Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

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fort‐.

Fundstelle: Band 9, Spalte 796, Zeile 58 [Schulz]
FORT‐. (1) das paradigma umfaßt ca. 800 überwiegend verbale zuss. mit fort adv. (hauptsächlich zu bedeutung 2, 3). adverbien (fortan, forthin, fortmals) und adjektive (fortwirksam) sind selten. erste bildungen im 12. jh., bezeugungsschwerpunkt seit dem 16./17. jh. (2) als varianten treten bis ins 15./16. jh. furt- oder fürt- auf, vor allem dann, wenn wortkonkurrenzen zu bildungen mit dem lexikalisierten komparativ von fort, fürder, vorliegen (s. d.). (3) verbale bildungen mit fort- sind stets trennbar. die basisverben sind überwiegend simplizisch (fortbringen) oder deverbal (fortbezahlen, forterhalten). (4) fort-bildungen zeigen seit bezeugungsbeginn (temporal‐) kontinuative und lokale funktionen. in verbaler wortbildung erscheint fort- häufig in konkurrenz zu bildungen mit weg- (‐fallen, ‐werfen usw.) und weiter- (‐arbeiten, ‐entwickeln usw.). (5) bei den mit fort- gebildeten bewegungsverben treten häufig überschneidungen der räumlichen und zeitlichen merkmale ‘weg’ und ‘weiter’ auf: ‐ab adv. (s. d.). ‐an adv. (s. d.). ‐arbeiten vb. (s. d.). ‐bauen vb. (s. d.). ‐begeben vb. (sich) wegbewegen: 1663 Hohberg Ottobert 1,N8a. 1953 Bultmann theol. 206. ‐bestehen vb. (s. d.). ‐bewegen vb. (s. d.). ‐bilden vb. (s. d.). ‐blasen vb. (zu 2): 1729 Hagedorn ged. 27 DLD. 1979 zeit 26,3. ‐bleiben vb. (zu 2): 1744 Holberg, z. 2. male 6 lust‐sp. 300. 1975 H. Mayer aussenseiter 283. ‐blühen vb. (zu 3): 1722 Günther 4,330 LV. 1940 Schumann bewährung 16. ‐brennen vb. (s. d.). ‐bringen vb. (s. d.). ‐dauern vb. (s. d.). ‐denken vb. (zu 3): ⟨1674 ⟩H. Müller liebes-kuß (1679)296. 1966 Zwerenz Casanova 94. ‐drängen vb. (s. d.). ‐dringen vb. (s. d.). ‐drücken vb. (s. d.). ‐eilen vb. (s. d.). ‐entwickeln vb. (s. d.). ‐erben vb. (s. d.). ‐erhalten vb. (zu 3): 1796 Patje fabriken-zustand 24. 1972 in: Šik weg 58. ‐fahren vb. (s. d.). ‐fallen vb. (s. d.). ‐fegen vb. (zu 2): 1612 F. Platter 257 B. 1962 Wendt liebesleben 177. ‐fliegen vb. (s. d.). ‐fließen vb. (s. d.). ‐führen vb. (s. d.). ‐gehen vb. (s. d.). ‐glimmen vb. (zu 3): 1597 Bökel pestordn. 73b. 1958 Jaspers atombombe 56. ‐grünen vb. (zu 3): 1669 Birken Guelfis 134. 1954 Schneider sonette 65. ‐helfen vb. (s. d.). ‐hin adv. (s. d.). ‐hüpfen vb. (zu 2, 3): 1668 Francisci lust-garten )()(1. ⟨1878⟩ F. W. Weber ges. dicht. 3,74 W. ‐jagen vb. (s. d.). ‐kommen vb. (s. d.). ‐lassen vb. (s. d.). ‐laufen vb. (s. d.). ‐leben vb. (s. d.). ‐legen vb. (zu 2): ⟨1633⟩ Czepko geistl. schr. 37 M. 1977 Wellershoff schönheit 201. ‐leiten vb. (s. d.). ‐lesen vb. (zu 3): ⟨1590 ⟩märtyrb. (1608)177. 