einlassen

GrammatikVerb · lässt ein, ließ ein, hat eingelassen
Aussprache
Worttrennungein-las-sen
Wortzerlegungein-lassen
Wortbildung mit ›einlassen‹ als Erstglied: ↗Einlasspolitik · ↗Einlassung  ·  mit ›einlassen‹ als Grundform: ↗Einlass
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
jmdn. in einen Raum hineingehen lassen, jmdm. den Eintritt gestatten
Beispiele:
nach Beginn der Vorstellung wird niemand mehr eingelassen
der Pförtner wollte mich nicht außerhalb der Besuchszeit einlassen
er hat mich selbst eingelassen
der Gerichtsdiener ließ den Angeklagten ein
Petrus fragt, ob er den Spielmann einlassen solle [WildenhainSchauspieler41]
ich stehe auf, um ihm [dem Hund] zu öffnen, um ihn zu mir einzulassen [Th. MannHerr u. Hund9,561]
2.
eine Flüssigkeit einlaufen lassen
Beispiele:
er ließ warmes Wasser in die Wanne ein
man lässt Meerwasser in das Becken ein
bildlich etw. einströmen lassen
Beispiel:
sie öffnete das Fenster, um frische Luft einzulassen
3.
etw., besonders eine andersfarbige Verzierung, in eine Oberfläche pressen, kleben, kitten
Beispiele:
das Wappen, ein Muster aus Ebenholz war in die Tür eingelassen
eine Inschrift in einen Grabstein einlassen
Edelsteine waren in die Augenhöhlen der Statue eingelassen
eine Tonne in den Gartenboden einlassen
die Fahnenstangen hatte man in das Pflaster eingelassen
Tafeln, einen Haken in Mauerwerk einlassen
4.
süddeutsch, österreichisch
Beispiel:
den Fußboden mit Wachs einlassen (= einreiben, einwachsen)
5.
sich mit jmdm., etw. abgeben
a)
abwertend sich mit jmdm. einlassenmit jmdm. verkehren, Umgang haben
Beispiele:
er hatte sich mit Betrügern, leichtsinnigen Menschen eingelassen
sie hat sich sicher zu sehr, zu weit mit ihm eingelassen
lass dich nicht mit ihr ein!
man sagte, er habe sich mit dem Teufel eingelassen
bildlich
Beispiele:
daß sie sich zu weit einließ mit der Vergangenheit [M. WalserHalbzeit239]
Ich habe mich mit den Zahlen eingelassen [RilkeBrigge5,204]
b)
sich auf, in etw. einlassenetw. eingehen, beginnen
Beispiele:
abwertendsich auf, in ein gefährliches Abenteuer, Unternehmen, auf, in eine dumme Geschichte, Sache, Liebschaft, auf, in einen Streit, Betrug einlassen
abwertendihm gegenüber wollte er sich auf, in nichts einlassen
abwertenddarauf lasse ich mich nicht ein
sich auf eine Frage, Theorie, auf Unterhandlungen einlassen (= sich damit auseinandersetzen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

lassen · ablassen · unablässig · anlassen · Anlasser · Anlaß · anläßlich · veranlassen · auslassen · ausgelassen · einlassen · Einlaß · entlassen · Entlassung · erlassen · Erlaß · unerläßlich · hinterlassen · Hinterlassenschaft · nachlassen · Nachlaß · nachlässig · vernachlässigen · niederlassen · Niederlassung · überlassen · unterlassen · Unterlaß · verlassen · Verlaß · verläßlich · zulassen · zulässig
