einreißen

GrammatikVerb · riss ein, hat/ist eingerissen
Worttrennungein-rei-ßen
Wortzerlegungein-reißen1
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›hat‹
etw. vom Rande her entzweireißen, einen Riss in etw. machen
Beispiele:
sie hat das Tuch, diese Ecke eingerissen
einen Geldschein, den Papierbogen einreißen
Regengüsse reißen tiefe Schluchten in den Tonboden ein
2.
mit Hilfsverb ›ist‹
vom Rande her entzweireißen
Beispiele:
der Papierbogen riss leider ein, ist leider eingerissen
Seidenpapier, dieser Stoff reißt leicht ein
etw. ist am Rande eingerissen
eingerissene (= rissige) Finger
ein eingerissenes (= durch einen Riss erweitertes, ausgerissenes) Knopfloch
3.
mit Hilfsverb ›hat‹
etw. abreißen, niederreißen
Beispiel:
ein Haus, Mauern, Ruinen, Schranken, die Zelte einreißen
übertragen etw. in Unordnung bringen
Beispiele:
der Kleine hat der Mutter die Frisur eingerissen
die Betten, Kissen einreißen
du hast mir meine ganze Ordnung eingerissen
dieser böse Auftritt hat vieles, was sie sorgsam aufgebaut hatte, wieder eingerissen (= zerstört)
salopp der sieht nicht aus, als könne er die Welt einreißen (= als leiste er sehr viel)
4.
Beispiel:
sich [Dativ] einen Splitter, Dorn einreißen (= unbeabsichtigt eindringen lassen)
5.
mit Hilfsverb ›ist‹
etw. reißt einetw. greift um sich
Beispiele:
eine Unsitte ist in unserem Kreise eingerissen
in letzter Zeit ist Unpünktlichkeit eingerissen
einen solchen Unfug wollen wir (gar) nicht erst einreißen lassen
dieser hässliche Ton, diese Mode darf bei uns nicht einreißen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

reißen · Reißbrett · Reißzeug · Reißen · abreißen · Abriß · anreißen · aufreißen · Aufriß · ausreißen · einreißen · verreißen · zerreißen · Reißer
reißen Vb. ‘entzwei-, auseinandergehen, gewaltsam (in einzelne Teile) auseinandertrennen, an etw. ziehen, zerren, sich teilen, trennen, lösen, (von Raubtieren) ein Beutetier töten’, reflexiv ‘sich ritzen, sich verletzen’, ahd. rīʒan ‘einritzen, schreiben’ (9. Jh.), mhd. rīʒen ‘reißen, zerreißen, einritzen, schreiben, zeichnen’, asächs. wrītan ‘zerreißen, verwunden, einritzen, schreiben’, mnd. wrīten ‘reißen, schreiben, zeichnen’, mnl. rīten, nl. rijten, aengl. wrītan ‘einritzen, reißen, schreiben, zeichnen’, engl. to write ‘schreiben’, anord. rīta ‘einritzen, schreiben’. Sichere außergerm. Beziehungen finden sich nicht. Man versucht, im Hinblick auf griech. rhīnós (ῥινός) ‘Haut von Mensch und Tier, besonders Rindshaut, der aus Rindshaut hergestellte Schild’, rhī́nē (ῥίνη, aus *u̯rīnā) ‘Feile, Raspel’ die germ. Formen an eine Dentalableitung zu ie. *u̯rei-, *u̯rī-, Erweiterung der Wurzel ie. *u̯er- ‘aufreißen, ritzen’, anzuschließen; s. auch ↗reizen, ↗Riß, ↗ritzen. reißen bedeutet ursprünglich ‘ritzen’, speziell ‘(Runen)zeichen auf Buchenstäbchen einritzen’, dann ‘schreiben, zeichnen’ und (an ‘ritzen, einschneiden’ anschließend) ‘gewaltsam trennen’. Reißbrett n. ‘Brett als Unterlage zum Anfertigen technischer und geometrischer Zeichnungen’, Reißzeug n. ‘Geräte zum technischen Zeichnen’ (Reißfeder, -schiene, -zirkel u. a.) schließen als Bildungen des 17. Jhs. an reißen ‘zeichnen’ an. Reißen n. ‘Gliederschmerzen, Rheumatismus’ (18. Jh.). abreißen Vb. ‘losreißen, gewaltsam abtrennen, abgehen, sich lösen, niederreißen, abbrechen, abnutzen’, früher auch ‘ein Bild im Umriß entwerfen’, mhd. aberīʒen ‘herabreißen, entreißen, rauben’; Abriß m. ‘das Niederreißen, Abbruch, Zeichnung, Entwurf, gedrängte Darstellung, Überblick’ (16. Jh.). anreißen Vb. ‘ein kleines Stück einreißen, einen kleinen Riß anbringen, zu verbrauchen beginnen’, in der Technik ‘Linien, Formen von Werkstücken vorzeichnen’, umgangssprachlich ‘durch marktschreierische Methoden Käufer anlocken’ (15. Jh.). aufreißen Vb. ‘gewaltsam öffnen, auseinanderreißen, sich öffnen, aufplatzen’, mhd. ufrīʒen; in der Technik ‘einen Aufriß zeichnen’; Aufriß m. ‘Zeichnung eines senkrechten Schnittes oder der Außenseite eines Gegenstandes, gedrängter Überblick, kurze Darstellung’ (17. Jh.). ausreißen Vb. ‘herausreißen, herausziehen, durch Reißen entfernen, durch Reißen kaputtgehen, sich lösen, die Flucht ergreifen, davonlaufen’, ahd. ūʒrīʒan (Hs. 12. Jh.), mhd. ūʒrīʒen; vgl. Reißaus nehmen ‘davonlaufen, fliehen’ (Ende 16. Jh.), aus dem Imperativ reiß aus! einreißen Vb. ‘einen Riß bekommen, einen Riß verursachen, abbrechen, zerstören, zur Gewohnheit werden’, frühnhd. ‘überhandnehmen’ (15. Jh.). verreißen Vb. ‘vernichtend kritisieren’, zuvor ‘durch vieles Tragen zerreißen (von Kleidern), in Stücke reißen, vernichten’, mhd. verrīʒen ‘zerreißen’. zerreißen Vb. ‘(gewaltsam) trennen, in Stücke reißen, auseinanderreißen, (durch Abnutzung) entzweigehen, ein Loch in ein Kleidungsstück reißen’, mhd. zerrīʒen ‘zerreißen, zerfetzen, zerfleischen’. Reißer m. ‘wer reißt, zerreißt, Gerät zum Zerreißen von Textilien’ (17. Jh.), ‘wer Käufer in den Laden lockt’ (gleichsam an sich reißt, s. oben anreißen), dann auch ‘Artikel, der sich gut verkauft’ sowie ‘spannungsvolles, auf Publikumswirksamkeit berechnetes Bühnenstück, Buch, Filmwerk’ (2. Hälfte 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
abreißen · dem Erdboden gleichmachen · einreißen · ↗rückbauen · ↗wegreißen  ●  ↗zurückbauen  fachspr., verhüllend
Assoziationen
Zitationshilfe
„einreißen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/einreißen>, abgerufen am 25.05.2019.

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