einverleiben

Grammatik Verb · verleibt ein, verleibte ein, hat einverleibt
Grammatik Verb · einverleibt, einverleibte
Aussprache 
Worttrennung ein-ver-lei-ben
Wortbildung  mit ›einverleiben‹ als Erstglied: Einverleibung

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. etw. mit etw. zu einem Ganzen verbinden, etw. in etw. aufgehen lassen
  2. 2. [scherzhaft] ⟨sich etw. einverleiben⟩ etw. essen
    1. [übertragen] ...
eWDG

Bedeutungen

1.
etw. mit etw. zu einem Ganzen verbinden, etw. in etw. aufgehen lassen
Beispiele:
er hatte die Parzelle seinem Gute einverleibt
die kleineren Betriebe wurden dem Konzern einverleibt
etw. seiner Sammlung, Bibliothek einverleiben
Im Jahre 1812 war dann Bessarabien östlich des Pruth Rußland einverleibt und die russische Herrschaft bis an die […] Donaumündung ausgedehnt worden [ LamprechtDt. Geschichte10, 364]
Der […] rollte den Brotbeutel zusammen und verleibte ihn seinem Gepäck ein [ BöllWaage74]
2.
scherzhaft sich [Dativ] etw. einverleibenetw. essen
Beispiele:
er wollte sich den ganzen Kuchen einverleiben
der Räuber hatte sich das Beutetier einverleibt
Wenn er sich das alles einverleibt und dazu von dem schweren Rotwein getrunken hätte [ I. SeidelLennacker568]
übertragen
Beispiel:
sich neue Wissensschätze, Erkenntnisse einverleiben (= erwerben)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Leib · beileibe · leibeigen · Leibeigenschaft · leiben · einverleiben · entleiben · Entleibung · Leibrente · leibhaft · leibhaftig · leiblich · beleibt · Leibchen · Leibesübung · Leibgarde
Leib m. ‘(menschlicher, tierischer) Körper, Unterleib, Bauch, Magen’, ahd. līb ‘Leben, Lebensweise’ (8. Jh.), mhd. līp ‘Leben, Körper, Magen’, umschreibend ‘Person, Mensch’, asächs. mnd. līf, mnl. nl. lijf, aengl. līf, engl. life, anord. līf, schwed. liv gehört wie leben (s. d.) zu der unter bleiben (s. d.) angeführten Wurzel. Leib wird in seiner alten Bedeutung ‘Leben’ vom substantivierten Infinitiv Leben n. verdrängt; vgl. dazu die paarige Rechtsformel Leib und Leben (16. Jh.). beileibe Adv. ‘bestimmt, wirklich’, meist beileibe nicht ‘wahrhaftig, wirklich nicht, unter keinen Umständen’, eigentlich ‘beim Leben (nicht)’, frühnhd. (16. Jh.) bey leyb, bei leib, beyleib (nicht). leibeigen Adj. ‘persönlich unfrei, hörig’, spätmhd. līpeigen, entstanden aus der Formel mhd. eigen von dem lībe ‘mit dem Leben, dem Leibe jmdm. zugehörig’; Leibeigenschaft f. ‘völlige rechtliche Abhängigkeit der Bauern (und Handwerker) vom Feudalherrn’ (15. Jh.). leiben Vb. ‘einen Körper bilden, leben’ (16. Jh.), nur noch in der Wendung wie er leibt und lebt. einverleiben Vb. ‘zu einem Ganzen verbinden, in etw. aufgehen lassen, eingliedern’ (15. Jh.), für spätlat. incorporāre, Kontamination aus gleichbed. einleiben und verleiben (beide 15. Jh.). entleiben Vb. ‘ums Leben bringen, töten’, mhd. entlīben, mnd. entlīven, reflexiv ‘sich selbst umbringen, Selbstmord begehen’ (17. Jh., vereinzelt 14. Jh.). Entleibung f. ‘Mord, Todschlag, Selbstmord’ (16. Jh.), mhd. entlībunge ‘Tod’. Leibrente f. ‘Rente auf Lebenszeit’, frühnhd. leyprente (1400), mnd. līfrente (14. Jh.). leibhaft Adj. ‘wirklich und wahrhaftig, echt’, ahd. lībhaft(i) ‘lebend’ (um 800), mhd. līphaft ‘Leben habend, lebend, mit Körper versehen, wohlgestaltet, persönlich’. leibhaftig Adj. mhd. līphaftic. leiblich Adj. ‘den Leib betreffend, körperlich, wirklich, blutsverwandt’, ahd. līblīh ‘lebend, lebendig’ (9. Jh.), mhd. līplich ‘körperlich, persönlich, leibhaftig’. beleibt Adj. euphemistisch für ‘dick, korpulent’ (Campe 1807). Leibchen n. ‘(den Leib bedeckendes) westenartiges Kleidungsstück, Mieder’, anfangs auch ‘kleiner Körper’ (17. Jh.), wohl nach dem Vorbild frz. corselet m. (abgeleitet von frz. corps m. ‘Körper, Leib’). Leibesübung f. ‘Übung zur körperlichen Ertüchtigung, Sport’ (16. Jh.). Leibgarde f. ‘militärische Einheit zum persönlichen Schutz, besonders eines regierenden Fürsten’ (um 1600); vgl. älteres Leibgewardi (16. Jh.), mfrz. frz. garde du corps.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) aneignen · (sich) einverleiben · angliedern · annektieren · besetzen · in Anspruch nehmen · in Beschlag nehmen
Synonymgruppe
(sich) einverleiben · (sich) gütlich tun (an) · (sich) zu Gemüte führen · Nahrung aufnehmen · essen · speisen · verkosten · verschmausen · verspeisen · zu Munde führen  ●  (etwas) zwischen die Kiemen bekommen  ugs. · Essen fassen  ugs. · einnehmen (Mahlzeit)  geh. · fressen  derb · futtern  ugs. · in sich hineinschaufeln  ugs. · mampfen  ugs. · spachteln  ugs. · verdrücken  ugs. · vernaschen  ugs. · verputzen  ugs. · verspachteln  ugs. · weghauen  ugs. · wegputzen  ugs. · wegspachteln  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) einverleiben · (sich) widerrechtlich aneignen · widerrechtlich erobern  ●  (sich) unter den Nagel reißen  ugs. · usurpieren  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
(seinem Unternehmen) einverleiben · (seinen Besitztümern) hinzufügen · (sich) aneignen · übernehmen  ●  (sich) unter den Nagel reißen  ugs. · schlucken  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) (ungerechtfertigterweise) aneignen · (sich) einverleiben · (ungerechtfertigterweise) in seinen Besitz bringen · an sich bringen · an sich nehmen · einheimsen · erbeuten · erjagen · zugespielt bekommen  ●  (sich) zueignen  juristisch · kapern  fig. · (sich an etwas) gesund stoßen  ugs. · (sich) an Land ziehen  ugs. · (sich) grabschen  ugs. · (sich) greifen  ugs. · (sich) gönnen  ugs. · (sich) krallen  ugs. · (sich) reinpfeifen  ugs. · (sich) reinziehen  ugs. · (sich) schnappen  ugs. · (sich) unter den Nagel reißen  ugs. · abgreifen  ugs. · absahnen  ugs. · abstauben (u.a. Sport)  ugs. · einsacken  ugs. · einstreichen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›einverleiben‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›einverleiben‹.

Verwendungsbeispiele für ›einverleiben‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er habe die Zeit doch gelebt, habe sie sich einverleibt. [konkret, 1988]
Ein Mann, der innerlich abgetötet wurde, versucht verzweifelt, sich Leben einzuverleiben. [Die Zeit, 08.09.2004, Nr. 37]
Sie einverleiben, was sie beobachten, und sie erschaffen es neu. [Die Zeit, 08.10.1993, Nr. 41]
Seit langem versucht die Südafrikanische Union, sich diese Gebiet einzuverleiben. [Die Zeit, 22.03.1963, Nr. 12]
Auch die entgegengesetzten Dinge durchdringen sich und werden der übergreifenden Entwicklung einverleibt. [Schmitt, Carl: Die geistesgeschichtliche Lage des heutigen Parlamentarismus, Berlin: Duncker & Humblot 1991 [1923], S. 61]
Zitationshilfe
„einverleiben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/einverleiben>.

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