einnicken

GrammatikVerb · nickte ein, ist eingenickt
Aussprache
Worttrennungein-ni-cken
Wortzerlegungein-nicken2
eWDG, 1967

Bedeutung

umgangssprachlich, scherzhaft (sitzend) in leichten Schlaf sinken
Beispiele:
er war ein bisschen, für ein paar Minuten, einen Augenblick eingenickt
sie war über dem Buch eingenickt
ich wäre beinahe eingenickt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

nicken1 · nicken2 · einnicken
nicken1 Vb. ‘(den Kopf) auf und ab bewegen, niederbeugen’ (zum Zeichen des Grußes oder der Bestätigung), ahd. (h)nicken (9. Jh.), mhd. mnd. mnl. nicken, nl. nikken. Das nur im Kontinentalwestgerm. bezeugte schwache Verb (dän. nikke, schwed. nicka sind aus dem Mnd. entlehnt) ist ein Kausativum mit Intensivgemination zu dem unter ↗neigen (s. d.) dargestellten Verb, also eigentlich ‘niedersinken machen, zur Verneigung bringen’ (zum Zeichen der Unterwerfung). In früher Zeit in breiter (vielfach übertragener) Verwendung, ausgehend von (transitiv) ‘jmdn. niederbeugen, -drücken’, (intransitiv) ‘sich niederbeugen, niedersinken’, z. B. ahd. mhd. ‘(nieder)beugen, niederdrücken, abweichen’ sowie ‘(durch Körper- bzw. Kopfbewegung) sich (hin)neigen, zustimmen, zuerkennen’; vgl. auch ahd. bi(h)nicken ‘erdrücken, übertölpeln, überwältigen, verbergen’, mhd. benicken ‘(sich) beugen, niederdrücken’, ahd. gi(h)nicken ‘jmdn. etw. antun, hart bedrücken, überwältigen’, mhd. genicken ‘(sich) neigen, sinken, demütigen’, ahd. fir(h)nicken ‘vernichten, zerstören, vereiteln’, mhd. vernicken ‘herabbeugen, unterdrücken, demütigen’, ahd. int(h)nicken ‘sich niederlassen, niederkauern, senken’, ahd. nidar(h)nicken ‘zusammenziehen, niederdrücken, übertölpen’. Im Frühnhd. schwächt sich diese Bedeutungsvielfalt ab, im Nhd. nur noch meist intransitiv (mit dem Kopf, mit den Augen) nicken, seltener transitiv (den Kopf, Dank, Zustimmung) nicken. Vom heutigen Standpunkt aus ist hierherzustellen seit dem Ahd. bezeugtes nicken2 Vb. ‘leicht und kurz schlafen’, das, obwohl auf anderer Grundlage beruhend, im Nhd. mit ↗nicken (s. d.) lautlich und, im Sinne von ‘im Sitzen (ein)schlafen, wobei der Kopf nach vorn sinkt’, auch semantisch zusammengefallen ist. Vgl. ahd. intnucken (10./11. Jh.), mhd. entnucken, entnücken, entnicken ‘einschlafen, entschlummern’, auch nhd. (obd.) entnucken ‘(sitzend) einschlafen’; hierzu auch schweiz. Nuck ‘Schläfchen, kurzer Schlummer’, dafür hd. Nickerchen, ein Nickerchen machen. Auszugehen ist von mhd. nücken bzw. (md.) nucken ‘den Kopf bewegen, (vom Pferd) stutzen, mit sinkendem Kopf einschlafen’, mnd. nucken ‘drohend oder trotzig den Kopf bewegen’. Umlauthemmendes -kk- ist noch wirksam in den Mundarten (bair. schweiz. nucken), sonst nücken, das sich entrundet leicht an ↗nicken anschließt. Heute vornehmlich einnicken Vb. ‘in einen leichten Schlaf, Schlummer fallen, im Sitzen einschlafen’ (18. Jh.); bildlich ‘friedlich und sanft sterben’ (20. Jh.). Die Herkunft dieses Verbs ist im Hinblick auf den zugrundeliegenden abweichenden Stammvokal -u- unklar. Zu ie. *neug-, einer Gutturalerweiterung der Wurzel ie. *neu- ‘einen Ruck machen, nicken, winken’, wozu lat. nuere ‘nicken, sich neigen’? Oder mit ↗Nacken, ↗Nocken (s. d.) zu ie. *kneg-, *kneug-, einer Bildung zu der nur erweitert darstellbaren Wurzel ie. *ken- ‘zusammendrücken, knicken’? Oder lediglich eine intensivierende Lautvariante zu ↗nicken (s. oben)?

