Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

ehe

Grammatik Konjunktion
Nebenform umgangssprachlich eh’
Aussprache [ˈeːə]
Wortbildung  mit ›ehe‹ als Erstglied: ehebaldig · ehegestern · ehehaft · ehemals · ehetunlichst
eWDG

Bedeutung

bevor, vor dem Zeitpunkt, da
Grammatik: leitet einen Zeitsatz ein, vor dessen Handlung das Hauptsatzgeschehen liegt
Beispiele:
er sprach das Urteil, ehe er alle Zeugen vernommen hatte
ich musste es erst sehen, ehe ich es glauben konnte
ehe wir handeln können, müssen wir erst alles gründlich überlegen
noch ehe ich antwortete, war der Bote auf und davon
noch ehe das Unwetter losbrach, konnten wir die Schutzhütte erreichen
ehe nicht (= bevor nicht, wenn nicht vorher)
Grammatik: leitet einen Bedingungssatz ein, in dem die temporale Bedeutung der Konjunktion zurücktritt/steht vor, auch nach verneintem Hauptsatz
Beispiele:
ehe nicht der letzte Mann aus dem Stollen geborgen ist, gehen wir nicht von der Unglücksstelle
ehe die Schulaufgaben nicht fertig sind, dürft ihr nicht spielen
ich glaube es nicht, ehe ich mich nicht davon überzeugt habe
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ehe · ehelich · ehelichen · ehebrechen · Ehebrecher · Ehebruch · Ehezerter
Ehe f. ‘gesetzliche Verbindung von Mann und Frau’. Aus dem westgerm. Wort für ‘Gesetz, Recht, göttliches Gebot, Vertrag’ ahd. ēwa, ēwī f. (8. Jh.), mhd. mnd. ē(we), mnl. ewe, ee, afries. ā, ē, ēwe, ēwa, asächs. ēo, ēu, aengl. ǣ, ǣw entwickelt sich (außer im Afries. und Asächs.) die neue, im heutigen Dt. allein erhaltene Bedeutung ‘Ehevertrag, Ehe’. Offen bleibt, ob das hier dargestellte westgerm. Substantiv mit dem unter ewig (s. d.) behandelten ahd. ēwa identisch ist und danach als Grundbedeutung ‘immerdar, ewig geltendes Recht’ angesetzt werden darf, oder ob es mit aind. ḗvaḥ ‘Gang, Weg’, Plur. ‘Gewohnheit, Sitte’ (verwandt mit eilen, s. d.) zu verbinden und als ‘Gewohnheitsrecht’ anzusehen ist. ehelich Adj. ‘aus einer Ehe stammend, auf die Ehe bezogen’, ahd. ēolīh, ēwilīh (8. Jh.) nur im Sinne von ‘dem Gesetz entsprechend, rechtmäßig’, mhd. ēlich ‘gesetzmäßig, ehelich’, mnd. ēlīk, mnl. eelic, aengl. ǣlic ‘gesetzmäßig’. ehelichen Vb. ‘heiraten’, spätmhd. ēlīchen, mnd. ēlīken. ehebrechen Vb. ‘die eheliche Treue verletzen’, mhd. ēbrechen; Ehebrecher m. mhd. ēbrechære; Ehebruch m. spätmhd. ēbruch. Ehezerter (-zärter) m. ‘Ehevertrag’ (16. Jh.), entlehnt aus lat. charta (s. Charta).

eher · ehe
eher Adv. ‘früher, leichter, lieber, mehr’ und ehe Konj. ‘bevor’ Ahd. ēr ‘früher, einst, eher’ (8. Jh.), mhd. ē(r), asächs. mnd. ēr, mnl. eer, ēre, nl. eer, aengl. ǣr, got. airiz (germ. *airiz) ist adverbialer Komparativ neben dem adjektivischen Komparativ ahd. ēriro (um 800), mhd. ērer, ērre, erre, mnd. ēre(r), mnl. eerre, aengl. ǣrra, got. airiza. Zugrunde liegt ein im Dt. untergegangener Positiv, der in got. air und anord. ār ‘früh’ erhalten und mit griech. ḗri (ἦρι) ‘früh, morgens’ und awest. ayar- ‘Tag’ verwandt ist. Möglich ist Anschluß an eine Ausgangsform ie. *ā̌ier-, *ā̌ien- ‘Tag, Morgen’. Zur Wurzel ie. *ā̌i- ‘brennen, leuchten’? Nhd. eher, zuerst im Md., ist aus frühnhd. ehe (für mhd. ē) in Anlehnung an den adjektivischen Komparativ mhd. ērer, ērre ‘der frühere, vorige’ hervorgegangen. Der Superlativ ehest ist seit dem 17. Jh. geläufig. Die Konjunktion ehe entwickelt sich bereits im Mhd. aus dem Adverb mit der Bedeutung ‘vorher’, vgl. ich gehe nicht, ehe du kommst (eigentlich vorher kommst du).

Thesaurus

Synonymgruppe
bevor · ehe  ●  eh  ugs.

Typische Verbindungen zu ›ehe‹ (berechnet)

baldig maligen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ehe‹.

Zitationshilfe
„ehe“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ehe>.

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