einverleiben

GrammatikVerb · verleibte ein/einverleibte, hat einverleibt
Aussprache
Worttrennungein-ver-lei-ben
Wortbildung mit ›einverleiben‹ als Erstglied: ↗Einverleibung
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw. mit etw. zu einem Ganzen verbinden, etw. in etw. aufgehen lassen
Beispiele:
er hatte die Parzelle seinem Gute einverleibt
die kleineren Betriebe wurden dem Konzern einverleibt
etw. seiner Sammlung, Bibliothek einverleiben
Im Jahre 1812 war dann Bessarabien östlich des Pruth Rußland einverleibt und die russische Herrschaft bis an die ... Donaumündung ausgedehnt worden [LamprechtDt. Geschichte10, 364]
Der ... rollte den Brotbeutel zusammen und verleibte ihn seinem Gepäck ein [BöllWaage74]
2.
scherzhaft sich [Dativ] etw. einverleibenetw. essen
Beispiele:
er wollte sich den ganzen Kuchen einverleiben
der Räuber hatte sich das Beutetier einverleibt
Wenn er sich das alles einverleibt und dazu von dem schweren Rotwein getrunken hätte [I. SeidelLennacker568]
übertragen
Beispiel:
sich neue Wissensschätze, Erkenntnisse einverleiben (= erwerben)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Leib · beileibe · leibeigen · Leibeigenschaft · leiben · einverleiben · entleiben · Entleibung · Leibrente · leibhaft · leibhaftig · leiblich · beleibt · Leibchen · Leibesübung · Leibgarde
Leib m. ‘(menschlicher, tierischer) Körper, Unterleib, Bauch, Magen’, ahd. līb ‘Leben, Lebensweise’ (8. Jh.), mhd. līp ‘Leben, Körper, Magen’, umschreibend ‘Person, Mensch’, asächs. mnd. līf, mnl. nl. lijf, aengl. līf, engl. life, anord. līf, schwed. liv gehört wie ↗leben (s. d.) zu der unter ↗bleiben (s. d.) angeführten Wurzel. Leib wird in seiner alten Bedeutung ‘Leben’ vom substantivierten Infinitiv Leben n. verdrängt; vgl. dazu die paarige Rechtsformel Leib und Leben (16. Jh.). beileibe Adv. ‘bestimmt, wirklich’, meist beileibe nicht ‘wahrhaftig, wirklich nicht, unter keinen Umständen’, eigentlich ‘beim Leben (nicht)’, frühnhd. (16. Jh.) bey leyb, bei leib, beyleib (nicht). leibeigen Adj. ‘persönlich unfrei, hörig’, spätmhd. līpeigen, entstanden aus der Formel mhd. eigen von dem lībe ‘mit dem Leben, dem Leibe jmdm. zugehörig’; Leibeigenschaft f. ‘völlige rechtliche Abhängigkeit der Bauern (und Handwerker) vom Feudalherrn’ (15. Jh.). leiben Vb. ‘einen Körper bilden, leben’ (16. Jh.), nur noch in der Wendung wie er leibt und lebt. einverleiben Vb. ‘zu einem Ganzen verbinden, in etw. aufgehen lassen, eingliedern’ (15. Jh.), für spätlat. incorporāre, Kontamination aus gleichbed. einleiben und verleiben (beide 15. Jh.). entleiben Vb. ‘ums Leben bringen, töten’, mhd. entlīben, mnd. entlīven, reflexiv ‘sich selbst umbringen, Selbstmord begehen’ (17. Jh., vereinzelt 14. Jh.). Entleibung f. ‘Mord, Todschlag, Selbstmord’ (16. Jh.), mhd. entlībunge ‘Tod’. Leibrente f. ‘Rente auf Lebenszeit’, frühnhd. leyprente (1400), mnd. līfrente (14. Jh.). leibhaft Adj. ‘wirklich und wahrhaftig, echt’, ahd. lībhaft(i) ‘lebend’ (um 800), mhd. līphaft ‘Leben habend, lebend, mit Körper versehen, wohlgestaltet, persönlich’. leibhaftig Adj. mhd. līphaftic. leiblich Adj. ‘den Leib betreffend, körperlich, wirklich, blutsverwandt’, ahd. līblīh ‘lebend, lebendig’ (9. Jh.), mhd. līplich ‘körperlich, persönlich, leibhaftig’. beleibt Adj. euphemistisch für ‘dick, korpulent’ (Campe 1807). Leibchen n. ‘(den Leib bedeckendes) westenartiges Kleidungsstück, Mieder’, anfangs auch ‘kleiner Körper’ (17. Jh.), wohl nach dem Vorbild frz. corselet m. (abgeleitet von frz. corps m. ‘Körper, Leib’). Leibesübung f. ‘Übung zur körperlichen Ertüchtigung, Sport’ (16. Jh.). Leibgarde f. ‘militärische Einheit zum persönlichen Schutz, besonders eines regierenden Fürsten’ (um 1600); vgl. älteres Leibgewardi (16. Jh.), mfrz. frz. garde du corps.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) aneignen · (sich) einverleiben · ↗angliedern · ↗annektieren · ↗besetzen · in Anspruch nehmen · in Beschlag nehmen
