Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

einstimmig

Grammatik Adjektiv · ohne Steigerung
Aussprache 
Worttrennung ein-stim-mig
Wortzerlegung eins Stimme -ig
Wortbildung  mit ›einstimmig‹ als Erstglied: Einstimmigkeit
eWDG

Bedeutungen

1.
aus nur einer Stimme bestehend
Beispiele:
ein einstimmiges Lied, ein einstimmiger Satz
etw. ist einstimmig gesetzt
sie sangen einstimmig
2.
einmütig, übereinstimmend
Beispiele:
die einstimmige Annahme eines Beschlusses
eine einstimmige Billigung
etw. einstimmig billigen, beschließen, bestätigen, erklären
der Kandidat wurde einstimmig gewählt
alle Zeitungen stellten einstimmig fest, dass …
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Stimme · Stimmrecht · Stimmvieh · Stimmenmehrheit · stimmen · anstimmen · abstimmen · beistimmen · umstimmen · zustimmen · übereinstimmen · Stimmung · stimmungsvoll · stimmig · einstimmig · mehrstimmig
Stimme f. ‘mit Hilfe der Stimmbänder erzeugte Laute, Fähigkeit zur Erzeugung solcher Laute, Meinung, Urteil’, ahd. stimna, stimma (8. Jh.), stemna, stemma (9. Jh.), mhd. stimme, asächs. stemna, mnd. stemne, stem(me), stimme, mnl. stemme, stēvene, nl. stem, aengl. stefn, stemn, engl. (mundartlich) steven, afries. stifne, stemme, got. stibna, mit sekundärem Labial mnd. stempne, frühnhd. stimb, aus germ. *stemnō (mit aus ƀn entstandenem mn), ohne gesicherte außergerm. Entsprechungen. Verwandtschaft mit griech. stóma (στόμα) ‘Mund, Maul, Mündung, Front, Spitze, Schneide’ (ie. *stomen- ‘Mund, Spalte’, zu einer Wurzel ie. *(s)tem- ‘schneiden’) ist möglich; vgl. Wennerberg in: Die Sprache 18 (1972) 24 ff. Stimme in der Sprache der Musik im Sinne von ‘Singstimme, Singbegabung’ ist bereits ahd., dazu vgl. Fügungen wie hohe, tiefe Stimme (vor allem seit dem 18. Jh. geläufig); auch ‘Teil einer mehrstimmigen (Vokal)komposition’ (16. Jh.). Stimme für ‘Entscheidung für jmdn., etw., Votum’ bei einer Abstimmung, Beratung ist seit dem 14. Jh. bezeugt, vgl. Sitz und Stimme (‘das Recht, ein Votum in einem bestimmten Kreis abgeben zu können’) haben (18. Jh.), Stimmen haben ‘das Votum anderer zugunsten der eigenen Wahl haben’ (16. Jh.), eine Stimme (‘das Recht zu urteilen’) haben (18. Jh.), jmdm. die, seine Stimme geben ‘sich für ihn entscheiden’ (16. Jh.). – Stimmrecht n. ‘Recht, an Abstimmungen und Wahlen teilzunehmen’ (18. Jh.). Stimmvieh n. ‘politisch unentschiedene, unkritische und abhängige Wähler, die bei Wahlen zu erwünschten Entscheidungen veranlaßt werden können’ (2. Hälfte 19. Jh.), nach amerik.-engl. voting cattle, zuerst auf amerikanische Verhältnisse bezogen. Stimmenmehrheit f. (18. Jh.). Vom Substantiv abgeleitet stimmen Vb. ‘zusammenpassen, richtig sein, übereinstimmen’, mhd. stimmen ‘eine Stimme hören lassen, rufen, mit einer Stimme versehen, erfüllen, anstimmen, nennen, festsetzen, abschätzen’ und ahd. gistimnen ‘zusammen-, anstimmen’ (8. Jh.); in der Musik ‘die Höhe der einzelnen Töne kontrollieren’ (16. Jh.), ‘seine Stimme, sein Votum für jmdn., etw. abgeben’ (17. Jh.), ‘jmdn. in eine bestimmte Gemütslage versetzen’ (18. Jh.), anstimmen Vb. ‘zu singen beginnen, einen Termin festsetzen’ (16. Jh.). abstimmen Vb. ‘in Einklang bringen, harmonisch, passend machen’ (17. Jh.), ‘die Stimme, das Votum abgeben’ (18. Jh.), älter ‘Münzen abwerten’ (schweiz., 15. Jh.), ‘nicht übereinstimmen mit etw. oder jmdm.’ (16. Jh.), ‘überstimmen’ (18. Jh.). beistimmen Vb. ‘recht geben, beipflichten’ (17. Jh.). umstimmen Vb. ‘anders stimmen, die Meinung ändern’ (17. Jh.). zustimmen Vb. ‘übereinstimmen, beipflichten’ (16. Jh.). übereinstimmen Vb. ‘den gleichen Klang haben, zusammenpassen, einer Meinung sein’ (16. Jh.). Stimmung f. ‘Gemütslage, -zustand, innere Disposition’ (18. Jh.), ‘Kolorit, Milieu’, besonders auf Ausstrahlung von Kunstwerken, Landschaften u. dgl. bezogen (19. Jh.); dazu stimmungsvoll Adj. (19. Jh.). stimmig Adj. ‘übereinstimmend, zusammenpassend, richtig’ (18. Jh.), zuerst ‘was Stimme hat, zur Stimme gehört’ (17. Jh.). einstimmig Adj. musikalisch ‘aus nur einer Stimme bestehend’ (17. Jh.), ‘ohne Gegenstimme’ (18. Jh.); vgl. ahd. einstimmi ‘einmütig’ (9. Jh.). mehrstimmig Adj. ‘aus mehreren Stimmen bestehend’ (beim Gesang, 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
einhellig · einmütig · einstimmig · konform · kongruent · konkordant · unisono · übereinstimmend
Synonymgruppe
brüderlich · einhellig · einig · einmütig · einstimmig · einträchtig · einvernehmlich · einverständlich · friedlich · geschlossen · gleichgesinnt · harmonisch · im Einklang · im Gleichklang
Musik
Synonymgruppe
einstimmig · gleichstimmig · homofon · homophon
Synonymgruppe
einstimmig · ohne Gegenstimmen
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›einstimmig‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›einstimmig‹.

Verwendungsbeispiele für ›einstimmig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Also ruft demnach baldigst ziemlich einstimmig das ganze große Menschengeschlecht. [Scheerbart, Paul: Immer mutig! In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1902], S. 4514]
Selten wurde einem Gerät so einstimmig eine hohe Qualität bescheinigt. [C’t, 1993, Nr. 2]
Der Rat nimmt die zur Verwirklichung der Ziele der Union erforderlichen Beschlüsse einstimmig an. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1964]]
Der Rat nimmt die zur Verwirklichung der Ziele der Europäischen Union erforderlichen Beschlüsse einstimmig an. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1964]]
Das äthiopische Parlament billigte am gleichen Tage ebenfalls einstimmig ein entsprechendes Gesetz. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1962]]
Zitationshilfe
„einstimmig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/einstimmig>.

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