lassen Vb. ‘dulden, erlauben, bitten, veranlassen, daß etw. geschieht, unterlassen, aufhören mit etw., überlassen, geben, aufgeben’. Das gemeingerm., ehemals reduplizierende Verb ahd. lāʒan (8. Jh.), Kurzform lān, mhd. lāʒen, lān, asächs. lātan, mnd. mnl. lāten, nl. laten, aengl. lǣtan, engl. to let, anord. lāta, schwed. låta, got. lētan ist mit den unter ↗lasch und ↗lässig (s. d.) angegebenen Formen und außergerm. mit griech. lēdé͞in (ληδεῖν) ‘träge, müde sein’, lat. lassus (aus *lədto-) ‘laß, matt, müde, abgespannt’, alban. lodh ‘er ermüdet jmdn.’ und lit. léisti ‘(los)lassen, freilassen’ auf eine Wurzelerweiterung ie. *lē(i)d-, *ləd- der Wurzel ie. *lē(i)- ‘nachlassen’ rückführbar. ablassen Vb. ‘von etw., jmdm. abstehen, aufgeben, entweichen lassen, herniederlassen, (käuflich) überlassen’, ahd. oblāʒan (für gewöhnliches aba-) ‘erlassen, Nachlaß gewähren’ (8. Jh.), mhd. abelāʒen, auch ‘aufgeben, Abstand nehmen, losgehen lassen, entweichen lassen, niederlassen’; s. ↗Ablaß; unablässig Adj. ‘nicht ablassend, andauernd, ohne Unterbrechung’ (16. Jh.). anlassen Vb. ‘(Kleidung) nicht ablegen, eine Vorrichtung nicht ausschalten, einen Motor in Gang setzen’, reflexiv ‘beginnen, in Betrieb kommen’; vgl. ahd. analāʒan ‘hineinlassen, etw. über jmdn. (sich) kommen lassen’ (8. Jh.), mhd. anelāʒen ‘erfinden, angeben, loslassen, in Bewegung setzen’; Anlasser m. ‘Vorrichtung zum In-Gang-Setzen eines Motors, einer Maschine’ (älter Anlaßhebel, 19. Jh.), bei Elektromotoren ‘vorgeschalteter Widerstand, der ein langsames Anlaufen gewährleistet’ (um 1900); Anlaß m. ‘Ursache, Grund’, mhd. ane-, anlāʒ ‘Anfang, Beginn, Punkt, von dem ein Wettrennen ausgeht, Anreiz, Gelegenheit, Kompromiß’; anläßlich Präp. ‘bei Gelegenheit, aus Anlaß’ (19. Jh.), älter (selten) auch adjektivisch und adverbial (15. Jh.); veranlassen Vb. (schwach flektierend) ‘anregen, anordnen, bewirken’, frühnhd. ‘etw. auf jmdn. schieben, jmdn. für etw. auswählen’ (15. Jh.). auslassen Vb. ‘loslassen, weglassen, nicht beachten, (Kleider) verlängern, (Ärger, Zorn) Unschuldige entgelten lassen’, ahd. ūʒlāʒan ‘fortschicken, ausschütten, freilassen, nicht zurückhalten, vergießen, aussprechen, beenden’ (9. Jh.), mhd. ūʒlāʒen; ausgelassen Part.adj. ‘unbändig, hemmungslos’ (vgl. in älterer Sprache ausgelassener Trotz, ausgelassene Leidenschaft), ‘sehr fröhlich’, eigentlich ‘freigelassen’ (16. Jh.). einlassen Vb. ‘herein-, hineinlassen, einfügen’, reflexiv ‘auf etw. eingehen, mit jmdm. verkehren’, ahd. inlāʒan ‘hineinwerfen, einlassen’ (8. Jh.), mhd. īnlāʒen; Einlaß m. ‘das Hineinlassen, Öffnen, Eintritt, Tür’ (16. Jh., Einlaß begehren). entlassen Vb. ‘freigeben, verabschieden, (aus einem Amt) wegschicken, jmds. (Arbeits)vertrag aufkündigen’, ahd. intlāʒan ‘nachlassen, verzeihen, loslassen, lösen, entspannen, weichen’ (8. Jh.), mhd. entlāʒen ‘loslassen, fahrenlassen’, reflexiv ‘sich entfalten’; Entlassung f. ‘Freilassung, Verabschiedung, Entfernung aus einem Amt’ (17. Jh.). erlassen Vb. ‘in Kraft treten lassen, anordnen, von etw. befreien, eine Anordnung aufheben’, ahd. irlāʒan ‘unterlassen, befreien von’ (9. Jh.), mhd. erlāʒen ‘wovon freilassen’, reflexiv ‘auseinandergehen, sich enthalten, unterlassen’; Erlaß m. ‘Verfügung, Anordnung, Aufhebung’ (18. Jh.); unerläßlich Adj. ‘unbedingt erforderlich, nicht aufhebbar’ (17. Jh.). hinterlassen Vb. ‘(einem anderen) zurücklassen, etw. vererben’ (16. Jh.); Hinterlassenschaft f. ‘Zurückgelassenes, Erbe’ (19. Jh.). nachlassen Vb. ‘Spannung lockern, vermindern, schlechter werden, zurücklassen, Preise herabsetzen’, spätmhd. nāchlāʒen; Nachlaß m. ‘das Nachlassen’ (16. Jh.), ‘Hinterlassenschaft’ (18. Jh.), literarischer Nachlaß (19. Jh.); nachlässig