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) einverleiben · (sich) gütlich tun (an) · (sich) zu Gemüte führen · Nahrung aufnehmen · ↗essen · ↗speisen · ↗verkosten · ↗verschmausen · ↗verspeisen · zu Munde führen  ●  Essen fassen  ugs. · ↗einnehmen (Mahlzeit)  geh. · ↗fressen  derb · ↗futtern  ugs. · in sich hineinschaufeln  ugs. · ↗mampfen  ugs. · ↗spachteln  ugs. · ↗verdrücken  ugs. · ↗vernaschen  ugs. · ↗verputzen  ugs. · ↗verspachteln  ugs. · ↗weghauen  ugs. · ↗wegputzen  ugs. · wegspachteln  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) einverleiben · (sich) widerrechtlich aneignen · ↗usurpieren · widerrechtlich erobern  ●  (sich) unter den Nagel reißen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(seinem Unternehmen) einverleiben · ↗(seinen Besitztümern) hinzufügen · ↗(sich) aneignen · ↗übernehmen  ●  (sich) unter den Nagel reißen  ugs. · ↗schlucken  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(einfach) mitnehmen · ↗(sich) (ungerechtfertigterweise) aneignen · (sich) einverleiben · (sich) vergreifen an · (ungerechtfertigterweise) in seinen Besitz bringen · an sich bringen · an sich nehmen · ↗einheimsen · ↗erbeuten · ↗erjagen · zugespielt bekommen  ●  ↗(sich) zueignen  juristisch · ↗kapern  fig. · (einen) Fitsch machen  ugs., rheinisch · (sich an etwas) gesund stoßen  ugs. · ↗(sich) (einfach) nehmen  ugs. · (sich) an Land ziehen  ugs. · ↗(sich) grabschen  ugs. · ↗(sich) grapschen  ugs. · ↗(sich) greifen  ugs. · ↗(sich) gönnen  ugs. · ↗(sich) krallen  ugs. · (sich) reinpfeifen  ugs. · ↗(sich) reinziehen  ugs. · ↗(sich) schnappen  ugs. · (sich) unter den Nagel reißen  ugs. · ↗abgreifen  ugs. · ↗absahnen  ugs. · ↗abstauben (u.a. Sport)  ugs. · ↗einsacken  ugs. · ↗einstreichen  ugs. · ↗ergattern  ugs. · ↗erwischen  ugs. · mitgehen lassen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bistum Blockpartei Empire Fundus Gedächtnis Großkonzern Herrschaftsbereich Herzogtum Imperium Kaiserreich Kanon Kernland Kolonialreich Konzer Königreich Machtbereich Mandatsgebiet Reich Sammlung Staatsgebiet Territorium Volksrepublik Wortschatz Zarenreich genüßlich gewaltsam herauslösen restlos verdauen verleiben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›einverleiben‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ein Mann, der innerlich abgetötet wurde, versucht verzweifelt, sich Leben einzuverleiben.
Die Zeit, 08.09.2004, Nr. 37
Er habe die Zeit doch gelebt, habe sie sich einverleibt.
konkret, 1988
Auch die entgegengesetzten Dinge durchdringen sich und werden der übergreifenden Entwicklung einverleibt.
Schmitt, Carl: Die geistesgeschichtliche Lage des heutigen Parlamentarismus, Berlin: Duncker & Humblot 1991 [1923], S. 61
Der Schwester schrieb ich, daß ich eine »Anzahl« Briefe gefunden habe und meiner Darstellung einverleiben werde.
Deussen, Paul: Mein Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1922], S. 23272
Giulia einverleibt worden; sie steht noch nicht in dem 1624 abgefaßten Kat.
Jeppesen, Knud: Palestrina (Familie). In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1962], S. 40047
Zitationshilfe
„einverleiben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/einverleiben>, abgerufen am 17.02.2019.

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