einfältig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungein-fäl-tig
WortzerlegungEinfalt-ig
Wortbildung mit ›einfältig‹ als Erstglied: ↗Einfältigkeit
eWDG, 1967

Bedeutung

etwas beschränkt
Beispiele:
sein einfältiges Lächeln, Gesicht
einfältige Fragen, Antworten, Worte
frage nicht so einfältig!
er glotzte, starrte einfältig
einfältig lächeln
ich bin doch nicht so einfältig, das zu glauben!
er war ja nur ein dummer, einfältiger Junge [Suderm.Frau Sorge1,63]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Einfalt · einfältig · Einfaltspinsel
Einfalt f. ‘Arglosigkeit, gutmütige Beschränktheit, Schlichtheit’, ahd. einfaltī (8. Jh.), mhd. einvalt(e), einvelte, mnd. ēnvōlt ‘Einfachheit, Einfalt’, got. ainfalþei ‘Einfalt’ sind Abstrakta zum Adjektiv ahd. einfalt ‘einfach, aufrichtig, rechtschaffen’ (8. Jh.), mhd. einvalt, frühnhd. einfalt, asächs. ēnfald, mnd. ēnvōlt, aengl. ānfeald, anord. einfaldr, got. ainfalþs, das im Dt. allmählich ersetzt wird durch die jüngere Weiterbildung einfältig Adj. ‘arglos, beschränkt, töricht’, ahd. einfaltīg (11. Jh.), mhd. einvaltec, einveltic. Die Bedeutungsentwicklung beider Adjektive (der auch das Substantiv folgt) führt von ‘einfach’ (im Gegensatz zu doppelt, vielfältig) zu ‘schlicht, arglos’. Der sich aus der Vorstellung ‘einfach, arglos, leichtgläubig’ ergebende geringschätzige Sinn ‘töricht, dumm’, gelegentlich schon mhd., ist heute vorherrschend. Zur Etymologie des zweiten Kompositionsgliedes s. ↗falten, ↗-falt. Einfaltspinsel m. ‘beschränkter, törichter Mensch’ (1732), bald darauf in der Studentensprache geläufig (s. ↗Pinsel).

Thesaurus

Synonymgruppe
(ein) Einfaltspinsel · ↗(ein) Gimpel · ↗(ein) Mondkalb · (ein) Simpel (sein) · (ein) schlichtes Gemüt · ↗(im Denken) schwerfällig · ↗dümmlich · einfältig · nicht scharfsinnig · ↗stumpfsinnig · ↗töricht · ↗unbedarft · ↗verständnislos · von schlichter Denkungsart  ●  ↗(ein) Schaf  fig. · (sehr) einfach gestrickt  verhüllend · einfach gestrickt  fig. · ↗(ein) Schäfchen  ugs., fig. · ↗dusselig  ugs. · ↗dusslig  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
eintönig · ↗geisttötend · ↗gleichförmig · ↗langweilig · ↗monoton · ohne Abwechslung · ↗stumpfsinnig · ↗stupide  ●  einfältig  geh., selten · ↗tumb  geh.
Assoziationen
  • (geistig) beschränkt · ↗(geistig) minderbemittelt · ↗blöd · ↗blöde · ↗dämlich · geistig nicht (mehr) auf der Höhe · ↗idiotisch · ↗irrsinnig · keinen Grips im Kopf (haben) · nicht besonders helle · nicht gerade helle · ↗schwachköpfig · ↗stockdumm · ↗strohdumm · ↗stupid · ↗stupide · unintelligent · weiß nicht (mehr), was er sagt · weiß nicht (mehr), was er tut  ●  Stroh im Kopf (haben)  fig. · ↗dumm  Hauptform · ↗talentfrei  ironisch · (das) Pulver nicht erfunden haben  ugs. · (die) Weisheit nicht mit Löffeln gegessen haben  ugs. · (die) Weisheit nicht mit dem Schöpflöffel gegessen haben  ugs. · (ein) Spatzenhirn haben  ugs. · (jemandem) haben sie ins Gehirn geschissen  derb · (so dumm) dich beißen doch die Schweine im Galopp  ugs., Spruch · (so) dumm wie 10 Meter Feldweg  ugs. · (so) dumm wie Bohnenstroh  ugs. · (so) dumm, dass ihn die Gänse beißen  ugs. · (so) dumm, dass ihn die Schweine beißen  ugs. · (total) Banane (sein)  ugs. · (voll) panne  ugs. · ballaballa  ugs. · ↗bedeppert  ugs. · ↗behämmert  ugs. · ↗bekloppt  ugs. · ↗beknackt  ugs. · ↗belämmert  ugs. · ↗bescheuert  ugs. · beschruppt  ugs. · besemmelt  ugs. · ↗bestusst  ugs. · birnig  ugs. · ↗deppert  ugs., süddt. · ↗doof  ugs. · dumm wie Brot  ugs. · dumm wie Schifferscheiße  derb · dümmer als die Polizei erlaubt  ugs. · ↗gehirnamputiert  derb · ↗grenzdebil  derb · hirnig  ugs. · ↗hohl  ugs. · ↗merkbefreit  ugs. · naturblöd  ugs. · nicht (ganz) bei Trost  ugs. · nicht bis drei zählen können  ugs. · nicht ganz dicht  ugs. · ↗saublöd  ugs. · ↗saudoof  ugs. · ↗saudumm  ugs. · selten dämlich (Verstärkung)  ugs. · strunzdoof  ugs. · ↗strunzdumm  ugs. · strunzendumm  ugs. · unterbelichtet  ugs. · von allen guten Geistern verlassen  ugs.
  • (sich) nie verändernd · immer gleich · ↗immergleich
  • (jemanden) anöden · ↗(jemanden) ermüden · ↗(jemanden) langweilen · Langeweile erzeugen (bei)  ●  (sich) zu Tode langweilen  übertreibend, fig. · ↗(sich) öden  ugs. · vor Langeweile sterben  ugs., übertreibend, fig.
  • (jetzt) fang nicht (schon) wieder damit an  ugs. · leg mal 'ne andere Platte auf  ugs., Spruch · man kann's (bald) nicht mehr hören  ugs., variabel

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bauer Diener Gemüt Geschöpf Gesicht Gesichtsausdruck Glaube Herz Leutchen Lied Lächeln Melodie Unterricht Weltsicht Zeitgenosse daherkommen dumm ebenso eher fromm gar geradezu grob höchst lächerlich naiv scheinbar schlicht still ziemlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›einfältig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

So einfach, ja fast einfältig liegen diese Dinge wahrlich nicht.
Pittioni, Richard: Der urgeschichtliche Horizont der historischen Zeit. In: Mann, Golo u. a. (Hgg.) Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 977
Der Alte war gar zu einfältig, schien ihm kindisch geworden.
Stucken, Eduard: Die weißen Götter, Stuttgart: Stuttgarter Hausbücherei [1960] [1919], S. 153
Hältst Du mich für so einfältig, Dir das zu glauben?
Die Zeit, 08.12.1967, Nr. 49
Sie hatte eine ständig verwunderte, hohe Stimme, war gutmütig und grenzenlos einfältig.
Simmel, Johannes Mario: Der Stoff, aus dem die Träume sind, Güterlsoh: Bertelsmann u. a. [1973] [1971], S. 958
Wer den Unterschied zwischen vielfach und vielfältig nicht kennt, weiß eben auch nicht zwischen einfach und einfältig zu unterscheiden.
konkret, 1984
Zitationshilfe
„einfältig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/einfältig>, abgerufen am 10.12.2019.

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