einhalten

Grammatik Verb · hält ein, hielt ein, hat eingehalten
Aussprache 
Worttrennung ein-hal-ten
Wortzerlegung ein-halten
Wortbildung  mit ›einhalten‹ als Erstglied: ↗Einhaltung
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
eine Verpflichtung (pünktlich) erfüllen
Beispiele:
einen Termin, die Frist einhalten
den Plan, die Norm, das Programm, die Spielregel, Bestimmung, Vorschrift, das Verbot, Versprechen, die Anordnung, Verabredung einhalten
er hat die Abmachungen nicht einhalten können
eine Diät einhalten
die Maschine hielt ihre Flugzeit genau ein
die Sitten des Stammes mußten eingehalten werden [SchomburgkAfrika284]
gewisse Schranken müssen eingehalten werden [MusilMann1219]
etw. beibehalten, bei etw. bleiben
Beispiele:
er hielt den Abstand von einem Meter genau ein
die gerade Linie, Richtung ist einzuhalten
langsam fahrende Fahrzeuge haben die äußerste rechte Seite der Fahrbahn einzuhalten
2.
Stoffweite durch Fältchen, Abnäher verringern, etw. abnähen
Beispiele:
die Taille ist bei diesem Kleid durch Abnäher eingehalten
der Ärmel muss etwas eingehalten werden
3.
landschaftlich, besonders süddeutsch, österreichisch anhalten, innehalten, mit etw. aufhören
Beispiele:
in etw., mit etw. einhalten
er hielt im Lesen, mit dem Lesen ein
in einer Beschäftigung, im Spiel einhalten
keiner wollte als erster einhalten
er hatte ganz plötzlich eingehalten
er musste einhalten, um Atem zu schöpfen
die Musik, der Regen hielt ein
er lauschte mit eingehaltenem Atem
resolut nähte er an seinem Schuh, hielt nach einer Weile ein [O. M. GrafUnruhe60]
4.
süddeutsch etw., jmdn., sich festhalten
Beispiel:
Gestatten Sie, daß ich mich an Ihnen einhalte [BrechtGalilei6]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

