Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

ferkel, n.

Fundstelle: Band 9, Spalte 343, Zeile 7 [Schulz]
FERKEL n.   ahd. farhilî(n), mhd. verhelîn, verhel. abl. von farch n. das wort ist zuerst als dim. zu far(a)h n. bezeugt (vgl. farch). inlautendes irreguläres ‐k‐ tritt singulär im 12. jh. auf und setzt sich seit dem 14. jh. durch. im 15. jh. erste bezeugungen der form ferkel; die ursprüngliche suffigierung bleibt in der form ferkelein jedoch bis ins 17. jh. häufig. junges hausschwein: 9.jh. porcellus farheli ahd. gl. 3,449,4 S./S. ⟨u1240/ 50⟩ daz was rehte als daz värhelîn,/ daz dort ûf lît gebrâten Stricker verserz. 8,226 ATB. ⟨1.h14.jh.⟩ ein gebraten gefůltez ferhelin mache also: nim ein verkelin, daz drier wůchen alt si b. v. gůter spise 17 TSM. 1409 item 6 sol. dem lantkemerer vor 2 ferkel marienb. tresslerb. 576 J. 1525 do hat Pawel Schram 1 sau mit 2 ferkeln vor 17 sneberger genommen akten bauernkrieg Mitteldtld. 2,654 M./F. ⟨1572⟩ ich habe mehr saͤwe gesehen, die liessen acht oder neun fercklein bey jhnen vnd neben her lauffen Büttner Claus (1573)396. 1604 so las die ferckel wol absieden in einem wasser Colerus oecon. 1,161. 1652 dar zwischen kahm ein ander baur, brachte zu kauff zwey junge färckel Josten, wunder welt E2a. 1748 ein ferckel hat die eicheln lieb,/ ein junger kater wünscht sich mäuse Lichtwer aesop. fabeln 67. ⟨1797⟩ auf daß .. ihnen nie ein opferthier fehle, bekamen sie ein ferkel, so oft eine sau junge warf J. v. Müller s. w. 1,62. 1812 ferkel nennt man das junge schwein, bis es 18 wochen alt ist Thaer grundsätze (1809)4,376. 1876 das brod aber (war) verschimmelt und sauer, so daß es selbst die ferkel nicht fraßen Kapp Amerika 1,207. ⟨1927⟩ jede, wenn noch so arme familie im dorfe zog sich doch wenigstens ein ferkel groß Sohnrey dorf (1936)98. 1975 ich habe nur einmal im vorbeigehen eine sau ferkel gebären gesehen Struck mutter 35. mensch, dem (angebliche) eigenschaften eines schweins wie unsauberkeit in bezug auf körperpflege, lebenswandel u. ä. unterstellt werden. im 19. jh. selten auch mask.: 1832 was sich dieser unscheinbare weiße ferkel auf einmal herausstriegelt! Mörike 2,130 M. 1871 für letzteres (mensch mit schmutzigen gewohnheiten) giebt es keinen besseren und bezeichnenderen ausdruck, als ferkel oder schweinFoote, menschensystem 61. ⟨1927⟩ wer einmal gesehen hat, wie sich ein unteroffizier sonntags zum ausgehen fertigmachte: was sich das ferkel da alles nicht wusch Tucholsky 2,810 G.‐T./R. 1974 sie schwein, sie elendes ferkel Böll ehre 163.

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Zitationshilfe
„ferkel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/ferkel>, abgerufen am 21.10.2020.

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