schr. (1864)1,248. 1870 in dem .. quodlibet füllt er viele seiten mit auszügen aus den gesichten Philander’s von Sittewald Haym schule 79. ⟨1905⟩ zu dem zweck wurden uns große bücher vorgelegt, die mit schönen mönchischen handschriften gefüllt waren Morgenstern stufen (1918)13. 1959 die seiten, die du hier füllst, werden sie der zeit aber auch im letzten gerecht? Schnurre los 48. 2003 mehr als 200 journalisten füllen die spalten des blattes süddt. ztg. 56,47. g in verbindung mit blühenden pflanzen, blumennamen o. ä. ‘blüte, deren inneres mit blütenblättern ausgefüllt ist’. nur im part. prät.: 1539 am oͤbersten der gypffel dragen alle zincken oder aͤstlin ire kleyne geele gefülte bluͤmlin Bock kreütterb. 1,72b. 1591 der geelen lieblichen wolriechenden veieln sind zweyerley art gefuͤlt vnd vngefuͤllt Tabernaemontanus/B. kreuterb. (1588)2/3,22a. 1638 die rosen gelb gefüllt ein gutes ansehn geben ertzschrein 446 K. 1682 die Chineser=rosen wird daselbst fuyo genannt .. sind etliche dünn, nur mit fünf blätlein, andere aber sehr dick und gefüllt Hohberg georgica 1,652a. 1712 die gefüllte brunnenkreß .. trägt schöne weisse gefüllte blümlein Schröter hauß-verwalter 163. 1764 so wie es auch verdoppelte, gefülte, oder auch wucherende blüten, oder blumen gibt Gleichen reich d. pflanzen 1,13. 1810 federnelken, und zwar gefüllte, erhältst du, sobald es rechte zeit ist, sie zu verpflanzen Goethe IV 21,221 W. 1853 jeder, der eine gefüllte rose aufmerksam betrachtet, wird ihre .. staubfäden leicht erkennen Helmholtz vortr. u. reden (1903)1,28. 1935 so glaubt man besonders im schwäbischen, daß die nelken, die zur zeit des vollmonds gesetzt oder gesät seien, gefüllte blüten bekommen (‘doppelt’ werden) Marzell volksbotanik 77. 2001 dieser jasmin ist gefüllt Duden dt. universalwb. 585a. h einen zeitabschnitt mit etwas zubringen. vereinzelt, vor dem 20. jh. selten: 1799 nur das erinnere ich noch, daß durch das vergnügen, welches das lesen angenehmer und nützlicher schriften den kindern verschafft, es den aeltern und erziehern am leichtesten wird, die stunden des kindes mit nützlicher geschäftigkeit zu füllen Eckermann schr. 2,262. 1846 der junge herrscher des landes soll es .. lieben mit büchern und geistlichen schriften seine zeit zu füllen Mügge streifzüge 1,49. 1888 er füllte sein dasein damit, um sieben uhr des morgens aufzustehen, die zeitungen zu lesen, regelmäßige mahlzeiten zu halten Kretzer Timpe 135. 1936 damit sie keine stunde ihrer schönen, bis zum rande gefüllten tage an die ersten übungen zu verschwenden brauchen Schenk spiel 30. ⟨1977⟩ daß ich den rest des vortrages mit tiernamen füllen könnte, von denen man mit sicherheit weiß, daß sie dieses verhalten zeigen Lorenz wirkungsgefüge 301 E.‐E. 2003 sie werden ihren lebensabend ebenfalls mit arbeit füllen süddt. ztg. 257,V1/19. 3 etwas zu etwas hinzufügen; anhäufen, anwachsen (lassen). im übergang zu 2 a: u830 inti sliumo liof ein fon in, intfagana spunga fulta sia ezzihes inti sazta anan rora inti gab imo trinkan Tatian 2208,3 S. ⟨u1120/30⟩ die dorne fullet er (igel, mit trauben) zestunde unde treit si sinene jungen reimphysiologus 128,5 M. hs.A13.jh. celum et terram ego inpleo. ich wlle den himel vnt die erde. werlichen er vullet himel vnt erde wan dehein stat ist da si got dt. pred. 5 L. hs.1378 von deme nie vulte sin hant, di da garben lesent zwei psalter aus d. 14. jh. 253 DTM. u1466 er zerknútzst die seúlen vnd hiewe ab die welde: vnd fúlte ir stett mit bainen der dotten 1. dt. bibel 5,447 LV. 1505 wue sye etlich zuhawen hetten, machten dye Macedonier auß den zurprochen vnd spitzeten stucken dye sye steckten vnder dye gantzen spieß, vnd fülleten dye für eynen walle Schöfferlin/W. Livius 222a. 1564 welchem pferd ein sul wirt abgezuckt, .. mach ein salb vnnd fülle den fueß mit der salb Wolfgang ii. 2. roßarzneib. 