Adj. ‘säumig, unzuverlässig, unordentlich’ (15. Jh.); vernachlässigen Vb. ‘nicht gehörig betreuen oder beachten’ (18. Jh., durch Lessing und Goethe verbreitet). niederlassen Vb. ‘von oben herunterlassen’, reflexiv ‘sich ansiedeln, einen festen Wohnsitz, ein Geschäft, eine Firma einrichten’, ahd. nidarlāʒan ‘sinken lassen, nach unten wenden, hinab-, herablassen, versenken’ (9. Jh.), mhd. niderlāʒen; Niederlassung f. ‘das Senken, Ansiedlung, Gründung eines geschäftlichen Unternehmens, Filiale’ (16. Jh.). überlassen Vb. ‘abtreten, übergeben, anheimstellen’ (15. Jh.). unterlassen Vb. ‘nicht tun, versäumen zu tun’, ahd. untarlāʒan (9. Jh.), mhd. underlāʒen ‘abstehen, nicht tun’; Unterlaß m. nur noch in der Fügung ohne Unterlaß ‘ohne Unterbrechung, unaufhörlich’, ahd. āno untarlāʒ, mhd. āne underlāʒ; vgl. ahd. untarlāʒ ‘Unterbrechung’ (9. Jh.), mhd. underlāʒ ‘das Innehalten, Unterbrechung, Beherbergen’, frühnhd. auch ‘Unterkunft, Lagerplatz’ (16. Jh.). verlassen Vb. ‘sich von einem Ort, von jmdm. entfernen, aufgeben, zurück-, alleinlassen’, reflexiv sich verlassen auf ‘vertrauen’, ahd. firlāʒan ‘entlassen, vorbei-, zurücklassen’ (8. Jh.), mhd. verlāʒen ‘fahrenlassen, fort-, loslassen, anbefehlen, verzeihen, zulassen, anvertrauen, hinterlassen, vertrauen’; Verlaß m. ‘Vertrauen, Zuverlässigkeit’ (19. Jh.), frühnhd. ‘Verabredung, Absprache’, auch ‘Hinterlassenschaft’, mhd. verlāʒ ‘Lässigkeit, Untätigkeit’; heute in der Wendung auf jmdn., etw. ist (kein) Verlaß, wohl aus dem Nd., vgl. dar is nien verlaat to (18. Jh.); verläßlich Adj. ‘zuverlässig’ (19. Jh.), dafür zuvor verlässig (18. Jh.). zulassen Vb. ‘gestatten, erlauben’, ahd. zuolāʒan ‘hinzulassen, zukommen lassen, zuschicken’ (10. Jh.), mhd. zuolāʒen; zulässig Adj. ‘erlaubt, gestattet’ (16. Jh.), ‘annehmbar, möglich’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) einlaufen lassen (Badewasser) · einlassen
Synonymgruppe
(jemandem) Einlass gewähren · (jemandem) Zutritt gewähren · (jemanden) einlassen · (jemanden) eintreten lassen · ↗(jemanden) hereinlassen · ↗(jemanden) vorlassen · eintreten lassen · hereinkommen lassen
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›einlassen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›einlassen‹.

Verwendungsbeispiele für ›einlassen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es ist diese großartige Bereitschaft, sich auf das Leben einzulassen, die für mich mit Kindern verknüpft ist.
Die Zeit, 20.10.2008, Nr. 42
Jetzt hat er mir erklärt, er sei sich nun gewiss, sich auf das Unternehmen einlassen zu können.
Der Tagesspiegel, 09.10.2004
Er hätte sich auf diesen Handel mit seiner Mutter niemals einlassen dürfen.
Düffel, John von: Houwelandt, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2004, S. 66
Sie zeigten uns also vor allem, daß es richtig war, sich nicht allzusehr mit Idealisten einzulassen.
Illies, Florian: Generation Golf, Berlin: Argon 2000, S. 169
Es ist doch besser, man läßt sich mit diesem langhaarigem Volk gar nicht ein.
Brief von Ernst G. an Irene G. vom 17.03.1940, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Zitationshilfe
„einlassen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/einlassen>, abgerufen am 07.04.2020.

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