elend

GrammatikAdjektiv
Wortbildung mit ›elend‹ als Letztglied: ↗hundeelend · ↗hundselend · ↗kreuzelend · ↗sterbenselend · ↗todelend
 ·  mit ›elend‹ als Grundform: ↗beelenden · ↗elendig · ↗verelenden
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
jämmerlich
a)
bedrückt durch Leid, Kummer, Unglück
Beispiele:
ein elendes Dasein, Schicksal
er ist in einer elenden Lage
elend zugrunde gehen, umkommen
jmdn. elend zugrunde richten
du wirst es nicht sein, der mich noch elender machen will [StormAquis submersus3,278]
so ging er mit an Land und duldete, was ihn elend machte, den Anblick dieses heißen nackten Lebens [I. SeidelLabyrinth139]
b)
arm, ärmlich
Beispiele:
in dieser elenden Hütte, Kate, Dachkammer
elende Baracken
ein elendes kleines Nest
er lebte in elenden Verhältnissen
elendes Schuhwerk
Man wird ihn ... mit einem elenden Ruhegehalt in Pension schicken [WerfelBernadette244]
trotz dieser elenden Versorgung wurde jede Forderung auf Erhöhung der Sozialrente ... bekämpft [Thälm.Reden1,542]
c)
krank, leidend
Beispiele:
er sieht elend aus
sie fühlte sich (tief) elend
ihm wurde immer elender (im Magen)
mir ist elend
elend dahinsiechen
sie war in einem elenden Zustande
ihr elendes Gesicht
er starb eines elenden (= schrecklichen) Todes
d)
abwertend minderwertig
Beispiele:
ein elender Stümper, Lügner, Verräter
so ein elender Kerl!
ein elendes Machwerk
das elende Pflaster
diese elenden Schräubchen können das Regal nicht halten
der Freiheit der heiligen Kirche widerstehend, gleich den elenden Capitanen Romas [le FortPapst22]
irgendein Elender setzte in diesem Augenblick seine Koffer auf Klausens Schuh [KlugeKortüm81]
Die Luft war schlecht, verbraucht, eine elende Grubenluft [Kellerm.Tunnel143]
2.
salopp, übertrieben sehr
Beispiele:
es ist heute elend heiß, kalt
ein elend langer Weg, elend scharfer Wind
das schmeckt elend gut
er hat auch dafür elend bezahlen müssen
damit ist sie elend hereingefallen
er muss sich elend anstrengen
sehr groß
Beispiele:
ich habe einen elenden Hunger
er ist ein elender Schinder
dieser elende Schlendrian!
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

elend · Elend · elendig · elendiglich · Verelendung
elend Adj. ‘bedrückt durch Not, Armut, Unglück, ärmlich, leidend’. Das zusammengesetzte Adjektiv ahd. elilenti (8. Jh.), mhd. ellende ‘aus der Fremde kommend, nicht einheimisch’, substantiviert ‘Fremdling’, ferner ‘in der Fremde lebend, (aus der angeborenen Rechtsgemeinschaft) ausgewiesen, verbannt’, substantiviert ‘Vertriebener, Verbannter’, seit dem 11. Jh. auch ‘bedürftig, unglücklich, jammervoll’, asächs. elilendi, mnd. elende, aengl. ellende ist zu dem unter ↗Land (s. d.) behandelten Wort gebildet, wie entsprechendes urnord. aljamarkiʀ ‘Fremder’ zu dem unter ↗Mark (s. d.) dargestellten. Erstes Kompositionsglied ist der Pronominalstamm germ. *alja- ‘anderer’, der als Simplex in got. aljis ‘anderer’ erhalten ist, das mit gleichbed. griech. állos (ἄλλος), lat. alius (wozu lat. aliēnus ‘fremd’) auf ie. *ali̯os ‘anderer’ (adjektivische Ableitung von einem Adverb ie. *ali ‘dort’) zurückgeht. Das Adjektiv bezeichnet demnach eigentlich ‘den, dessen (Heimat)land ein anderes ist’ als das, in dem er sich (schutzlos) aufhält. In neuerer Sprache steht elend oft im Sinne von ‘gering, schlecht’ (elender Dichter, Schurke), auch lediglich als Verstärkung ‘sehr’ (es ist elend heiß). Aus dem Adjektiv entwickelt sich das Substantiv Elend n. ‘Not, Armut, Unglück’, ahd. elilenti ‘Fremde, Aufenthalt in der Fremde (im anderen Land), Heimatlosigkeit, Verbannung’ (9. Jh.), auch ‘leidvolles Dasein’ (um 1000), mhd. ellende, asächs. elilendi, mnd. elende, aengl. ellende. Noch im 18. Jh. begegnen Verwendungen, die die alte Bedeutung ‘Fremde’ resthaft bewahren (ins Elend gehen, schicken). elendig Adj. elendiglich Adj. (meist adverbial gebraucht) ‘elend, jämmerlich’, mhd. ellendec ‘fremd, jämmerlich’. Verelendung f. nach der Theorie von Marx gesetzmäßiger Prozeß der Verschlechterung der Lebensverhältnisse der Arbeiterklasse im Kapitalismus (1867), häufig auch durch gleichbed. Verarmung, (Akkumulation von) Elend, Pauperismus ausgedrückt.

Thesaurus

Synonymgruppe
elend · ↗unwohl · ↗übel  ●  ↗hundeelend  ugs. · ↗hundsmiserabel  ugs. · ↗kotzübel  derb · ↗mulmig  ugs. · ↗speiübel  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
beklagenswert · elend · ↗elendig · ↗elendiglich · ↗erbärmlich · ↗katastrophal · ↗kläglich · ↗miserabel  ●  ↗desaströs  geh. · ↗hundserbärmlich  ugs.
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Behausung Dachkammer Dasein Geschöpf Gezerre Hütte Kaff Kreatur Lebensbedingung Lebensumstand Lehmhütte Lump Machwerk Nest Plackerei Quartier Schinderei Schuft Skribent Slum Stümper Verrecken Warterei Weibsnatur Wicht krepieren matt umkommen verhungern verrecken

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›elend‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich fühle mich elend, aber es ist meine Pflicht, zu helfen.
Bild, 11.11.1998
Aber wir tun uns elend schwer, mal selber etwas zu versuchen.
Die Zeit, 28.04.1997, Nr. 17
Solange es das Meer gab, war die Welt nicht elend.
Nadolny, Sten: Die Entdeckung der Langsamkeit, München: Piper 1983, S. 231
Ich war nicht darauf gefaßt, sie so elend zu finden.
Rinser, Luise: Mitte des Lebens, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1952 [1950], S. 284
Vorhin habe ich, auf einer elenden Bank sitzend, ein paar Stunden geschlafen.
Brief von Eugen Röcker vom 12.12.1915. In: Witkop, Philipp (Hg.), Kriegsbriefe gefallener Studenten, München: Müller 1928 [1915], S. 304
Zitationshilfe
„elend“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/elend>, abgerufen am 23.09.2019.

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