190 S. 1602 combler, füllen, auffhauffen Hulsius dict. françois allemand H5d. 1667 und drauf ein regenguß die lufft mit wolcken füllet Boethius, trost 38. 1710 da ihrer einige, so hinüber kamen, ein schönes vermögen mitbrachten, fülleten die Englische ihre städte, und erweiterten ihre gräntzen VischerOldmixon, America 74. 1794 der wind steht in ein seegel, wenn er dasselbe von hinten faßt, oder füllt Ch. G. Müller seewiss. 93. 1805 im vorbeigehen gedachten wir, daß die alten ihre anlagen durchaus gleicher weise gefüllt Goethe I 46,48 W. ⟨1895⟩ jene zwangskraft .., welche in Florenz und anderswo die größten maler dahin drängte, ihre geschichtsbilder mit porträten der lokalen angesehenen zu füllen Burckhardt beitr. kunstgesch. 2258. ⟨1908⟩ der warme wind füllt das segel kaum Kolbenheyer amor (1912)118. 1976 dann fuhren sie mit gefüllten segeln in die nacht hinaus Hagelstange filou 122. mit unterfutter oder besatz ausstatten, verzieren. meist als part. prät. bezeugt; vereinzelt, mhd. auslaufend: ⟨n1190⟩ da die gote stunden/ gezieret harte reine/ mit golde vnd mit gesteine/ .. sie lizzen den got vnd namen daz golt/ vnd daz gesteine dar in geuult Herbort 319 F. ⟨v1209⟩ dâ stêt ein harte schœne gezelt/ von samît rôt unde blâ;/ mit golde ist ez eteswâ/ gevüllet meisterlîche Wirnt 2678 K. ⟨u1300⟩ si schriden unde naden/ alle iesa zu male/ gefullet mit zindale/ den boden fris gecleide hl. Elisabeth 540 LV. 1489/90 item einen schwarzen gfülten rock mit marderkellen dok. gesch. Waldmann 2,223 G. 1531 den brustlatz des rechts solt du .. füllen mit vier rygen voll steyn bibel (Zür.) 1,41c. 1557/9 sy .. nimpt etliche hembder, zwey par hosen und den gefüllten rock Wickram 3,134 LV. 4 etwas, ein bestimmtes ausmaß (vollständig) einnehmen. a bestimmten raum, umfang beanspruchen: ⟨n1150⟩ michil wart der heidenen schal;/ die uulten berc vnde tal trierer Silvester 631 MGH. ⟨1264⟩ unde der heiden was sô vil, daz sie daz lant fulten (bearbeitung) Berthold v. Regensburg 1,37 P./S. ⟨u1300⟩ paide waitz und dinckel:/ sy fulten all ir winckel Heinrich v. Neustadt Apollonius 1148 DTM. ⟨1435⟩ das uber Altenburg ein solchs gross wasser darnider kam, das durch den thiergarten kam und fullet in einer uhre all die keller, die in und uber dem pach waren chr. Bamb. 1,101 Ch. 1530 der stein .. ward ein grosser berg, das er die gantze welt fullete Luther bibel 11,2,138 W. 1590 in Aquitania hat man vorzeiten, so grosse gediegene goltstuffen in geringer teuffe gegraben, das sie einem die hand fuͤllen koͤnnen Albinus land-chr. (1589)2,117. ⟨u1648⟩ nein, das ist noch nicht ein christ,/ welcher stets die bibel list,/ welcher schreyt: wir glaüben alle!/ .. welcher täglich füllt die halle Czepko weltl. dicht. 92 M. 1692 die leber war sehr groß, und füllete fast die gantze höle des bauches Blankaart, anatomia practica 340. 1732 doch soll ich auch mein grab,/ mein gott, nach deinem willen/ wie Simeon im späten alter füllen,/ so sey mein stecken und mein stab Henrici ged. (1727)3,105. 1799 das inhaltsverzeichniß wird ein blatt füllen Schiller br. 6,90 J. 1821 der Schwarzwald erhebt sich überall am querlauf des Rheins und der zusammenlauf der rauhen alp mit ihm füllt den ganzen winkel des stroms weit und breit Gutsmuths land 1,125. 1860 das volk .. füllte die fenster und dächer der umliegenden gebäude H. Grimm Michelangelo 1,215. 1924 so würde die erinnerung an diese reise allein ein buch füllen Damaschke leben 1,214. 