1873 Keller leben 23,55 E. ‐machen vb. (s. d.). ‐marschieren vb. (s. d.). ‐mehr adv. (s. d.). ‐nehmen vb. (s. d.). ‐packen vb. (s. d.). ‐pflanzen vb. (s. d.). ‐plaudern vb. (zu 3): 1767 Wieland Agathon 2,335. 1850 Stifter 4,1,111 S. ‐raffen vb. (zu 2): 1624 Opitz poeterei 623 TND. 1892 n. zeit 10,1,168. ‐räumen vb. (zu 2): 1810 rechtsqu. Bern II 1,2,234. 1979 frankf. allg. ztg. 149,7. ‐reden vb. (s. d.). ‐reisen vb. (s. d.). ‐reißen vb. (s. d.). ‐reiten vb. (s. d.). ‐rennen vb. (zu 2): (2.h13.jh.)hs.u1430 Lancelot 2,741 DTM. 1978 Bütow harfe 234. ‐rollen vb. (s. d.). ‐rücken vb. (s. d.). ‐rudern vb. (zu 2, 3): 1626 Opitz Argenis 1,757. 1923 Ernst kaiserb. 1,1,91. ‐rutschen vb. (zu 2, 3): u1700 Hübner christ-comoedia 29 DLD. 1918 Schäfer schr. 3,43. ‐schaffen vb. (s. d.). ‐scheren vb. sich (eilig) entfernen, um gegenmaßnahmen zu entgehen: 1695 Abraham a s. Clara Judas (1686) 4,253. 1975 Nossack mensch 170. ‐scheuchen vb. (zu 3): 1754 Unzer sittl. ged. 13. 1968 Nabokov, feuer 183. ‐schicken vb. (s. d.). ‐schieben vb. (s. d.). ‐schießen vb. (s. d.). ‐schiffen vb. (s. d.). ‐schleichen vb. (s. d.). ‐schlendern vb. (zu 2, 3): 1670 Grimmelshausen Courasche 128 Sch. ⟨1947⟩ Th. Mann ges. w. [1960]6,259. ‐schleppen vb. (s. d.). ‐schleudern vb. (s. d.). ‐schließen vb. (zu 2): 1758 Justi manufacturen 1,20. 1929 Remarque westen 194. ‐schreiben vb. (zu 3): ⟨n1391⟩ bruder Hans marienlieder 332 ATB. 1976 Richartz bürorom. 142. ‐schreiten vb. (s. d.). ‐schwemmen vb. (s. d.). ‐schwimmen vb. (s. d.). ‐segeln vb. (s. d.). ‐setzen vb. (s. d.). ‐spielen vb. (s. d.). ‐spinnen vb. (s. d.). ‐spülen vb. (zu 2): 1801 Becker weltgesch. 1,49. 1968 Jens nein 127. ‐stellen vb. (s. d.). ‐stoßen vb. (s. d.). ‐streichen vb. (s. d.). ‐strömen vb. (zu 2, 3): 1745 Winkler electr. materie 121. 1962 Jacobs bewegung 227. ‐stürzen vb. (zu 2): 1787 Hammard reise 1,88. ⟨1953⟩ Brecht stücke 8,228. ‐tönen vb. (zu 3): 1783 Moritz England 28 DLD. 1914 krieg 1914 in feldpostbr. 1,27 L. ‐tragen vb. (s. d.). ‐träumen vb. (zu 3): 1755 Uz 130 DLD. 1965 Habe mission 192. ‐treiben vb. (s. d.). ‐wachsen vb. (s. d.). ‐währen vb. (s. d.). ‐walten vb. (zu 3): 1812 Goethe I 27,258 W. 1932 Straszer kampf 385. ‐wälzen vb. (s. d.). ‐wandeln vb. (s. d.). ‐wandern vb. (s. d.). ‐weben vb. (zu 3): 1771 Klopstock oden 1,73 M./P. 1963 Jordan naturwissenschaftler 194. ‐wehen vb. (zu 2): 1629 Decker diurnal 61. 1977 Lenz tintenfisch 107. ‐weisen vb. wegschicken, von sich weisen: u1520 Folz reimpaarsprüche 14,27 F. 1955 Adorno prismen (1969)316. ‐werfen vb. (s. d.). ‐wirken vb. (s. d.). ‐wirksam adj. weiterhin wirksam: 1935 A. Weber kulturgesch. 83. ‐wüten vb. (zu 3): 1640 Bucholtz psalter 161. 1893 Droysen gegenref. 89. ‐zeugen vb. eine generationenfolge bilden, sich weiterentwickeln: 1685 Kuhlmann kühlpsalter (1684)2,58. 1977 Grass butt 501. ‐ziehen vb. (s. d.).

fortnehmen, vb.