Thesaurus

Synonymgruppe
einnicken · ↗einschlafen · in einen (...) Schlaf fallen  ●  ↗eindösen  ugs. · ↗einpennen  ugs. · ↗wegdösen  ugs. · ↗wegklappen  ugs.
Assoziationen
  • ermüden · müde werden · schläfrig werden
  • (ein) Auge voll Schlaf nehmen · (ein) Nickerchen machen · (sich) eine Mütze voll Schlaf holen · (sich) kurz hinlegen · kurz wegdösen
  • ruhen · ↗schlummern  ●  ↗schlafen  Hauptform · (sich) in Morpheus' Armen wiegen  geh. · Bubu machen  ugs., Kindersprache · an der Matratze horchen  ugs. · ↗dösen  ugs. · in Morpheus' Armen liegen  geh. · in Morpheus' Armen ruhen  geh. · ↗knacken  ugs. · ↗koksen  ugs. · ↗pennen  ugs., salopp · ↗pofen  ugs., salopp · ↗ratzen  ugs. · ↗schnarchen  ugs.
  • (sein) Haupt betten · ↗(sich) betten · (sich) ins Schlafzimmer zurückziehen · (sich) schlafen legen · (sich) zum Schlafen niederlassen · (sich) zum Schlafen zurückziehen · (sich) zur Ruhe begeben · ins Bett gehen · pofen gehen · zu Bett gehen  ●  heia machen  Kindersprache · in die Heia gehen  Kindersprache · schlafen gehen  Hauptform · (sich) aufs Ohr hauen  ugs., Redensart · (sich) aufs Ohr legen  ugs., Redensart · ↗(sich) hinhauen  ugs., salopp · ↗(sich) hinlegen  ugs. · (sich) in Morpheus' Arme begeben  geh. · in Morpheus' Arme sinken  geh., fig. · in die Kiste steigen  ugs. · in die Pofe gehen  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Autofahrer Ball Busfahrer Couch Distanz Eckball Erschöpfung Fahrer Fernseher Flanke Freistoß Meter Moment Sekunde Sessel Steuer Stuhl Tisch aufwachen erwachen häufig kurz langsam mal manchmal nicken regelmäßig zwischendurch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›einnicken‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Als die Bewohner des Hauses spätabends nach Hause kamen, war er eingenickt.
Bild, 15.09.1998
Jetzt ist er müde und neigt dazu, bei Interviews einzunicken.
Die Zeit, 12.05.1989, Nr. 20
Zwischendurch nickte ich immer wieder ein, fiel mein Kopf auf den Tresen.
Goosen, Frank: Liegen lernen, Frankfurt am Main: Eichborn AG 2000, S. 263
Im Wagen nicken die meisten bereits erschöpft ein, in unbequemen Haltungen auf den Werkzeugen sitzend.
Wallraff, Günter: Ganz unten, Berlin: Aufbau-Verl.1986 [1985], S. 152
Katharina nickt ein und wacht wieder auf und denkt an Armand.
Dölling, Beate: Hör auf zu trommeln, Herz, Weinheim: Beltz & Gelberg 2003, S. 234
Zitationshilfe
„einnicken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/einnicken>, abgerufen am 16.07.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Einnehmer
einnehmen
einnehmbar
Einneblung
Einnebelung
einnisten
Einnistung
einnorden
einochsen
Einödbauer