1970 Noras haus füllten an diesem samstagabend laute, lärmende gäste Simmel Jimmy (1971)638. 2003 die eskapaden und exzesse des schrägen fußballers füllen ganze aktenordner süddt. ztg. 8,51. b sich über etwas ausbreiten, etwas durchdringen, erfüllen. übertragen von 4 a her, oft von sinnlichen eindrücken oder empfindungen und poetisch. häufig im 18. jh.: ⟨E12.jh.⟩ der (heilige geist) quam von himele mit einem grozen gedoze und vuͤlte daz huͤs allis da sie sazen altdt. pred. 1,101 Sch. ⟨u1210⟩ daz senfte vogelgedœne,/ .. daz vulte da berge unde tal Gottfried 4579 R. ⟨u1300⟩ der nebel füllet wîtiu lant Hugo v. Trimberg 18857 LV. ⟨u1450⟩ mir ist groß leit geschen,/ wil ich sin clarheit han gesehen/ und hort den grossen donnerslag,/ grosser dan er ye wart,/ und fult der erden bebunge/ in siner ufferstendunge rhein. ostersp. 115 R. 1523 die herlickeyt des herrn fullet die wonung Luther bibel 8,330 W. 1619 angst und schmertz füllet meine brust Weckherlin ged. 1,253 LV. 1668 immittelst kömmt die nacht, die meer und himmel füllet Schirmer aeneis 73. 1735 das vorspiel meiner künftgen leiche,/ das mir stets die gedanken füllt,/ ist, wenn ich von der tugend weiche,/ der besserung ein warnungsbild Stoppe Parnaß 238. ⟨1770⟩ trunkne freude fülle ganz/ unsre jugendliche herzen! Willamov schr. (1779)15. 1823 und ist sie (geliebte) fern, so füllt die klage/ mir wonnevoll den stillen sinn F. Schlegel I 5,370 B. 1858 abendnebel füllten das thal B. Weber cartons 79. 1907 es füllten der wölbung bogen/ die totenlitanein Strausz u. T. n. balladen 77. 1977 allmählich füllt glanzgrau der schneenacht die scheiben zwischen den schwarzen fensterarmen Halter nacht 198. 2003 es (konzept) geht von der grundidee aus, dass ein einziges orgelwerk den riesigen kirchenraum klanglich nicht befriedigend füllen kann süddt. ztg. 276,54. c über bestimmte zeit andauern. vereinzelt: ⟨1797⟩ die gymnastik füllte viele stunden, manche die jagd J. v. Müller s. w. 1,81 M. 1821 eine gesetzte ruhige recitation möchte etwa eine viertelstunde füllen Goethe IV 34,234 W. 1892 einem minister eine niedliche malice, einem lachlustigen abgeordneten einen die session füllenden witz (erzählen) ..: wer solche gaben auszustreuen weiß, dessen nekrolog wird köstlich sein Harden apostata 35. 1978 er .. verwickelte sie in seine geschichte, der sie immer gespannter zuhörte, die den nachmittag füllte Härtling Hubert 383. 2003 die sommershow (wird) .. den ganzen juli füllen süddt. ztg. 153,17. 5 (jmdn. oder) etwas in eine vertiefung, einen raum, hohlraum (behältnis, gefäß u. dgl.) tun, hineingießen, ‐schütten u. dgl.; abfüllen: 1491 dar giessend sy essich .. darin und wann sy ietz nach dem krůg gefúltt hond, so truckand sy die ber mit den fenchel stengel under Oesterreicher Columella 2,330 LV. ⟨1508/16⟩ (sie) fulltend .. mengen fromen man in den turm one alle schuld Brennwald schweizerchr. 1,277 L. 1591 darauff fuͤlle widerumb eine ladung resches schießpulver Brechtel buͤchsenmeisterey K5a. 1624 nim den krug, vnd fülle wein Opitz poeterei 623 TND. 1670 darauff muß der würcker .. die sole aus den solfasse, in die pfanne füllen Hondorff saltz-werck 106. 1713 fülle ihn (essig) alsdann wieder auf sein gefäß so bleibt er allezeit sauer und gut Sincerus becker 402. 1779 ich füllte, wie die Danaiden, ganze ladungen wasser in meine gefäße Sturz schr. 1,192. 1803 von gedachter brühe wurden nun 12 quart in ein hölzernes gefäß gefüllet journal lederfabrikanten 1,47. 1852 da muß sie (das arsen) .. in ein behältniß, eine schachtel füllen Alexis ruhe 5,201. 1937 er ließ sich das geld in die taschen füllen Schäfer wendekreis 179. 