Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (²DWB)

furchtsamkeit, f.

Fundstelle: Band 9, Spalte 1319, Zeile 58 [Casemir]
FURCHTSAMKEIT f.   abl. von furchtsam adj. 1 ehrfurcht, demut; selten: ⟨M14.jh.⟩ si sint her komen durch den weg der tugende: demuͤtheit, vorchtsamkeit, gelossenheit und senftmuͤtigkeit Tauler 167 DTM. 1696 o du allerhöchste excellentz und vollkommenheit gottes, mit was vor furchtsamkeit rede ich jetzt mit dir, mit was blödigkeit schreibe ich diß von dir Lüttichau pansophia 34. 1793 die anrede muß also mit einer gewissen furchtsamkeit und ruhe des geistes geschehen, und nicht mit einem vorlauten wesen, das alles besser wissen will Heinzmann rathgeber 59. 2 zustand voller angst. a ängstliche wesensart; auch schüchternheit, verzagtheit; hauptgebrauch: 1568 das plut das von der gall fleüst mag das hercz nit hiczigen darauß kombt dan die vorchtsamkeit problemata Aristotelis 13a. ⟨1609⟩ so seind doch hingegen nit vnweise leute, welche es viel mehr für eine weibische furchtsamkeit achten Olorinus ethographia (1614) 3,F3a. 1692 ein dünner und langer halß bedeutet furchtsamkeit Ingeber chiromantia 164. 1710 die künheit ist eine tochter des ehrgeitzes, ist eben so wohl närrisch, obgleich nicht in so hohen grad als die furchtsamkeit Thomasius, klugheit 79. 1770 was hat gott mehr gesegnet, Luthers oftmals feurigen eifer, oder Melanchthons sanftmüthige furchtsamkeit und menschengefälligkeit? Goeze religions-eifer 101. ⟨1812⟩ aber ein mädchen ist furchtsam und unser geschlecht hat das vorrecht, seine furchtsamkeit gesteh’n zu dürfen Steigentesch ges. schr. (1819)4,1,199. 1865 sie (der chinchilla) ist lebhaft, doch bei weitem nicht in dem grade als im freien, und niemals legt sie ihre große furchtsamkeit ab Brehm thierleben (1864)2,196. ⟨1951⟩ sie blieb daheim, nicht aus einer unlust oder furchtsamkeit des geistes, sondern aus einer hemmung in den gliedern Doderer Strudlhofstiege (1958)23. 2004 ihr fürchtet euch sogar voreinander, und ihr habt auch die gesellschaft zur furchtsamkeit und doppelzüngigkeit erzogen zeit 6,38. b angst angesichts einer bestimmten situation, bedrohung: 1633 für deiner stärcke kam der Midjaniter hauffen/ mit greßlichem geschrey vnd furchtsamkeit gelauffen/ fiel durch sein eygnes schwerdt Opitz trost ged. 98. 1672 der edelknab antwortet hierauf, entweder aus schmeichlerey oder aus forchtsamkeit, damit er seinen gnädigen herrn nicht verrathe, mit ja AbeleContzen, methodus 14. 1745 ihre angst leget sich, wo sie nicht sonsten zu einer furchtsamkeit geneigt sind, so bald sich nur der blitz sehen und der donner hören lässet Ahlwardt bronto-theol. 77. ⟨1765⟩ diese furchtsamkeit, welche sich in absicht auf religionssätze immer einfindet, bey andern wahrheiten aber gar nicht empfunden wird Abbt verm. w. (1768)1,92. 1807 wir betraten das haus desselben mit furchtsamkeit, die aber bald verschwand, wie wir so glücklich waren den mann selbst zu sprechen Klockmann leben 122. 1871 alle bestrafungen, welche auf die furchtsamkeit des kindes wirken, sollten gänzlich vermieden werden Foote, menschensystem 213. ⟨1936⟩ die kleinen äußerungen ihrer furchtsamkeit, anlehnsamkeit regten mich seltsam auf Zuckmayer ges. w. (1960)2,195.

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Zitationshilfe
„furchtsamkeit“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Neubearbeitung (1965–2018), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb2/furchtsamkeit>, abgerufen am 03.12.2020.

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