eidetisch

GrammatikAdjektiv
Worttrennungei-de-tisch
WortzerlegungEidetik-isch
Wahrig und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
Psychologie sich etw., das man gesehen hat (Objekte oder Situationen) in der Erinnerung anschaulich, detailgetreu vorstellend
Kollokationen:
als Adjektivattribut: ein eidetisches Gedächtnis
Beispiele:
Die [wissenschaftliche Psychologie] vermeidet den Begriff »fotografisches Gedächtnis«, am nächsten kommt der Idee noch das »eidetische Gedächtnis«. Es beschreibt die Fähigkeit, eine Szenerie sehr detailliert im Gedächtnis zu behalten. […] [Die Zeit, 13.06.2013, Nr. 25]
Viele Romanciers haben diese eidetischen Fähigkeiten: Sie erinnern sich, was der anhatte, was die für ein Gesicht gemacht hat, wie das Zimmer aussah […]. [Neue Zürcher Zeitung, 28.09.2014]
Von Faber du Faur war […] ein talentierter akribischer Gebrauchsgrafiker. Er hatte ein eidetisches Gedächtnis oder zumindest viel Phantasie. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.06.2003]
Sein meisterhaftes Können beim Gebrauch der Werkzeuge [bei der Anfertigung von Puppenspielfiguren] ist zu loben, seine eidetischen Fähigkeiten – Gesehenes der Gestalt getreu wiedergeben […] zu können. [Berliner Zeitung, 27.11.1991]
[Ein Beispiel sind die] […] wichtigen Versuche […] über den sogenannten eidetischen Sehtypus, eine besonders bei Jugendlichen […] nachweisbare Fähigkeit, gesehene Bilder nicht nur zu erinnern, sondern sie nach Wegnahme der Bildvorlage, selbst nach längerer Zeit, auf einem leeren Wandschirm »leibhaftig« so zu sehen, als ob sie noch da wären. [Scheidt, Walter: Kulturbiologie, Jena: Fischer 1930, S. 76]
2.
Philosophie die Erkenntnis des (allgemeinen) Wesens einer Sache betreffend, insbesondere auf dem Wege der vorurteilsfreien Anschauung
Beispiele:
Das Wesen der Farbe, des Menschen, der Zahlen sind uns als ideale Gegenstände ebenso anschaulich präsent wie, in sinnlicher Wahrnehmung, die individuellen Träger solcher »eidetischer Bestimmtheiten«. Die phänomenologische Wesensschau öffnet ein unerschöpfliches Reich solcher Gegenstände und Regionen von Gegenständen. [Die Zeit, 06.04.1984, Nr. 15]
Hier [in den Werken des Philosophen Kołakowski] zieht sich eine Kontinuität […] bis zu seinen philosophiegeschichtlichen Untersuchungen […] über Edmund Husserl, dessen »eidetische Reduktion« erkenntnistheoretisch auf einen absoluten Erkenntnisgrund vorstoßen will […]. [Die Welt, 21.07.2009]
Für Coseriu ist Sprache primär phänomenologisch geprägt, Intuition immer eidetisch, also das Wesen der Sache betreffend […]. [Süddeutsche Zeitung, 06.12.1997]
Seit durch die Entwicklung der Naturwissenschaften das nun dem eidetischen Zugriff entzogene Wesen des Naturprozesses als ein von dessen Erscheinung radikal unterschiedenes sich erwies, ist Objektivität nur als Bedingung der Möglichkeit des Erkenntnisprozesses[…] zu rekonstruieren. [Neue Zürcher Zeitung, 26.02.1997]
Unter dem Stichwort einer »Hermeneutik der Faktizität« stellte Heidegger der eidetischen Phänomenologie Husserls und der Unterscheidung von Tatsache und Wesen, auf der sie beruhte, eine paradoxe Forderung entgegen. [Gadamer, Hans-Georg: Wahrheit und Methode, Tübingen: Mohr 1960, S. 240]
3.
Philosophie das ideale Wesen bzw. die Idee, das Eidos (2 u. 3), als Urgrund einer Sache betreffend, sich darauf beziehend
Beispiele:
Die Ideen bilden [bei Platon] eine neue Art von Ursache, die eidetische oder Idealursache. [Hirschberger, Johannes: Geschichte der Philosophie, Bd. 1: Altertum und Mittelalter. In: Mathias Bertram (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000, S. 8841. Zitiert nach: Hirschberger, Johannes: Geschichte der Philosophie, Bd. 1: Altertum und Mittelalter, Freiburg: Herder 1948.]
In der essentia erblickte er [Thomas von Aquin] das ontologische Korrelat der logischen species und machte ihr im Individuellen verwirklichtes eidetisches Sein zum Angelpunkt seiner Wesensphilosophie. [Klein, J.: Universalienstreit des MA. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000, S. 33677. Zitiert nach: Klein, J.: Universalienstreit des MA. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Bd. 6, Tübingen: Mohr 1962.]
Das ontologische Verhältnis der zweiten zur ersten Substanz, m. a. W. das Miteinander von »eidetischer« und Erscheinungs-Realität muß geklärt werden. In seiner Metaphysik scheint Aristoteles das Eidos individualisiert vorauszusetzen, d. h. er schaut konkret-phänomenales und universal-eidetisches Sein ineins. [Klein, J.: Universalienstreit des MA. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000, S. 33666. Zitiert nach: Klein, J.: Universalienstreit des MA. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Bd. 6, Tübingen: Mohr 1962.]

Thesaurus

Synonymgruppe
anschaulich · ↗bildhaft · eidetisch · ↗ikonisch

Typische Verbindungen zu ›eidetisch‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›eidetisch‹.

Zitationshilfe
„eidetisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/eidetisch>, abgerufen am 05.04.2020.

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