Fundstelle: Band 9, Spalte 822, Zeile 18 [Schulz]
FORTNEHMEN vb.   mnl. vortnemen, nnl. voortnemen; me. forthnimen. zuss. mit fort adv. vor dem 17. jh. nur punktuell bezeugt. 1 gewaltsam entwenden; wegnehmen. erstbeleg unklar: 1390 der eldeste bruder sol noch mag denn jungern brudern vnd andern seinen geswestredenn nichtes zu schaden vortnen noch vorkauffenn altprager stadtrecht 76 R. ⟨z.j.1472⟩ item des montags nomen fort die Frantzosen die Flaminge, der weren 9 schiffe script. rer. pruss. 4,735. 1744 ihr wollt mich nun wieder mit euren ihro gnaden gut machen, bis ihr alles geld fortgenommen habt Holberg, z. 2. male 6 lust‐sp. 124. 1822 du nahmst es (goldenes vlies) aber fort/ aus Pelias’ haus; der herold sagte so Grillparzer I 2,276 S. 1854 kurz vorher hatte derselbe stamm einem andern fußreisenden bloß tabak und messer fortgenommen Gerstäcker reisen (1853)4,146. 1930 die kollegen spuckten mir vor die füße, sie nahmen mir stemmwerkzeug fort Lersch hammerschläge 207. 1963 falls die jugendbehörde ihr den jungen fortnähme, wollte sie mit ihm heimlich flüchten H.-E. Richter eltern 179. 2 anderswohin mitnehmen. häufig in der wendung mit (sich) fortnehmen: 1660 sie .. nahmen auch den jungen Sulpizius seinen sohn gerne mit sich in ihrer geselschaft fort Bucholtz Herkules [1659]2,230. 1749 solten ja einige nicht elastische elemente in der welt vorhanden seyn; so müßten deren wenigstens in einem bewegten körper so wenig angetroffen werden, daß sie füglich durch die kraft der andern, welche die elasticität besitzen, mit fortgenommen, und also bewegt werden könnten Crusius anleitung 1,494. 1785 Wilhelm fühlte oft einen herrlichen triumph, wenn er seinen bedächtlichen freund in warmer aufwallung mit sich fortnahm Goethe Meister 1,45 ak. 1822 so geschieht solches allemal mit dem sich von selbst verstehenden vorbehalte, daß dessen bewohner mit allem ihrem eigenthume, welches sie mit fortnehmen können, auswandern Grävell bürger 250. 1853 meine geldmittel waren aber auch nicht der art lange hier draußen aushalten zu können, wo ich vielleicht nachher niemand gefunden hätte der mich wieder mit fortnahm Gerstäcker reisen 3,105. 1922 hierauf wandte sich dieser junge mann schweigend ab .., während von der anderen seite glücklicherweise der vater nahte, um George nach einigen abschiedszeremonien mit sich fortzunehmen I. Seidel labyrinth 48. 3 (von seinem platz) entfernen: 1765 unten nimmt man das abgeflossen wachs fort Halle werkstäte (1761) 4,77. 1843 man nimmt die einzelnen cylinder aus den gläsern heraus, nachdem die klemmen zwischen je zwei elementen fortgenommen worden sind Elsner vergoldung 156. 1894 nun lautet die aufgabe: nimm acht streichhölzer so fort, daß nur zwei quadrate übrig bleiben Massow ref. 226. 1949 auch von der ‘kleinsten menge’ helium, die ich überhaupt denken kann, kann ich in gedanken wieder ein zehntel fortnehmen Flechtner experimente 43. 1969 sie nahm ihre büchlein von der maschine fort, legte sie auf den tisch und wollte zu nähen anfangen Andres dumme 153.

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„fortnehmen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/fortnehmen>, abgerufen am 16.10.2021.

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