halten · Halt · Halter · Haltung · abhalten · Anhalt · anhalten · Anhalter · aushalten · behalten · Behälter · Behältnis · einhalten · Einhalt · enthalten · erhalten · unterhalten · Unterhalt · Zuhälter · zuhalten · Unterhaltung
halten Vb. ‘festhalten, bewahren’, ahd. haltan ‘festhalten, befolgen, (be)hüten’ (8. Jh.), mhd. halten, halden ‘hüten, weiden, bewahren, verehren, festhalten, gefangenhalten, meinen, sich benehmen, an einem Punkt anhalten, stillhalten’, asächs. haldan ‘halten, hüten, feiern’, mnd. hōlden ‘hüten, bewachen, schützen, weiden, einhalten, veranstalten, festhalten, stillhalten, sich verhalten’, mnl. nl. houden, aengl. haldan, healdan, engl. to hold, anord. halda, schwed. hålla, got. haldan ‘hüten, weiden’. Sieht man den Dental des ehemals reduplizierenden germ. Verbs als präsensbildendes Formans an und geht von einer Grundbedeutung ‘(Vieh) hüten’ aus, dann läßt sich eine Verbindung zu griech. kéllein (κέλλειν) ‘antreiben, bewegen, anfahren, landen’, lat. celer ‘schnell, rasch’, aind. kaláyati ‘treibt (Vieh), hält, trägt, macht’ und Anschluß an die Wurzel ie. *kel- ‘treiben, zu schneller Bewegung antreiben’ herstellen, die möglicherweise mit *kel(ə)- ‘rufen, schreien, lärmen, klingen’ (s. ↗hell) identisch ist (vgl. Pokorny 1, 548; anders Seebold 249, der auf Grund der Bedeutung ‘hüten, weiden’ das germ. Verb auf die Wurzel ie. *ku̯el(ə)- ‘drehen, sich um etw. herumbewegen’ zurückführen möchte, s. ↗Hals). Aus der Grundbedeutung ‘hüten’ entwickelt sich einerseits ‘achthaben, beobachten, bewahren’, andrerseits ‘festhalten’ sowie ‘an-, stillhalten, in einem Zustand verharren’, schließlich (vielleicht unter dem Einfluß von haben) ‘für etw. ansehen, glauben, meinen’. Halt m. ‘Stütze, das (Inne)halten’, mhd. halt ‘Bestand, Ort, Aufenthalt’. Halter m. ‘Haltevorrichtung’ (vgl. Federhalter), ‘wer etw. hält’ (vgl. Statthalter), ahd. haltāri ‘Erretter, Erlöser’ (um 1000; vgl. bihaltāri ‘Wächter’, 8. Jh.), mhd. haltære, halter ‘Hirt, Bewahrer, Erlöser’. Haltung f. ‘Körperhaltung, Pose, innere Einstellung, Beherrschtheit’, spätmhd. haltunge, auch ‘Gewahrsam, Verwahrung, Inhalt’. abhalten Vb. ‘fernhalten, hindern, durchführen’ (15. Jh.). Anhalt m. ‘Anhaltspunkt, Ursache’, mhd. anhalt; anhalten Vb. ‘festhalten, stehenbleiben, stoppen, andauern, zu etw. bewegen, um etw. bitten’ (1. Hälfte 15. Jh.); Anhalter m. ‘wer fremde Autos anhält, um sich mitnehmen zu lassen’, geläufig in der Wendung per Anhalter fahren (Mitte 20. Jh.); zuvor im Sinne von ‘Förderer, (An)treiber’ (16. Jh.). aushalten Vb. ‘bis zum Ende durchstehen, ertragen, Unterhalt gewähren’, mhd. ūʒhalten ‘instand halten, verpflegen’. behalten Vb. ‘nicht weggeben, bewahren’, ahd. bihaltan ‘beachten. bewahren, schützen’ (8. Jh.), mhd. behalten, -halden ‘für sich behalten, bewahren, Erfolg haben, beherbergen, einhalten, (vor Gericht) durch Zeugen erhärten’; Behälter m. ‘Gefäß’, frühnhd. auch ‘Gefängnis’ (15. Jh.); vgl. mhd. behaltære, behalter ‘Beobachter, Bewahrer, Erlöser’, ahd. bihaltāri ‘Wächter’ (8. Jh.); Behältnis n. ‘Behälter, Gefäß’ (15. Jh.), mhd. behaltnisse ‘das Halten, Erhaltung, Vorbehalt, Gewahrsam, Gedächtnis’, ahd. bihaltnessi ‘das Zurückhalten’ (9. Jh.). einhalten Vb. ‘aufhören, aufhalten, beachten’ (15. Jh.); Einhalt m. ‘Einschränkung, Eindämmung’ (Mitte 15. Jh.), dann besonders in der Verbindung Einhalt gebieten, tun (16. Jh.); frühnhd. auch für Inhalt. enthalten Vb. ‘(sich) fernhalten, zurückhalten, enthaltsam sein, zum Inhalt haben’, mhd. enthalten ‘stillhalten, zurückhalten’; dazu enthaltsam ‘mäßig, abstinent’ und Enthaltsamkeit (beide 18. Jh.). erhalten Vb. ‘empfangen, bekommen, bewahren’ (16. Jh.). unterhalten Vb. ‘etw. sichern, bewahren, sich erfreuen, ein Gespräch führen’ (17. Jh.); Unterhalt m. (17. Jh.); Zuhälter m. ‘wer von den Einkünften einer Prostituierten lebt’ (Mitte 19. Jh.), wohl in der Sprache der Polizei gebildet nach älterem Zuhalter ‘wer zu einem hält, Anhänger’ (15. Jh.), mnd. toholder, tohelder, zu zuhalten Vb. im Sinne von ‘zu einer Person halten, ihr beistehen’, auch mit einem zuhalten ‘es mit einem halten, ein außereheliches Verhältnis haben’ (15. Jh.). Unterhaltung f. (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(einem Rat) folgen · (einer Sache) Folge leisten · (sich) gesagt sein lassen · (sich) halten (an) · ↗akzeptieren · ↗annehmen · ↗beherzigen · einhalten · ↗erfüllen · ↗ernst nehmen  ●  ↗(einen Rat) befolgen  Hauptform · ↗(auf jemanden) hören  ugs. · (sich etwas) zu Herzen nehmen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(Zusage, Termin) einhalten  ●  (Versprechen, Termin) halten  auch figurativ

Typische Verbindungen zu ›einhalten‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›einhalten‹.

Verwendungsbeispiele für ›einhalten‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sogar in den besten Jahren hielt sie nicht eine bestimmte Richtung ein.
Schlögel, Karl: Petersburg, München Wien: Carl Hanser Verlag 2002, S. 270
Er hält aber die soziale Norm ein, die ihm verbietet, der beneideten Person feindselig zu begegnen.
Der Tagesspiegel, 12.10.2001
Die Stadt hat keine Versprechen eingehalten, deshalb verklage ich sie.
Süddeutsche Zeitung, 14.12.1996
Sie hält ein, ohne mich anzusehen, und fährt dann fort.
Goote, Thor [d.i. Langsdorff, Werner von]: Die Fahne Hoch!, Berlin: Zeitgeschichte-Verlag 1933 [1933], S. 292
Der Mann hielt stets genau die vier Zeiten seines Gehens und Kommens ein, gab fast jeden Weg, den er ohne die Frau gemacht hätte, auf.
Weyrauch, Wolfgang: Die Ehe. In: Kesten, Hermann (Hg.) 24 neue deutsche Erzähler, Leipzig u. a.: Kiepenheuer 1983 [1929], S. 352
Zitationshilfe
„einhalten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/einhalten>, abgerufen am 10.08.2020.

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