einmummen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungein-mum-men
Wortzerlegungein-mummen
eWDG, 1967

Bedeutung

umgangssprachlich jmdn., sich gut einhüllen, vermummen
Beispiele:
sie war bis zur Nase in Decken eingemummt
jmdn., sich warm, dick einmummen
sie hatte sich in ein schwarzes Tuch eingemummt
eingemummte Menschen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

mummen · vermummen · einmummen · Mumme · mummeln · vermumme(l)n · Mummelgreis · Mummenschanz · Mumpitz
mummen Vb. ‘dumpf und undeutlich reden, brummen, murmeln’ (16. Jh.), dazu das Iterativum mummeln (s. unten); vgl. auch nl. (mundartlich) mommen ‘undeutlich reden, kauen’, spätmhd. mumme ‘brummende Kuh’, engl. (älter) mum ‘mit geschlossenen Lippen erzeugter Brummton’. Daneben stehen nhd. mummen ‘(sich) einhüllen (bis zur Unkenntlichkeit), sich maskieren’ (16. Jh.), heute dafür vornehmlich vermummen Vb. (16. Jh.), einmummen Vb. (18. Jh.), Mumme f. ‘verkleidete, maskierte Person’, mnd. mumme, ferner afrz. momer ‘sich verkleiden, maskieren’, frz. momon ‘Maskerade’ und (aus dem Frz.?) nl. mom ‘verkleidete, maskierte Person’. Der etymologische Zusammenhang beider Bedeutungsstränge scheint offensichtlich, die semantische Auseinanderentwicklung ist jedoch nicht mit Sicherheit erkennbar. Vielleicht ist von einem lautnachahmenden Lallwort mum-, mom- ‘undeutliche Töne von sich geben’ auszugehen. Da auch maskierte Personen Schrecklaute oder (durch die Maske behindert) verdumpfte Laute ausstoßen, kann sich ‘undeutlich reden, Gebrumm’ zu ‘sich maskieren, Maskerade’ entwickelt haben. mummeln Vb. ‘mit tiefer Stimme brummen, undeutlich reden, zahnlos kauen’, auch ‘verhüllen, einhüllen’ (15. Jh.), mnd. mummelen ‘brummen, undeutlich reden, zahnlos kauen’, mnl. nl. mommelen, mummelen ‘brummen’, engl. to mumble ‘murmeln, kauen’. Iterativbildungen zu mummen (s. oben). Vgl. dazu älteres, ebenfalls lautnachahmendes ahd. lefsmammalōn ‘stammeln’ (um 800; zu ahd. lefs s. ↗Lefze). vermumme(l)n Vb. ‘(sich) einwickeln, einhüllen’ (16. Jh.). Mummelgreis m. ‘(zahnloser) alter Mann’ (19. Jh.). Mummenschanz m. älter auch f., ‘Maskerade, Maskenfest’, aus spätmhd. mummen n. ‘Spiel mit Würfeln, Glücksspiel’ (vgl. gleichbed. mfrz. momon) und mhd. schanze ‘Würfelspiel, Glückswurf’ (s. ↗Chance) zusammengesetzt (16. Jh.). Da dieses Spiel während der Fastnachtzeit von maskierten Personen gespielt wurde, konnte sich die Bedeutung ‘Maskerade’ entwickeln und der Bezug auf das Spiel verlorengehen. Mumpitz m. ‘Unsinn, Schwindel’, um die Mitte des 19. Jhs. in Berliner Börsenkreisen aufkommend und sich verbreitend. Wahrscheinlich aus Mumme im Sinne von ‘verhülltes Schreckgespenst’ und Butze ‘Kobold, Knirps’, mhd. butze ‘Poltergeist, Schreckgespenst’ (s. ↗putzig) zusammengesetzt, vgl. obhess. Mombotz ‘Gespenst, Schreckgestalt’, frühnhd. Butzenmummel ‘Popanz, Vogelscheuche’, Mummelputz ‘Vogelscheuche’ (17. Jh.), die als Ausgangsformen für den expressiven Ausdruck Mumpitz ‘schreckenerregendes, unsinniges Gerede oder Tun’ angesehen werden können.

Verwendungsbeispiele für ›einmummen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Da liegt meine Mutter auf einem Gestell, mit sterilen Tüchern eingemummt wie die anderen Gestalten.
Wölfl, Norbert: Die wiedergefundene Zärtlichkeit, Genf u. a.: Ariston 1995 [1983], S. 181
Dick eingemummt ist für die Kleinen auch ein eiskaltes Schmuddelwetter kein Problem.
Süddeutsche Zeitung, 10.01.2002
Ich atmete schwer und hatte das Gefühl einer großen Hitze - so dick war ich eingemummt zum Schutze gegen den grimmigen Frost.
Ganghofer, Ludwig: Lebenslauf eines Optimisten. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 14496
Vor 20000 Jahren war hier keine Menschenseele ", sagt Kurt Wehrberger, eingemummt in seine Winterjacke, und blickt in den Nebel.
Die Zeit, 05.01.2004, Nr. 01
Eingemummt in schwere Parkas, Sturmhauben aus Wolle auf den Köpfen, erscheinen die Männer wie Schemen aus einem Gruselfilm, Nicht-Lebende und Nicht-Tote.
Der Spiegel, 18.11.1985
Zitationshilfe
„einmummen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/einmummen>, abgerufen am 07.04.2020.

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