1976 die bohnen hatten wir in plastikbeutel gefüllt Kipphardt März 99. 2003 wenigstens müssen wir .. den saft nicht mehr sofort in flaschen füllen süddt. ztg. 102,24. 6 refl. sich füllen an etwas oder an personen zunehmen; voll, vollständig werden. nur mit unpersönlichem subjekt. vor der 2. hälfte des 18. jhs. selten: ⟨1577⟩ im sechsten jar fahen sich die zanlucken (des pferdes) an zufüllen Hörwart reyterey (1581)5b. 1612(or.1563) ein jetliches theyl am gebein pflegt voll fleisch zuwachsen an statt deß marcks, dz vorhin da gewesen ist, vnd füllet sich mit roßfleisch Würtz wundartzney 247. 1682 so bald dieß gott gesprochen, füllten sich/ mit lieblichsten geruch, die himmel all BergeMilton, paradeis 73. 1774 ueber dem füllt sich die gesellschaft Goethe Werther 1,82 ak. 1829 wie die spule sich füllt steigt sie Bernoulli baumwollenspinnerei 183. 1885 wenn der markt sich füllt, fahren wir hinaus Ebers Serapis 87. 1913 der weiher unter den weiden/ füllt sich mit den verpesteten seufzern der schwermut Trakl dicht. [121965]73. 1979 hinter ihm füllen sich langsam die bänke mit SPD-abgeordneten frankf. rundschau 153,3. 2003 die augen füllen sich aus heiterem himmel mit tränen süddt. ztg. 22,15.

füllen, n.

Fundstelle: Band 9, Spalte 1245, Zeile 67 [Katzmann]
FÜLLEN n.   ahd. fulî(n), mhd. vülîn, vüln, vülî. mnl. vōlen, voelen, vuelen, nnl. veulen. abl. von fohlen n. (s. d.). zunächst wohl wegfall der ahd. endung im ahd./mhd., dann spätmhd./frnhd. zunehmend übernahme des ‐(e)n‐ aus den obliquen kasus in den nom. sing.; vereinzelt (im 17. jh.) mask. genus erkennbar (obgleich oft nicht vom neutr. zu unterscheiden). gegenwartssprachlich veraltet und abgelöst von fohlen n. jungtier des pferds (esels, kamels, zebras): 863/71 thia (eselin) irbintet ir thar, joh bringet ouh thaz fulin sar Otfrid IV 4,10 E. ⟨E12.jh.⟩ da vindet ir inne einen esel und sin vuln altdt. pred. 1,168 Sch. ⟨1250/4⟩ darinne werdent swinde/ traginde von dem winde/ dú berndú ros: alse das geschiht/ das man das fúl geworfen siht,/ ez lept niht fúrbas wand drú jar,/ und danne stirbet ez fúr war Rudolf v. Ems weltchr. 2089 DTM. ⟨u1310/30⟩ wirt danne ein altiu gurre (schlechtes pferd) zeinem vüln,/ sô siht manz in der werlte twerhes stênde Reinmar 31308,7 MF. ⟨u1460⟩ do kam dasselbe pfárd mit swindem lauff widerumb zu in gelauffen, das was dannoch ein ungezemet fúl Hartlieb dialogus 67 DTM. 1502 es sol ouch niemand kein klein vech met im lassen louffen, als fyly oder kelber rechtsqu. Argau I 1,141. 1579 die stuten werffen jre füllen am ende des zwölfften monats Sebiz feldbau 149. 1616 ime gang wie einem pferdt folen oder füllen Krafft reisen 353 LV. ⟨v1678⟩ Babylon wird eingenommen, wann die maul=eselin einen füllen wirft Butschky rosen-thal (1679)177. ⟨1720⟩ von einem jungen füll gibt man 2 dn. zu zehenden bad. weist. I 1,317. ⟨1768⟩ dieses kleine pferd oder füllen (equuleus) soll, nach den fabeln der poeten, unter andern dasjenige vorstellen, welches Merkur dem Castor gab Bode himmel (1778)322. 1838 die milch des kameels ernährt nicht nur die kinder, sondern auch die füllen Moltke ges. schr. (1891) 8,261. 1862 es waren vier gespann, also 16 zugpferde auf dem hofe, gelegentlich noch einige füllen Ruge zeit 1,78. 1918 in einem geräumigen pferch grasten ein paar prächtige füllen alt-wandervogel 13,88. 1961 dort (im stall) fand er ein füllen und zwei kälber Kuby sieg 221.

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Zitationshilfe
„fülle“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/f%C3%BClle>, abgerufen am 03.12.2020.

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